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Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt

Stine Marg | 16. Mai 2012 | Keine Leserbriefe

[präsentiert]: Stine Marg über einige Bücher zum Thema Bürgerprotest in der Bundesrepublik.

Seit dem heißen Stuttgarter Sommer des Jahres 2010 meint man, dass in Deutschland Proteste aller Art zugenommen hätten. Einige gehen sogar noch weiter und sprechen von einer neuen „Protestbewegung“, die seit zwei Jahren die vormals friedliche Bundesrepublik überrolle und teilweise sogar den demokratischen Grundkonsens in Frage stelle. Nun sind nicht nur die Beteiligten der Proteste gegen Fluglärm und Bahnhofsumbau, die Demonstranten gegen Zensur und für Freiheit im Internet, die Camper, die auf die Fehlentwicklung im Finanzsystem hinweisen, oder die Anwohner, die sich gegen den Bau von Stromtrassen und Windräder wehren, bilden ein höchst heterogenes Feld. Auch die Formen dieser „neuen Bürgerproteste“ sind mindestens ebenso vielfältig und reichen von den klassischen Demonstrationen und Petitionen über das Lahmlegen von Internetseiten bis hin zu zahlenmäßig kleinen Bürgerinitiativen, die medial sehr gut auf sich und ihre Anliegen aufmerksam zu machen wissen.

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Von Frustration keine Spur

Johanna Klatt | 14. Mai 2012 | Keine Leserbriefe

[präsentiert]: Johanna Klatt über unser Projekt “Kinderdemokratie”, das aktuelle Forschung mit demokratiepolitischer Frühförderung verbindet.

Eine Horde Achtjähriger zieht, mit bunten Schildern bewaffnet, skandierend die Treppen unseres Forschungsinstituts hinauf: »Wir wollen die Umgehungsstraße! Ja, zur Umgehungsstraße!« Von Trillerpfeifen und lautem Lachen begleitetes Stampfen kleiner Kinderturnschuhe hallt durch die Büroräume. Natürlich ist den vom Protestlärm der Kinder überrumpelten Mitarbeiter/innen bewusst: Die politische Partizipation hat sich hierzulande von den Parteien weg und hin auf die Straße verlagert.[1] Aber dass sich diese neue politische Beteiligung nun zwischen den eigenen vier Bürowänden abspielt und es sich bei den Protagonisten noch dazu um Grundschüler/innen handelt, überrascht den ein oder anderen dann doch. Was hat es also mit dieser Kleindemonstration auf sich?

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Göttinger Köpfe

Robert Lorenz | 7. Mai 2012 | Keine Leserbriefe

[präsentiert]: Franz Walter führt in die „Göttinger Köpfe“ ein.

Die Universitätsstadt Göttingen wirkte wie ein Magnet auf die großen Köpfe des 20. Jahrhunderts. In dem Band „Göttinger Köpfe“ erzählen gute zwei Dutzend biographische Essays lebendig und anschaulich über all jene Historiker, Naturwissenschaftler, Philosophen, Juristen, Politiker und Aktivisten, die im vergangenen Jahrhundert mit Göttingen verbunden waren und die über ihre genuine wissenschaftliche Leistung hinaus Einfluss auf die politische Kultur unseres Landes nahmen. Franz Walter sucht nach Gemeinsamkeiten in dieser Galerie unterschiedlicher Charaktere.

Technik & Redaktion: Severin Caspari und Christoph Hoeft.

Franz Walter ist Direktor des Göttinger Instituts für Demokratieforschung. Gemeinsam mit Stine Marg ist er Herausgeber der „Göttinger Köpfe und ihr Wirken in die Welt“, kürzlich erschienen bei Vandenhoeck & Ruprecht.

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Die Neo-Moslems betreten die gesellschaftliche Bühne

Severin Caspari | 27. April 2012 | Keine Leserbriefe

[präsentiert]: Severin Caspari liest “Neo-Moslems. Porträt einer deutschen Generation” und ergänzt es um einige Gedanken der Entstehung dieser Generation.

Das Reden über Generationen hat in Deutschland Tradition. Ob „68er“ oder „Generation Golf“, immer wieder konnten sich Generationslabels im kollektiven Gedächtnis der Deutschen festsetzen. Gut fünfzig Jahre nach Abschluss des Deutsch-Türkischen Anwerbeabkommens, durch das erstmals Muslime in großer Zahl nach Deutschland kamen, erscheint es daher nur konsequent, wenn der Journalist Eren Güvercin das erste deutsch-muslimische Generationsporträt vorlegt. Wie viele andere Porträtisten vor ihm unternimmt er darin den Versuch, Einstellung und Lebensgefühl seiner Altersgenossen auf den Punkt zu bringen. Er beschreibt allerdings nicht einfach nur das, was er um sich herum wahrnimmt, sondern macht vielmehr ein Identitätsangebot für eine Generation junger deutscher Muslime.

