Logo Göttinger Institut für Demokratieforschung
Politische Karrieren rss facebook Twitter

Netanjahu – der Beschützer Israels

Johannes Sosada | 2. April 2015

[analysiert]: Johannes Sosada über die „siege mentality“ als Erklärung für den Wahlsieg Benjamin Netanjahus.

Der Actionfilmschauspieler Chuck Norris ist vielen aus Filmen wie „Delta Force“ und Serien wie „Walker, Texas Ranger“ ein Begriff. Im Kugelhagel gelingt es dem Actionhelden in bester James-Bond-Manier, die Bösen zu besiegen und für das Gute zu kämpfen. Auch in einem Wahlwerbespot für die israelische Likud-Partei Benjamin Netanjahus ist der Schauspieler zu sehen. Hierin bittet er, für Netanjahu zu stimmen – dieser würde die Sicherheit Israels garantieren und das Land beschützen. Diese Inszenierung bedient ein typisches Klischee und ist auf Netanjahu zugespitzt: Ein permanentes Bedrohungsszenario wie in Israel erfordere Durchsetzungsvermögen, Stärke und Entscheidungsfreudigkeit. Fähigkeiten mithin, die besonders auf ehemalige Militärs zutreffen. Dieses für die israelische Politik typische Phänomen, dass gerade angesehene ehemalige Militärs in wichtige politische Ämter gewählt werden, hat die Parlamentswahl Mitte März einmal mehr bestätigt.

weiter lesen

Der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (1976-1990)

 | 24. September 2014

Wie hat Ernst Albrecht, fünfter niedersächsischer Ministerpräsident, politisch geführt? Viele Zeitgenossen hatten darauf eine schnelle Antwort zur Hand, und ihr Urteil fiel recht einhellig aus: unbeweglich, überzeugend, höflich, distanziert, dominant. Diese Feststellung zu seinem Führungsstil ist faszinierend: Immerhin führte Albrecht 14 Jahre lang die Regierungsgeschäfte (1976-1990) eines von politischen Kämpfen und Unruhen gezeichneten Flächenlandes – darunter der andauernde Streit um das Atommüllendlager in Gorleben, die Auseinandersetzungen um einen neuen NDR-Staatsvertrag und der Kampf um die Kanzlerkandidatur zwischen Ernst Albrecht und Franz Josef Strauß. Auf den ersten Blick erscheinen vor diesem Hintergrund Integration und Kooperation als die geeigneteren Führungselemente. Wie passt das zusammen? Wie funktionierten Machterwerb und Machterhalt in der Ära Albrecht? Mit diesen Fragen setzt sich Christian Werwath in seinem neuen Buch auseinander.

weiter lesen

Augustus: Virtuose der Macht

Robert Lorenz | 12. August 2014

[analysiert]: Robert Lorenz über die politische Führungskunst des ersten römischen Kaisers.

Augustus (63 v.Chr.–14 n.Chr.), dessen Todestag nun 2000 Jahre zurückliegt, war nicht nur der erste Kaiser des Imperium Romanum, sondern mit einer Regierungszeit von über vierzig Jahren auch einer der beständigsten Herrscher der Weltgeschichte. Deshalb ist er häufiges Motiv althistorischer Forschung – Biografien und Darstellungen seiner Zeit füllen inzwischen ein ganzes Bücherregal. Aber Augustus war auch Politiker, ein Staatsmann, der ein Weltreich regierte und eine Herrschaftsordnung begründete, die mehrere Jahrhunderte Bestand hatte – das macht ihn auch für Politologen zu einem interessanten Forschungsgegenstand. An Augustus lassen sich zahlreiche Techniken des Machterwerbs und der Machterhaltung studieren, Qualifikationen, von denen manche für Politiker eines jeden politischen Systems bedeutsam sind, gleich ob in Diktaturen, Monarchien oder Demokratien. Die Antike sollte für die moderne Politikwissenschaft entdeckt werden, sie enthält einen reichhaltigen Fundus politologisch aufschlussreicher Aspekte.

weiter lesen

Ein undogmatischer Idealist

Matthias Micus | 31. Juli 2014

[analysiert]: Matthias Micus über den französischen Politiker Jean Jaurès.

