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Zeitgemäße 80er: Die Netflix-Serie „Stranger Things“

Jöran Klatt | 5. Februar 2018

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[analysiert]: Jöran Klatt über die Netflix-Serie „Stranger Things“

November 1983, in der fiktiven Kleinstadt Hawkins, Indiana: Der zwölfjährige Will Byers ist verschwunden. Die Polizei, seine Familie und Freunde sowie zahlreiche Bewohner_innen von Hawkins machen sich auf die Suche, aber von Byers ist keine Spur zu finden. Könnte das mysteriöse Hawkins-Laboratorium etwas mit dem Verschwinden des Jungen zu tun haben? So beginnt die Geschichte von „Stranger Things“, einer Eigenproduktion des Streamingdienstes Netflix. Geschaffen wurde sie von den Zwillingsbrüdern Matt und Ross Duffer. Die erfolgreiche Serie bespielt geschickt den Zeitgeist – und zwar nicht nur der 1980er Jahre, sondern auch unserer Gegenwart.

Der Erfolg der Serie wird oftmals damit erklärt, dass sie uns auf angenehme Art und Weise in die Welt der 1980er Jahre entführe – dass der Erfolg also in einem derzeit allgemein populären Retrotrend begründet liege. Zweifellos: In vielen popkulturellen Erscheinungen dieser Tage wird versucht, die 1980er Jahre wiederaufzuerstehen zu lassen. So auch in „Stranger Things“. Die Generation der in den Siebzigern und Achtzigern Geborenen, zu der auch Matt und Ross Duffer selbst gehören, ist nun erwachsen und blickt nostalgisch auf die eigene Kindheit zurück. Allein die Präsenz von typischen Frisuren der Achtziger und Neunziger, die Erinnerung an heißgeliebte Filme, Spielzeuge jener Jahrzehnte usw. scheinen heutzutage eine Art kulturindustrielle Generationen-Dienstleistung zu sein. Wenig verwunderlich also, dass die Hauptfiguren der Serie selbst Kinder sind – Wills Freunde. Mit ihnen erleben wir die Ereignisse in Hawkins und ihre Versuche, den Verbleib des Jungen aufzuklären.

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Seit sieben Jahren im Chefsessel des Front National

Anne-Kathrin Meinhardt | 20. Januar 2018

[analysiert]: Anne-Kathrin Meinhardt zur politischen Karriere Marine Le Pens.

Kürzlich, im Januar 2018, fand der Jahrestag ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden zum siebten Mal statt: Seit dem 15. Januar 2011 ist Marine Le Pen Chefin des französischen Front National (FN). Als historisch erst zweite Person an der Parteispitze hatte sie ihren Vater, den Parteigründer Jean-Marie Le Pen, per Wahl abgelöst. Grund genug, genauer hinzusehen: Wie hat Marine Le Pen es geschafft, den Chefsessel zu erklimmen und dort bis heute zu bleiben?

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„Der Iranische Frühling wird kommen“ (Teil 2)

Behrouz Khosrozadeh | 16. Januar 2018

[nachgefragt]: Ein Interview mit Behrouz Khosrozadeh über die derzeitigen Proteste im Iran.

Der erste Abschnitt des Interviews, in dem Orte, Motive, Akteure und Protestformen zur Sprache kamen ist hier zu lesen.

Daran anschließend: Inwiefern sind die derzeitigen Proteste somit ein Erbe oder eine Weiterentwicklung der Grünen Bewegung? Oder aber handelt es sich Ihrer Ansicht um ein neues Phänomen, das man nicht so einfach in diese Traditionslinie stellen kann?

