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Müssen die denn immer streiten?

Jöran Klatt | 24. Oktober 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Jöran Klatt über die Rezeption des Historiker-Tags bei den Angehörigen der eigenen Zunft.

Seit dem Historikertag ist nun einige Zeit ins Land gegangen. Und nach dem Göttinger Treffen im September 2014 wird dem einen oder anderen Teilnehmer inzwischen aufgefallen sein, dass das mediale Echo, gemessen an vorherigen Austragungen, vergleichsweise gering geblieben ist. Im persönlichen Gespräch – zugegeben: eine sehr subjektive Perspektive – kam man kaum umhin, darüber eine gewisse Enttäuschung zu spüren (letztendlich sind HistorikerInnen traditionell sehr öffentlichkeitsaffin). Dieses 50. Aufeinandertreffen der Zunft scheint im gemeinsamen kollektiven Gedächtnis vor allem sequentiellen Charakter anzunehmen: Der Historikertag war ein Ritual. Doch liest man ihn als eben solches, fällt auf: Er war auch wichtig.

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Vor dem großen Aufbruch ’89 in der DDR

Daniel Albrecht, Lisa Weimar | 22. Oktober 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Daniel Albrecht und Lisa Weimar über die Vorwendezeit im Roman „Pygmalion“ von Steffen Mensching.

Berichte über das Jahr ’89 und damit auch die sogenannte Vorwendezeit sind geprägt von Zeichen des Aufbruchs: Menschen, die jubelnd die Parole „Wir sind das Volk“ rufen und verunsicherte Grenzbeamte einfach hinter sich lassen, um voranzuschreiten in eine lang ersehnte Zukunft. Somit erscheint ’89 gleichzeitig als Endpunkt einer sich linear entwickelnden Vorwendezeit,[1] die ihren Höhepunkt in der friedlichen Revolution fand: „Nichts wäre verlockender als ihn [den letzten Abschnitt der DDR] als Vorbereitungszeit des Umbruchs zu beschreiben – als ein Kessel, in dem der Druck steigt, bis es zur Explosion kommt. Doch der reale Befund sieht anders aus“[2], so der Historiker Stefan Wolle. Tatsächlich hatten weder westliche Beobachter noch die DDR- Staatsführung und nur vereinzelte Personen aus dem Kreis der Bürgerrechtler mit einem derartigen Ereignis gerechnet. Günter Schabowski verkörpert als Politbüromitglied die Verwirrung und Ratlosigkeit eines Systems, das von seiner eigenen Abschaffung überrumpelt wurde.

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Grenzen der Verantwortung

Marika Przybilla | 20. Oktober 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Marika Przybilla zum Spannungsfeld humanitärer und militärischer Hilfe.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier fordert, dass Deutschland mehr Verantwortung in seiner Außenpolitik wagen solle. Diese Ansicht teilt auch Verteidigungsministerin Ursula v. d. Leyen hinsichtlich Deutschlands Rolle in der Nato. Um mehr Verantwortung auf diesen Ebenen zu übernehmen, gibt es unterschiedliche Wege. Die zwei am häufigsten gewählten sind jene der militärischen und jene der humanitären und zivilen Unterstützung. Diese zwei Wege könnten allerdings unterschiedlicher nicht sein. Was bedeutet es also für die Praxis, wenn diese beiden Logiken plötzlich aufeinandertreffen? Was muss beachtet werden, damit beide Wege ihrer Zielsetzung folgen, ohne dabei den jeweils anderen zu beeinträchtigen?

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„Die Schlafwandler haben viele aufgeweckt“

Katharina Trittel | 6. Oktober 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Katharina Trittel zur Diskussion von Christopher Clark und Gerd Krumeich über den Ersten Weltkrieg auf dem 50. Deutschen Historikertag.

Es war der Publikumsmagnet des diesjährigen Historikertags. Bereits am ersten Tag verabredete man sich für das „Finale“. „Wir sehen uns bei Clark“ hörte man immer wieder im Göttinger ZHG (dem Veranstaltungsort), in der Mensa oder auf dem Campus. Und dann, am Freitag, ging es endlich los, der Höhepunkt der Tagung, Christopher Clark und Gerd Krumeich in der Debatte über den Ersten Weltkrieg.[1] Angekündigt als Streitgespräch und aufgrund der Scharmützel in den Medien im Vorfeld war die Erwartungshaltung im Publikum entsprechend: endlich Auseinandersetzung, endlich Kontroverse.

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Historiker in ihrem Element

Dr. Stine Marg | 29. September 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Stine Marg über ihre Eindrücke vom Historikertag in Göttingen.

