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Zwischen sozialdemokratischer Illusion und „Vaterlandsverrat“

Hannes Keune | 6. September 2016

[analysiert]: Hannes Keune über Michail Gorbatschow ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Sowjetunion

In diesem Jahr, 2016, hat Michail Gorbatschow seinen 85. Geburtstag gefeiert. Zugleich jähren sich in diesen Tagen die Ereignisse um den Augustputsch, den die Sowjetunion nur um wenige Wochen überlebte, zum 25. Mal. Als Kopf des Reformerlagers in der sowjetischen Nomenklatura in den ersten Jahren von glasnost und perestroika noch Hoffnungsfigur, symbolisiert Gorbatschow, der Friedensnobelpreisträger von 1990 und letzte Staatspräsident der UdSSR, seit den krisenhaften 1990er Jahren für viele Russen den nationalen Niedergang, den Demokratie und Verwestlichung dem Land angeblich gebracht haben. Man kann Gorbatschow als eine objektiv fast schon tragische[1] und darin über die eigene Person hinausweisende Figur der jüngeren russischen Geschichte skizzieren. Deshalb sollen im Folgenden seine Reformhoffnungen und seine Rolle im gegenwärtigen Russland beleuchtet werden.

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Aufbruch in eine demokratische Zukunft?

Ernst Wawra | 24. März 2015

Ernst Wawra über Andersdenkende in der Sowjetunion nach 1989

„1989“ ist eine Chiffre für das Ende der sowjetischen Vorherrschaft in Ostmitteleuropa und die damit verbundene Loslösung der Satellitenstaaten aus dem Machtbereich des „großen Bruders“ in Moskau, die schließlich 1991 in der Auflösung der Sowjetunion gipfelte, weiterhin für die Öffnung des Eisernen Vorhanges und den Fall der Berliner Mauer sowie die (im Jahr darauf stattfindende) Wiedervereinigung Deutschlands. In diesem Beitrag wird jedoch nicht nach den großen außenpolitischen Konstellationen gefragt, stattdessen wird einer Gruppe von Menschen nachgespürt, die sich unter den Bedingungen von Zensur und rigider politischer Verfolgung für die Einhaltung von Bürger- und Menschenrechten in der Sowjetunion eingesetzt hatte. Es wird ihr Aufbruch in eine demokratische Zukunft, deren Verfassungsrealität allerdings spätestens seit Vladimir Putins zweiter Amtsperiode besser mit „gelenkter“ oder „autoritärer Demokratie“[1] beschrieben werden muss, verfolgt.

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Putin- statt Systemkritik

Marcus Franke | 29. Juli 2013

[gastbeitrag]: Marcus Franke über Russlands Reaktion auf die Finanzkrise

Dass Wirtschaftskrisen politische Systeme destabilisieren und sinkender Wohlstand die Protestbereitschaft verstärkt, ist weitestgehend unumstritten. Die politischen Auswirkungen der Finanzkrise 2008 auf die Russische Föderation unterscheiden sich jedoch erheblich von denen auf die transatlantische Welt. Während die wirtschaftliche Verunsicherung in Europa und den USA systemkritische sowie populistische Bewegungen und Parteien hervorgebracht hat, erlebt Russland ein Déjà-vu: Die Krise entzündet sich dort abermals weniger am Wohlstandsverlust als am dahinter vermuteten Politikversagen. Russische Proteste richten sich daher nicht gegen das politische oder gar das ökonomische System, sondern gegen dessen zentralen Akteur: Wladimir Putin.

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