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„Der Iranische Frühling wird kommen“ (Teil 2)

Behrouz Khosrozadeh | 16. Januar 2018

[nachgefragt]: Ein Interview mit Behrouz Khosrozadeh über die derzeitigen Proteste im Iran.

Der erste Abschnitt des Interviews, in dem Orte, Motive, Akteure und Protestformen zur Sprache kamen ist hier zu lesen.

Daran anschließend: Inwiefern sind die derzeitigen Proteste somit ein Erbe oder eine Weiterentwicklung der Grünen Bewegung? Oder aber handelt es sich Ihrer Ansicht um ein neues Phänomen, das man nicht so einfach in diese Traditionslinie stellen kann?

Die gegenwärtigen Proteste sind schon ein neues Phänomen. Die Demonstrationen von 2009 richteten sich gar nicht gegen die sogenannten Reformer; ihre Anführer waren frühere Vertreter des Regimes wie Ex-Premier Mir-Hossein Moussavi und Ex-Parlamentspräsident Mehdi Karrubi, die heute immer noch unter Arrest stehen. Kein Mensch hat momentan ihre Freilassung skandiert. Die Slogans waren nicht gegen die Spitze des Regimes und Ayatollah Khamenei gerichtet. Der Hauptslogan 2009 lautete: „Wo ist meine Stimme?“. Heute geht es buchstäblich um die Abschaffung der Islamischen Republik. Die weitverbreiteten Parolen belegen das: „Tod dem Diktator“, „Tod Rohani“, „Tod Khamenei“. Dass nicht selten auch mit dem Schah-Regime sympathisierende Slogans ausgerufen wurden, knapp vierzig Jahre nach Abschaffung der Monarchie, ist ein totales Armutszeugnis für die Islamische Republik. Das gesamte Regime, sowohl die Konservativen und Hardliner als auch die Reformer, hat die Geduld der Iraner zu sehr strapaziert. Hassan Rohanis erneute Wahl zum Präsidenten des Iran war die letzte Chance für die Reformer, ihrem vermeintlichen Hauptanliegen – ökonomischen und politischen Reformen – Glaubwürdigkeit zu verleihen.

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„Der Iranische Frühling wird kommen“ (Teil 1)

Behrouz Khosrozadeh | 12. Januar 2018

[nachgefragt]: Ein Interview mit Behrouz Khosrozadeh über die derzeitigen Proteste im Iran.

Im Unterschied zu vielen anderen Protesten und gesellschaftlichen Unruhen haben die Demonstrationen dieses Mal ihren Ausgang gerade nicht in der Hauptstadt genommen, sondern sich an anderen Orten entwickelt und sich von dort – auch über Kleinstädte und eher ländliche Gegenden – in die Metropole Teheran ausgebreitet. Wie ist dieser regional eher untypische Protestverlauf zu erklären?

Begonnen haben die Proteste am 28. Dezember 2017 in Mashhad, einer Stadt im Nordosten des Iran. Dort ist der achte schiitische Imam (Imam Reza) begraben, weshalb die Stadt das Hauptpilgerziel für die Schiiten im Iran ist. Eine der reichsten Stiftungen des Landes – Astan Ghods Razavi – residiert in Mashhad und wird vom Geistlichen Ebrahim Raisi, dem Gegenkandidaten von Hassan Rohani bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 2017, geleitet. In Mashhad, der zweitgrößten Stadt des Landes, aus der auch Ayatollah Khamenei stammt, leben über eine Million Slumbewohner – ein Drittel der knapp über drei Millionen Gesamteinwohner wohnt in solchen Armutsquartieren, im Vergleich der höchste Anteil unter allen iranischen Städten. Angesichts dieser eklatanten sozialen Probleme ist es nicht verwunderlich ist, dass die Revolte in Mashhad begonnen hat.

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„Nicht alles, was herkömmlichen Vorstellungen einer ‚guten Demokratie‘ entgegensteht, ist auch gleich demokratiegefährdend.“

Katharina Trittel | 29. Dezember 2017

[nachgefragt]: Interview mit der Redakteurin und Forscherin Katharina Trittel zur Startausgabe des Demokratie-Dialog

Mit der ersten Ausgabe des Demokratie-Dialog ist nicht nur ein neues Magazin entstanden; auch eine neue Institution, FoDEx, tritt als Herausgeberin von nun an regelmäßig an die Öffentlichkeit.
Zunächst: Wofür steht, was will und was erforscht FoDEx? (Und was will FoDEx möglicherweise nicht?) Was hat den Anlass zur Gründung eines eigenen Journals gegeben und welche Erwartungen sind mit dem Demokratie-Dialog verknüpft?