Die gegenwärtigen Proteste sind schon ein neues Phänomen. Die Demonstrationen von 2009 richteten sich gar nicht gegen die sogenannten Reformer; ihre Anführer waren frühere Vertreter des Regimes wie Ex-Premier Mir-Hossein Moussavi und Ex-Parlamentspräsident Mehdi Karrubi, die heute immer noch unter Arrest stehen. Kein Mensch hat momentan ihre Freilassung skandiert. Die Slogans waren nicht gegen die Spitze des Regimes und Ayatollah Khamenei gerichtet. Der Hauptslogan 2009 lautete: „Wo ist meine Stimme?“. Heute geht es buchstäblich um die Abschaffung der Islamischen Republik. Die weitverbreiteten Parolen belegen das: „Tod dem Diktator“, „Tod Rohani“, „Tod Khamenei“. Dass nicht selten auch mit dem Schah-Regime sympathisierende Slogans ausgerufen wurden, knapp vierzig Jahre nach Abschaffung der Monarchie, ist ein totales Armutszeugnis für die Islamische Republik. Das gesamte Regime, sowohl die Konservativen und Hardliner als auch die Reformer, hat die Geduld der Iraner zu sehr strapaziert. Hassan Rohanis erneute Wahl zum Präsidenten des Iran war die letzte Chance für die Reformer, ihrem vermeintlichen Hauptanliegen – ökonomischen und politischen Reformen – Glaubwürdigkeit zu verleihen.

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„Der Iranische Frühling wird kommen“ (Teil 1)

Behrouz Khosrozadeh | 12. Januar 2018

[nachgefragt]: Ein Interview mit Behrouz Khosrozadeh über die derzeitigen Proteste im Iran.

Im Unterschied zu vielen anderen Protesten und gesellschaftlichen Unruhen haben die Demonstrationen dieses Mal ihren Ausgang gerade nicht in der Hauptstadt genommen, sondern sich an anderen Orten entwickelt und sich von dort – auch über Kleinstädte und eher ländliche Gegenden – in die Metropole Teheran ausgebreitet. Wie ist dieser regional eher untypische Protestverlauf zu erklären?

Begonnen haben die Proteste am 28. Dezember 2017 in Mashhad, einer Stadt im Nordosten des Iran. Dort ist der achte schiitische Imam (Imam Reza) begraben, weshalb die Stadt das Hauptpilgerziel für die Schiiten im Iran ist. Eine der reichsten Stiftungen des Landes – Astan Ghods Razavi – residiert in Mashhad und wird vom Geistlichen Ebrahim Raisi, dem Gegenkandidaten von Hassan Rohani bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 2017, geleitet. In Mashhad, der zweitgrößten Stadt des Landes, aus der auch Ayatollah Khamenei stammt, leben über eine Million Slumbewohner – ein Drittel der knapp über drei Millionen Gesamteinwohner wohnt in solchen Armutsquartieren, im Vergleich der höchste Anteil unter allen iranischen Städten. Angesichts dieser eklatanten sozialen Probleme ist es nicht verwunderlich ist, dass die Revolte in Mashhad begonnen hat.

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„Nicht alles, was herkömmlichen Vorstellungen einer ‚guten Demokratie‘ entgegensteht, ist auch gleich demokratiegefährdend.“

Katharina Trittel | 29. Dezember 2017

[nachgefragt]: Interview mit der Redakteurin und Forscherin Katharina Trittel zur Startausgabe des Demokratie-Dialog

Mit der ersten Ausgabe des Demokratie-Dialog ist nicht nur ein neues Magazin entstanden; auch eine neue Institution, FoDEx, tritt als Herausgeberin von nun an regelmäßig an die Öffentlichkeit.
Zunächst: Wofür steht, was will und was erforscht FoDEx? (Und was will FoDEx möglicherweise nicht?) Was hat den Anlass zur Gründung eines eigenen Journals gegeben und welche Erwartungen sind mit dem Demokratie-Dialog verknüpft?