Nun ist er zu Ende – der 50. Historikertag mit 3.120 angemeldeten Teilnehmern, über vierhundert Tagesgästen und noch einmal genauso vielen Referenten. In rund siebzig Sektionen wurde von der „Agonalität der politischen Kultur des antiken Roms“ bis hin zur Frage der „Wiedergutmachung vor und nach 1989“ referiert, umrahmt von einem Kultur- und Schülerprogramm, von Sonder- und Festveranstaltungen, ergänzt durch ein Doktorandenforum sowie die Mitgliederversammlungen der historischen Verbände. Alles gefasst unter dem Motto: „Gewinner und Verlierer“.

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Grüne Lehren

Michael Lühmann | 19. September 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Michael Lühmann über Grünen nach den Landtagswahlen in Ostdeutschland

Die Wahlen in Ostdeutschland sind für die Grünen alles andere als gut verlaufen. In der Partei grassiert vielmehr das Gefühl, gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Will man wieder Erfolg haben, kann es kein Weiter-so geben. Die grüne Partei bleibt zwar in allen Bundesländern parlamentarisch vertreten – ein Status, welchen sie mit dem Einzug in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern erst vor drei Jahren erreicht hatte. Dass die Grünen aber in Sachsen, Brandenburg und Thüringen arg zittern mussten, hatte – oder hätte – man eigentlich schon gern als Erinnerung an frühere Zeiten dem Grünen Archiv übereignet gehabt.

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Der sächsische Biblebelt

Michael Lühmann | 29. August 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Michael Lühmann über die CDU und AfD in Sachsen.

Die Beschlusslage scheint eindeutig. Nach der Europawahl ließ Angela Merkel die Union in einer Selbstverpflichtung erklären, man werde nicht mit der AfD koalieren, auch nicht in irgendeiner Art und Weise kooperieren. Für die kommenden Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg gilt indes schon wieder die Sprachregelung, dass jeder Landesverband selbst entscheiden möge, mit wem er sondiere, mit wem er Koalitionsgespräche führe und letztlich auch, mit wem er ein Regierungsbündnis für die kommenden Jahre eingehe.

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Angst essen Seele auf

Michael Lühmann | 8. Juli 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Michael Lühmann über die Angst der Grünen vor dem Image als Verbotspartei

Verbotspartei. Gäbe es eine Jury, die über ein grünes Unwort des Jahres entscheiden müsste, sie würde sich wohl 2013 und 2014 für das Wort Verbotspartei aussprechen. Tempolimits auf Autobahnen, Tempo-30-Zonen in den Städten, der Veggie-Day und nicht zuletzt die Strompreise, alles klingt nach grünem Moralismus, nach Reglementierung, nach Verboten. Ob die Debatte um das Verbotspartei-Image der Partei an den Wahlurnen geschadet hat, und wenn ja, wie stark, ist schwer zu messen. Dabei scheint – im Angesicht der guten Ergebnisse bei den bayrischen Kommunalwahlen, mit Einschränkungen auch der passabel verlaufenen Europawahlen – der elektorale Schaden reparabel. Weitaus gravierender sind hingegen die politischen und programmatischen Folgen für die Partei, die sich infolge der Diskussion in einer umfassenden Lähmung befindet.

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Schluss mit der “sozialen Magersucht”

Teresa Nentwig | 17. April 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert:] Teresa Nentwig über Frauenförderung in Unternehmen und den Kongress „WoMenPower 2014“

Welche Halle man auf der diesjährigen Hannover Messe auch besuchte, überall das gleiche Bild: Unter den Besuchern waren beinahe nur Männer, die riesige Maschinen oder von 3-D-Druckern ausgespuckte Objekte bestaunten. Eine Ausnahme in dieser männerdominierten Welt stellte am letzten Messetag der zum elften Mal durchgeführte Fachkongress „WoMenPower“ dar. Dessen Ziel ist es, „hoch engagierten Frauen und Männern“ praxisnah Informationen zur individuellen Karrieregestaltung sowie Kontakte für ihren beruflichen Aufstieg zu vermitteln. Die meisten Angebote sind speziell auf Frauen zugeschnitten, weshalb auch dieses Jahr von den rund 1.400 Teilnehmern fast alle weiblich waren.

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Der wissenschaftliche Nachwuchs und der Geist des Kapitalismus

David Ohlendorf | 3. April 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: David Ohlendorf über die Ökonomisierung des Wissenschaftsbetriebs an Universitäten. 

Vor Kurzem wurde der Bundesregierung das Jahresgutachten der Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI) vorgelegt. Eines der zentralen Ergebnisse, welches kurz darauf die Aufmerksamkeit von Medien und Öffentlichkeit erweckte, besteht in der großen Zahl an jungen Wissenschaftler_innen, die in den letzten Jahren dem Forschungsstandort Deutschland den Rücken gekehrt haben. Seit 1996, so der Bericht, sind etwa 4000 Forscher_innen mehr aus der Bundesrepublik ausgewandert als durch die Anwerbung von Hochqualifizierten oder die Rückkehr deutscher Akademiker_innen aus dem Ausland hinzugewonnen werden konnten.[1]

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