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Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Franz Walter | 27. April 2017

[kommentiert]: Franz Walter über das heikle Postulat des „Wirklichen“ und einen Wandel der politischer Kultur

„Fakt ist…“ So begann der frühere Erste Sekretär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland, Erich Honecker, gern und häufig seine Reden. Auf das, was dann kam, brauchte man nicht viel zu geben, musste es vor allem nicht für bare Münzen nehmen. Da auch andere Politiker der ostdeutschen Staatspartei gern „Fakt ist“ agitatorisch hinaustrompeteten, mied man in halbwegs sprachsensiblen Kreisen während der 1960/70/80er Jahre den Rückgriff auf den Terminus „Fakt“. Der SED-Jargon hatte diesen Begriff gewissermaßen kompromittiert.

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Eine Antwort auf den Populismus

Manuel Clemens | 22. Dezember 2016

[gastbeitrag]: Manuel Clemens über die Potenziale des politischen Bildungsromans

Politik und Bildung sind eigentlich eng miteinander verbunden. Der gegenwärtige Populismus könnte ihre Beziehung jedoch auf ganz neue Art verdichten: Als die Französische Revolution um 1793 zu brutal geworden war, begann Friedrich Schiller mit der Ausarbeitung eines schöngeistigen Gegenprogramms. Wenn der plötzliche Umsturz der politischen Verhältnisse, so sein Grundgedanke, aus dem Ruder läuft und selbst zu einer Schreckensherrschaft wird, dann sollte eine Revolution besser nicht politisch, sondern ästhetisch sein.

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Partei der Extreme: Die Republikaner

 | 21. Oktober 2016

Von den Kreuzzügen des George W. Bush über die schrillen Attacken der »Tea Party« bis hin zur populistischen Mobilisierung Donald Trumps: Amerikas Konservative halten die USA in Atem. Für viele Europäer handelt es sich um ein verstörendes Phänomen, da die Kombination aus radikalem Individualismus, tiefer Religiosität und Hyperpatriotismus hierzulande in dieser Form kaum existiert. Das Buch zeichnet die Formierung einer politischen Bewegung nach, die in den letzten Jahrzehnten vom Rande des politischen Geschehens in das Zentrum der amerikanischen Politik gelangt ist – und fragt schließlich nach der Zukunft einer Partei, die den Vormarsch des Außenseiters Donald Trump nicht zu stoppen vermochte.

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PEGIDA: Vom „Schmuddelkind“ zum professionalisierten Protestformat

Stine Marg; Katharina Trittel | 11. Oktober 2016

Analysen der Pegida-Bewegung[analysiert]: Stine Marg und Katharina Trittel über die Entwicklung der „PEGIDA“-Bewegung

Ja, sie laufen immer noch. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, die seit Herbst 2014 immer montags durch Dresden spazieren, sind nicht von der Bildfläche verschwunden. Ganz im Gegenteil: PEGIDA ist nicht nur weiterhin in der Dresdner Stadtgesellschaft präsent und weit über das lokale Umfeld hinaus für Zehntausende über die sozialen Medien verfügbar, sondern hat sich in den vergangenen Jahren als Protestformation auch institutionalisiert und ein Stück weit professionalisiert.

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Die Politik der Echokammer

 | 5. Oktober 2016

In den USA stehen sich heute zwei politischer Lager – Demokraten und Republikaner, Liberale und Konservative – in existenzieller Feindschaft gegenüber. Was erklärt diesen tiefen ideologischen Graben, der das Land durchzieht? In seinem Buch zeigt Torben Lütjen, wie die USA in ein Land politischer Echokammern zerfielen: virtuelle und soziale Räume, die vor allem von Gleichgesinnten bevölkert werden und sich durch das Fehlen von Widerspruch ideologisch radikalisiert haben. Der Blick geht dabei vor allem nach Wisconsin, in den Mittleren Westen der USA: Dort verkörpert sich in zwei extremen Parteihochburgen von Demokraten und Republikanern paradigmatisch der Konflikt, der die modernen USA prägt.

