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AutorInnen im Gespräch: PEGIDA-Effekte?

 | 8. Oktober 2018

Die neue Studie „PEGIDA-Effekte? Jugend zwischen Polarisierung und politischer Unberührtheit“ ist gerade erschienen.

Am 21. Oktober 2018 wird das Protestbündnis PEGIDA seinen vierten Jahrestag begehen. Obwohl viele die „Patriotischen Europäer“ bereits im Januar 2015 für tot erklärten, hat die Dresdner Formation es geschafft, über die Jahre hinweg zu bestehen, aktiv zu bleiben und immer wieder die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das Göttinger Institut für Demokratieforschung hat über die vergangenen vier Jahre hinweg das Phänomen PEGIDA wissenschaftlich begleitet. Der neue Band widmet sich also nicht nur den Protesten von PEGIDA, sondern erweitert die Perspektive. So steht das politische Befinden Jugendlicher und junger Erwachsener als Seismographen gesellschaftlicher Entwicklungen im Mittelpunkt der Betrachtungen.

In diesem Video stellen die AutorInnen ihre neue Studie vor und präsentieren wesentliche Ergebnisse ihrer Arbeit.

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Die Politikwissenschaft und der Elfenbeinturm

Teresa Nentwig | 4. Oktober 2018

[präsentiert]: Teresa Nentwig über den DVPW-Kongress vom 25. bis zum 28. September 2018 in Frankfurt am Main.

Vier Tage lang kamen über tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu dem alle drei Jahre stattfindenden Kongress der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) zusammen. Dieser widmete sich den „Grenzen der Demokratie“. Ein Thema, dessen Aktualität nicht von der Hand zu weisen ist: Ob die rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz oder die antidemokratischen Entwicklungen in Ungarn, Polen und der Türkei – die liberale Demokratie steht gegenwärtig in vielen Ländern vor Herausforderungen, sodass vielfach gar von einer „globale[n] Krise der Demokratie“[1] die Rede ist.

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Zeiten des Umbruchs?

Franz Walter | 25. September 2018

[nachgefragt]: Franz Walter im Interview über sein neues Buch „Zeiten des Umbruchs? Analysen zur Politik“.

Das neue Buch von Franz Walter „Zeiten des Umbruchs? Analysen zur Politik“ ist gerade erschienen. Franz Walter war bis 2017 Direktor des Göttinger Instituts für Demokratieforschung. Seine besondere Neigung galt in dieser aktiven Zeit der „kleinen Form“ der publizistischen Intervention: über Essays, Kolumnen, zugespitzte Kommentare, Meinungsstücke. In dem nun vorliegenden Band sind viele Beispiele solcher Beiträge vereint – über Politik, Parteien, politische Systeme und soziale Bewegungen in „Zeiten des Umbruchs“.

 

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AfD Sachsen-Anhalt: Zwischen Partei und Bewegung

Alexander Hensel | 17. September 2018

[analysiert]: Alexander Hensel über Entwicklung der AfD-Landespartei in Sachsen-Anhalt und ihren Landesparteitag in Dessau.

Das Gewerbegebiet von Dessau-Roßlau ist am Sonntagmorgen fast menschenleer. Hier trifft sich die AfD Sachsen-Anhalt am 9 September 2018 auf dem von hohen Mauern geschützten Gelände des „Golfparks Dessau“ zum Landesparteitag. Von der Gegendemonstration in der Fabrikeinfahrt auf der anderen Straßenseite ist im Veranstaltungssaal kaum etwas zu hören. Hier findet sich bis zum Mittag mit rund 300 Akkreditierten ein knappes Drittel der AfD-Mitglieder Sachsen-Anhalts ein. Auf der Tagesordnung steht die Wahl von Delegierten zur Europawahlversammlung der Bundespartei im November. Trotz heftiger interner Turbulenzen in den vergangenen Monaten ist die Stimmung bemerkenswert ruhig. Offene Konfrontationen werden weitgehend umschifft, der Ruf nach Einigkeit ist die Losung. Zugleich zeigt sich eine Balance zwischen notwendiger Professionalisierung der Partei und Fortführung der Bewegungspolitik.