Katharina Trittel (KT): FoDEx ist das Akronym der „Forschungs- und Dokumentationsstelle zur Analyse politischer und religiöser Extremismen in Niedersachsen“. Diese Stelle wurde im Zuge der Verfassungsschutzreform eingerichtet, einer Reaktion auf die gravierenden Versäumnisse der Staatsschutzbehörden im NSU-Komplex. Sie ist direkt an der Universität Göttingen angesiedelt und widmet sich drei zentralen Aufgaben:
Am Institut für Demokratieforschung sind wir erstens verantwortlich für die wissenschaftliche Untersuchung gesellschaftlicher Tendenzen und Akteure, die oftmals als „demokratiegefährdend“ bezeichnet werden, und zwar in den Bereichen Rechtsextremismus, religiöser Fundamentalismus und linke Militanz. Zweitens sammelt unser Kooperationspartner, die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek (SUB), Materialien – und das heißt bereits publizierter Texte und nicht „geheime“ Quellen –, welche u.a. vom Landesverfassungsschutz zur Archivierung bereitgestellt werden. Diese sollen aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht werden.
Drittens möchte FoDEx die aus dem Forschungsprozess gewonnenen Erkenntnisse der interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen und in die gesellschaftlichen Debatten einspeisen.

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Zum demokratischen Umgang mit Unterschieden und Konflikten in der Grundschule

Birgit Redlich | 4. August 2017

[nachgefragt]: Birgit Redlich im Gespräch über die neue Ausgabe der Arbeitsblätter für die Grundschule 01/2017.

„Du und Ich – Vom demokratischen Umgang mit Unterschieden und Konflikten“ lautet der Titel der neuen „Arbeitsblätter zur Demokratieerziehung in der Grundschule“. Worum geht es Euch dabei?

Generell sind heutzutage alle Grundschulen im Bundesgebiet mit Anforderungen konfrontiert, die aus der Globalisierung, speziell den gegenwärtigen Migrationsbewegungen und den damit verbundenen Transformationsprozessen, resultieren. So ergeben sich z.B. ethnisch, kulturell und sozial sehr vielfältige Klassengemeinschaften, welche die Schulen im Allgemeinen, die Lehrkräfte und Kinder im Besonderen auf vielfältige Art herausfordern. Dies ist aus Sicht der Demokratiebildung an der Grundschule relevant; denn Normalität und Abweichung spielen in der kindlichen Lebenswelt eine essenzielle Rolle. Daher müssen bereits Kinder im Primarbereich ihre Kompetenzen erweitern. Vor allem die interkulturelle Kompetenz vermag Kinder in Prozessen des sozialen Lernens zu unterstützen. Ausgehend von der Erkenntnis, dass schon im Grundschulalter Stereotype sowie Vorurteile übernommen und angewendet werden, arbeitet dieses Heft unter dem Titel „Du und Ich – Vom demokratischen Umgang mit Unterschieden und Konflikten“ handlungsorientiert an der Prävention von Vorurteilen, Res­sen­ti­ments, Ausgrenzungsprozessen und Fremdenfeindlichkeit.

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„Da muss dann auch Widerspruch erlaubt sein.“

Hans Joas, Lars Geiges & Matthias Micus | 19. Juni 2017

[nachgefragt]: Ein Gespräch mit Hans Joas über Kirchen, Politik und Moral.

Herr Joas, Sie sprechen von der Kirche als Moralagentur. Was haben wir darunter zu verstehen?

Wichtig ist, dass wir die beiden Bestandteile einzeln erörtern: Moral und Agentur. Beginnen wir mit der Moral. Die Moral ist dabei definiert durch ihre Restriktivität. Bestimmte Sachen, heißt das, darf man nicht tun – eben aus moralischen Gründen, die bisweilen sogar rechtlich kodifiziert sind. Oder man darf sie prinzipiell tun, aber bestimmte Mittel zur Erreichung des Zieles nicht verwenden. Die Moral ebenso wie die Normen schränken meine Handlungsmöglichkeiten insofern ein.

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„Radikale Negation“

 | 19. Januar 2017

zur "Satire"-Reihe[nachgefragt]: Leo Fischer im Interview über den Auftrag von Satire heute

Julian Schenke: Herr Fischer, auf Ihrer Facebook-Seite haben Sie kürzlich die mit Selbstporträts garnierten Statements des bekenntnisfreudigen Kapitän Schwandt karikiert. Womit hat er das verdient?

Leo Fischer: Wir von TITANIC versuchen, unseren Verkaufserfolg zu optimieren, indem wir erfolgreiche Konzepte konsequent nachahmen – nur etwas billiger, etwas schamloser. Kapitän Schwandt ist ein erfolgreiches Marketingprodukt, das sich bei einem bestimmten Typus urbaner Einfaltspinsel hervorragend verkauft. Diese Schicht wollen wir jetzt ebenfalls abmelken.

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Interview: Die Aktivierung der Nichtwähler durch die AfD

Torben Schwuchow | 16. September 2016

[nachgefragt]: Matthias Micus über den Zusammenhang zwischen steigender Wahlbeteiligung und dem Antritt der AfD.

