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Mehr Sterbefälle als Neueintritte

Sebastian Kohlmann | 14. März 2012

Parteien an der Basis (4): Die SPD

[präsentiert]: Sebastian Kohlmann über den SPD-Ortsverein Nette in Dortmund

Die Stimmung ist nicht überschwänglich. Die Wahlniederlage der Bundestagswahl 2009 noch nicht verdaut. Die Befürchtung einer Abrechnung mit Franz Müntefering oder Frank-Walter Steinmeier liegt in der Luft. Sie bleibt aus. Stattdessen hält der designierte Parteivorsitzende Sigmar Gabriel eine Rede über die Grundzüge der Sozialdemokratie – und was sich ändern muss. Eine bleibende und immer wieder zitierte Aussage lautet: „Wir müssen raus ins Leben, dahin, wo es laut ist, dahin, wo es brodelt, dahin, wo es manchmal riecht, gelegentlich auch stinkt.“[1] Nur wenig später ruft Gabriel in Bezug auf die Kommunalpolitiker der Partei einen Satz in den Saal, der weit weniger zitiert wird, schon wieder vergessen, gleichwohl viel interessanter ist: „Wir müssen die Kommunen wieder stärker in die Meinungsbildung der SPD einbeziehen.“[2]

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Partei des Erfolgs in grünen Zeiten

Lea Heyne | 7. März 2012

Parteien an der Basis (2): Die Grünen

[präsentiert]: Lea Heyne über die Basis der grünen Partei in Bremen Mitte

Während in Berlin der Wahlkampf um das Rathaus tobt und in Baden-Württemberg Winfried Kretschmann mit der politischen Realität ringt, geht es bei den Bremer Grünen deutlich beschaulicher zu. Auf einer Dachterrasse mitten im Szeneviertel Steintor trifft sich der Kreisvorstand Mitte/Östliche Vorstadt zur monatlichen Besprechung. Wer Klischees über Grüne bestätigt wissen will, ist hier richtig: Auf dem Tisch stehen neben Kerzen Bio-Rotwein, Becks-Bier und Bio-Apfelsaft, es gibt auch Grissini, Dinkelcracker, Möhren und selbstgemachte Dips. Die Atmosphäre ist entspannt und fröhlich, man genießt den Blick über die Dächer der Bremer Altstadt, stößt an, unterhält sich über Politik und Privates. Sorgen über die Zukunft der Partei oder über Mitgliederschwund sind hier Fehlanzeige – im Gegenteil, in den letzten eineinhalb Jahren ist ein deutlicher Mitgliederzuwachs zu verspüren gewesen, es herrscht Aufbruchstimmung.

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Nach der Kirche kamen die Unternehmer

Christian Werwath | 5. März 2012

Parteien an der Basis (1): Die CDU

[präsentiert]: Christian Werwath über die CDU-Basis in Poppenhausen-Wasserkuppe

Das CDU-Sommerfest des Gemeindeverbandes Poppenhausen, ein rund zweieinhalbtausend Einwohner zählender Ort im Landkreis Fulda, ist auf der Homepage der Gemeinde prominent angekündigt. Auf dem vom christdemokratischen Bürgermeister zur Verfügung gestellten Rathausvorplatz stehen einige Bierbänke, ein Grill, eine Zapfanlage. Doch Profit soll hier keineswegs gemacht werden, die Einnahmen des Abends gehen an einen gemeinnützigen Verein. Das Inventar stellen zu Teilen die Gemeinde, der Verein sowie der CDU-Gemeindeverband. Wie selbstverständlich verzahnen sich hier gesellschaftliche Sphären, die in vielen anderen Gegenden Deutschlands wohl nur selten so eng miteinander kooperieren. Der im CDU-Kreisverband Fulda liegende Poppenhausener Gemeindeverband ist ein Paradebeispiel für die „heile Welt“ der Christdemokratie.

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Parteien an der Basis

Alex Hensel | 5. März 2012

Parteien an der Basis

[präsentiert]: Berichte über die Basis der Bundestagsparteien in ihren Hochburgen

Auf Bundesebene diskutieren die Parteien über Euro-Rettungsschirme, Kanzlerkandidaten oder Bundespräsidenten. Doch wie „tickt“ derweil eigentlich deren Basis? Um dies herauszufinden haben Mitarbeiter des Göttinger Instituts für Demokratieforschung die fünf Bundestagsparteien in ihren Hochburgen besucht und mit Mitgliedern wie Anhängern der CDU, FDP, SPD, Grünen und Linken über die Stärken und Schwächen wie Zukunft und Gegenwart ihrer Partei gesprochen. Die Beiträge:

Eine Zusammenfassung der folgenden fünf Reportagen findet sich in der neuen Ausgabe von INDES, Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 1/2012 im Beitrag „Stolze Festungen oder potemkinsche Dörfer?“ von Christian Werwath.

