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Welche Flüchtlingskrise?

Julia Schulze Wessel | 16. August 2017

[gastbeitrag]: Julia Schulze Wessel über die „Flüchtlingskrise“ als Krise der europäischen Flüchtlings- und Migrationspolitik.

Als im Jahr 2015 so viele Menschen wie lange nicht mehr die Grenzen zu verschiedenen Ländern der Europäischen Union übertraten, war schnell der Begriff der Flüchtlingskrise in der Welt. Und er hält sich – bis heute konstant – sowohl in den öffentlichen als auch in den wissenschaftlichen Debatten.[1] Dabei verbindet sich mit diesem Begriff ein ganzes Füllhorn an Bildern: von überfüllten Aufnahmeeinrichtungen, von Auseinandersetzungen zwischen GrenzbeamtInnen, Militär und Polizei auf der einen und Geflüchteten sowie UnterstützerInnen auf der anderen Seite. Zugleich ruft der Begriff Bilder von erschöpften Bootsflüchtlingen an den Küsten Europas ebenso wie von versunkenen Booten und angespülten Leichen wach. Und er steht nicht zuletzt für die unkontrollierte Überwindung von Zäunen und Stacheldraht, für die Proteste an den Grenzen und für den selbst organisierten Aufbruch aus Ländern, in denen keine Lebensperspektive mehr zu erwarten war.

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Mit Religion gegen Religion?

Thomas Großbölting | 8. August 2017

[gastbeitrag]: Thomas Großbölting erkundet das religiöse Feld in Deutschland 2017.

Wer versucht, sich über das religiöse Feld im Deutschland des Jahres 2017 einen Überblick zu verschaffen, der wird mit einem in sich höchst diversen Befund konfrontiert: In den Feuilletons, in der Kulturszene und auch im politischen Diskurs ist Religion hoch präsent. Das ist in diesem Jahr vor allem, wenn auch nicht ausschließlich, Martin Luther und dem 500-jährigen Reformationsjubiläum zu verdanken. Als Playmobilfigur, als Filmheld, als Stoff für zahlreiche Biografien, aber auch als Aufhänger für politische Reden: Dem Reformator entkommt man in diesem Jahr nicht.

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Postdemokratie in Ostmitteleuropa

David Höhle | 28. Februar 2017

[Gastbeitrag]: David Höhle über den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien in Ost- und Mitteleuropa.

Der Aufstieg des Rechtspopulismus im Westen dürfte im Jahr 2016 endgültig unzweifelhaft geworden sein. Seine Gründe bedürfen aber nach wie vor gründlicher Interpretation. Gerade in Polen und Ungarn zeigen sich rechtspopulistische Phänomene in besonderer Deutlichkeit: Die beiden rechtsgerichteten Regierungen von PiS in Polen und FIDESZ in Ungarn haben in ihren Ländern bereits mit dem Umbau von Staat und Gesellschaft begonnen. Aufgrund des Ausmaßes dieser Entwicklungen ist davon auszugehen, dass es sich nicht nur um eine kurzfristige Mobilisierung mit Bezug zu einzelnen Policy-Fragen handelt, sondern um eine tiefgreifende Verschiebung in der politischen Tektonik der Konfliktlinien stattfindet. Dies lässt sich als eine Folge der Postdemokratie verstehen.

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Türkei: Zwischen Autoritarismus, Instabilität und Isolation

Dr. Thorsten Hasche | 10. Januar 2017

[gastbeitrag]: Thorsten Hasche über die schwierigen außenpolitischen wie innenpolitischen Konstellationen der Türkei im Jahr 2017.

In der Türkei vollziehen sich die politischen Entwicklungen zurzeit in einer Geschwindigkeit und Intensität, die sich kaum noch erfassen lassen. Die alte, kemalistische Republik Türkei scheint es nicht mehr zu geben – so stark sind die institutionellen und politisch-kulturellen Veränderungen unter der seit 2002 ununterbrochen und allein regierenden Partei für Aufschwung und Gerechtigkeit (AKP) vorangeschritten. Von Europa und den USA aus wurde der rapide Aufstieg der AKP in den frühen 2000er Jahren zunächst sehr skeptisch verfolgt; doch wegen ihres strikten wirtschaftsliberalen Reformkurses und einer pro-europäischen Haltung wurde die Türkei unter der AKP zum Musterland für Westasien („Naher Osten“) und Nordafrika auserkoren. Endlich, so der langjährige Tenor in Politik, Öffentlichkeit und Wissenschaft, sei eine funktionierende Mischung aus westlicher Demokratie und Liberalismus, ökonomischer Öffnung und konservativ-islamischen Werten gefunden worden, mithin entwickle sich die Türkei zur Brücke zwischen „Okzident“ und „Orient“.

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Eine Antwort auf den Populismus

Manuel Clemens | 22. Dezember 2016

[gastbeitrag]: Manuel Clemens über die Potenziale des politischen Bildungsromans

Politik und Bildung sind eigentlich eng miteinander verbunden. Der gegenwärtige Populismus könnte ihre Beziehung jedoch auf ganz neue Art verdichten: Als die Französische Revolution um 1793 zu brutal geworden war, begann Friedrich Schiller mit der Ausarbeitung eines schöngeistigen Gegenprogramms. Wenn der plötzliche Umsturz der politischen Verhältnisse, so sein Grundgedanke, aus dem Ruder läuft und selbst zu einer Schreckensherrschaft wird, dann sollte eine Revolution besser nicht politisch, sondern ästhetisch sein.

