Auch im zweiten Jahr seines Bestehens präsentiert das Göttinger Institut für Demokratieforschung mit seinem Jahrbuch unter dem Titel “Gesellschaftliche Verunsicherung und politischer Protest” einen dokumentarischen Querschnitt seiner Arbeit. Wird 2011 tatsächlich als „Jahr des Wutbürgers” in die Geschichte eingehen, wer sind die Akteure der „neuen” Protestbewegungen, und wie ist der Ruf nach mehr direkter Demokratie zu bewerten? Diesen und anderen Fragen widmet sich der vorliegende Band; denn: Zeitnahe, aber reflektierte und fundierte Analysen aktueller gesellschaftlicher Ereignisse und Entwicklungen sind erklärtes Ziel des Instituts. Neben der Kommentierung und Einordnung politischer Konflikte und Debatten geht es gleichzeitig darum, die langfristige Perspektive im Auge zu behalten. Die Göttinger Wissenschaftler machen historische Linien und soziologische Erklärungsmuster ausfindig, um so auch politische Phänomene der Gegenwart deuten und verstehen zu können.
Noch im Frühjahr 2011 erlebten die Bündnisgrünen einen ihrer größten Erfolge. Der Sieg Winfried Kretschmanns in Baden-Württemberg krönte den grünen Aufschwung, der seit 2010 zu spüren war. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich, in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung, eine Forschungsgruppe des Göttinger Instituts für Demokratieforschung gebildet, die in der Woche vor der baden-württembergischen Landtagswahl in qualitativen Untersuchungen grüne Neu- und Stammwähler_innen nach Wahlmotiven und Werthaltungen befragte.
Ziel der Untersuchung war es, im Vorfeld der Landtagswahlen zu ergründen, ob es sich beim grünen Aufschwung um einen kurzfristigen Zeitgeisteffekt handelt oder um einen eher untergründigen Mentalitäts- oder Wertewandel der bundesrepublikanischen Gesellschaft, auch im Angesicht starker Krisenerfahrungen der vergangenen Jahre. Die Antwort für Baden-Württemberg fiel ambivalent aus. Hier schien evident, dass die Bündnisgrünen von einem Zusammenspiel von Zeitgeisteffekt und Wertewandel hatten profitieren können.
Doch gilt diese Diagnose auch für Schleswig-Holstein, ein halbes Jahr nach Fukushima, anderthalb Jahre nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und im Zuge einer massiven Zuspitzung von Euro-, Finanz- und Schuldenkrise – und zugleich im Angesicht eines demoskopisch diagnostizierten Abschwungs der Partei? Um den aufgeworfenen Fragen auf längere Sicht nachzugehen, sind in einer zweiten Welle, angesichts wieder deutlich sinkender Wahlumfrageergebnisse, grüne Neu- und Altwähler_innen in Schleswig-Holstein mit der gleichen Methodik befragt worden.
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse aus Schleswig-Holstein finden Sie in unserem Blog.
Die Berichte der Erhebungen finden Sie hier:
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Nach dem Bekanntwerden der Aktionen der Neonazi-Zelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) im November 2011 überschlug sich die mediale Berichterstattung über rechtsextremen Terror. Dabei ist Rechtsterrorismus keinesfalls ein neues Phänomen in Deutschland. Über die Entstehung von rechtem Terrorismus, die Rolle von Verfassungsschutz und NPD diskutieren auf Einladung des Göttinger Instituts für Demokratieforschung in Kooperation mit dem Stadtradio Göttingen Dr. Gideon Botsch, Prof. Jonas Grutzpalk, Jan Raabe, Kutlu Yurtseven und Stefan Schörlemann. Detaillierte Informationen zum Thema und zu den Gästen finden sich hier.
Die erste Ausgabe unserer Radiosendung “Unter der Lupe” im Jahr 2012 beschäftigt sich mit mit dem Thema Jugendkulturen. Neben einer Analyse mit dem Sozialforscher Marc Calmbach haben wir mit einem Mitglied der Musikgruppe “Microphone Mafia” gesprochen. Die Kategorie “Die lokale Perspektive” dreht sich diesmal um das Heavy-Metall-Festival in Wacken und in “Wissen in vier Minuten” wird erklärt, was Subkulturen eigentlich sind. In der Kategorie “Wiederentdeckt” wird außerdem der ehemalige Rock-’n’-Roller Peter Kraus wiederentdeckt, in “Frisch geforscht” geht es um das neue Buch von David Bebnowski “Generation und Geltung”. Die Sendetermine:
Für die Durchführung eines Forschungsprojektes zum Thema „Bürgerproteste“ sucht das Institut für Demokratieforschung zum 01. März 2012 vier studentische Hilfskräfte für 40 h im Monat, zunächst befristet bis zum 30. September 2011 (ggf. kann die monatliche Arbeitszeit erhöht oder reduziert werden). Ein Großteil der Arbeit umfasst das Transkribieren von Gruppendiskussion und Interviews. Die Bewerber sollten in der Lage sein, aus Audio- und Videoaufzeichnungen Wortprotokolle zu erstellen, sichere Kenntnisse der deutschen Rechtschreibung sowie die Fähigkeit, zügig die PC-Tastatur zu bedienen, sind unerlässlich. Die Arbeit kann gerne auch als „Heimarbeit“ erledigt werden.