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Die konservierte Volkspartei

Oliver D'Antonio | 21. November 2011

[analysiert]: Oliver D’Antonio über Angela Merkels Versuch, die CDU als Volkspartei zu erhalten

Zur Begrüßung gibt es Orangen. Die konservative Aktion „Linkstrend stoppen“ verteilt diese vor dem Eingang des Leipziger Parteitags der CDU. Um die Südfrüchte sind Papierbanderolen gewickelt mit der unmissverständlichen Botschaft „Links-CDU ist doch krank!“. Doch bis in den Plenarsaal schaffen es die Orangen nicht, das Sicherheitspersonal kassiert sie am Eingang des Congress Centers. Und auch der gefürchtete konservative Aufstand dringt nicht bis an den Versammlungsort vor. Dort erklärt die Kanzlerin, warum in diesen dramatischen Zeiten ihr Kurs der einzig gangbare sei: Stuttgart 21, Fukushima, Arabischer Frühling und Euro-Krise. Angesichts dieser erdrückenden Fülle an Umbruchereignissen bleibt der Widerstand der Basis eher gering. Als Wirtschaftsliberale und Konservative Merkels Rede dezent unter Beschuss nehmen, befindet sich der Großteil der Delegierten und des Präsidiums in der Mittagspause.

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Verpatzter Generationswechsel ins Leere

Franz Walter | 15. August 2011

[analysiert]: Franz Walter über die schwindende gesellschaftliche Verankerung der Christdemokratie

Fast könnte man in diesen Wochen Mitleid mit den armen Christdemokraten bekommen. Über Jahrzehnte war die CDU die große Volkspartei und Weichenstellerin der alten Bundesrepublik. In der Konkurrenz mit den Sozialdemokraten hatte sie meist die Nase vorn. Sie besaß ein feines Sensorium für die Stimmung im Volke. Ihr hellwacher Instinkt für die Macht beeindruckte stets auch ihre härtesten Gegner. Vorbei das alles. Seit Monaten nun irren die Christdemokraten aufgeregt und kopflos durch die politische Landschaft.

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Kirchen in der Krise

Bastian Brandau, Jens Gmeiner | 21. Juli 2011

[präsentiert]: Katharina Rahlf über Ursachen und Folgen der Krise der Kirchen

In den letzten 30 Jahren haben die beiden großen Kirchen in Österreich, den Niederlanden und Deutschland viele ihrer Mitglieder und damit den Kontakt zu einigen Gesellschaftsschichten fast gänzlich verloren. Im Interview mit Unter der Lupe berichtet Katharina Rahlf über das Forschungsprojekt „Diesseits von Versäulung, Lagern und sozialmoralischer Milieus“.

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Vom ökologischen Mahner zum gesellschaftlichen Mittler?

Michael Lühmann | 19. Juli 2011

[analyisert]: Michael Lühmann über Ergebnisse der Studie „Zeitgeisteffekt oder grüner Wertewandel“ und die Entwicklung der Bündnisgrünen

Das deutsche Parteiensystem unterliegt seit einigen Jahren einem rasanten Wandel. Die Krisendiagnosen zu den Volksparteien haben weitgehend in Wahlergebnissen ihren Niederschlag gefunden. Zugleich gewinnen die vormals „kleinen“ Parteien stetig an Zulauf. Dem Aufschwung der FDP folgt nun ein Hoch von Bündnis 90/Die Grünen, das sich zuletzt bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg manifestierte. Die Gründe für diese Verschiebungen sind vielfältig und können in zwei potentielle Erklärungsstränge aufgeteilt werden. Handelt es sich hierbei nur um eine Momentaufnahme aufgrund gestiegener Volatilität, auch infolge der Reaktorkatastrophe von Fukushima? Oder aber gibt es doch untergründige Verschiebungen in der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die diesen Wandel, vor allem infolge der Krisenerfahrungen in Bezug auf die Banken, den Euro und die Umwelt bis hin zu Fukushima, anschieben oder beschleunigen?

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Fußball – mehr als ein Spiel?

Lars Geiges | 30. Mai 2011

[präsentiert]: Lars Geiges hat ein Buch über die Entwicklung des Arbeiterfußballs verfasst. Hier fasst er seine zentralen Ergebnisse zusammen.

Kann man dieses Spiel noch Fußball nennen? Ein Spiel, bei dem nicht ausschließlich die Anzahl geschossener Tore zählt. Bei dem Schimpfen und Schreien mit Punktabzügen geahndet werden. Bei dem der gelungene Abspiel, filigrane Ballstafetten und fixe Doppelpässe, kurz: das schöne Spiel mehr zählen als der schnöde Treffer in des Gegners Tor?

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Die langen Schatten des Börsen-Booms

David Bebnowski und Michael Lühmann | 13. Mai 2011

[analysiert]: Michael Lühmann und David Bebnowski über die Generation der „Börsen-Boomer“ vor dem Hintergrund des Westerwelle-Liberalismus

Eigentlich war schon alles vorbei, als Guido Westerwelle in den Parteivorsitz der FDP gelangte. An einem unscheinbaren Tag im März 2001, zwei Monate bevor Westerwelle FDP-Vorsitzender wurde, erreicht der Börsenindex Nemax (Neuer-Markt-Index) seinen historischen Höchststand. Die dotcom-Blase, die den überdrehten Marktliberalismus zuvor befeuert hatte, implodierte und riss in den folgenden 31 Monaten etliche Anleger aus ihren Träumen von hohen Spekulationsgewinnen. Sechsundneunzig Prozent seines Wertes – weit über 200 Milliarden Euro – gingen im Neuen Markt verloren. Der Glaube an das große Glück an den Finanzmärkten wurde tief erschüttert.

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