Polen rss facebook Twitter

Von der Wahlzeitung zum Leitmedium

Lisa Bonn | 4. Juni 2014 | Keine Leserbriefe

[analysiert]: Lisa Bonn über die Rolle der Zeitung Gazeta Wyborcza im politischen Umbruch in Polen 1989

Auf der Titelseite ihrer ersten Ausgabe vom 08 Mai 1989 druckt die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza ein Bild von Lech Wałęsa ab und darunter einen Brief an die Leser, den der legendäre Gewerkschaftsführer mit dem Slogan der Solidarność von 1980/81 beginnt: „Keine Freiheit ohne Solidarität.[1] Die „erste unabhängige Zeitung zwischen der Elbe und dem Pazifik“ (ebd.) erscheint als Tageszeitung vor den Parlamentswahlen im Juni, bei denen 35 Prozent der Sitze im Sejm und alle Sitze im Senat in freier Wahl bestimmt werden.

weiter lesen

Politische Kritik für Fortgeschrittene

Klaudia Hanisch | 13. Februar 2013 | Keine Leserbriefe

[nachgefragt]: Klaudia Hanisch über die polnische Formation Krytyka Polityczna.

Klaudia, Du hast das linke polnische Netzwerk Krytyka Polityczna (Politische Kritik) untersucht. Wie bist du darauf gekommen?

Mein Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass trotz einer enormen sozialen Ausdifferenzierung im ostmitteleuropäischen Raum eine Linke erstaunlich unterentwickelt geblieben ist. In Polen und Ungarn spielen diese Rolle postkommunistische Parteien, die – einmal an der Macht angelangt – eine Agenda verfolgten, die man eher als neoliberal bezeichnen könnte. In Tschechien wiederum haben die Kommunisten und die Sozialdemokraten den Ruf konservierender Klientel-Parteien der Beamten oder Rentner. Man muss zwar bemerken, dass auch in diesen Ländern viele kleine außerparlamentarische Gruppen entstehen, doch entfalten diese in der Regel keine Systemrelevanz. Krytyka Polityczna ist hier ein Sonderfall. Innerhalb von zehn Jahren wurde sie zu einem bedeutenden politischen Akteur in Polen.

weiter lesen

Mit Schirm, Charme und Melone

Klaudia Hanisch | 19. Oktober 2011 | Keine Leserbriefe

[analysiert]: Klaudia Hanisch über den Wahlerfolg der Palikot-Bewegung in Polen

Die Entwicklung der Palikot-Bewegung (Ruch Palikota) zur drittstärksten politischen Partei ist die größte Überraschung der diesjährigen Wahlen in Polen. Zum ersten Mal nach 1989 schaffte eine offen antiklerikale Gruppierung den Einzug ins Parlament. Obwohl der Wahlklub des steinreichen Polit-Dandys Janusz Palikot bei Umfragen noch im Juli zwischen ein bis vier Prozent lavierte, konnte er am 9. Oktober 10,02 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Da der Stimmanteil jedoch bei den Jungwählern bis 25 und den jungen Erwachsenen bis 39 Jahren besonders hoch war, gilt sein Wahlerfolg als ein Generationsphänomen.

weiter lesen