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Nach dem Sarrazin-Schock

Severin Caspari | 20. Februar 2014

[Gastbeitrag]: Severin Caspari über den neuen muslimischen Arbeitskreis der SPD

Vergangene Woche stellte die SPD im Berliner Willy-Brandt-Haus den neu eingerichteten „Arbeitskreis Muslimischer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten“ (AKMS) vor. Die Partei setzt damit den unter SPD-Chef Gabriel eingeschlagenen Kurs der Öffnung für Menschen mit Migrationshintergrund und Muslime konsequent fort. Nach dem Sarrazin-Schock hatte die SPD zuletzt feststellen müssen, dass sie die Sympathien bei der Gastarbeitergeneration und ihrer Nachfahren längst nicht mehr sicher hatte. Vor allem religiöse Bildungsaufsteiger aus türkisch- und arabischstämmigen Familien, ausgestattet mit einem Selbstverständnis als „deutsche Muslime“, wählen – anders als in der Vergangenheit – keineswegs mehr automatisch die Sozialdemokraten. Auf dem Feld der Symbolpolitik drohten die Sozialdemokraten gar von der CDU überholt zu werden, die mit Integrationsgipfel und Islamkonferenz auf Migranten und Muslime zugegangen ist, zumal der christdemokratische Innenminister Schäuble gleichzeitig den Islam offiziell als einen Teil von Deutschland anerkannt hat.

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Eine Gefahr für die Gesellschaft?

Tanja Kirchner | 31. Oktober 2012

[kommentiert]: Tanja Kirchner über die Historie von Parallelgesellschaften

Auch im Jahr 2012, ein Jahr nach dem Jubiläum des 50-jährigen Anwerbeabkommens zwischen der Türkei und Deutschland, können regelmäßig Menschen auf den Straßen Deutschlands beobachtet werden, die sich mit genervten Gesichtern darüber echauffieren, dass sich insbesondere muslimische „Ausländer“ nicht an die „deutsche Kultur“ anpassen wollten und könnten. Daher wird auch in den Massenmedien das Thema „Parallelgesellschaft“ immer wieder kontrovers diskutiert, wobei sich auch hier die Debatte meist auf muslimische Migrantinnen und Migranten bezieht. Was aber bedeutet eigentlich der Begriff „Parallelgesellschaft“, woher kommt er und gibt es eine Rechtfertigung für die Negativbehaftung des Wortes?

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Einwanderung und nationale Identität

Jan Michael Kotowski | 8. September 2011

[analysiert]: Jan Kotowski über die Bedeutung von Einwanderungsdiskursen für die Konstruktion nationaler Identitäten in der BRD und den USA

Im Spätsommer 2011 sind die öffentlichen politischen Debatten auf beiden Seiten des Atlantiks von der Finanz- und Schuldenkrise bestimmt. Insbesondere in Deutschland ist die im Vorjahr noch hysterisch geführte „Integrationsdebatte“ aus dem öffentlichen Bewusstsein nahezu verschwunden. Daran ändert auch das Skandälchen um den Film Güner Balcis im Juli dieses Jahres nichts Wesentliches. In den USA ist die Einwanderungsdebatte ebenfalls wieder in den Hintergrund getreten, nachdem sie noch im Sommer 2010 im Zuge der restriktiven Gesetzgebung Arizonas und der Diskussion um den 14. Verfassungszusatz zumindest in der publizistisch-politischen Klasse des Landes eine herausgehobene Stellung eingenommen hatte.

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Integration – ein Blick zurück

Teresa Nentwig | 23. Juni 2011

[analysiert]: Teresa Nentwig über die Integration der schlesischen Flüchtlinge in Niedersachsen nach 1945.

