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Vom Kulturkampf um die Unterschicht

Florian Finkbeiner | 14. November 2014

Banner_Proteste[analysiert]: Florian Finkbeiner über das verkannte Protestpotenzial der Unterschichten.

Die Disziplin der Protestforschung ist relativ jung. Mit ihrem interdisziplinären Setting zwischen Soziologie, Politik- und Geschichtswissenschaft kämpft sie um ihren Status. Diese anhaltende Vernachlässigung in der deutschen Forschungslandschaft erstaunt angesichts der beträchtlichen Zunahme unterschiedlicher Protestformen. Auf dem Kampffeld um die Wahrnehmung und Deutung von Protesthandlungen zwischen wissenschaftlicher Anerkennung (und Distinktion), medialer (Früh-)Interpretation und feuilletonistischer Avantgarde sucht die Bewegungsforschung noch ihre Rolle. In diesem Spannungsfeld verdichten sich grundlegende Annahmen darüber, wer als handlungsfähig für Proteste gilt (und dann dementsprechend wahrgenommen wird) und wie sich diese Strukturkategorien (re-)produzieren. Doch dabei werden bedeutende Potenziale verkannt.

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Globaler Protest und feuilletonistischer Ausnahmezustand

Hannes Keune | 29. Juli 2014

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[analysiert]: Hannes Keune hinterfragt ein aktuelles Narrativ der public intellectuals.

Irgendwie schien die Realität Francis Fukuyamas Geschichtsteleologie, demnach die Demokratie westlichen Typs endgültig triumphiert habe,[1] nach 1989 zu konterkarieren: In unmittelbarer Nachbarschaft der Europäischen Union gingen aus dem Zerfall des jugoslawischen Vielvölkerstaats sich nur langsam modernisierende und demokratisierende Transformationsgesellschaften hervor. Den islamistischen Anschlägen von 9/11 folgten Afghanistan- und Irak-Krieg. Und dass die Globalisierung nicht widerspruchslos abläuft, bewies nicht zuletzt die Vielzahl ökonomischer Krisen in den 1990ern und 2000ern – es seien an dieser Stelle nur die wichtigsten der Reihe nach genannt: die Skandinavische Bankenkrise zu Beginn der 1990er Jahre, die Japan-Krise ab 1991, die Asien-Krise 1997/98, das Platzen der Dotcom-Bubble 2000 und nicht zuletzt die Weltwirtschaftskrise ab 2007. To make a long story short: Die Welt war mit dem Ende der Sowjetunion keineswegs zu einem besseren Ort geworden, Protest oder gar utopische Gegenentwürfe regten sich jedoch kaum oder waren den Massenmedien keine Berichterstattung wert.

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Unkalkulierbar wie nie

Alexander Hensel | 24. März 2011

[analysiert]: Ulrich Eith über die Lage in Baden-Württemberg vor der Wahl

Wie sind die Parteien in Baden-Württemberg aufgestellt und wie beeinflusst „Stuttgart 21“ die kommende Landtagswahl? – Hierauf antwortete der Freiburger Parteienforscher Prof. Dr. Ulrich Eith Anfang März unserem Radiomagazin „Unter der Lupe“. Nach der Katastrophe in Japan hat Eith seine Einschätzung der politischen Lage in Baden-Württemberg aktualisert. Er meint, bei den anstehenden Wahlen sei nun alles möglich:

Die Entwicklung der politischen Stimmungslage vor den Ereignissen in Japan war berechenbar. Das Thema „Stuttgart 21“ hatte nur noch regionale Bedeutung. Die Regierungsparteien konnten in den Umfragen schrittweise Boden gutmachen und lagen auf Erfolgskurs. Zu erwarten war also, dass CDU und FDP aufgrund ihrer strukturellen Vorteile in Baden-Württemberg  die Wahl knapp, aber immerhin gewinnen würden. Mit den Ereignissen in Japan hat sich die Stimmungslage erneut gedreht.

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Wir können alles – aber auch Machtwechsel?

Jens Gmeiner | 23. März 2011

[analysiert]: Jens Gmeiner über die traditionelle Stärke der CDU in Baden-Württemberg

Am 27. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Zum ersten Mal seit langer Zeit scheint dabei im „Ländle“ ein Machtwechsel realistischer zu sein. Grüne und Sozialdemokraten wittern die historische Chance, die jahrzehntelange Hegemonie der CDU zu brechen. Für die Christdemokraten wäre der Verlust ihres Stammlandes, in dem sie seit 1953 durchgehend den Ministerpräsidenten stellt, eine weitere Hiobsbotschaft nach dem desaströsen Abschneiden bei der Hamburger Bürgerschaftswahl. Aber Baden-Württemberg ist nicht Hamburg, denn bei Landtagswahlen im Südwesten Deutschlands sind bürgerlich-konservativen Parteien traditionell begünstigt.

