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Die Partei des Gewinners

Florian Schmidt | 15. Juni 2018

[analysiert]: Florian Schmidt über die schwachen Strukturen amerikanischer Parteien und die unerwartete Transformation der Republikaner unter der Präsidentschaft Trumps.

Im Oktober 2012 sah alles noch ganz anders aus. Barack Obama war gerade wiedergewählt worden und die Demokraten hatten Grund zu feiern, auch wenn der Wahlsieg knapper ausgefallen war als noch 2008.[1] Die Republikanische Partei dagegen lag auf Bundesebene am Boden. Zwar hatten Kommentatoren und politische Beobachter schon seit längerem darüber diskutiert, doch nach dem Scheitern Mitt Romneys schien sich die Position als Konsens zu etablieren: Der demographische Wandel würde es den Republikanern in ihrer jetzigen Verfassung in Zukunft unmöglich machen, Präsidentschaftswahlen zu gewinnen.

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Rachel Dolezal – Eine weiße Frau mit schwarzer Identität

Pauline Höhlich | 12. Juni 2018

[analysiert]: Pauline Höhlich über die Grenzen und Möglichkeiten individueller Identitätskonstruktion

Es war einmal eine weiße Frau, die so sehr schwarz sein wollte, dass sie es der amerikanischen Welt glauben machen konnte und sich dabei bis an die Spitze der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) in Spokane im US-Bundestaat Washington arbeitete. Man kannte und respektierte sie für ihre Arbeit als Bürgerrechtsaktivistin. Nebenbei lehrte die Frau an der Eastern Washington University an der Fakultät für Afrikanische Studien, unter anderem zu Themen wie „The Black Woman’s Struggle“[1]. Eines Tages führte sie ein Interview mit einem Lokalreporter in der Annahme, über mutmaßlich gegen sie gerichtete Hassverbrechen zu sprechen. Dann fragte der Reporter unvermittelt, ob sie afroamerikanisch sei. Ihre Mimik erstarrte. „Your parents, are they white?“, bohrte der Reporter unerbittlich weiter.[2] Die Frau brach das Interview ab und flüchtete. Kurze Zeit später gingen ihre Eltern an die Öffentlichkeit. Sie enthüllten via Familienfotos, dass die damalige Lokalvorsitzende des NAACP einst ein hellhäutiges, blondes Mädchen mit Sommersprossen gewesen war, in Montana aufwuchs und eine pathologische Lügnerin sei.

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Tagungsbericht: „Revolutionen, Zäsuren und gesellschaftliche Umwälzungen in Nordwestdeutschland im 19. und 20. Jahrhundert“

Teresa Nentwig | 5. Juni 2018

[präsentiert:] Teresa Nentwig über die Jahrestagung 2018 der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen

Bereits seit 1910 veranstaltet die Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen einmal im Jahr eine Tagung. Lediglich 1917/1918, 1920, 1924 und zwischen 1940 und 1946 war dies aufgrund äußerer Faktoren, wie etwa des Zweiten Weltkriegs, nicht möglich.[1] Bei der Jahrestagung 2018, die am 1. und 2. Juni im Schloss Wolfenbüttel stattfand, ging es unter dem Motto „Revolutionen, Zäsuren und gesellschaftliche Umwälzungen in Nordwestdeutschland im 19. und 20. Jahrhundert“ genau um solche Wendepunkte in der Geschichte Niedersachsens und Bremens.

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Die Intellektuellen in Frankreich

Teresa Nentwig | 2. Mai 2018

[analysiert]: Teresa Nentwig über das gegenwärtige Engagement der Intellektuellen jenseits des Rheins

In der deutschen Medienöffentlichkeit spielten Intellektuelle zuletzt kaum eine Rolle. Anders ist es in Frankreich, wo sich Intellektuelle seit mehreren Monaten häufig zu unterschiedlichen Themen zu Wort melden. Zum einen wollen sie damit auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen. Zum anderen geht es ihnen darum, die Politik von Staatspräsident Emmanuel Macron und der Regierung unter Premierminister Edouard Philippe zu kritisieren.

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„Wir haben es in den Universitäten!“ – Antifeminismus in der Rechten

Urte Poppinga | 25. April 2018

[analysiert]: Urte Poppinga über den Vortrag „Antifeminismus in der radikalen und extremen Rechten“ von Prof. Ursula Birsl[1]

Was hat der Anschlag Andreas Breiviks 2011 in Norwegen, bei dem 77 Menschen ums Leben kamen, mit dem Phänomen des Antifeminismus zu tun? Was bewegt einen Menschen mit rechter Weltanschauung dazu, 77 Besucherinnen und Besucher eines Ferienlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, darunter vor allem Kinder und Jugendliche, im Namen des Christentums umzubringen? Breivik erklärt sich selbst in seinem Manifest „2083: A European Declaration of Interdependence“[2] zum Tempelritter auf Kreuzzug im Kampf gegen Multikulturalismus, Islam und Feminismus. Doch erst jetzt, über sechs Jahre nach der Tat, startet–so stellt Prof. Birsl in ihrem Vortrag über Antifeminismus in der Rechten zu Beginn fest–langsam die öffentliche Debatte über das antifeministische Motiv, während die Islamophobie Breiviks, stellvertretend für die „der Rechten“, bereits breit ausdiskutiert worden ist.