Am 25. und 26. Juni 2011 werden in Hannover wieder Tausende auf das Messegelände strömen. Anlass ist das Deutschlandtreffen der Schlesier, das alle zwei Jahre stattfindet. Dort kommen all diejenigen zusammen, die bei Musik, Tanz und Trachtenumzügen ihre schlesischen Wurzeln pflegen wollen. Nach 2007 und 2009 findet das Deutschlandtreffen der Schlesier erneut in Hannover statt. Niedersachsen ist das Patenland der Schlesier – am 3. Oktober 1950 übernahm die Niedersächsische Landesregierung die Patenschaft der wenige Monate zuvor gegründeten Landsmannschaft Schlesien. Sie tat dies, um ihre Verbundenheit mit den Schlesierinnen und Schlesiern zu zeigen, die während des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat im heutigen Polen vertrieben worden waren und in Niedersachsen ein neues Zuhause fanden.

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Sag, wie hältst du’s mit dem Islam?

Severin Caspari | 1. April 2011

[kommentiert]: Severin Caspari über die Gefährdung der Zukunft der Islamkonferenz durch Innenminister Friedrich.

Die eigene Haltung zum Islam ist für deutsche Politiker in den letzten Jahren zur Gretchenfrage aufgestiegen. Wer das Bekenntnis wagt, wie Bundespräsident Wulff („der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“) oder jüngst Innenminister Friedrich („dass aber der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt“), der kann sich der Aufmerksamkeit der in dieser Frage spätestens seit der Sarrazin-Debatte polarisierten Öffentlichkeit sicher sein.

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Menetekel von Migration und Parallelgesellschaften?

Franz Walter | 30. August 2010

[kommentiert]: Franz Walters Beitrag zur Sarrazin-Debatte

Wir reden von immerhin 15,3 Millionen Deutschen, wenn wir den Begriff „Migrationshintergrund“ verwenden. Das sind 18,6 Prozent der Wohnpopulation hierzulande. Der Anteil steigt, je jünger die Bevölkerung sich präsentiert. Von den Kindern bis zu fünf Jahren wird jedes dritte in einer Familie mit Migrationsbiographie groß. In der Gesamtbevölkerung Deutschlands befinden sich dreizehn Prozent im Alter zwischen 20 bis 29; in der Migrationskultur liegt die Quote bei 23 Prozent. 15 Prozent aller Bewohner in Deutschland sind über siebzig; aber nur drei Prozent der Bürger, deren Familien zugewandert sind. In den alten Bundesländern gehört bereits ein Fünftel der Bewohner zur Gruppe mit einer Migrationsgeschichte; in der ostdeutschen Region liegt der Anteil nur bei sieben Prozent. Weit überproportional findet man die Migrationskultur mit einem Viertel aller dort lebenden Einwohner in den Großstädten, während in Dörfern und Kleinstädten lediglich drei Prozent eine solche Provenienz aufweisen. Das Herkunftsland Nummer Eins ist die frühere Sowjetunion mit 21 Prozent der Migration in Deutschland, gefolgt von der Türkei mit neunzehn Prozent. Zwölf Prozent kommen aus südeuropäischen Ländern, elf Prozent aus Polen.

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Und sie engagiert sich doch

Christian Woltering | 16. August 2010

[präsentiert]: Das Forschungsprojekt „Wo ist die ‚Unterschicht‘ in der modernen Bürgergesellschaft?“ machte sich auf die Suche nach modernen Formen von bürgerschaftlichem Engagement. Christian Woltering fasst für den Blog erste Erkenntnisse zusammen.

„Cocooning“ war eines dieser neu geschaffenen Schlagworte, das die Debatte um die „Unterschicht“ prägte. Auf plastische Weise – gleich sich verpuppenden Insekten – beschreibt dieser Ausdruck, wie sich immer mehr Menschen aus dem unteren Drittel der Gesellschaft in ihre Wohnungen – ihre „Kokons“ – einschließen und diese tagelang nicht verlassen, um mit anderen Mitmenschen Kontakte zu pflegen oder aufzunehmen. Bräsig und faul säßen sie vor dem Fernseher, stopften Kohlenhydrate (zumeist natürlich auch Alkohol und Zigaretten) in sich hinein, harrten teilnahmslos und gleichgültig der Dinge, die vor ihrer Haustür geschehen. In Vereinen engagiert sich hier kaum einer, die Wahlbeteiligung ist die geringste in der gesamten Bevölkerung und auch sonst sei kaum Engagement, in welcher Ausprägung auch immer, zu erwarten.

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