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Populismus in Italien: Das Movimento 5 Stelle

Jakob Schwörer | 20. Dezember 2016

[gastbeitrag]: Jakob Schwörer über die Rolle rechten Gedankenguts in der populistischen 5-Sterne-Bewegung.

Populistische Parteien sind überall auf dem Vormarsch, aber in Italien sind sie so erfolgreich wie in kaum einem anderen westeuropäischen Land. Während es bis vor wenigen Jahren die Rechtspopulisten der Lega Nord und Silvio Berlusconis Forza Italia waren, die große Wahlerfolge erzielten und sogar mehrfach die Regierung stellten, ist es heute die 5-Sterne Bewegung (M5S) des Komikers „Beppe“ Grillo, die sich als zweitstärkste politische Kraft dicht hinter der regierenden Demokratischen Partei (PD) etabliert hat. Anders als bei der Lega Nord ist der Erfolg des M5S jedoch nicht primär auf fremdenfeindliche und islamophobe Rhetorik zurückzuführen. Trotzdem stellt gerade das Thema Einwanderung das größte Konfliktpotenzial innerhalb der Bewegung dar. Denn ausgerechnet rechtspopulistische Äußerungen des Parteivorsitzenden Grillo stoßen bei vielen Anhängern auf wenig Sympathie.

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Partizipation von Kindern und Jugendlichen

Yvonne Blöcker | 24. November 2016

[gastbeitrag]: Yvonne Blöcker mit einem Blick auf den gesetzlichen Rahmen der Beteiligung von Kindern.

Seit einigen Jahren ist die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Gesellschaft und Politik immer wieder ein Thema – z.B. wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche in der Schule oder bei der Gestaltung eines Spielplatzes zu beteiligen, damit sie an politische und demokratische Prozesse herangeführt werden. Kinder und Jugendliche werden somit als handlungsfähige Subjekte verstanden, die ihre Lebenswelt mitgestalten können. Der gesetzliche Rahmen für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen müsste daher eigentlich vergleichsweise umfassend ausfallen. Doch dem ist nicht so; bereits 2009 stellte das Kinderhilfswerk fest, dass hier Handlungsbedarf bestehe.[1] Deshalb soll in diesem Beitrag ein Blick auf das Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie auf die Niedersächsische Gemeindeordnung geworfen werden: Wie ist Partizipation von Kindern und Jugendlichen gesetzlich geregelt?

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Die Erste Große Koalition 1966

Otto-Eberhard Zander | 17. November 2016

[gastbeitrag]: Otto-Eberhard Zander über den Regierungsverlust der CDU.

„Den bringe ich noch auf Null“[1], soll Konrad Adenauer im Jahre 1963 in seinem Urlaubsort Cadenabbia am Comer See zu Besuchern gesagt haben, die den noch amtierenden Bundeskanzler darauf hingewiesen hatten, dass Ludwig Erhard in sämtlichen Umfragen zur Kanzlernachfolge noch immer an der Spitze liege. Zwar gelang Adenauer nicht, die Wahl des ungeliebten Nachfolgers im Amt des Bundeskanzlers zu verhindern; allerdings erlebte er im Herbst 1966, wenige Monate vor seinem Tod am 19. April 1967, noch das Ende der christlich-liberalen Regierung aus CDU und FDP unter ebenjenem Bundeskanzler Ludwig Erhard und die Bildung der ersten Großen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und Vizekanzler Willy Brandt.

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US-Wahl in Yale: Heimspiel ohne Fans?

Johannes Sosada | 8. November 2016

[gastbeitrag]: Johannes Sosada über die Stimmung an der amerikanischen Universität Yale kurz vor der Wahl.

Europäern erscheint das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump völlig unbegreiflich. Wie kann es sein, dass Donald Trump, der durch rassistische und sexistische Äußerungen für einen Eklat nach dem anderen sorgt, selbst noch wenige Tage vor den Wahlen praktisch gleichauf mit seiner Konkurrentin liegt? Aktuelle Umfragen sehen die beiden Kandidaten lediglich um knapp zwei Prozent auseinander.[1] Für die Studierenden der Elite-Universität Yale ist das ein Skandal: Für sie ist die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, die einzige Wahloption. Clinton würde laut einer Umfrage mit gut achtzig Prozentpunkten der „Yale-Stimmen“ in das Weiße Haus einziehen; ihr republikanischer Gegenkandidat Donald Trump dagegen würde mit 4,7 Prozent der Stimmen nur knapp vor den im bundesweiten Vergleich chancenlosen Kandidaten Gary Johnson und Jill Stein (2,49 Prozent und 0,83 Prozent) landen.[2] Natürlich geben dieses Stimmungsbild an der Universität Yale und die Befragung von Studierenden kein repräsentatives Stimmungsbild ab. Dennoch zeichnet der Blick auf den Campus ein interessantes Bild des US-Wahlkampfes – zumal Hillary Clinton als Alumna an der Elite-Universität ein „Heimspiel“ hat.

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Fußballstadien: Ambivalenz der Masse

Alexander Voss | 8. Juni 2016

Banner: Orte der Demokratie

[analysiert]: Alexander Voß über das Stadion als Ort der Demokratie.

Denkt man an einen „Ort der Demokratie“, fällt so manchem die Wiese vor dem Reichstagsgebäude ein. Vieles, was man sonst nur im Fernsehprogramm sieht – die Politik, die Regierung, die Macht –, liegt hier frei und offen vor dem Bürger. Der Himmel ist blau, das Gras grün, die Kuppel glänzt in der Sonne und wehende Deutschland- und Europa-Flaggen runden die Szenerie ab. Kurzum: Alles sehr bunt und schön hier.

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