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Schule als ein wichtiger Ort der Inklusion: Die 5. Ausgabe des Unterrichtsmaterials „Arbeitsblätter zur Demokratieerziehung in der Grundschule“

Birgit Redlich | 4. April 2018

[präsentiert]: Birgit Redlich und Yvonne Blöcker über das neue Arbeitsblätterheft zur Demokratieerziehung

Die neue Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD hat in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, dass bis Ende 2019 ein Vorschlag zur Verankerung der UN-Kinderrechte im Grundgesetz vorliegen solle. Mit einer solchen gesetzlichen Verbindlichkeit ließen sich die Interessen und die Rechtsposition von Kindern stärken und nicht zuletzt der Inklusionsgedanke aufgreifen, weil – so die Erwartung – Kinder dann konsequenter als Subjekte der Selbstbestimmung und als Teil der Gesellschaft wahrgenommen würden. Dies bedeutet auch, dass Kinder in sie betreffende, u.a. politische Entscheidungen, stärker einbezogen werden müssten.[1]

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Automatisierte Wahlkampfhelfer

Chantal Stahl | 31. März 2018

[analysiert]: Chantal Stahl über den Einsatz von Social Bots im Wahlkampf der AfD

Hillary Clinton sei der Kopf eines Kinderpornorings, der in einer Pizzeria in Washington agiere.[1] Was für die meisten höchst zweifelhaft klingen dürfte, stieß durch eine starke Medienpräsenz während des US-Wahlkampfes 2016 durchaus auf Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung.[2] Dies ging sogar so weit, dass besagte Pizzeria von einem bewaffneten Mann gestürmt wurde, der die dort gefangenen Kinder befreien wollte. Verantwortlich dafür sind sogenannte Social Bots, die diese Verschwörungstheorie während des Wahlkampfes zwischen Clinton und Trump unter dem Hashtag #pizzagate in den Sozialen Medien verbreitet haben.[3]

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Zur aktuellen Berichterstattung über türkisch-kurdische Konflikte in Deutschland

Julian Schenke | 23. März 2018

[kommentiert]: Julian Schenke mit einer Richtigstellung zum Beitrag heute+ des ZDF vom 20.03.18.

In der Darstellung des Magazins heute+ wurde über gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen kurdischem und türkischem Milieu in Deutschland anlässlich der türkischen Militäroffensive auf die mehrheitlich von Kurden bewohnte syrische Stadt Afrin berichtet. Zu diesem Thema wurde auch die Bundesfachstelle Linke Militanz[1] von Reportern des ZDF kontaktiert, sodass ich mich als dort forschender wissenschaftlicher Mitarbeiter für ein Interview zur Verfügung stellte.[2]

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Zur Relevanz des Antisemitismus in der FPÖ

Korbinian Holder | 20. März 2018

[analysiert]: Korbinian Holder zeigt auf, dass Antisemitismus in der FPÖ tiefer verwurzelt ist, als Skandale um Einzelpersonen vermuten lassen.

Kürzlich geriet die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) einmal wieder in die Schlagzeilen. Ihr Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niederösterreich, Udo Landbauer, ist Mitglied der Burschenschaft „Germania zu Wiener Neustadt“, die zuletzt mit einem antisemitischen Liederbuch auf sich aufmerksam machte. Landbauer soll österreichischen Medien zufolge gar stellvertretender Vorsitzender der Burschenschaft gewesen sein.[1]

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Die Fußstapfen von Franz Josef Strauß

Klaudia Hansich | 16. März 2018

[kommentiert:] Klaudia Hanisch mit einigen Bemerkungen zum bayerischen Charisma aus Anlass der Vereidigung von Markus Söder.

Edmund Stoiber lud anlässlich seiner Verabschiedung als Ministerpräsident zum Empfang in die Münchner Residenz mit Böllerschützen und Trachtenvereinen; Horst Seehofer lud für seinen Abschied als bayerischer Landesvater zur letzten Kabinettssitzung, um „sein Tagewerk zu erledigen“[1] – so wie er es jeden Dienstag tat. Ein Mitglied der CSU hat das bei einer Parteiveranstaltung folgendermaßen zusammengefasst: Viele Nachfolger von Strauß wollten ihn nachahmen; Max Streibl versuchte sich als Strauß, ebenso wie Edmund Stoiber und Günther Beckstein. Sie alle seien daran gescheitert. Seehofer sei der einzige, der es nicht einmal versucht habe – und das sei auch gut so.

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