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Generation unter Druck

Alex Hensel | 23. April 2012 | Keine Leserbriefe

[präsentiert]: David Bebnowski über den Generationsbegriff und die “Generation Praktikum”

Mit einiger Regelmäßigkeit prägen Journalisten und Autoren neue Generationslabel. Ob Generation Golf oder Praktikum, Generation Umhängetasche, Porno oder Facebook – der Generationsbegriff scheint kaum Grenzen zu setzen. Doch worin gründet die inflationäre Popularität des Generationsbegriffs und wie kann dieser noch sinnvoll eingesetzt werden? David Bebnowski verteidigt die sozialwissenschaftliche Generationsforschung und analysiert die “Generation Praktikum”.

Technik & Redaktion: Severin Caspari, Alex Hensel, Christoph Hoeft.

David Bebnowski ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Göttinger Institut für Demokratieforschung. Er ist Autor des Buches “Generation und Geltung. Von den »45ern« zur »Generation Praktikum« – übersehene und etablierte Generationen im Vergleich”, just erschienen im Transcript-Verlag.

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Gefährliche Experten – die Göttinger Achtzehn

Robert Lorenz | 10. April 2012 | Keine Leserbriefe

[präsentiert]:  Robert Lorenz  über die Göttinger Erklärung und ihre Rolle in der deutschen Wahrnehmung der Atomkraft.

Die junge Geschichte der Kernkraftwerke verzeichnet bereits eine ganze Serie von katastrophalen Störfällen – Windscale/Sellafield (UK, 1957), Belojarsk (UdSSR, 1977), Harrisburg (USA, 1979) und die beiden bislang schlimmsten wie auch bekanntesten Fälle Tschernobyl (UdSSR, 1986) und Fukushima (Japan, 2011). Während die früheren Vorfälle die Überzeugungskraft und Strukturen der Atomkraftbefürworter, die der Enthusiasmus der Propheten des Atomzeitalters in den 1950er und 1960er Jahren geschaffen hatte, nicht zu überwinden vermochten, sorgte die japanische Katastrophe doch noch für eine Wende. Dass es erst jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, einen Anti-Atomkonsens in der deutschen Politik – und wohl mehrheitlich auch in der Bevölkerung – gibt, obwohl doch die Sicherheitslage in der Vergangenheit kaum besser gewesen sein dürfte, beruht auf der politischen und wirtschaftlichen Durchsetzungskraft eines Kartells aus Politikern, Wissenschaftlern und Wirtschaftskapitänen, das sich in den 1950er Jahren gebildet hatte.

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Glaubensbekenntnis Transparenz

Christopher Schmitz | 5. April 2012 | Keine Leserbriefe

[präsentiert]: Christopher Schmitz ordnet das Buch “Transparenzgesellschaft” in den aktuellen Diskurs ein.

Obgleich es weder unter den Wörtern noch den Unwörtern der letzten Jahre zu finden war, setzen sich sowohl das Wort als auch das Prinzip der Transparenz im zunehmenden Maße in unserer alltäglichen Begriffs-, Lebens- und Umwelt fest. Immerhin: Im Jahr 2010 landete „Wikileaks“ auf Platz fünf der Wörter des Jahres. Aus der Pressemitteilung der Gesellschaft für deutsche Sprache dazu heißt es: Wikileaks sei „eine Internetplattform, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, geheime oder zensierte Dokumente von öffentlichem Interesse zugänglich zu machen.“ Darüber hinaus lassen Initiativen wie Abgeordnetenwatch, Bewegungen wie Post-Privacy und der zunehmende Erfolg der Piratenpartei, die sich u. a. der Transparenz verschrieben hat, erahnen, dass sich „Transparenz“ als neues Leitmotiv im gesellschaftlichen Denken festsetzen könnte. Und auch die die Wissenschaft beschäftigt dieses Thema, wie das hochaktuelle Buch „Transparenzgesellschaft“ (März 2012) von Byung-Chul Han beweist.