Am kommenden Sonntag wählen die Berliner ihr Abgeordnetenhaus. 2011 lag dort die Wahlbeteiligung bei 60,2 Prozent. Das Aufkommen der AfD hat bislang zu einem Rückgang des Nichtwähleranteils geführt. Fraglich ist, ob sich dieser Trend in Berlin fortsetzt.

Torben Schwuchow: In der Vergangenheit ist vermehrt über das Problem niedriger Wahlbeteiligungen in Deutschland gesprochen worden. Nun ist bei den diesjährigen Landtagswahlen die Zahl der Nichtwähler deutlich zurückgegangen. Ist die viel beschworene Zeit der Politik- bzw. Demokratieverdrossenheit damit beendet?

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Ver.di: Vorsichtiger Optimismus am 15. Geburtstag

Christoph Hoeft | 3. Mai 2016

[nachgefragt]: Patrick von Brandt über den Geburtstag der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di vor 15 Jahren und die aktuellen Herausforderungen.

Vor 15 Jahren schlossen sich fünf Einzelgewerkschaften zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zusammen. Damals erhoffte man sich, durch die Fusion das  „Konkurrenzdenken unter Gewerkschaften“ im Dienstleistungssektor beenden zu können. Hat sich diese Hoffnung erfüllt?

Von Brandt: Ein Stück weit ja. Zumindest ist es den fünf sogenannten Quellgewerkschaften von ver.di gelungen, durch die Fusion Ressourcen zu bündeln und somit Konkurrenz, unnötige Doppelarbeit, Doppelstrukturen, doppelten Ressourcenverbrauch zu überwinden. Zum Beispiel gab es früher zwei konkurrierende Gewerkschaften im öffentlichen Dienst, die Deutsche Angestelltengewerkschaft DAG und die ÖTV. Diese Spaltung ließ sich tatsächlich überwinden. Es gibt aber natürlich weiterhin Konkurrenz zwischen ver.di und anderen Verbänden. Und auch innerhalb des DGB wird weiter gerungen um die richtige Politik; da gibt es durchaus unterschiedliche Interessen und z.T. auch Konkurrenz. Die unterschiedlichen Interessen und politischen Forderungen sind auch Folge der unterschiedlichen ökonomischen Bedingungen der Branchen: So ist die Dienstleistungsbranche abhängig von der Binnennachfrage, ganz anders die exportorientierte Industrie …

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Das Allgemeinwohl ist kein Kompromiss

Felix Butzlaff | 16. Februar 2016

[nachgefragt]: Felix Butzlaff über die Demokratievorstellungen von Protest-Aktivisten

Du hast in Deiner Arbeit aktuelle Bürgerproteste in ganz Deutschland untersucht und dabei speziell die Organisatoren und die besonders engagierten Aktivisten in den Blick genommen. Worum ging es Dir dabei?

Ich habe mich in meiner Arbeit auf die Suche nach den gesellschaftlichen sowie individuellen Kerninhalten der Proteste gemacht. Es ging mir weniger um den konkreten Anlass als vielmehr um den roten Faden zwischen zeitgenössischen Protesten und der Frage, warum man sich für gerade diese Form des Engagements entscheidet. Da lag es nahe, sich die besonders engagierten Aktivisten anzuschauen, weil sich bei ihnen vieles von dem, was Proteste heute bedeuten, zuspitzt.

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Strategisches Scheingefecht?

David Bebnowski | 30. Januar 2015

[nachgefragt]: David Bebnowski über die AfD kurz vor ihrem Bremer Parteitag

Die AfD trifft sich am kommenden Wochenende zum Bundesparteitag in Bremen. In den letzten Wochen tobte in der Partei ein Flügelkampf zwischen einem „wirtschaftsliberalen“ und einem „national-konservativen“ Lager. Worum geht es dabei genau?

Zuerst einmal geht es der AfD um eine parteiliche Ausrichtung für die Zukunft. Entscheidend ist dabei aber nicht, wie wirtschaftsliberal oder nationalistisch und, wenn man es denn so nennen mag, islamophob die Partei wird, sondern vielmehr die Erschließung neuer Wählerschichten, speziell der Schicht, die man als „Arbeiterklasse“ bezeichnen könnte. In diesem Punkt sind andere rechtspopulistische Parteien im Ausland der AfD einen deutlichen Schritt voraus. Sie bedienen diese Wählerschichten bereits – und die zahlen es ihnen mit fester Loyalität zurück. So versucht z.B. Alexander Gauland, auch und vor allem im Kontext von Pegida, immer wieder, die „kleinen Leute“ zu umschmeicheln und sie gegenüber einer kritischen medialen Öffentlichkeit als „falsch verstanden“ und „nicht islamfeindlich“ zu verteidigen.

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