Logo Göttinger Institut für Demokratieforschung
Sexualerziehung rss facebook Twitter

Wer will eine starre Geschlechterordnung?

Marcus Felix | 18. August 2015

Das politische Geschlecht

[Gastbeitrag]: Marcus Felix kommentiert die baden-württembergische Bildungsplan-Debatte

Ja, im Arbeitspapier des baden-württembergischen Bildungsplans taucht das Wort „Sex“ auf, und ja, wir haben noch immer ein Problem mit diesen drei Buchstaben. Schon deshalb, weil allein die Präsenz dieser Silbe in eben jenem Schriftstück ad hoc Protestwellen auslöste, die eine „Pornografisierung der Schule“ (Bernd Saur, Vorsitzender des Philologenverbandes Baden-Württemberg) und eine Bildung „unter dem Diktat des Regenbogens“ (eine Online-Petition des Realschullehrers und Evangelikalen Gabriel Stängle) anprangerten. Selten findet außerhalb des wissenschaftlichen Raums – und selbst in diesem auch nicht immer – ein unverkrampfter Dialog über die Frage statt, welche sexualpädagogischen Inhalte in der institutionellen Bildung zu verankern und zu vertreten sind. Sobald öffentlich über Geschlechterfragen und die Vielfalt menschlicher Sexualität gestritten wird, vollziehen sich die Diskussionen zumeist hinter vorgehaltener Hand oder mit erhobenem Zeigefinger und überwiegen darin Verunsachlichung, Dramatisierung und Vereinnahmung des Themas zugunsten eigener politischer Interessen. In solcher Weise geführte Debatten machen jedoch den Umgang einer Gesellschaft mit Sexualität sowie etablierte Sexual- und Geschlechtervorstellungen sichtbar. Indem über Sexualnormen gesprochen und diskutiert wird, indem sie bekämpft oder verteidigt werden, werden sie greifbar.

weiter lesen