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Demokratie: Leben im Widerspruch

Torben Schwuchow | 20. Oktober 2016

[kommentiert]: Torben Schwuchow über die Kritik des demokratischen Menschen bei Platon und Tocqueville

Demokratien sind in Bewegung. Parteien wechseln von Oppositions- zu Regierungsaufgaben. Proteste entstehen und verschwinden genauso wie politische Parteien die parlamentarische Bühne betreten und wieder verlassen. Auch der institutionelle Rahmen einer Demokratie und ihre Leitideen, sind niemals vor Kritik und Veränderungen gefeit. Umso schwieriger ist es, zwischen der normalen Beweglichkeit und einer tatsächlichen Krise der Demokratie zu unterscheiden.  Zur Beantwortung dieser komplizierten Frage bieten zwei berühmte Autoren der politischen Theorie einen bemerkenswerten  Vorschlag an. Platon und Alexis de Tocqueville präsentieren uns die Demokratie nicht anhand eines institutionellen Verfahrens, sondern als eine Lebensform. Wodurch zeichnet sich diese demokratische Lebensweise aus?

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Multidisziplinäre Ideengeschichte

Felix Butzlaff | 16. Juli 2015

[kommentiert]: Felix Butzlaff über den Workshop „Zeitgenössisches politisches Denken in Deutschland seit 1989“ in Kiel

Seit einem guten Jahr ist an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ein DFG-Projekt angesiedelt, in dessen Rahmen ein Team um die Ideengeschichtlerin Tine Stein mit ihren Mitarbeitern Tobias Bartels, Katarina Marcisch (u.a.) der Frage nachgeht, in welchen Bahnen und Formen sich das zeitgenössische politische Denken in Deutschland seit 1989 entwickelt hat. Inhaltlich und methodisch ist dies ein bemerkenswerter Versuch der Annäherung an ein durchaus unübersichtliches und amorphes Feld. Denn aufgrund der wenigen verstrichenen Zeit haben bis dato eine Kanonisierung und Einteilung in Gelungenes und zu Vernachlässigendes, in Strukturen und Interpretationslinien der einzelnen Denkschulen noch gar nicht erfolgen können. Das Projekt betritt also, in einer Art Sortierfunktion, wissenschaftliches Neuland. Nun, fünfzehn Monate nach dem Projektstart, wurden auf einem Workshop am 9./10. Juli 2015 in Kiel erste Ergebnisse diskutiert.

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Politischer Widerstand in der Postdemokratie

Redaktion | 7. Juli 2015

[präsentiert]: Danny Michelsen zur Rechtfertigung zivilen Ungehorsams

Spätestens seit den Affären um Wikileaks und Edward Snowden ist die Debatte über die Rechtfertigung von illegalem politischen Widerstand neu entbrannt. Welche Rolle spielt ziviler Ungehorsam im Kontext von aktueller Krise, Postdemokratie und digitalen Medien? Diese Fragen stellte die von der Politischen Theorie der TU Dresden und der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen organisierte Ringvorlesung  „Die demokratische Frage – neu gestellt“. Eine Antwort aus einer von Hannah Arendt inspirierten republikanischen Perspektive gibt unser Mitarbeiter Danny Michelsen im Video.

Video:  Heinrich Böll Stiftung Sachsen (Quelle: Youtube)
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Pegida als Symptom kollektiver Narbenbildung

Analysen der Pegida-Bewegung

[analysiert]: Hannes Keune, Florian Finkbeiner und Julian Schenke mit einer sozialpsychologischen Annäherung an Pegida

Die Pegida-Proteste sind fraglos vor allem ein sächsisches Phänomen.[1] Dennoch sind regionalkulturelle Erklärungen der Proteste keineswegs erschöpfend. Das unerbittliche und aggressiv vorgetragene Misstrauen sowie die Absurdität vieler Forderungen verweisen auf allgemeinere Triebfedern des Protests. Diese lassen sich mithilfe eines sozialpsychologischen Ansatzes einfangen, der den Wandel der Stellung von Individuen in modernen Gesellschaften betrachtet. Aus einer derartigen Perspektive ergeben sich interessante Erklärungen der Pegida-Proteste, welche als deutliches Symptom kapitalistischer Krisenentwicklungen gedeutet werden können. Sozialpsychologische Kategorien erweitern den Blick auf die Dynamik von Massen und die Funktionsweisen kollektiver Enthemmung. Das wachsende Behagen der Demonstrationsteilnehmer, ihr Aufgehen in den ritualisierten Zusammenrottungen, was sich teilweise bis zur Parole „Pegida macht glücklich“[2] steigert, lassen sich so ins „rechte“ Licht rücken.

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Von der Ordnung im Geiste

Julia Kiegeland; Florian Schuck | 12. Dezember 2014

[analysiert]: Julia Kiegeland und Florian Schuck über die Weberʼschen Idealtypen

Es ist abstrakt, denkbar willkürlich und dennoch von großem methodischen Nutzen. Es findet sich in den Bereichen der Betriebswirtschaftslehre[1], der Politikwissenschaft[2] und in phänomenologischen Untersuchungen zur Landschaftsplanung[3]. Kaum ein Student, eine Studentin und schon gar nicht die Professoren und Professorinnen der Sozialwissenschaften kommen an ihm vorbei: dem Weberʼschen Konzept des Idealtypus. Trotz ihrer heutigen starken Verbreitung erfahren das Konzept und die Logik des „Idealtypus“ Kritik, selbst innerhalb der Sozialwissenschaften.[4] Denn Max Webers methodisches Vermächtnis erscheint auf den ersten Blick zweifelsohne als wenig wissenschaftlich. Scheinbar willkürlich gewählte Variablen kombinieren und letzten Endes als Idealtyp deklarieren – kann so Wissenschaft funktionieren? Kann die Realität mit etwas gemessen werden, was es in ihr gar nicht gibt?

