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Von „House of Cards“ bis „Game of Thrones“ (Teil 2)

Katharina Rahlf | 13. November 2016

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[kommentiert]: Katharina Rahlf berichtet von einer Tagung über Politik im Fernsehen.

Ob der Fülle einer dreitägigen Tagung mit mehreren parallelen Panels wäre eine Wiedergabe sämtlicher Beiträge sicherlich eine etwas ermüdende Lektüre.[1] Stattdessen sei hier auf zwei Höhepunkte hingewiesen: Elisabeth Bronfen sprach über „The Americans“ – eine in den 1980er Jahren spielende Serie über zwei KGB-Spione, die als Ehepaar getarnt in den USA leben und nach außen die perfekte typisch amerikanische Familie abgeben. Bronfens Beobachtungen und Analysen – dicht, präzise und der gelungenen Mischung aus Enthusiasmus und forscherischer Distanz entsprungen – zeigen, wie erkenntnisfördernd die Auseinandersetzung mit vermeintlich „einfacher“, popkultureller Kost sein kann: Da ist zum einen die „Double Time“: In Serien, die in früheren Jahrzehnten spielen, aber heute gedreht worden sind, werde „die Vergangenheit immer durch die Linse der Gegenwart betrachtet“ – als Zuschauer(in) unternehme man ein „Gedankenexperiment“ und frage, was „die spezielle Periode einem jetzt noch zu sagen [hat]“. Denn: Beileibe handele es sich nicht um reine Geschichtslektüre, sondern solche Darstellungen „sagen mindestens so viel über heute wie über damals“ aus. Zum anderen, und das mag gerade in diesem Präsidentschaftswahljahr besonders interessant sein, komme in „The Americans“ eine US-spezifische Culture of Paranoia subtil zum Vorschein: Die allgegenwärtige Bedrohung lasse sich nur vermuten, aber nicht fassen; deshalb stelle man permanent alles unter Verdacht; dieses nebulöse Gefühl sei aber unbehaglich, man wolle die Bedrohung dingfest machen, weshalb man mehr oder weniger gezielt bestimmte Figuren auswähle, um sie zum Feind zu erklären („target them as enemies“). Nicht selten jedoch die Falschen – das Offensichtliche hingegen erkenne man aber nicht.

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Von „House of Cards“ bis „Game of Thrones“ (Teil 1)

Katharina Rahlf | 11. November 2016

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[kommentiert]: Katharina Rahlf berichtet von einer Tagung über Politik im Fernsehen.

„Produktionen wie House of Cards, The West Wing und Borgen als sicherlich populärste Beispiele, aber auch The Thick of It, Political Animals oder Secret State – in den letzten Jahren hat die Anzahl aufwendig produzierter ‚Qualitätsserien‘ sichtbar zugenommen. In Zeiten vermeintlicher Politik(er)-verdrossenheit scheinen der Erfolg und die Faszination für Formate, die dezidiert um das Politische kreisen, erstaunlich, jedenfalls begründungswürdig.“[1] Dies konstatierte die Zeitschrift INDES im Herbst 2014 und erkundete, „auf welchen Vorstellungen von politischer Alltagskultur [diese] ‚Politikserien‘“ basieren. Nun, zwei Jahre später, fast ein Déjà-Vu: „Fernsehserien haben in den letzten Jahren eine neue und ganz erstaunliche Konjunktur und Popularität erfahren. Serien wie House of Cards, Homeland oder Borgen, aber auch The Walking Dead, Real Humans oder The Good Wife sprechen dabei ganz explizit politische Fragestellungen an.“[2] Die Tagung im Dresdner Hygienemuseum (27.–29.10.2016), organisiert von der TU Dresden und der bpb, „fragt nach dem politischen Gehalt von Fernsehserien“. Offenbar treibt dieses Phänomen die Wissenschaft nach wie vor um. Oder, anders ausgedrückt: Hat die berüchtigte Suchtwirkung von Serien jetzt auch die akademische Welt erfasst? Und sind PolitologInnen gar besonders anfällig?