Es war heute vor hundert Jahren, am Abend eines langen Arbeitstages, den er wie üblich zunächst zu Hause in seiner Schreibstube im Pariser Vorort Passy, ab Mittag dann im Parlamentsgebäude und anschließend in den Redaktionsräumen der von ihm geleiteten Zeitschrift L‘humanité verbracht hatte und den er – wie ebenfalls nicht ungewöhnlich – mit einem Essen mit Redaktionskollegen im „Café du Croissant“ beenden wollte, als die Schüsse fielen. Das Opfer saß am Tisch mit dem Rücken zum geöffneten Fenster, der Täter, ein 29-jähriges Mitglied der nationalistischen „Liga der jungen Freunde Elsaß-Lothringen“, hatte auf der Straße schon auf ihn gewartet. Er feuerte zwei Schüsse durch das Fenster ab; der erste verfehlte sein Ziel, der zweite traf tödlich. Tatmotiv: Bellizismus. Der Kriegsgegner, der da erschossen wurde, war Jean Jaurès, der parlamentarische Führer der französischen Sozialisten. Doch wer war eigentlich Jean Jaurès? Warum ihm gedenken, den doch mutmaßlich kaum noch jemand kennt, dessen Bedeutung so groß insofern kaum gewesen sein kann?

weiter lesen

Peter Glotz – Das Dilemma des Intellektuellen

Matthias Micus | 4. März 2014

[analysiert]: Matthias Micus über Stärken und Probleme politischer Vordenker.

„Er wird fehlen“. So lautete eine vielgebrauchte Pathosformel in den Nachrufen von Parteifreunden, Politikerkollegen, Journalisten und Wissenschaftsvertretern auf den Ende August 2005 mit 66 Jahren verstorbenen ehemaligen Bundesgeschäftsführer der SPD, Peter Glotz. 1939 in der heutigen Tschechischen Republik geboren, war der promovierte Zeitungswissenschaftler sowie kurzzeitige Konrektor der Universität München und Geschäftsführer eines Forschungsinstituts in der Sozialdemokratie ein Solitär, ein Tausendsassa und Grenzgänger zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik; jahrelang galt er als der Parteivordenker vom Dienst schlechthin. Am Donnerstag, dem 6. März, hätte er seinen 75. Geburtstag gefeiert.

weiter lesen

August Bebel – Kaiser der Wagenburg

Felix Butzlaff | 15. Oktober 2013

[analysiert]: Felix Butzlaff über das Erfolgsgeheimnis des „Arbeiterkaisers“.

 „Kaiser Bebel“, „Ersatzkaiser“, „Arbeiterkaiser“ – Der sozialdemokratische Arbeiterführer August Bebel, 1840 geboren, war für die ersten Jahrzehnte der deutschen Sozialdemokratie eine entscheidende Gestalt. Mehr noch als Lassalle, Marx oder Engels war er den Massen „der Führer, der Exponent, der Anleiter“, schrieb Robert Michels in einem Nachruf 1913. „Verkörperung der Partei“, „Dolmetscher ihres Denkens und Empfindens“, ihr „Heerführer“, nannte Eduard Bernstein ihn. Und die zahlreichen Schilderungen von überfüllten Versammlungssälen und fast religiöser Ekstase bei seinen unermüdlichen Agitationsreisen unterstreichen dies eindrucksvoll. Anstecknadeln, Bierkrüge, Taschenmesser bis hin zu großen Porträts mit seinem Abbild – Bebel war die Orientierungsfigur für die noch junge Arbeiterbewegung.

weiter lesen

Raffinierter Rabauke in der Politik

Robert Lorenz | 2. Oktober 2013

[analysiert]: Robert Lorenz zum 25. Todestag des Franz Josef Strauß.

