kommentiert rss facebook Twitter

Rückblick: Die #doeff14

Alexander Hensel, Christoph Hoeft | 5. Dezember 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Alexander Hensel und Christoph Hoeft blicken auf die Tagung „politisches Handeln in digitalen Öffentlichkeiten“ zurück

Beginnen wir vom Ende her: Die Teeküche ist längst wieder sauber, Quittungen sind pedantisch sortiert und die überzähligen Brötchen vertilgt. Kurzum, unsere Tagung „Politisches Handeln in digitalen Öffentlichkeiten. Grassroots zwischen Autonomie, Aufschrei und Überwachung“ am letzten Wochenende in der Historischen Sternwarte ist erfolgreich verlaufen. Als Mitorganisatoren freuen wir uns über den reibungslosen Ablauf, viele interessante Vorträge und anregende Diskussionen im Plenum, auf Twitter und in den Raucherpausen. Für diejenigen, die kurz zuvor von der winterlichen Grippewelle erfasst worden sind, noch nicht die Audiomitschnitte der Vorträge vom Podcastkombinat gehört oder schlicht nicht herausbekommen haben, wo dieses Göttingen eigentlich genau liegen mag, folgt hier ein kurzer und subjektiver Rückblick auf unsere Tagung.

 

weiter lesen

„Der Tag ist hell…“

Katharina Trittel | 1. Dezember 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Katharina Trittel zum 25-jährigen Todestag von Alfred Herrhausen.

Vor 25 Jahren, am 30. November 1989, starb Alfred Herrhausen im Wrack seines Autos. Eine panzerbrechende Hohlladungsmine hatte den Wagen zertrümmert, Herrhausen verblutete. Verantwortlich gemacht für das Attentat wurde die dritte Generation der RAF, doch unter diesem eiligst aufgeklebten Etikett brodelten alsbald Gerüchte, Verschwörungstheorien wurden gesponnen; die Frage lautete: cui bono?

weiter lesen

Jenseits des Monotheismus?

Robert Pausch | 21. November 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Robert Pausch zur aktuellen Grundsatzdiskussion in der Volkswirtschaftslehre

Zwei Semester benötigt man also, um sich die Weltsicht eines Ökonomen anzueignen, denn: „Wirtschaftswissenschaften sind ein Fach, in dem ein sehr geringes Wissen sehr weit reicht“. So schreibt es zumindest Gregory Mankiw, Professor für Makroökonomie in Harvard und ehemaliger wirtschaftspolitischer Berater von George W. Bush in seinem Standardwerk zur Einführung in die Volkswirtschaftslehre. Weder müsse man Theorien gegeneinander abwägen, noch komplexe methodische Überlegungen anstellen, sondern schlicht die ökonomische, die „eine einzige Sicht auf die Welt“ verinnerlichen.[1] Paul Samuelson, Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften, dessen Lehrbuch „Economics“ in vierzig Sprachen übersetzt wurde und allein in der englischsprachigen Ausgabe in einer geschätzten Gesamtauflage von über 4 Millionen vorliegt,[2] wischt die mühsam erkämpfte Grundüberzeugung, dass Wissenschaften keine Wahrheiten formulieren können und Theorien nur so lange angenommen werden sollten, bis sie falsifiziert werden, nonchalant beiseite und erklärt die Lehrsätze der Neoklassik, die effizienten Märkte und nutzenmaximierenden Individuen, zu unumstößlichen „core truths of economics“.[3]

weiter lesen

Wir müssen reden

Michael Lühmann | 7. November 2014 | 1 Leserbrief

[kommentiert]: Michael Lühmann mit einem Appell zum Jubiläum des Mauerfalls.

