Das Reden über Generationen hat in Deutschland Tradition. Ob „68er“ oder „Generation Golf“, immer wieder konnten sich Generationslabels im kollektiven Gedächtnis der Deutschen festsetzen. Gut fünfzig Jahre nach Abschluss des Deutsch-Türkischen Anwerbeabkommens, durch das erstmals Muslime in großer Zahl nach Deutschland kamen, erscheint es daher nur konsequent, wenn der Journalist Eren Güvercin das erste deutsch-muslimische Generationsporträt vorlegt. Wie viele andere Porträtisten vor ihm unternimmt er darin den Versuch, Einstellung und Lebensgefühl seiner Altersgenossen auf den Punkt zu bringen. Er beschreibt allerdings nicht einfach nur das, was er um sich herum wahrnimmt, sondern macht vielmehr ein Identitätsangebot für eine Generation junger deutscher Muslime.
→ weiter lesenDer Chaos Computer Club (CCC) gilt heute als eine der wichtigsten zivilgesellschaftlichen Organisationen im Bereich der Netzpolitik. Gegründet wurde der CCC allgerdings lange vor der Verbreitung des Internets. Mitbegründer Klaus Schleisiek (alias Tom Twiddlebit) skizziert im Interview mit “Unter der Lupe” die Geschichte und Entwicklung des Clubs vom BTX-Hack bis in die Gegenwart.
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→ weiter lesenMit einiger Regelmäßigkeit prägen Journalisten und Autoren neue Generationslabel. Ob Generation Golf oder Praktikum, Generation Umhängetasche, Porno oder Facebook – der Generationsbegriff scheint kaum Grenzen zu setzen. Doch worin gründet die inflationäre Popularität des Generationsbegriffs und wie kann dieser noch sinnvoll eingesetzt werden? David Bebnowski verteidigt die sozialwissenschaftliche Generationsforschung und analysiert die “Generation Praktikum”.
Technik & Redaktion: Severin Caspari, Alex Hensel, Christoph Hoeft.
David Bebnowski ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Göttinger Institut für Demokratieforschung. Er ist Autor des Buches “Generation und Geltung. Von den »45ern« zur »Generation Praktikum« – übersehene und etablierte Generationen im Vergleich”, just erschienen im Transcript-Verlag.

Im Jahr 1912 befindet sich Minna Specht in einer persönlichen Krise. Ihre Gefühlslage, die sie selbst als „hilflos und hoffnungslos“ beschreibt, manifestiert sich in einem physischen Leiden. Die damals 32-jährige Lehrerin scheint unter einer Sinnkrise zu leiden, die mit dem Eindruck der wissenschaftlichen Unzulänglichkeit und dem Wunsch nach persönlicher Vervollkommnung zusammenhängt. Trotz abgeschlossenen Studiums der Geschichte, Geographie und Philosophie wird sie immer noch von dem Gefühl getrieben, zu tiefergehender Erkenntnis kommen zu wollen, einen eigenen politischen Standpunkt zu entwickeln und eine exakte Wissenschaft zu erlernen. Dieser Wunsch führt Minna Specht ein zweites Mal – sie hatte auch ihr erstes Studium hier absolviert – nach Göttingen, um Mathematik zu studieren.
→ weiter lesenEs wirkt wie ein Abstiegskampf in Reinform: Über zwei Parteien – FDP und DIE LINKE – schwebt das Damoklesschwert des politischen Aus. Und auch wenn die beiden Kleinparteien auf den ersten Blick ungleicher nicht sein können, haben sie zum Teil mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Vor allem die Sogkräfte des allgemeinen Mitte-Konsenses machen ihnen zu schaffen – dieser Trend zeichnete sich jedoch bereits seit längerem ab. Wie also gerieten beide Parteien in diese absehbare Krise, was ist bei beiden ähnlich, was unterschiedlich und: Wie geht es weiter?