Sobald es mal wieder darum geht, Klasse und Format unseres heutigen Politikpersonals zu bemängeln, gehört sein Name zu einer Reihe von Kontrastfiguren einer vermeintlich besseren, jedenfalls noch ganz anderen Politikelite – die noch zu reden verstand, klar unterscheidbare Programme vertrat und irgendwie wusste, wo es hingegen soll: Franz Josef Strauß. Aber inwiefern trifft dieses pauschale Bild eigentlich zu?

weiter lesen

Groß, grimmig, grün:Trittin

Franz Walter | 25. September 2013

[analysiert]: Franz Walter über den Grünenpolitiker Jürgen Trittin.

Vor einigen Monaten noch hatte man den Eindruck, dass die ganze große Karriere des Jürgen Trittin erst noch kommen werde. Er repräsentierte die Partei, nein, er führte die Partei. Und diese Partei schien in schnellen Schritten zu neuen Höhen zu gelangen, vielleicht bald Volkspartei zu werden, die Sozialdemokraten wie in Baden-Württemberg auch national in Bälde zu überholen. Und der unangefochtene Pfadfinder war eben Trittin. Man handelte ihn in der classe politique von Berlin-Mitte raunend zunächst als künftigen Außenminister, dann als Finanzminister der Republik. Der frühere Aktivist des Kommunistischen Bundes als oberster Kassenwart der Nation, Nachfolger von Größen wie Strauß, Schiller, Schmidt, Stoltenberg, Lafontaine oder Schäuble – ein bundesdeutsches Rehabilitierungs- und politisches Integrationsmärchen gleichsam.

weiter lesen

Wahlkampf ohne Leidenschaft

Robert Lorenz | 20. September 2013

[analysiert]: Robert Lorenz sucht nach Ursachen der Wahlkampf-Monotonie.

Es ist Wahlkampf. Bundestagswahlkampf. Ein langweiliger, wie allerorten zu vernehmen ist. Jedenfalls dürfte es schwerfallen, Argumente und Hinweise zu finden, die von einer leidenschaftlichen, spannenden und bewegenden Auseinandersetzung zeugen. Das ist seltsam, denn eigentlich sind Wahlkämpfe ja gerade außergewöhnliche Situationen der Politik, in denen die Kandidierenden und ihre Parteien in einem großen Kraftakt ihre politischen Muskeln anspannen, unermüdlich Überzeugungsarbeit leisten und um einen guten Wahlausgang kämpfen. Warum aber vermittelt das aktuelle Geschehen so wenig von diesem Ausnahmezustand? Diese Frage ist nicht unerheblich, denn schließlich grübeln schon seit Längerem die Demografie-Institute, auf welchen Tiefstand die Wahlbeteiligung wohl diesmal absinken wird.[1]

weiter lesen

Oskar Lafontaine

 | 12. September 2013

Das Buch

Er war Ministerpräsident, Finanzminister und Vorsitzender zweier Parteien: Oskar Lafontaine gehört zu den Politikern, die in den letzten dreißig Jahren am stärksten überraschten, polarisierten und faszinierten. Am 16. September 2013 feiert der Saarländer seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlass blickt der Politologe Robert Lorenz auf ein turbulentes Leben in der Politik zurück: In den 1980er Jahren avancierte Lafontaine zum „Sonnenkönig“ von der Saar, scheiterte 1990 als Kanzlerkandidat der SPD, führte 1998 den Machtwechsel und das Ende der Ära Kohl herbei, unterlag jedoch im Clinch mit Gerhard Schröder und verließ 2005 nach fast vierzig Jahren die SPD, um anschließend Fraktions- und Parteichef der LINKEN zu werden. Dieses Buch ist keine klassische Biografie, sondern beleuchtet unterschiedliche Facetten dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit in einem erhellenden Portrait, das zeigt, weshalb der Saarländer immer wieder als ein Undurchschaubarer überraschte. So wird deutlich, dass Lafontaine kein gewöhnlicher Politiker ist – und warum es so schnell keinen zweiten wie ihn geben wird.

weiter lesen

Ältere Einträge Neuere Einträge