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„Remember all their faces“

Jöran Klatt | 10. August 2017

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[analysiert]: Jöran Klatt über die Netflix-Serie „Orange Is The New Black“

Von dem französischen Philosophen Michel Foucault haben wir gelernt, dass uns der Blick auf Gefängnisse viel über unsere Gesellschaft als Ganzes verrät. In seinem Buch „Überwachen und Strafen – Über die Geburt des Gefängnisses“ arbeitet sich der Meister der soziologischen Entlarvung an diesem Ort ab und erzählt uns einiges über die Dinge, die wir über uns zu wissen glauben.[1] Ihm geht es v.a. darum, dass uns das Gefängnis – ein Ort, den wir im Alltag gerne ausblenden und mit dem wir in unserem Leben idealerweise nie etwas zu tun haben (wollen) – sehr wohl etwas angehe.

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House of Cards: ein Weckruf für die Demokratie

Philipp Scharf | 31. Januar 2017

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[analysiert]: Philipp Scharf über Habermas, Frank Underwood und die Wahrnehmung von Politik

Selten war die Sicht auf Politik und die repräsentative Demokratie als Regierungsform so pessimistisch wie zuletzt. Deutlich wurde dies durch den Aufstieg des Populismus, steigende Politikverdrossenheit und die Entwicklung der Politik hin zu einem „postfaktischen“ Produkt.[1] Ausdruck finden diese Entwicklungen in der Politikserie House of Cards.  Fast vergessen scheint hingegen die deutlich positivere Alternative von Jürgen Habermas und seinem Konzept der „deliberativen Demokratie“. Der Vergleich zwischen dem normativen Anspruch der Theorie und in der Serie dargestellten Politikwelt kann zu verstehen helfen, weshalb die Demokratie sich in einer Krise zu befinden scheint.

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Von „House of Cards“ bis „Game of Thrones“ (Teil 2)

Katharina Rahlf | 13. November 2016

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[kommentiert]: Katharina Rahlf berichtet von einer Tagung über Politik im Fernsehen.

Ob der Fülle einer dreitägigen Tagung mit mehreren parallelen Panels wäre eine Wiedergabe sämtlicher Beiträge sicherlich eine etwas ermüdende Lektüre.[1] Stattdessen sei hier auf zwei Höhepunkte hingewiesen: Elisabeth Bronfen sprach über „The Americans“ – eine in den 1980er Jahren spielende Serie über zwei KGB-Spione, die als Ehepaar getarnt in den USA leben und nach außen die perfekte typisch amerikanische Familie abgeben. Bronfens Beobachtungen und Analysen – dicht, präzise und der gelungenen Mischung aus Enthusiasmus und forscherischer Distanz entsprungen – zeigen, wie erkenntnisfördernd die Auseinandersetzung mit vermeintlich „einfacher“, popkultureller Kost sein kann: Da ist zum einen die „Double Time“: In Serien, die in früheren Jahrzehnten spielen, aber heute gedreht worden sind, werde „die Vergangenheit immer durch die Linse der Gegenwart betrachtet“ – als Zuschauer(in) unternehme man ein „Gedankenexperiment“ und frage, was „die spezielle Periode einem jetzt noch zu sagen [hat]“. Denn: Beileibe handele es sich nicht um reine Geschichtslektüre, sondern solche Darstellungen „sagen mindestens so viel über heute wie über damals“ aus. Zum anderen, und das mag gerade in diesem Präsidentschaftswahljahr besonders interessant sein, komme in „The Americans“ eine US-spezifische Culture of Paranoia subtil zum Vorschein: Die allgegenwärtige Bedrohung lasse sich nur vermuten, aber nicht fassen; deshalb stelle man permanent alles unter Verdacht; dieses nebulöse Gefühl sei aber unbehaglich, man wolle die Bedrohung dingfest machen, weshalb man mehr oder weniger gezielt bestimmte Figuren auswähle, um sie zum Feind zu erklären („target them as enemies“). Nicht selten jedoch die Falschen – das Offensichtliche hingegen erkenne man aber nicht.