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House of Cards: „Amerika, ich fange gerade erst an!“

Uwe Oehm | 17. Juni 2016

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[Gastbeitrag]: Uwe Oehm entdeckt das „postdemokratische Paradoxon“ und die produktive Scheinwelt des Frank Underwood in „House of Cards“

Es ist bereits die fünfte TV-Präsidentschaftsdebatte der US-Republikaner. Offiziell stehen sich bei dem erneuten Schlagabtausch nur noch neun Kandidaten der Grand Old Party auf der Fernsehbühne gegenüber. Doch ein weiterer Kandidat hat seinen Auftritt bereits im Vorfeld über den Kurznachrichtendienst Twitter ankündigen lassen und drängt nun während der Werbepause in die große Wahlkampfinszenierung: „Amerika, ich fange gerade erst an!“ Vor der ikonischen Kulisse des Oval Office spricht der fiktive US-Politiker Frank Underwood, alias Kevin Spacey. In vertrauter Wahlwerbespot-Ästhetik kündigt die Streaming-Plattform Netflix mit jenem halbminütigen Teaser die Premiere der vierten Staffel ihrer Erfolgsserie „House of Cards“ an.[1]

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Rechtskonservatismus: Heimweh nach dem Vergangenen

Florian Finkbeiner | 13. Juni 2016

[analysiert] Florian Finkbeiner über die historischen Wurzeln des Rechtskonservatismus und dessen aktuelle Relevanz

Die Verwunderung über den Aufstieg der AfD hält an. Politiker verschiedener Parteien blicken ratlos auf die eklatanten Erfolge der Rechtspopulisten, Parteistrategen analysieren angestrengt Motive und Antriebe der AfD-Wähler und suchen händeringend nach politischen Antworten auf den aktuellen Erfolg des Rechtskonservatismus. Um zu verstehen, womit wir es aktuell zu tun haben, bedarf es jedoch zunächst eines Blicks in die Geschichte – speziell in die wandlungsreiche Entwicklung des politischen Konservatismus. Dieser hat seit seiner Krise in den 1970er Jahren eine Entwicklung eingeschlagen, welche nun, rund fünfzig Jahre später, an politischer Motivationskraft gewinnt.

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1979: Die Opposition übernimmt die Villa Hammerschmidt

Franz Walter | 9. Juni 2016

[analysiert]: Franz Walter über den Kampf um das Bundespräsidentenamt im Ausgang der sozial-liberalen Koalition

Im Jahr 1979 bereitete es den Sozialdemokraten, die mit Helmut Schmidt seinerzeit den Bundeskanzler stellten, einigen Kummer, dass in eben diesem Jahr die Weichen für einen Machtwechsel nach rechts, in Richtung des dezidiert konservativen Flügels der Christlichen Union umgelegt werden könnten. Schließlich ernannten CDU und CSU Franz Josef Strauß zum gemeinsamen Kanzlerkandidaten. Und für das Amt des Bundespräsidenten nominierten die beiden C-Parteien Karl Carstens. Nun wäre die Übernahme des Bundespräsidentenamtes ein Jahr vor den Bundestagswahlen, erstmals in der Geschichte der Republik aus der Opposition heraus, fürwahr ein symbolischer Markstein der machtpolitischen Verschiebung gewesen.

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Ränkespiele zweier Serien (1): House of Cards

Jöran Klatt | 17. Mai 2016

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[analysiert]: Jöran Klatt über die Spieltheorie in der Politikserie „House of Cards“

Zwei der beliebtesten und erfolgreichsten Literaturverfilmungen unserer Zeit nutzen das Serienformat: der Politthriller „House of Cards“ und das (nicht minder politische) Fantasy-Epos „Game of Thrones“. Beide werden oft als besonders realistisch beschrieben: „Game of Thrones“, zwar ein fantastisches Märchen, zeichne glaubwürdige Charaktere und sei näher an den tatsächlichen Verhältnissen des Mittelalters als viele Historiendarstellungen zuvor. „House of Cards“ hingegen stelle die realen Niederungen des politischen Systems besonders wirklichkeitsgetreu dar. Realismus ist somit eines der Gütekriterien, die für beide Serien immer wieder angeführt werden.

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Politik als Unterhaltung

Katharina Rahlf | 10. Mai 2016

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[analysiert]: Katharina Rahlf über die Eigenschaften von und den Umgang mit Politikserien

Wissenschaftler schauen Politikserien. Das mag zunächst nach einer arg unverblümten Rechtfertigung dafür klingen, die eigene Freizeitbeschäftigung aufzuwerten bzw. die Arbeitszeit möglichst angenehm zu verbringen. Schließlich handelt es sich dabei, der verbreiteten Ansicht nach, doch um kommerzielle Unterhaltungsprodukte, die zum „passiven Konsum“ gedacht sind. Nach wie vor wird dieser Unterschied zwischen Hoch- und Pop(ulär)kultur hochgehalten: „Meisterwerke der Renaissancemaler“, Symphoniekonzerte, epische „große“ Romane oder wenigstens „Filmklassiker“, mindestens sechzig Jahre alt, in schlechter Ton- und Bildqualität und mit „ernstem“ Inhalt – sie mögen zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung taugen; TV-Serien hingegen: Ist das nicht allzu leichte Kost?

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