Katharina Trittel (KT): FoDEx ist das Akronym der „Forschungs- und Dokumentationsstelle zur Analyse politischer und religiöser Extremismen in Niedersachsen“. Diese Stelle wurde im Zuge der Verfassungsschutzreform eingerichtet, einer Reaktion auf die gravierenden Versäumnisse der Staatsschutzbehörden im NSU-Komplex. Sie ist direkt an der Universität Göttingen angesiedelt und widmet sich drei zentralen Aufgaben:
Am Institut für Demokratieforschung sind wir erstens verantwortlich für die wissenschaftliche Untersuchung gesellschaftlicher Tendenzen und Akteure, die oftmals als „demokratiegefährdend“ bezeichnet werden, und zwar in den Bereichen Rechtsextremismus, religiöser Fundamentalismus und linke Militanz. Zweitens sammelt unser Kooperationspartner, die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek (SUB), Materialien – und das heißt bereits publizierter Texte und nicht „geheime“ Quellen –, welche u.a. vom Landesverfassungsschutz zur Archivierung bereitgestellt werden. Diese sollen aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht werden.
Drittens möchte FoDEx die aus dem Forschungsprozess gewonnenen Erkenntnisse der interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen und in die gesellschaftlichen Debatten einspeisen.

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Die Qual der Wahl bei der Liebe

[analysiert]: Pauline Höhlich über die Frage, ob ein Single heute noch einen Partner benötigt, um sich zu verlieben.

Weihnachten im Jahr 2117. Wird in dieser fernen Zukunft überhaupt noch Weihnachten gefeiert? Der Weihnachtswerbeclip der Lebensmittelkette EDEKA zeichnet eine Welt, die wie eine Mischung aus den Science-Fiction-Filmen „Blade Runner“ und „WALL-E“ daherkommt.[1] Menschen sieht man zunächst keine (sie sind vor künstlicher Intelligenz geflohen), dafür Roboter – und einer unter ihnen ist auf der Suche nach dem Weihnachtsfest. Er wird schließlich bei einer im Wald lebenden Familie fündig und darf mit ihr in behaglicher Umgebung voller Liebe und Geborgenheit feiern. Die Message des Kurzfilms: „Ohne Liebe ist es nur ein Fest“[2]. Weihnachten – das Fest der Liebe. Behält EDEKA Recht, werden – aller künstlichen Intelligenz zum Trotz – die Liebe sowie die traditionelle Kleinfamilie auch in hundert Jahren nicht ausgestorben sein.

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Die Heimatlosigkeit der Sozialdemokratie

Franz Walter | 20. Dezember 2017

[kommentiert]: Franz Walter über den langen Vorlauf der Gabriel’schen Klagen.

Zum Neujahrsfest 2000 gingen die Deutschen hochgestimmt und mit heiterem Optimismus in das neue Jahrzehnt und Jahrhundert hinein. Der sonst recht übliche Pessimismus der Deutschen hatte sich im Übergang von 1999 nach 2000 verflüchtigt. Der Fortschrittsglaube war gar zurückgekehrt, fast wie in den Zeiten reformistischer Frühlingsgefühle, als 1972 unter Bundeskanzler Willy Brandt rund sechzig Prozent der Bundesbürger dem Segen der Progressivität vertrauten. Am Ende der dann anschließenden Ära Helmut Schmidt indes war davon wenig übrig geblieben, da nur noch dreißig Prozent die Fortschrittlichkeit goutierten. In der Kanzlerschaft Schröder aber war der Anteil der Fortschrittsfreunde dann erstmals seit den frühen 1970er Jahren wieder auf über fünfzig Prozent hinaufgeklettert.

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Weihnachten und Politik

Franz Walter | 14. Dezember 2017

[kommentiert]: Franz Walter über die politische Bedeutung der Weihnachtspause

Endlich rücken die Weihnachtsferien näher. Das wird sich in diesen Tagen mancher Parteiaktivist beruhigend zuflüstern. Es war ein hartes Jahr für sie. Im Saarland, in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen hatten sie 2017 gar zwei Wahlkämpfe über Wochen und Monate  auf Marktplätzen und vor Einkaufszentren, bei Kaffee und Kuchen in Seniorenheimen und auf Podien in irgendwelchen Sälen zu bestreiten. Überdies ziehen sich seither die Koalitionsbildungsprozesse quälend lang hin. Nicht mal Neuwahlen in den nächsten Monaten sind gänzlich auszuschließen. Kurzum: Man mag es den Politkampagneros schon ein bisschen gönnen, zwischen Weihnachten und Neujahr abzuschalten, mal nichts vom ganzen politischen Zirkus hören zu wollen, erst recht nicht darüber reden zu müssen.