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Debatte: Sprache und Geschlecht in der Wissenschaft II

Julian Schenke | 10. September 2018

[kommentiert]: Inwiefern sollte eine geschlechtergerechte Sprache Standard in der Wissenschaft werden? Jeanina Fischbach und Julian Schenke vertreten jeweils gegensätzliche Positionen mit unterschiedlichen Zugängen.

II. Julian Schenke: Sapere aude – „Wage es, weise zu sein“

Die Rolle, als Gegner einer allgemeinen Praxis des „Genderns“ aufzutreten, ist undankbar; dennoch nehme ich sie im Folgenden ein. Um es gleich vorweg zu sagen: Ich möchte dabei nicht auf die technischen Schwierigkeiten oder die unschönen Folgen der zahlreichen Gender-Regelungen eingehen. Ja, ich finde auch, dass Unklarheiten drohen, wenn der Dozent zum Dozierenden wird, während nicht alle Dozierenden auch (beruflich definierte) Dozenten sind. Ja, ich finde auch, dass Binnen-I’s, Backslashs, Sternchen, Unterstriche, x’e und ec’se einen Text bis zur Unlesbarkeit verunstalten können. Ich kenne die zugehörige Diskussionswelt aus diversen Politgruppen und einem mehrjährigen Studium der Geschlechterforschung, aus Zeitungsartikeln, Fernsehsendungen und Gesprächen. Ich habe im Studium erlebt, wie sich Sprachdebatten von ihrem soziologischen, politikwissenschaftlichen oder kulturwissenschaftlichen Gegenstand lösten, wie ganze Seminarsitzungen im Gewitter unversöhnlicher Fronten versanken, während Erkenntnisse über gesellschaftliche, auch demokratische Veränderungsprozesse immer unwichtiger wurden.

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Debatte: Sprache und Geschlecht in der Wissenschaft I

Jeanina Fischbach | 7. September 2018

[kommentiert]: Inwiefern sollte eine geschlechtergerechte Sprache Standard in der Wissenschaft werden? Jeanina Fischbach und Julian Schenke vertreten jeweils gegensätzliche Positionen mit unterschiedlichen Zugängen.

I. Jeanina Fischbach: Unsere Sprache formt unsere Wirklichkeit – ein Plädoyer für eine gendergerechte Sprache

Die Diskussion um eine geschlechtergerechte und sensible Sprache polarisiert die Gesellschaft. Von der Gegner*innenseite werden vornehmlich drei Totschlagargumente angeführt. Erstens: das generische Maskulin[1] sei etabliert und Sprache lasse sich nicht so einfach verändern. Zudem sei jedem klar, dass Frauen automatisch mitgemeint seien. Und drittens ändere die sprachliche „Verklausulierung“ durch adäquates Gendern nichts an der bestehenden Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Ich könnte den gängigen Schlagabtausch nun mit einfachen Gegenargumenten fortführen, stattdessen möchte ich mit einem kurzen Gedankenexperiment anfangen, das in abgewandelten Formen häufiger in diesem Kontext zu finden ist[2]:

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Der Steigbügelhalter des amerikanischen Populismus

 | 2. September 2018

[kommentiert]: Vielen gilt John McCain als letzter Aufrechter in der Republikanischen Partei und Vertreter einer besseren Zeit  dabei hat gerade er die Trumpisierung der Partei mit in die Wege geleitet. Torben Lütjen über den jüngst verstorbenen US-Senator.

Man soll nichts Schlechtes sagen über die Toten, schon gar nicht, wenn es sich bei Ihnen um Helden handelt, die für ihr Land geblutet haben. Doch darf man dieser Tage vielleicht darauf hinweisen, dass die Geschichte einmal mehr ihren Sinn für Ironie gezeigt hat: John McCain gilt nun als der letzte Aufrechte in einer ansonsten moralisch bankrotten republikanischen Partei, als unbeugsamer Gegenspieler Donald Trumps, der ihm selbst noch auf dem Sterbebett mit seinen Tweets und Stellungnahmen die Stirn geboten hat, ja selbst posthum noch durch die Nicht-Einladung zu seiner Trauerfeier ein Zeichen gesetzt hat.

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Das Kopftuch – ein modisches Kleidungsstück?

Pauline Höhlich | 31. August 2018

[präsentiert]: Pauline Höhlich über das Kopftuch als Hybrid: zwischen migrationsbedingtem Wandel und Integrationspotential.