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„Occupied“: Nichts ist sicher – und niemand ist frei

Anne-Kathrin Meinhardt | 22. September 2016

Banner_Blog_Politikserien[kommentiert]: Anne-Kathrin Meinhardt über die Politikserie „Occupied“

Russland besetzt seinen Nachbarstaat, setzt Ultimaten, übernimmt die Kontrolle und niemand kann sich wehren. Dieses Szenario lässt einen vermutlich zuerst an ein reales Ereignis aus jüngster Vergangenheit denken: die Annexion der Krim. Doch genau dieses Szenario wird auch in der norwegischen Fernsehserie „Occupied“ durchgespielt. Eine wichtige Notiz dabei: Das Drehbuch wurde kurz vor der Zuspitzung der Krimkrise im Frühjahr 2014 geschrieben. Zugleich zeichnet die Serie ein überaus ambivalentes Bild von Politik – und eröffnet damit sehr differente Interpretationsmöglichkeiten.

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House of Cards: „Amerika, ich fange gerade erst an!“

Uwe Oehm | 17. Juni 2016

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[Gastbeitrag]: Uwe Oehm entdeckt das „postdemokratische Paradoxon“ und die produktive Scheinwelt des Frank Underwood in „House of Cards“

Es ist bereits die fünfte TV-Präsidentschaftsdebatte der US-Republikaner. Offiziell stehen sich bei dem erneuten Schlagabtausch nur noch neun Kandidaten der Grand Old Party auf der Fernsehbühne gegenüber. Doch ein weiterer Kandidat hat seinen Auftritt bereits im Vorfeld über den Kurznachrichtendienst Twitter ankündigen lassen und drängt nun während der Werbepause in die große Wahlkampfinszenierung: „Amerika, ich fange gerade erst an!“ Vor der ikonischen Kulisse des Oval Office spricht der fiktive US-Politiker Frank Underwood, alias Kevin Spacey. In vertrauter Wahlwerbespot-Ästhetik kündigt die Streaming-Plattform Netflix mit jenem halbminütigen Teaser die Premiere der vierten Staffel ihrer Erfolgsserie „House of Cards“ an.[1]

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Ränkespiele zweier Serien (2): Game of Thrones

Jöran Klatt | 24. Mai 2016

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[analysiert]: Jöran Klatt über den Realismus von „Game of Thrones“

Ein Blick in die fantastische Welt, in der „Game of Thrones“ spielt, zeigt uns zunächst scheinbar eine ähnlich düstere Szenerie wie „House of Cards“. In der Serie ringen sieben Häuser um die Hegemonie des fiktiven Kontinents Westeros. Das „Lied von Eis und Feuer“, wie die literarische Grundlage heißt, lässt beinahe jeden liebgewonnenen Charakter riskant leben. Zahlreich fallen Hauptcharaktere und Sympathieträger, meist und zuerst jene, die sich durch moralische Tugenden auszeichneten und diesen erliegen. Auch für „Game of Thrones“ scheint also die Mode des Düsteren zu gelten, die die moderne Popkultur durchdringt. Und auch das Gütekriterium der realistischen Politikdarstellung wird für „Game of Thrones“ angeführt. Obgleich die Serie angesiedelt ist in einer fantastischen Anderswelt, Drachen, Magie und Fabelwesen zwar nicht die zentrale, aber eben doch eine Rolle spielen, zeige sie uns doch ebenso „Dinge, die uns näher stehen, als uns lieb ist“, handele sie gar von dem, was Niccolo Macchiavelli in seinem „Fürst“ beschrieben hat.[1]

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Ränkespiele zweier Serien (1): House of Cards

Jöran Klatt | 17. Mai 2016

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[analysiert]: Jöran Klatt über die Spieltheorie in der Politikserie „House of Cards“