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Demokratie: Leben im Widerspruch

Torben Schwuchow | 20. Oktober 2016

[kommentiert]: Torben Schwuchow über die Kritik des demokratischen Menschen bei Platon und Tocqueville

Demokratien sind in Bewegung. Parteien wechseln von Oppositions- zu Regierungsaufgaben. Proteste entstehen und verschwinden genauso wie politische Parteien die parlamentarische Bühne betreten und wieder verlassen. Auch der institutionelle Rahmen einer Demokratie und ihre Leitideen, sind niemals vor Kritik und Veränderungen gefeit. Umso schwieriger ist es, zwischen der normalen Beweglichkeit und einer tatsächlichen Krise der Demokratie zu unterscheiden.  Zur Beantwortung dieser komplizierten Frage bieten zwei berühmte Autoren der politischen Theorie einen bemerkenswerten  Vorschlag an. Platon und Alexis de Tocqueville präsentieren uns die Demokratie nicht anhand eines institutionellen Verfahrens, sondern als eine Lebensform. Wodurch zeichnet sich diese demokratische Lebensweise aus?

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Der Tortenwurf als Protestform

Marius Becker | 18. Oktober 2016

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[kommentiert]: Marius Becker zur Geschichte und Einordnung des politischen Tortenwurfs in die Palette aktueller Protestformen

Im Kontext der gegenwärtigen Flüchtlingskrise sind PolitikerInnen erneut Opfer von Tortenattentaten (auch „Tortungen“ genannt) geworden: So trafen die AfD-Funktionäre Beatrix v. Storch und Albrecht Glaeser am 28. Februar 2016 in Kassel zwei Sahnetorten, während die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht, am 28. Mai 2016 auf dem Magdeburger Bundesparteitag mit einer Schokoladentorte beworfen wurde. Dieser Beitrag setzt die jüngsten „Tortungen“ von PolitikerInnen in Kontext mit ihrem Protestpotenzial und blickt auf die Geschichte des „politischen Tortenwurfs“. Der Autor distanziert sich hierbei ausdrücklich von den beschriebenen Lebensmittelattentaten; Ziel dieses Beitrags ist keinesfalls, derartige Aktionen nachträglich zu legitimieren.

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Piraten: Am Ende bleibt die Leidenschaft

Stephan Klecha | 4. Oktober 2016

[kommentiert]: Stephan Klecha über die Überbleibsel der Piratenpartei.

Gerade einmal fünf Jahre ist es her, dass die Republik von einer Partei aufgewühlt wurde, die alles irgendwie anders machen wollte und auf die etliche Wähler ihre Hoffnungen projizierten: Die Rede ist von der Piratenpartei. Irgendwo im linksliberalen Spektrum hatte sich eine merkwürdig anmutende Mischung aus Computernerds, Polithasardeuren und politisch frisch motivierten Bürgern zusammengefunden. Sie brachte Menschen in die politische Arena, die bislang wenig bis nichts damit zu tun hatten; und viele von ihnen sind dort geblieben – auch wenn sich die einstigen optimistischen Erwartungen an die Piraten mittlerweile erledigt haben.

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„Occupied“: Nichts ist sicher – und niemand ist frei

Anne-Kathrin Meinhardt | 22. September 2016

Banner_Blog_Politikserien[kommentiert]: Anne-Kathrin Meinhardt über die Politikserie „Occupied“

Russland besetzt seinen Nachbarstaat, setzt Ultimaten, übernimmt die Kontrolle und niemand kann sich wehren. Dieses Szenario lässt einen vermutlich zuerst an ein reales Ereignis aus jüngster Vergangenheit denken: die Annexion der Krim. Doch genau dieses Szenario wird auch in der norwegischen Fernsehserie „Occupied“ durchgespielt. Eine wichtige Notiz dabei: Das Drehbuch wurde kurz vor der Zuspitzung der Krimkrise im Frühjahr 2014 geschrieben. Zugleich zeichnet die Serie ein überaus ambivalentes Bild von Politik – und eröffnet damit sehr differente Interpretationsmöglichkeiten.