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Das Ende der Geschichten

Christoph Hoeft | 3. Juli 2014

[analysiert]: Christoph Hoeft über die Bedeutung von Erzählungen in der Politik

Der Mensch ist ein Geschichtenerzähler. Nicht nur die eigene Biographie wird als eine Geschichte mit rotem Faden konzipiert, in der dann die einzelnen Episoden des Lebens miteinander verknüpft und so mit einer größeren Bedeutung und einem tieferen Sinn versehen werden. Auch auf einer gesellschaftlichen Ebene geben Erzählungen zunächst unzusammenhängend erscheinenden Ereignissen eine Bedeutung und einen Sinn, sie bilden die Basis einer gemeinsamen Identität und einer geteilten Kultur. Egal, ob es sich um politische Gruppen, Klassen oder Nationen handelt: Jedes soziale Kollektiv verfügt über eine oder mehrere Basiserzählungen, die eine gemeinsame Geschichte konstruieren, auf diese Weise überhaupt erst eine Gemeinschaft erlebbar machen. Solche Narrationen schaffen Modelle der Welt und versehen die Menschen mit Handlungsorientierungen und Motiven, sie bestimmen auch, ob eine bestimmte Haltung in unseren Ohren schlüssig klingt.

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Brot und Spiele im 21. Jahrhundert?

Redaktion | 22. Oktober 2013

[präsentiert]: Franz Walter über die Debatte zur Postdemokratie

Der Begriff der Postdemokratie ist im letzten Jahrzehnt vor allem durch die Publikationen des britischen Politikwissenschaftlers Colin Crouch weithin bekannt geworden. Über die Diagnose der Postdemokratie hat Franz Walter auf der Konferenz „Denk ich an Deutschland“ einen Vortrag gehalten.

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Flüssig oder fraktal?

Christopher Schmitz | 8. Oktober 2013

[debattiert]: Christopher Schmitz über Potenziale und Probleme internetgestützter Demokratiereformen

Ungeachtet der in diesem Blog geäußerten Zweifel, ob Konzepte wie Demokratie 4.0 verfassungsmäßig sind oder nicht, stellt sich bei diesem und anderem Erneuerungsprogramm der Demokratie mit Hilfe des Internets letztlich – oder vielleicht besser: zuerst – die Frage nach theoretischen und normativen Grundlagen derartiger Gedankenspiele. Angenommen also, die technischen Probleme solcher Vorhaben ließen sich zur Zufriedenheit der Verfassungshüter lösen: Wäre die Einführung solcher Verfahrensweisen tatsächlich der Revitalisierung des demokratischen Projektes förderlich?

„Wenn es in einem Land Parteien gibt, entsteht früher oder später eine Sachlage, in der es unmöglich ist, wirksam auf die öffentlichen Angelegenheiten Einfluss zu nehmen, ohne in eine Partei einzutreten und das Spiel mitzuspielen.“[1]

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Vermeintliche Links-Abbieger

Robert Pausch | 16. Mai 2013

[analysiert]: Robert Pausch über die Tradition bürgerlicher Kapitalismuskritik

Die Wogen um Frank Schirrmachers Buch „Ego“ haben sich geglättet. Doch ob Verriss oder Lobeshymne, Rezensenten aller Couleur räsonieren über die Frage, wie der einstige Rechtsintellektuelle zum Kapitalismusgegner geworden ist, wie links dieser Schirrmacher denn mittlerweile wirklich sei. Der Focus meint, Zeuge einer Wandlung des besonnenen Bürgers zum Antikapitalisten und „Links-Abbieger“ zu sein, und Cornelius Tittel bemüht sich in der Welt sichtlich, Schirrmacher als grenzdebilen Verschwörungstheoretiker zu entlarven, dessen Thesen nur die „Betonfraktion der Linkspartei“ folgen könne. Dagegen freut sich Jakob Augstein über eben jene Missgunst, die diese „Linkswendung“ im konservativen Lager erzeuge, und beschließt, dass Schirrmacher „ohne Zweifel links“ sei. Und auch die Zeit schreibt über einen, der einst vor „linken Quälgeistern und Frankfurter Schülern“ warnte, um nun selbst zum Systemkritiker zu werden.

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Die vergessenen 1960er

Samuel Salzborn | 28. Januar 2013

[Gastbeitrag]: Samuel Salzborn schaut mit dem demokratietheoretischen Blick der 1960er Jahre in die Zukunft.

Die repräsentative Demokratie ist in der Krise. Bürgerinnen und Bürger fühlen sich enttäuscht, missverstanden, nicht hinreichend in ihren Anliegen gehört, zu wenig in Entscheidungsprozesse eingebunden. Lässt man einmal außer Acht, dass einige der gegenwärtigen Enttäuschungen auf Missverständnissen über die Funktionen von Demokratie und daraus resultierenden Fehlerwartungen basieren, ist die Enttäuschung gar nicht neu – nur die Hilflosigkeit bei der Suche nach Antworten verwundert. Ein Blick in ein heute fast vergessenes Jahrzehnt demokratietheoretischer Blüte kann da helfen: die 1960er Jahre mit ihrem Innovations- und Integrationspotenzial einer gesellschaftskritischen Demokratietheorie.

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