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Die Töchter des Ü-Eis

Jöran Klatt | 26. September 2012

[debattiert]: Jöran Klatt über die konservative Kritik an Genderlogiken

„Ist es für meine Tochter gefährlich oder schränkt es sie in irgendeiner Hinsicht in ihrer persönlichen Zukunft ein, wenn sie pinkfarbene Überraschungseier konsumiert?“ – Diese Frage treibt gegenwärtig nicht nur Eltern um, sie birgt auch allgemein Streitpotenzial. Das Unternehmen Ferrero vertreibt seit kurzem eine „Mädchen“-Variante ihres Traditionsproduktes, ein lila-farbiges Überraschungs-Ei, das zu heftigen Gender- bzw. Anti-Gender-Debatten im Netz und in überregionalen Printmedien gesorgt hat (Maskulisten vs. FeministInnen / FeministInnen vs. Post-FeministInnen oder Anti-FeministInnen, usw.). Dabei wird deutlich: In Fragen der geschlechts(un)spezifischen Erziehung wird nicht nur gerne aneinander vorbeigeredet, sondern es offenbaren sich auch bemerkenswerte konservative Tendenzen. Einen  exemplarischen Beitrag hierfür lieferte vor einer Zeit The European.

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Philosophie des Libertären Paternalismus

Paru Fiona Ludszuweit | 6. Januar 2012

[analysiert]: Paru Fiona Ludszuweit analysiert die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Barack Obama.

Der ehemalige US-Präsident George W. Bush hatte sich noch sehr stark an der wirtschaftspolitischen Philosophie der Reagan-Ära und des „laissez-faire“ orientiert. Präsident Barack Obama machte dagegen bereits während seines Wahlkampfes unmissverständlich deutlich, dass es unter ihm zu einer klaren Wende in der US-Wirtschaftspolitik kommen werde. Bereits in dieser Phase sahen viele politische Beobachter in Obama einen potentiellen Erben des Wirtschaftstheoretikers John Maynard Keynes, da sich der Kandidat in Zeiten der schweren US-Wirtschaftskrise für staatliche Interventionen in die Wirtschaft aussprach. Kurz nach seinem Amtsantritt verabschiedete Obama zur Stabilisierung und Ankurbelung der angeschlagenen Wirtschaft so auch ein Konjunkturpaket von $787 Milliarden. Es lässt sich jedoch trefflich darüber streiten, ob sich Obamas wirtschaftspolitisches Konzept allein an den Leitsätzen des Keynesianismus festmachen lässt. Vielmehr stellt sich die Frage, für welche wirtschaftspolitische Philosophie Präsident Obama steht und auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln er versucht, sein wirtschaftspolitisches Konzept umzusetzen.

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Vordenker der arabischen Moderne

Severin Caspari | 27. Oktober 2011

[analysiert]: Severin Caspari über den marokkanischen Philosophen Mohammed al-Jabri

Es wäre auch seine Revolution gewesen. Aber als sich die Bevölkerung in Nordafrika und im Nahen Osten 2011 gegen ihre Unterdrücker erhob, war Mohammed al-Jabri bereits ein Jahr verstorben. Der marokkanische Philosoph wurde vor allem durch sein Hauptwerk „Die Kritik der arabischen Vernunft“[1], das zwischen 1984 und 2001 in insgesamt vier Bänden erschien, zu einem der bedeutendsten Intellektuellen der arabischen Welt. Zwischen Beirut und Casablanca führte die Lektüre seiner Schriften zu hitzigen Diskussionen – vor allem bei der Jugend.[2]

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Einwanderung und nationale Identität

Jan Michael Kotowski | 8. September 2011

[analysiert]: Jan Kotowski über die Bedeutung von Einwanderungsdiskursen für die Konstruktion nationaler Identitäten in der BRD und den USA

Im Spätsommer 2011 sind die öffentlichen politischen Debatten auf beiden Seiten des Atlantiks von der Finanz- und Schuldenkrise bestimmt. Insbesondere in Deutschland ist die im Vorjahr noch hysterisch geführte „Integrationsdebatte“ aus dem öffentlichen Bewusstsein nahezu verschwunden. Daran ändert auch das Skandälchen um den Film Güner Balcis im Juli dieses Jahres nichts Wesentliches. In den USA ist die Einwanderungsdebatte ebenfalls wieder in den Hintergrund getreten, nachdem sie noch im Sommer 2010 im Zuge der restriktiven Gesetzgebung Arizonas und der Diskussion um den 14. Verfassungszusatz zumindest in der publizistisch-politischen Klasse des Landes eine herausgehobene Stellung eingenommen hatte.

