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Die Soundchronisten der Sechziger

Jöran Klatt & Katharina Rahlf | 3. November 2014

1964. Das Jahr, mit dem „68“ begann[analysiert:] Jöran Klatt und Katharina Rahlf über die zeitgeschichtliche Bedeutung von Stones und Beatles.

Sie galten als Konkurrenten. Fand man die einen gut, war das meist ein Ausschlusskriterium, die anderen ebenfalls gut finden zu können. Sie waren Antipoden und funktionierten doch ähnlich: die Rolling Stones und die Beatles. Sie sind mehr als bloße Schöpfer von Musik, so viel ist klar, verkörpern sie doch derart viel jenes Neuen, auf das die Generation ihrer Fans der ersten Stunde bis heute stolz ist. „She loves you, yeah, yeah, yeah“ oder gar „(I can’t get no) Satisfaction“ – diese Statements verbinden sich für die meisten Menschen bis heute mit einem ganz bestimmten unverwechselbaren Klang.

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Tabus und Tabubrecher

Redaktion | 17. Juli 2014

[präsentiert]: Matthias Micus über die neue Ausgabe von INDES zum Thema Tabus.

Periodisch wie notorisch tauchen sie in der öffentlichen Debatte auf: Tabus. Dabei sind es vor allem professionelle Tabubrecher, wie Thilo Sarrazin, Akif Pirinçci oder jüngst die AfD, welche – je nach Ansicht: echte oder vermeintliche – Tabus plakativ bennen und zu brechen versuchen. Was Tabus eigentlich sind, wo sie heute noch existieren und welche Bedeutung sie in der politischen Kommunikation haben, behandelt die neue Ausgabe von INDES, welche Matthias Micus vorstellt.

Video: Hanna Feesche, David Osterkorn & Alex Hensel

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Der Druck der Straße

Teresa Nentwig | 1. Juli 2014

[analysiert:] Teresa Nentwig über die Proteste gegen gesellschaftspolitische Reformen in Frankreich.

Am 13. Januar 2013 kam es in Frankreich zur größten Kundgebung seit 1984. An diesem Tag demonstrierten in Paris zwischen 340.000 (laut Polizeipräfektur) und 1.000.000 (laut Organisatoren) Menschen gegen die „Homo-Ehe“. Die Beratung des entsprechenden Gesetzentwurfes im Parlament stand damals kurz bevor; die Gegner wollten deshalb noch einmal all ihre Kräfte mobilisieren. So kamen die Demonstranten nicht nur aus Paris, sondern reisten mit Omnibussen und Sonderzügen aus ganz Frankreich an. Weitere Proteste folgten in den Wochen danach. Sie gingen unter dem Namen Manif pour tous (‚Demo für alle‘) in die Geschichte ein. Am Ende gelang es den Gegnern der „Ehe für alle“ aber nicht, die Regierung von ihrem Projekt abzubringen – seit Ende Mai 2013 dürfen Schwule und Lesben nicht nur heiraten, sondern auch Kinder adoptieren.

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Künder des Kommenden?

Matthias Micus | 13. März 2014

[analysiert]: Matthias Micus zu den anstehenden Kommunalwahlen in Bayern.

In Bayern finden am Wochenende Kommunalwahlen statt. Die Bitte, dazu etwas zu schreiben, ließ mich zunächst ratlos zurück. Denn was lässt sich schon darüber schreiben, wo sich Stoff für Interpretationen finden, verallgemeinerbare zumal, die nicht an den Landesgrenzen halt machen, wenn sie überhaupt so weit reichen? Gilt doch als Binsenweisheit, dass bei Urnengängen in Gemeinden, Städten und Landkreisen vor allem die lokalen Verhältnisse und Befindlichkeiten den Ausschlag geben und – mit den Worten des Passauer Politikwissenschaftlers Heinrich Oberreuter – „überregionale Themen keine große Rolle spielen“[1].

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Das Monster von unten

Jöran Klatt | 6. März 2014

[analysiert]: Jöran Klatt über die gesellschaftliche Funktion von Monster-Filmen.

Dieses Monster ist wohl nicht totzukriegen. Im Mai 2014 startet ein zweiter Versuch Hollywoods, dem König aller Ungeheuer gerecht zu werden: Godzilla. Man darf diese Kreatur wahrlich nicht unterschätzen, denn in ihrer langen Geschichte hat sie einiges vollbracht. In ihrem Heimatland ist die japanische Riesenechse längst ein nationaler Mythos, der bei der Verabeitung eines kollektiven Traumas eine zentrale Rolle spielte: Erwacht als Nebenwirkung nuklearer Strahlung wurde sie ein wahrer Star – auch international. Denn in den USA, dem Land der „Importweltmeister“, versucht man sich nicht zum ersten Mal an der weltberühmten Echse. Doch wie kommt es nun dazu, dass gerade dieses Ungetüm immer wieder seinen Weg auf die Leinwand findet? Zudem: Inwiefern lassen sich die verschiedenen „Godzilla“-Interpretationen, lassen sich „Monsterfilme“ generell als Verarbeitungsversuche nationaler Traumata und insofern als Werke mit sozialen und politischen Funktionen deuten?

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Island – Ungewöhnliche Reaktionen auf die Krise

Julia Tiemann | 4. Februar 2014

[analysiert]: Julia Tiemann über die politische Kultur in Island.