Weitere Informationen gibt es hier zum Download.
Auskunft erteilt Stine Marg: stine.marg@demokratie-goettingen.de
→ weiter lesenZum Abschluss des Jahres 2011 gibt es einige aktuelle Analysen von Franz Walter. In der Frankfurter Rundschau kommentiert er die Konzeptlosigkeit des linken Lagers im Jahr des Protest und das Problem einer bloß simulierten Gegen-Macht. In unserem Blog analysiert Walter das Schwinden von politischem Charisma in einer alternden deutschen Gesellschaft. Auf die Frage des Magazins Stern nach dem Ursprung der Kraft der Kanzlerin antwortet er mit einer Neujahrserzählung über “Wanja in der modernen Politik”.
Das Institut für Demokratieforschung wünscht allerseits einen guten Start ins neue Jahr!
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oeben erschien die erste Ausgabe von INDES, der neu gegründeten Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, herausgegeben von Franz Walter, im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht. Mit hohem ästhetischem Anspruch und anregend zu lesenden Beiträgen erweitert INDES den Markt der sozialwissenschaftlichen Fachjournale. Ausführliche Debatten auch abseits des journalistischen und akademischen Mainstream prägen inhaltlich den Charakter der neuen Zeitschrift. Das erste Heft fragt „Wo sind die Vordenker?“ und thematisiert damit im Schwerpunkt die gesellschaftliche Rolle von Intellektuellen.
Nähere Informationen sowie die komplette erste Ausgabe als kostenfreien Download gibt es ab sofort HIER, weitere Beiträge über und aus INDES finden sich in unserem Blog.
Immer noch stimmt der Satz: Die CDU ist die erfolgreichste Partei der deutschen Parlamentsgeschichte. Immer noch bildet sie die stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag. Immer noch stellt sie die Figur an der Spitze der Regierung. Selbstverständlich ist das alles nicht. Im Grunde müsste es, aus der Soziologie der Gesellschaft gesehen, längst anders sein. Die sozialen und kulturellen Modernisierungsschübe haben die CDU keineswegs begünstigt. Bildungsexpansion, Urbanität, Säkularisierung, Wertewandel – all das unterminierte seit den 1960er/70er Jahren eher das Fundament, auf dem die Partei Adenauers zuvor noch sicher stand. Doch sah die Republik währenddessen die lange Ära Kohl, erlebt nun die Kanzlerschaft von Angela Merkel.
Die neue Ausgabe von Unter der Lupe steht unter dem Motto “Ein Jahr Unter der Lupe“. Einige der interessantesten Beiträge werden noch einmal gesendet, außerdem gibt es Gespräche mit Autoren der einzelnen Rubriken. Neben einem Interview mit dem Werbefachmann Frank Stauss über Wahlkampfstrategien und Wahlkämpfe gibt es so noch einmal die lokale Perspektive mit einem Besuch bei den Berliner Julis kurz nach der Wahlniederlage bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl. In Frisch geforscht wird Franz Walters Buch “Republik, das ist nicht viel” vorgestellt, während in Wiederentdeckt der Blick noch einmal auf Wolfgang Clement gelenkt wird. Die Analyse beschäftigt sich – passend zur Weihnachtszeit – mit dem letzten Assistenten des berühmten Theologen Karl Barth, Eberhard Busch.
Die aktuelle Ausgabe unserer Radiosendung “Unter der Lupe” beschäftigt sich mit dem Thema “Die FDP – Kurz vor Schluss?”. Neben einer Analyse von Prof. Franz Walter und einem Interview mit dem jüngsten Abgeordneten im Deutschen Bundestag, dem FDP-Politiker Florian Bernschneider, wird in der lokalen Perspektive die Berliner FDP nach ihrer Wahlniederlage im September beleuchtet. Außerdem dabei: Ein historischer Abriss über den “Liberalismus” sowie unsere Rubrik Wiederentdeckt – diesmal mit Klaus Kinkel. Zum Abschluss wird ein Blick auf den Koalitionspartner der FDP, die CDU, geworfen und das neue Buch “Die CDU. Entstehung und Verfall christdemokratischer Entschlossenheit” in frisch geforscht vorgestellt.