Die DDR war kein Unrechtsstaat. Mit diesem schlagzeilenträchtigen Satz hat Gregor Gysi vor wenigen Wochen einmal mehr gezeigt, dass das vermeintlich letzte Wort über die DDR noch längst nicht gesprochen ist. Aber die vielfach empört unterstellte und de facto auch so zur Schau getragene Ignoranz Gysis gegenüber den Realitäten des real existierenden Sozialismus, die er mit advokatischer Spitzfindigkeit nicht an die Herrschaftsgestalt der DDR bindet, sondern an die Legitimität der Gründung eines zweiten deutschen Staates jenseits der westlich kontrollierten Sektoren nach 1945, zeugt von einer klaffenden sprachliche Lücke.

weiter lesen

Katalonien: Ein Runder Tisch als letzte Chance?

Karl Felix Oppermann | 6. November 2014 | 1 Leserbrief

Banner_Proteste

[kommentiert]: Karl Felix Oppermann über die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien.

Es war schon ein gigantisches Victory-V, das die Katalanen am diesjährigen Nationalfeiertag Kataloniens geformt hatten. Circa 1,8 Millionen Menschen, also mehr als alle Einwohner Barcelonas zusammen, respektive fast ein Viertel aller Einwohner Kataloniens, waren nach Angaben der Polizei in der Mittelmeermetropole friedlich auf die Straße gegangen. Sie nahmen jeweils elf Kilometer der v-förmig verlaufenden Hauptverkehrsstraßen Gran Via und Diagonal in Beschlag, um für die Unabhängigkeit Kataloniens zu protestieren.[1] Damit verliehen sie ihrer Empörung darüber Ausdruck, dass das für den 9. November 2014 geplante Referendum, bei dem die Katalanen zur Abspaltung Kataloniens vom Rest Spaniens befragt werden sollten, von der Zentralregierung in Madrid blockiert wurde. Das V-Zeichen war sogar aus dem Weltraum deutlich sichtbar.

weiter lesen

Sprachlos in Hildesheim?

Christopher Schmitz | 29. Oktober 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Christopher Schmitz berichtet von der Hildesheimer Tagung über sexuelle Revolution und Kindheit.

Ende September fanden sich an der Universität Hildesheim Expertinnen und Experten für ein schwieriges Forschungsfeld ein. Die Tagung „Zwischen notwendiger Entgrenzung und problematischer Enttabuisierung. Sexuelle Revolution und Kindheit im historischen Kontext der 1970er/80er“ (Tagungsprogramm) war, wie die Erziehungswissenschaftlerin und Mitveranstalterin Prof. Dr. Meike Sophia Baader in ihrem Grußwort hervorhob, direkt von einer im Frühjahr 2013 gestarteten gesellschaftlichen Debatte inspiriert: Damals hatte sich, anlässlich der geplanten Verleihung des Theodor-Heuss-Preises an Daniel Cohn-Bendit, ein Streit über die pädophile Programmatik der Grünen in den 1980er Jahren entzündet, der den Bundestagswahlkampf durchziehen sollte. Hieraus leitet sich zugleich eine der Kernfragen der Tagung ab: Wie kann es angesichts der in jüngerer Zeit publik gewordenen massenhaften Vorfälle sexualisierter Gewalt in ganz Europa sein, dass sich die Debatte in Deutschland lediglich auf die Schuld des links-alternativen Milieus und ihres parteipolitischen Repräsentationsorgans, der Grünen, konzentriert?

weiter lesen

Müssen die denn immer streiten?

Jöran Klatt | 24. Oktober 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Jöran Klatt über die Rezeption des Historiker-Tags bei den Angehörigen der eigenen Zunft.