Er hat einen Busführerschein, Arbeitserfahrung in der Psychiatrie und wäre fast Kapitän geworden – für Jón Gnarr, den amtierenden Bürgermeister von Islands Hauptstadt Reykjavík, sind dies ideale Voraussetzungen für seinen Job.[1] Mit Forderungen nach freien Handtüchern in öffentlichen Schwimmbädern, einem Eisbär im Stadtzoo und einem drogenfreien Parlament bis 2020 machte die kurz vorher gegründete Beste Partei (isl. Besti Flokkurinn) im Wahlkampf um das Bürgermeisteramt 2010 auf sich aufmerksam. Tatsächlich bekam die Beste Partei die Mehrheit der Wählerstimmen und zog zusammen mit der Sozialdemokratischen Allianz (isl. Samfylkingin) ins Rathaus ein. Da Reykjavík sowohl bezogen auf die Einwohnerzahl als auch auf das politische, wirtschaftliche und kulturelle Geschehen als Zentrum des Landes gilt, haben die selbsternannten Anarcho-Surrealisten die politische Kultur Islands auch über die Grenzen der Hauptstadt hinaus nachhaltig verändert.

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Perspektivlos mit offener Zukunft

Stephan Klecha | 28. Januar 2014

[analysiert]: Stephan Klecha über aktuelle Potenziale der Piratenpartei

Abgesänge auf die Piratenpartei sind mittlerweile publizistisches Gemeingut geworden, die Krisen der Piraten konstant. Dies zeigte sich abermals bei der Aufstellung der Kandidaten zur Europawahl Anfang des Jahres: Statt in zwei Tagen eine politische Botschaft zu verbreiten, verloren sich die Piraten wie üblich in endlosen Debatten um schwer zu durchdringende Wahlverfahren sowie in ebenso endlosen wie weitgehend nichtssagenden Kandidatenvorstellungen. Die Versammlung beschwor sich ausgiebig als Parteibasis, dabei hatten sich gerade einmal rund 700 der bundesweit 30.000 Piraten nach Bochum aufgemacht. Die Beteiligung war damit kaum höher als bei Parteitagen der etablierten Parteien. Zugleich war und ist die Repräsentativität bei den Piraten schlechter, allein eine regional sehr ungleich verteilte Zeit- und Geldelite übernimmt die Kandidatenauswahl und Programmberatung.

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Plädoyer für das Vergessen?

Bonnie Pülm | 28. November 2013

[kommentiert]: Bonnie Pülm über den Göttinger Streit um Straßennamen

Straßennamen, die an historische Persönlichkeiten erinnern, sind deutschlandweit wiederkehrend Gegenstand von Diskussionen. Dabei geraten sie zumeist erst dann in den Fokus des Interesses, wenn öffentlich Bedenken über ihre Angemessenheit geäußert und über eine mögliche Umbenennung debattiert wird. Jüngst hat die Stadt Hannover beschlossen, die Namenspatrone von 400 Straßen auf etwaige nationalsozialistische Verstrickungen durch Historiker überprüfen zu lassen. Auch in Göttingen wurde diese Diskussion im Zusammenhang mit der Heinrich-Sohnrey-Straße wieder angestoßen,[1] nachdem seitens der Universität durch eine Forschergruppe die Ehrwürdigkeit Sohnreys in Frage gestellt wurde. Hinter diesen Diskussionen steht jedoch viel mehr als nur eine Entscheidung über Würdigkeit und Unwürdigkeit einzelner Personen, nämlich die Frage, ob wir Straßennamen als Teil unserer Geschichtskultur begreifen wollen und wenn ja, wie wir damit angemessen umgehen.

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Grenzverschiebung des Politischen

Daniel Albrecht | 12. November 2013

[analysiert]: Daniel Albrecht über Gewissensentscheidungen von Politikern bei  Grundfragen des Lebens.

Im Sommer 2010 konnte man bei der sehr leidenschaftlich geführten biopolitischen Debatte, die sich an einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts entzündete,[1] Folgendes beobachten: Seite an Seite argumentierten Abgeordnete von CDU/CSU, SPD, den Grünen und der Linkspartei für ein gänzliches Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID), die die Erkennung von Erbkrankheiten möglich macht. Die Gruppe warnte vor den möglicherweise dramatischen Folgen der Technologie, weil sie einen prinzipiellen Selektionsgedanken in sich trage und eine Entscheidung darüber beinhalte, welches Leben es wert sei, gelebt zu werden. Auf der anderen Seite wehrte sich eine ebenso „bunte“ Koalition gegen diesen Vorwurf der Euthanasie und stellte Leidensgeschichten von Eltern in den Vordergrund, die vor der Entscheidung stehen, ein möglicherweise schwer erkranktes Kind zur Welt zu bringen.[2]

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Der Kaiman beißt sich fest

Bastian Brandau | 7. November 2013

[analysiert]: Bastian Brandau über das politische System Italiens mit einem geschwächten Silvio Berlusconi.

Silvio Berlusconi hat viele Spitznamen und Titel – einer davon ist gerade akut in Gefahr. Den ihm einst verliehenen Orden des Cavaliere del lavoro – Ritter der Arbeit – könnte er durch seine Verurteilung wegen Steuerbetrugs verlieren. Dieser mögliche Entzug – der zuständige Minister hat sich in dieser Hinsicht noch nicht entschieden[1] – ist aber die bisher einzige greifbare Konsequenz aus dem Urteilsspruch gegen Berlusconi, der Anfang August endgültig wirksam wurde. Da bestätigte das Mailänder Kassationsgericht die Verurteilung wegen Steuerbetrug zu vier Jahren Haft. Kommentatoren fragten sich schon: Sind wir bereit für ein Leben ohne Berlusconi?[2] Dabei stellt sich diese Frage derzeit gar nicht.

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