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Der anarchische Nahe Osten (Teil 2)

Behrouz Khosrozadeh | 11. Dezember 2017

[analysiert]: Behrouz Khosrozadeh über die Bedeutung des Libanons im Konflikt der Regionalmächte Saudi-Arbien und Iran.

Der Beitrag ist eine Fortsetzung eines ersten, in der vergangenen Woche im Blog erschienenen Abschnitts. Darin wurden zunächst die Hintergründe und jüngsten Ereignisse der saudisch-iranischen Rivalität sowie die Grundpfeiler der Nahostpolitik der Trump-Administration ausgeleuchtet.

Inzwischen ist der libanesische Ministerpräsident wieder in den Libanon zurückgekehrt und hat erneut die Neutralität der Hisbollah zur Bedingung für seinen Verbleib im Amt gemacht.[1] Einen Krieg zwischen Arabern und dem Iran hält er für möglich. Saudi-Arabien, das den regionalen Machtkampf mit den Mullahs in den zwei Schlüsselstaaten Irak und Syrien längst verloren hat, ist nicht abgeneigt, Irans stärkstem Handlanger in der Region, der Hisbollah, eine entscheidende Niederlage beizubringen.

Damit wäre Irans effektivster Arm im Zentrum der Region ausgeschaltet. Riads Vorstoß holt auch Israel, das ebenfalls ein großes Interesse an der Schwächung der Hisbollah hat, ins Boot. „Es ist an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft Druck auf Hisbollah und Iran ausübt“, postulierte der israelische Informationsminister Israel Katz;[2] und Netanjahu stößt ins selbe Horn: „Hariris Rücktritt ist ein Weckruf über die iranische Gefahr in der Region.“[3] Die Siedlungspolitik in den palästinensischen Gebieten wird im Getümmel untergehen.

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Der anarchische Nahe Osten (Teil 1)

Behrouz Khosrozadeh | 8. Dezember 2017

[analysiert]: Behrouz Khosrozadeh über die aktuelle Situation im Konflikt der Regionalmächte Saudi-Arbien und Iran.

Der australische Politikwissenschaftler Hedley Bull erklärte die Funktionsweise des internationalen Systems im Zeitalter der Bipolarität (Kalter Krieg) mit den Begriffen „Anarchie“ und „Ordnung“.[1] Das Fehlen einer den Staaten übergeordneten Instanz (Anarchie) werde demnach v.a. durch die Bildung internationaler Gesellschaften abgefangen. Dieses Konzept sollte zwar insbesondere die internationale Politik während des Kalten Krieges erklären, doch greift das Konzept der internationalen Gesellschaft als das spannungseindämmende Element weiterhin in fast allen Regionen der Welt – mit Ausnahme des Nahen Ostens. Dort herrschen gegenwärtig Anarchie und Unordnung.

In meinem Blogbeitrag von 15. September 2017 habe ich nach einer Skizze der Geopolitik des Nahen Ostens den Schluss gezogen: „Auch nach dem vorläufigen Sieg über den Islamischen Staat ist also keine Entspannung im Nahen Osten in Sicht. Alte Rivalitäten zwischen den regionalen Akteuren werden wieder an Bedeutung gewinnen.“[2]

Diese Prognose ist eingetreten. Die wichtigste Ursache für die massiv veränderte Geopolitik der Region und das drohende Ende des Status quo, den Barack Obama mit seiner regionalen balance of power zwischen Iran und Saudi-Arabien durchgesetzt hatte, ist in der neuen Nahoststrategie, besonders der Iranpolitik Donald Trumps zu sehen. Diese Strategie, die am 13. Oktober 2017 verkündet wurde, hat folgende Eckpfeiler:[3]

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