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Schlichtigkeiten

Christoph Hoeft | 3. Dezember 2010

[kommentiert]: Christoph Hoeft über die Schlichtungsgespräche in Stuttgart

Der Schiedsspruch von Heiner Geißler am Dienstagnachmittag in Stuttgart sorgte für Emotionen, wie sie gegensätzlicher nicht hätten sein können: Erleichterung und klammheimliche Freude auf der Seite der S-21-Befürworter, Enttäuschung und kaum verhohlene Wut auf der Seite der Gegner. Dass Stuttgart 21 bzw. das  nachgebesserte „Stuttgart 21 plus“ kommen soll, scheint nun festzustehen. Doch was bedeutet das für die Zukunft der Proteste? Kann der Schlichterspruch die äußerst vitale Bewegung gegen das Großprojekt von heute auf morgen zum Erliegen bringen?

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Neue Dimensionen des Protests

AG Demokratietheorie | 19. November 2010

Stuttgart 21

[präsentiert]: Download der Studie über den Protest gegen Stuttgart 21

Die Proteste gegen Stuttgart 21: Wer sind die Protestierenden? Was sind ihre Motive und in welchen gesellschaftlichen Hintergrund sind die Ereignisse in Stuttgart einzuordnen? Antworten auf diese Frage liefert unsere Studie „Neue Dimensionen des Protests“.

Weitere Artikel über den Protest gegen Stuttgart 21:

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Spießerdemo oder reaktivierte Protestler?

AG Demokratietheorie | 19. November 2010

[präsentiert]: Die Ergebnisse der Studie zu Stuttgart 21

„Spießerprotest“, „Aufstand des Bürgertums“, die Stuttgarter Halbhöhen als Keimzellen des Widerstands – so wurde die Protestbewegung gegen das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 in den zurückliegenden Monaten oftmals beschrieben. Doch stimmen diese Zuschreibungen überhaupt?

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Gelegenheit macht Protestierende

Jonas Rugenstein | 18. November 2010

[analysiert]: Jonas Rugenstein erklärt die Stuttgarter Protestbewegung anhand „politischer Gelegenheitsstrukturen“

Viele Erklärungsversuche der Protestbewegung gegen das Großprojekt „Stuttgart 21“ setzen direkt bei den Menschen an: So verfolgt auch die Befragung des Göttinger Instituts für Demokratieforschung das Ziel, die Motive, Einstellungen, Erfahrungen und Ressourcen der Protestierenden genauer zu analysieren. Sind erst die Beweggründe der Protestierenden gefunden, so die Annahme, lässt sich erklären, wie der Protest entsteht und sich entwickelt. Und in der Tat lässt sich so Einiges über die Frage nach dem „Warum“ aussagen. Eine solche Analyse kommt jedoch nicht über den engen Erklärungsrahmen der internen Voraussetzungen für die Entstehung von Bewegungen hinaus und läuft damit Gefahr, eine einseitige Deutung abzugeben.

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Bürgerliche Barrikaden?

Lea Heyne | 1. November 2010

[präsentiert]: Lea Heyne berichtet über den Protest gegen „Stuttgart 21“ und analysiert, was die Protestierenden zusammen hält. 

Stuttgart, Bahnhofsvorplatz, 23. Oktober 2010: Großdemonstration der Gegner des Bahnprojektes „Stuttgart 21“. Familien, Schüler, Rentner, Umweltaktivisten und arrivierte Mittelstandspärchen schwenken Transparente und skandieren voller Inbrunst: „Mappus weg!“ Menschen, die man eher in Architektenbüros, Anwaltskanzleien oder auf Tennisplätzen als auf der Straße vermutet hätte, heften sich Protest-Buttons ans Revers und demonstrieren mit selbstgemalten Plakaten gemeinsam ihren Unmut. Die Veranstalter sprechen von bis zu 50.000 Teilnehmern – nichts Neues in der schwäbischen Metropole, die 2010 unangefochten Deutschlands Demo-Hauptstadt Nummer 1 sein dürfte. Unter der Parole „Oben bleiben!“ protestieren entrüstete Stuttgarter seit Wochen gegen das Prestige-Projekt der Deutschen Bahn und der baden-württembergischen Landesregierung. Wird im sonst eher ruhigen Ländle eine neue bürgerliche Revolution vorbereitet? Und: Was was hält die Demonstrierenden überhaupt zusammen?

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