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Tücken der Demokratisierung der Demokratie

Franz Walter | 29. August 2011

[analysiert]: Franz Walter über Widersprüche zwischen Partizipation und parlamentarischer Demokratie

An den Wahlsonntagen fungieren die Wahlbürger zwischen 8:00 und 18:00 Uhr als Souverän. Aber unmittelbar danach fällt die Souveränität fast vollständig in die Hände der Politikeliten. Gerade weil die Wähler im demokratischen Akt komplexe Vielfalt produzieren, verlieren sie die Möglichkeit, die machtpolitischen Folgen ihrer Entscheidung zu beeinflussen. Denn die Koalitionsbildung ergibt sich nicht mehr direkt aus dem Wahlergebnis, sondern erst als Resultat mühseliger, windungsreicher, mit List und Tücke zu führender Koalitionsbildungsprozesse durch die Parteiführer. Die Pluralität und Modernität demokratischer Artikulation im Zuge der Entuniformierung von Politik bewirkt paradoxerweise eine Oligarchisierung der anschließenden Entscheidungsprozeduren.

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Die unglaubliche Weisheit der Vernunft

Felix Butzlaff | 26. August 2011

[präsentiert]: Felix Butzlaff über Amartya Sens „Die Idee der Gerechtigkeit“.

Die Messlatte wird von der ersten Seite an geradezu in den Himmel gehängt: Nichts Geringeres als eine komplette Neubestimmung des Nachdenkens über Gerechtigkeit und ihre theoretische Fundierung, das Verwerfen der bekannten Theoreme hierzu und ein neues Urteil über „gerechte“ oder „ungerechte“ Zustände möchte Amartya Sen mit seinem Opus über „Die Idee der Gerechtigkeit“ ausarbeiten. Und in der Tat sind die Erwartungen kaum zu bändigen, wenn ein Nobelpreisträger der Ökonomie, berühmt und prämiert für seine Arbeiten über ökonomische Ungleichheiten und ihre gesellschaftlichen Implikationen, in einem Buch nun die Brücke zu einer mehr philosophischen Betrachtung des Themenfeldes schlägt und überdies betont, dieses Werk sei das Ergebnis und Kondensat einer über Jahrzehnte immer inniger gewordenen Beschäftigung mit dieser seine ökonomischen Schwerpunktbereiche ergänzenden Herangehensweise.

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Unbehagen 2.0

Jöran Klatt | 12. November 2010

[kommentiert]: Jöran Klatt über das Verhältnis von Feminismus und Gender-Studies

Der Begriff gender erzeugt nach wie vor gewisses Unbehagen. Dabei erschien das für die Gender-Studies zentrale Werk der Soziologin Judith Butler „Das Unbehagen der Geschlechter“ bereits 1991. Bis heute gilt ihr Ansatz als revolutionär und wird, wegen seiner vermeintlichen Radikalität, nur selten als notwendige oder hilfreiche Kategorie für die Wissenschaft angesehen.

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Das Ende ist nah

David Bebnowski | 30. August 2010

[präsentiert]: David Bebnowski über Slavoj Žižek und dessen neues Buch „Living in the End Times“

Slavoj Zizek ist ein Charismatiker. Es gehört zum Wesen des Charismatikers, dass Widersprüche sich in seiner Person zu einem merkwürdigen Amalgam verbinden, das Leute in einen übersinnlichen Bann zieht und verzaubert zurücklässt. Dies ist das Charisma. Charismatiker müssen deswegen also keinesfalls Ebenbilder, gar galante Ideale der Masse sein, auf die ihr Zauber wirkt. Vielmehr ist es der Gegensatz, der Bruch mit dem Erwartbaren, der ihnen ihren Schein verleiht.

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