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Generationswechsel in einer alternden Partei

Jonas Rugenstein | 21. März 2012 | Keine Leserbriefe

Parteien an der Basis (5): Die Linke

[präsentiert]: Jonas Rugenstein über das Sommerfest der Linken in Potsdam

Die Linke in Potsdam hat zum 22. Mal zum Sommerfest geladen. Neben dem 1. Mai ist dieser Anlass für die Parteibasis der wichtigste Termin im Jahr und einer, an dem sich der Zustand der Partei gut ablesen lässt. Die Bierbänke vor der großen Bühne, auf der den ganzen Tag über ein buntes Kulturprogramm abläuft, sind gut gefüllt. Hier zeigt sich, wie stark die Basis der Linken in der brandenburgischen Hauptstadt ist, wo die Linke – egal ob Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahl – regelmäßig an die 30 Prozent der Stimmen erreichen kann. Bei den Bundestagswahlen 2009 war die Linke stärkste Partei. Sie ist hier keine Nischenpartei, die nur ein Thema besetzt, sondern hat tatsächlich so etwas wie den Charakter einer in breite Kreise der Gesellschaft hineinreichenden Volkspartei, der ihr im Osten zuweilen auch zugeschrieben wird. Das zeigt sich allein schon daran, dass in einer Reihe neben Bücherständen mit Biographien linker Ikonen auch der parteinahe Wirtschaftsverband von kleinen und mittelständischen Unternehmern, Freiberuflern und Selbstständigen für sich wirbt.

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Mehr Sterbefälle als Neueintritte

Sebastian Kohlmann | 14. März 2012 | Keine Leserbriefe

Parteien an der Basis (4): Die SPD

[präsentiert]: Sebastian Kohlmann über den SPD-Ortsverein Nette in Dortmund

Die Stimmung ist nicht überschwänglich. Die Wahlniederlage der Bundestagswahl 2009 noch nicht verdaut. Die Befürchtung einer Abrechnung mit Franz Müntefering oder Frank-Walter Steinmeier liegt in der Luft. Sie bleibt aus. Stattdessen hält der designierte Parteivorsitzende Sigmar Gabriel eine Rede über die Grundzüge der Sozialdemokratie – und was sich ändern muss. Eine bleibende und immer wieder zitierte Aussage lautet: „Wir müssen raus ins Leben, dahin, wo es laut ist, dahin, wo es brodelt, dahin, wo es manchmal riecht, gelegentlich auch stinkt.“[1] Nur wenig später ruft Gabriel in Bezug auf die Kommunalpolitiker der Partei einen Satz in den Saal, der weit weniger zitiert wird, schon wieder vergessen, gleichwohl viel interessanter ist: „Wir müssen die Kommunen wieder stärker in die Meinungsbildung der SPD einbeziehen.“[2]

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Erfolg ohne Stützpfeiler

Christian Werwath | 12. März 2012 | Keine Leserbriefe

Parteien an der Basis (3): Die FDP

[präsentiert]: Christian Werwath berichtet vom Sommerfest der FDP Rottweil.

Jenseits der durchgestylten Berliner Führungskräfte findet sich oftmals eine ganz andere FDP. Vielen Mitgliedern ist die Bonner Republik mit Genscher und Brüderle immer noch näher als das moderne Gebaren mit Maßanzug und Lackschuh. Sicht- und Fühlbar ist dies in einer Scheune in einem kleinen Ort im ländlich geprägten Landkreis Rottweil südlich von Stuttgart. Hier haben sich etwa 10 Personen eingefunden, die mit blau-gelben Fahnen, ein paar Bierbankgarnituren, einem Grillbuffet und weißen Tischdecken den Raum eingerichtet und ihm den Flair eines Parteisommerfestes gegeben haben. Die Anwesenden pflegen in Sprache, Aussehen und Lebensstil augenscheinlich ein anderes Verständnis von Politik, als ihre Parteispitze. In der Tat können sie dem Auftreten der neuen Parteiführung  um Rösler nur wenig abgewinnen – elitär nennen sie es. Aber auch mit Guido Westerwelle hatte man Akzeptanzschwierigkeiten: Er war zu laut, zu schrill, zu engstirnig. Allerdings feierte Westerwelle Erfolge, die auch auf den Rottweiler Kreisverband ausstrahlten. Das half über den ungeliebten Duktus hinwegzusehen. Bei der Bundestagswahl 2009 wurde die FDP in Rottweil mit 21,9 Prozent der Zweitstimmen zur Wählerhochburg der gesamten Bundespartei. Der Kreisverband erzielte das beste Ergebnis seiner Geschichte. Seit etwa 10 bis 15 Jahren hatten die Rottweiler Liberalen kontinuierlich neue Wähler hinzugewonnen. Zur Baden-Württembergischen Landtagswahl 2011 stürzten sie jäh ab. Plötzlich war man wieder dort angekommen, wo der Siegeszug einst begonnen hatte: im Durchschnitt bei etwa fünf bis sieben Prozent der Stimmen, in einigen Orten sogar deutlich darunter.[1]

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