Seit dem Historikertag ist nun einige Zeit ins Land gegangen. Und nach dem Göttinger Treffen im September 2014 wird dem einen oder anderen Teilnehmer inzwischen aufgefallen sein, dass das mediale Echo, gemessen an vorherigen Austragungen, vergleichsweise gering geblieben ist. Im persönlichen Gespräch – zugegeben: eine sehr subjektive Perspektive – kam man kaum umhin, darüber eine gewisse Enttäuschung zu spüren (letztendlich sind HistorikerInnen traditionell sehr öffentlichkeitsaffin). Dieses 50. Aufeinandertreffen der Zunft scheint im gemeinsamen kollektiven Gedächtnis vor allem sequentiellen Charakter anzunehmen: Der Historikertag war ein Ritual. Doch liest man ihn als eben solches, fällt auf: Er war auch wichtig.

weiter lesen

Vor dem großen Aufbruch ’89 in der DDR

Daniel Albrecht, Lisa Weimar | 22. Oktober 2014 | 2 Leserbriefe

[kommentiert]: Daniel Albrecht und Lisa Weimar über die Vorwendezeit im Roman „Pygmalion“ von Steffen Mensching.

Berichte über das Jahr ’89 und damit auch die sogenannte Vorwendezeit sind geprägt von Zeichen des Aufbruchs: Menschen, die jubelnd die Parole „Wir sind das Volk“ rufen und verunsicherte Grenzbeamte einfach hinter sich lassen, um voranzuschreiten in eine lang ersehnte Zukunft. Somit erscheint ’89 gleichzeitig als Endpunkt einer sich linear entwickelnden Vorwendezeit,[1] die ihren Höhepunkt in der friedlichen Revolution fand: „Nichts wäre verlockender als ihn [den letzten Abschnitt der DDR] als Vorbereitungszeit des Umbruchs zu beschreiben – als ein Kessel, in dem der Druck steigt, bis es zur Explosion kommt. Doch der reale Befund sieht anders aus“[2], so der Historiker Stefan Wolle. Tatsächlich hatten weder westliche Beobachter noch die DDR- Staatsführung und nur vereinzelte Personen aus dem Kreis der Bürgerrechtler mit einem derartigen Ereignis gerechnet. Günter Schabowski verkörpert als Politbüromitglied die Verwirrung und Ratlosigkeit eines Systems, das von seiner eigenen Abschaffung überrumpelt wurde.

weiter lesen

Grenzen der Verantwortung

Marika Przybilla | 20. Oktober 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Marika Przybilla zum Spannungsfeld humanitärer und militärischer Hilfe.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier fordert, dass Deutschland mehr Verantwortung in seiner Außenpolitik wagen solle. Diese Ansicht teilt auch Verteidigungsministerin Ursula v. d. Leyen hinsichtlich Deutschlands Rolle in der Nato. Um mehr Verantwortung auf diesen Ebenen zu übernehmen, gibt es unterschiedliche Wege. Die zwei am häufigsten gewählten sind jene der militärischen und jene der humanitären und zivilen Unterstützung. Diese zwei Wege könnten allerdings unterschiedlicher nicht sein. Was bedeutet es also für die Praxis, wenn diese beiden Logiken plötzlich aufeinandertreffen? Was muss beachtet werden, damit beide Wege ihrer Zielsetzung folgen, ohne dabei den jeweils anderen zu beeinträchtigen?

weiter lesen

„Die Schlafwandler haben viele aufgeweckt“

Katharina Trittel | 6. Oktober 2014 | Keine Leserbriefe

[kommentiert]: Katharina Trittel zur Diskussion von Christopher Clark und Gerd Krumeich über den Ersten Weltkrieg auf dem 50. Deutschen Historikertag.

Es war der Publikumsmagnet des diesjährigen Historikertags. Bereits am ersten Tag verabredete man sich für das „Finale“. „Wir sehen uns bei Clark“ hörte man immer wieder im Göttinger ZHG (dem Veranstaltungsort), in der Mensa oder auf dem Campus. Und dann, am Freitag, ging es endlich los, der Höhepunkt der Tagung, Christopher Clark und Gerd Krumeich in der Debatte über den Ersten Weltkrieg.[1] Angekündigt als Streitgespräch und aufgrund der Scharmützel in den Medien im Vorfeld war die Erwartungshaltung im Publikum entsprechend: endlich Auseinandersetzung, endlich Kontroverse.

weiter lesen

Ältere Einträge