Zwei der beliebtesten und erfolgreichsten Literaturverfilmungen unserer Zeit nutzen das Serienformat: der Politthriller „House of Cards“ und das (nicht minder politische) Fantasy-Epos „Game of Thrones“. Beide werden oft als besonders realistisch beschrieben: „Game of Thrones“, zwar ein fantastisches Märchen, zeichne glaubwürdige Charaktere und sei näher an den tatsächlichen Verhältnissen des Mittelalters als viele Historiendarstellungen zuvor. „House of Cards“ hingegen stelle die realen Niederungen des politischen Systems besonders wirklichkeitsgetreu dar. Realismus ist somit eines der Gütekriterien, die für beide Serien immer wieder angeführt werden.

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Neue Blogreihe: Politikserien

 | 10. Mai 2016

Banner_Blog_Politikserien„House of Cards“, „Mad Men“, „Game of Thrones“ und viele andere Beispiele zeigen: Das Phänomen aufwendig produzierter Erfolgsserien hat in den letzten Jahren sichtlich zugenommen. Dabei stößt man zuweilen auf den Begriff der sogenannten Qualitätsserie; und nicht selten werden zu jenen gerade solche gezählt, die, sich durch eine dezidiert politische Komponente auszeichnen. In Zeiten vermeintlicher Politik(er)verdrossenheit scheinen der Erfolg und die Faszination für Formate wie „West Wing“ oder das o.g. „House of Cards“ doch durchaus erstaunliche, jedenfalls begründungswürdige Phänomene zu sein. Nach unserer Zeitschrift INDES (4/2014) widmet sich nun unsere neue Blogreihe dem Thema Politikserien. Folgende Beitrag sind bereits erschienen:

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Politik als Unterhaltung

Katharina Rahlf | 10. Mai 2016

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[analysiert]: Katharina Rahlf über die Eigenschaften von und den Umgang mit Politikserien

Wissenschaftler schauen Politikserien. Das mag zunächst nach einer arg unverblümten Rechtfertigung dafür klingen, die eigene Freizeitbeschäftigung aufzuwerten bzw. die Arbeitszeit möglichst angenehm zu verbringen. Schließlich handelt es sich dabei, der verbreiteten Ansicht nach, doch um kommerzielle Unterhaltungsprodukte, die zum „passiven Konsum“ gedacht sind. Nach wie vor wird dieser Unterschied zwischen Hoch- und Pop(ulär)kultur hochgehalten: „Meisterwerke der Renaissancemaler“, Symphoniekonzerte, epische „große“ Romane oder wenigstens „Filmklassiker“, mindestens sechzig Jahre alt, in schlechter Ton- und Bildqualität und mit „ernstem“ Inhalt – sie mögen zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung taugen; TV-Serien hingegen: Ist das nicht allzu leichte Kost?

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Politikserien

Julia Kiegeland & Jöran Klatt & Katharina Rahlf | 23. Dezember 2014

[präsentiert]: Die neue Ausgabe der INDES ergründet das Phänomen politischer Serien.

indes_4_14_thumb„Hi Hill, it’s Bill. I just wanted to make sure you don’t forget …, my birthday is coming up, right …“ „Yes, I know, Bill.“ „You know what you’re getting me yet?“ Ein Telefonat zwischen Hillary und Bill Clinton, in dem der ehemalige amerikanische Präsident seine Gattin an seinen bevorstehenden Geburtstag erinnert und den Wunsch nach einem Babyelefanten für den Garten äußert. Nachzuschauen bei Youtube. Ein Possenspiel? Durchaus. Im Verlaufe des Gesprächs kommt Hillary dem Imitator auf die Schliche und bittet „Kevin“, die Geburtstagskarte für ihren Mann zu unterschreiben. Anrufer ist nicht Bill Clinton, sondern der Schauspieler Kevin Spacey. Bloß ein Scherz? Nicht nur.

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