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AfD: Radikale Bürgerliche

Torben Schwuchow | 30. August 2016

Banner_LTW16[kommentiert]: Torben Schwuchow über das politische Profil der AfD in Mecklenburg-Vorpommern

Nach dem erfolgreichen Einzug in acht Landesparlamente steht die AfD im Nordosten Deutschlands vor neuen Rekordergebnissen. Viele wissenschaftliche Analysen führen den allgemeinen Erfolg der Partei auf  ihre rechtspopulistische Positionierung zurück.[1] Demnach inszeniert sich die AfD als einzig wahre Repräsentantin „des Volkes“, die ihren moralischen Überlegenheitsanspruch gegenüber „den Altparteien“ sowie generell „den Eliten“ gar nicht oft genug wiederholen kann.[2] Daher ist es durchaus verwunderlich, dass der Landesverband der AfD in Mecklenburg-Vorpommern ausgerechnet mit dem ehemaligen Staats- und Ministerpräsidenten Tschechiens Václav Klaus in die heiße Phase des Wahlkampfs zieht. Schließlich scheint diese Wahlkampfhilfe „von oben“ doch der Charakterisierung der AfD als einer rein populistischen Kraft zu widersprechen. Was hat es also mit diesem „Kampf des Establishments gegen das Establishment“ auf sich?

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Wenn es doch nochmal wie 2007 wäre

Daniela Kallinich | 24. August 2016

[kommentiert]: Daniela Kallinich zum Eintritt Nicolas Sarkozys in den Präsidentschaftswahlkampf 2017.

Frei von Hindernissen war die politische Karriere von Nicolas Sarkozy gewiss noch nie. Über eine jahrzehntelange – in Frankreich durchaus unübliche – „Ochsentour“ hatte er sich hochgekämpft bis in das Präsidentenamt. Als sich jedoch vor vier Jahren seine Niederlage gegen François Hollande abzuzeichnen begann, verkündete er, keineswegs an der Politik zu kleben und von nun an ein Leben fernab des politischen Tagesgeschäfts zu führen. Jetzt hat er seine erneute Kandidatur für die Vorwahlen (primaires) der konservativen Republikaner (LR) zu den französischen Präsidentschaftswahlen 2017 bekanntgegeben – am Tiefpunkt seiner Beliebtheitswerte[1] und im Strudel zahlreicher noch ungeklärter Skandale und Gerichtsverfahren.

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Dunkle Vorzeichen: Die CDU vor der Bundespräsidentenwahl 1969

Malte Lübke | 10. August 2016

[kommentiert]: Malte Lübke zur Ausgangslage der Großen Koalition vor der nächsten Bundespräsidentenwahl und historische Parallelen.

Die Bundesversammlung liegt nur wenige Monate vor der Bundestagswahl und die Suche nach Kandidaten hat bereits ein knappes Jahr zuvor begonnen. Im Raum steht u.a. die Frage, ob die Koalitionspartner einen gemeinsamen oder je einen eigenen Vorschlag präsentieren. Zur Ausgangslage vor dem Wahljahr 2017 lassen sich erstaunliche Parallelen ziehen – schon die Erste Große Koalition stand 1968/69 vor den gleichen Fragen.

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Die Causa Böhmermann und der öffentliche Stellenwert der Satire

Julian Schenke | 28. Juli 2016

zur "Satire"-Reihe[kommentiert:] Julian Schenke über irritierende Gewissheiten und offene Fragen nach der Schmähgedicht-Affäre

Knapp 750.000 Facebook-Likes, ein wöchentlicher Sendeplatz beim ZDF, immense öffentliche Resonanz und eine beachtliche Fanbase, zudem trotz seiner „schnoddrigen Art“ „immerhin“ auf Platz 100 der bestangezogenen deutschen Männer[1] – Jan Böhmermann hat sich mit seiner Late-Night-Show-Persiflage „Neo Magazin Royale“ eine unvergleichliche Popularität erarbeitet. Verwandten Formaten wie der mehrfach ausgezeichneten „heute-show“ oder dem bereits seit 1976 ausgestrahlten Magazin „extra“ 3 macht er ernst zu nehmende Konkurrenz – mit einem Image, das zwischen klassischer Comedy, massentauglicher Satire und Gesellschaftskritik oszilliert. Er ist enfant terrible und Publikumsliebling zugleich, und er hat im Zuge der so genannten „Schmähgedicht-Affäre“ gar eine öffentliche Debatte um den Stellenwert seines gesamten Metiers ausgelöst. Der Verlauf dieser Debatte gibt Anlass, über Sinn und Unsinn von Satire nachzudenken.

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