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Franz Josef Strauß: Egozentriker zwischen Hybris und Kleinmütigkeit

Franz Walter | 4. September 2015

[analysiert]: Franz Walter mit einem Porträt des Franz Josef Strauß.

Franz Josef Strauß: Die einen liebten, verehrten, vergötterten ihn, die anderen misstrauten ihm, fürchteten, ja hassten ihn. Gleichgültig ließ er jedenfalls keinen politisch interessierten Menschen in der Republik. Strauß gehörte unzweifelhaft zu den zunehmend raren Gestalten in der Politik, die nicht im Grau eines soliden Durchschnitts aufgingen. Er brachte Farbe, durchaus auch Individualität und eine riesige Portion Egozentrik in die Politik hinein. Schon als junger Mann, bereits in den 1950er Jahren, war er das Enfant terrible im Bonner Parlamentarismus: für die einen die Großbegabung, die ganz nach vorne wollte und dorthin auch gehörte, für die anderen der Mephisto schlechthin, dem man – koste es was es wolle – niemals den Platz oben überlassen durfte. Strauß hatte in der Adenauer-Ära als Atom- und Verteidigungsminister das alles andere als populäre Projekt der Neuformierung bundesdeutscher Streitkräfte durchgesetzt, mit Verve, mit Chuzpe, mit exzessiver Freude auch an militärischen Strategiefragen und: an moderner Technik. Der Konservative Strauß war zeitlebens ein Avantgardist der technischen Moderne.

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