Gewerkschaften werden notorisch in einer Krise gewähnt – sowohl in Österreich als auch in Deutschland. ÖGB und DGB, die jeweiligen Gewerkschaftsbünde dieser Länder, waren zwischen den 1950er und 1980er Jahren kraftstrotzende Organisationen mit vielen Mitgliedern, viel Geld, viel Einfluss. Einen solchen Eindruck konnte man jedenfalls anhand der hohen Organisationsgrade, Mitgliederzahlen und Vermögenswerten österreichischer und deutscher Gewerkschaften gewinnen. Anschließend widerfuhr ihnen jedoch ein langwieriger Niedergang, litten sie nun chronisch unter dem Verlust von Mitgliedern, Repräsentativität, Geld und Einfluss. Doch der Maßstab, mit dem die heutige Krise konstatiert wird, ist ein hoher.
→ weiter lesenÜber Parallelgesellschaften wird viel gestritten. Bemerkenswerterweise wird dabei aber kaum auf die Erfahrungen katholischer Eigenkulturen zurückgegriffen. Dabei liefern die unterschiedlichen Entwicklungspfade der katholischen „Parallelgesellschaften“ in Österreich, Deutschland und den Niederlanden besonders in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts vorzügliches Anschauungsmaterial für die Zwiespältigkeit – über Fluch uns Segen gleichsam – von Separatkulturen.
→ weiter lesen[präsentiert]: Robert Lorenz beschäftigt sich im Rahmen des Projektes “Diesseits von Versäulung, Lagern und sozialmoralischen Milieus” mit den Gewerkschaften. Anhand seiner letzten Vorsitzenden zeichnet er die jüngere Geschichte des Österreichischen Gewerkschaftsbundes nach.
Die Geschichte des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) ist lang. Doch lässt sie sich gut entlang der ÖGB-Präsidenten erzählen, personifizierten diese doch seit den 1980er Jahren erstaunlich treffend den jeweiligen Zustand ihrer Organisation.
Der letzte Prolet ohne Penthouse und Pool: Anton Benya
Alles begann – oder endete – mit Anton Benya. Der inzwischen legendär gewordene Mann mit dem „Tartarenschädel“ war ein proletarischer Selfmademan, der sich vom gelernten Mechaniker zu einem der mächtigsten Männer Österreichs emporgearbeitet hatte.
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