Das Kopftuch gilt für viele in Deutschland und in anderen westlichen Gesellschaften als Sinnbild der Repression von Frauen, religiös legitimierter patriarchaler Herrschaft und gesellschaftlicher Abgrenzung. Dass mit diesem Kleidungsstück ein modisches Bewusstsein ausgedrückt werden kann, scheint hierzulande mitunter noch schwerlich vorstellbar. Allerdings kann das Kopftuch genau das sein: ein modisches Accessoire.

Denn seit über einem Jahrzehnt etabliert sich über den Globus hinweg und auch hierzulande ein durch Migration und Globalisierung bedingter Trend, dessen Anhängerinnen einen aufgelockerten und verspielten Umgang mit der Verschleierung pflegen und hierüber einen kulturellen Wandel bezüglich des Umgangs und der Wahrnehmung des vornehmlich religiös konnotierten Kleidungsstücks anstoßen (wollen). Eine große Rolle spielen dabei die sozialen Medien, insbesondere die Fotoplattform Instagram: Hier verbreiten Musliminnen unter den Hashtags #hijabi, basierend auf dem arabischen Begriff Hijab für Verhüllung, und #hijabista Fotos von ihren Outfits, in denen das Kopftuch als Accessoire im Mittelpunkt der modischen und religiös geprägten Selbstinszenierung steht.[1] Hijabista ist das muslimische Gegenstück zur Fashionista, der modebewussten Frau. Insgesamt über sieben Millionen Beiträge haben sich unter diesen Schlagworten bereits angesammelt (Stand: Juni 2018). Auf den Bildern sind zumeist junge Musliminnen zu sehen, die ihre Versionen der Melange aus islamkonformer Bekleidung und zeitgemäßer Mode präsentieren. Mal wird das Kopftuch zum Turban gebunden oder mit Lederjacke und anderen aktuellen Trends kombiniert. Die Stilrichtung nennt man Modest Fashion: Die Wortkreation stammt vom englischen Begriff „modesty“, der übersetzt so viel wie Bescheidenheit, seltener auch Zurückhaltung, Anstand oder Sittsamkeit bedeutet; Werte, die konstituierend sind für diesen international wachsenden Modezweig.[2]

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Ist der Aufstand noch politisch?

Philipp Scharf, Julian Schenke | 24. August 2018

[kommentiert]: Philipp Scharf und Julian Schenke über das problematische Verhältnis von theoretischer Arbeit und aktivistischer Praxis am Beispiel einer aktuellen Publikation zu den Ausschreitungen um den G20-Gipfel in Hamburg

Vor etwas mehr als einem Jahr fand der G20-Gipfel in Hamburg statt. Die Auseinandersetzung um die Ausschreitungen im Kontext der Gegenproteste reißt nicht ab. Immer mehr verfestigt sich der Eindruck, dass sich die Debatte zu einem Definitionskampf gewandelt hat, in dem weniger Argumente als Polemisierungen ausgetauscht werden, und die sich darum dreht, wer die „Deutungshoheit“[1] über die teilweise beschrieenen „bürgerkriegsähnlichen Zustände“[2] für sich behaupten kann. Damit wird eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Protest erschwert, Potenziale und Probleme werden nicht aufgearbeitet.

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Bunt statt braun: Ein Stadtteil wehrt sich.

Teresa Nentwig | 20. August 2018

[präsentiert:] Teresa Nentwig über die Ereignisse im Göttinger Stadtteil Grone-Süd am 18. August 2018. Ein persönlicher Bericht.

Jens Wilke hat sich eine neue politische Heimat gesucht. Nachdem der Kopf der neonazistischen „Volksbewegung Thügida“ 2016 auf der Liste der NPD bei der Landratswahl im Kreis Göttingen kandidiert hatte, ist er nun bei den Republikanern gelandet.[1] Er gehört gar zu den 15 Kandidaten, die 2019 für die rechte bis rechtsextreme Kleinpartei ins Europäische Parlament einziehen wollen. Für den Wahlkampfauftakt suchte sich Wilke den Göttinger Stadtteil aus, in dem er aufgewachsen war: das, wie er meinte, „– ehemals – schöne[2] und heutige „Ghetto[3] Grone-Süd. Hier, wo zahlreiche Nationen auf engem Raum friedlich zusammenleben, wollte Wilke am 18. August 2018 ein Zeichen gegen Vielfalt setzen.

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