→ weiter lesenWie verändert das Internet Politik, Parteien und Zivilgesellschaft? Der Politikwissenschaftler Christoph Bieber berichtet im Interview mit “Unter der Lupe” über ältere und neuere politische Webexperimente, analysiert den Erfolg der Piratenpartei und die Reaktionen der etablierten Parteien auf die Herausforderungen im Netz.
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→ weiter lesen[gastbeitrag]: Saskia Richter vergleicht die frühen Grünen mit der Piratenpartei.
Seit der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses im September 2011 ziehen die Piraten in die deutschen Parlamente ein. Transparent wollen sie sein, jedem Bürger einen Einblick in die Abstimmungsprozesse gestatten und ihn zur Teilhabe anregen. Ihre Positionen zu Bürgerrechten und Bildungspolitik bleiben flexibel, sie sollen immer wieder neu bestimmt werden.
Die junge Geschichte der Kernkraftwerke verzeichnet bereits eine ganze Serie von katastrophalen Störfällen – Windscale/Sellafield (UK, 1957), Belojarsk (UdSSR, 1977), Harrisburg (USA, 1979) und die beiden bislang schlimmsten wie auch bekanntesten Fälle Tschernobyl (UdSSR, 1986) und Fukushima (Japan, 2011). Während die früheren Vorfälle die Überzeugungskraft und Strukturen der Atomkraftbefürworter, die der Enthusiasmus der Propheten des Atomzeitalters in den 1950er und 1960er Jahren geschaffen hatte, nicht zu überwinden vermochten, sorgte die japanische Katastrophe doch noch für eine Wende. Dass es erst jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, einen Anti-Atomkonsens in der deutschen Politik – und wohl mehrheitlich auch in der Bevölkerung – gibt, obwohl doch die Sicherheitslage in der Vergangenheit kaum besser gewesen sein dürfte, beruht auf der politischen und wirtschaftlichen Durchsetzungskraft eines Kartells aus Politikern, Wissenschaftlern und Wirtschaftskapitänen, das sich in den 1950er Jahren gebildet hatte.
Obgleich es weder unter den Wörtern noch den Unwörtern der letzten Jahre zu finden war, setzen sich sowohl das Wort als auch das Prinzip der Transparenz im zunehmenden Maße in unserer alltäglichen Begriffs-, Lebens- und Umwelt fest. Immerhin: Im Jahr 2010 landete „Wikileaks“ auf Platz fünf der Wörter des Jahres. Aus der Pressemitteilung der Gesellschaft für deutsche Sprache dazu heißt es: Wikileaks sei „eine Internetplattform, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, geheime oder zensierte Dokumente von öffentlichem Interesse zugänglich zu machen.“ Darüber hinaus lassen Initiativen wie Abgeordnetenwatch, Bewegungen wie Post-Privacy und der zunehmende Erfolg der Piratenpartei, die sich u. a. der Transparenz verschrieben hat, erahnen, dass sich „Transparenz“ als neues Leitmotiv im gesellschaftlichen Denken festsetzen könnte. Und auch die die Wissenschaft beschäftigt dieses Thema, wie das hochaktuelle Buch „Transparenzgesellschaft“ (März 2012) von Byung-Chul Han beweist.
[analysiert]: Die politische Apathie der Endzwanziger in Deutschland.
Während die junge Generation in anderen Staaten Europas während der vergangenen zwei Jahre zornig gegen die etablierte Politik auf die Straße zog, übt sich ihr deutsches Pendant bis heute in bedächtiger Zurückhaltung. Hierzulande, so scheint es, führt man anstelle selbst etwas zu unternehmen erwartungsvolle Debatten über einen Bundespräsidenten, der die drängenden Probleme der Prekarität kaum adäquat behandeln wird. Insbesondere die in den 1980er Jahren Geborenen, zu denen auch der Autor gehört, bleiben merkwürdig still. Dabei gehört diese Generation schon aufgrund ihres Alters notgedrungen zu den Mitgestaltern des 21. Jahrhunderts. Grund genug für einen Erklärungsversuch.