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Max Webers Volksparteimaschine

Oliver D'Antonio | 6. Januar 2015

[analysiert]: Oliver D’Antonio über Max Webers Parteienbegriff.

Im Juni 1920 scheiterte der Reichskanzler und Sozialdemokrat Hermann Müller an den drastischen Stimmenverlusten seiner Partei bei der ersten Reichstagswahl der Weimarer Republik. Er war bereits der dritte Reichskanzler der noch jungen Republik. Seine Koalition aus SPD, Zentrum und DDP hatte Müller bereits zuvor nur mühsam zusammenhalten können. Es folgten Jahre der politischen Kämpfe zwischen Parteien, die „auf die einmal mobilisierten Gesinnungsgemeinschaften fixiert“ blieben und damit „Konflikte ritualisiert und verewigt [hatten], die den Demokratisierungsprozeß subkulturell überformten und hemmten“.[1] Das Scheitern des ideologisch verhärteten Weimarer Parteiensystems gehört ebenso zum Grundbestand historischer Erkenntnis wie die Überwindung dieses Zustands in den Jahren nach 1945 durch das Entstehen der schichtübergreifenden, entideologisierten Volksparteien, welche das fragmentierte Parteiensystem rasch konsolidierten.

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Von der Ordnung im Geiste

Julia Kiegeland; Florian Schuck | 12. Dezember 2014

[analysiert]: Julia Kiegeland und Florian Schuck über die Weberʼschen Idealtypen

Es ist abstrakt, denkbar willkürlich und dennoch von großem methodischen Nutzen. Es findet sich in den Bereichen der Betriebswirtschaftslehre[1], der Politikwissenschaft[2] und in phänomenologischen Untersuchungen zur Landschaftsplanung[3]. Kaum ein Student, eine Studentin und schon gar nicht die Professoren und Professorinnen der Sozialwissenschaften kommen an ihm vorbei: dem Weberʼschen Konzept des Idealtypus. Trotz ihrer heutigen starken Verbreitung erfahren das Konzept und die Logik des „Idealtypus“ Kritik, selbst innerhalb der Sozialwissenschaften.[4] Denn Max Webers methodisches Vermächtnis erscheint auf den ersten Blick zweifelsohne als wenig wissenschaftlich. Scheinbar willkürlich gewählte Variablen kombinieren und letzten Endes als Idealtyp deklarieren – kann so Wissenschaft funktionieren? Kann die Realität mit etwas gemessen werden, was es in ihr gar nicht gibt?

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„Wir treiben sachliche und keine Eitelkeitspolitik.“ [1]

Simon Beste | 22. April 2014

[gastbeitrag]: Simon Beste über Vernunft und Emotion im Werk von Max Weber.

Präzise, fast juristische Formulierungen, unaufgeregte Analyse und mit Emphase auf politische Rationalität – so wird Max Webers Soziologie in Lehrbüchern häufig umschrieben. Und tatsächlich spricht Einiges für eine solche Interpretation. Das für Weber scheinbar so typische vernunftfokussierte Politikverständnis seiner Modernisierungstheorie knüpft nahtlos an zeitgenössische Diskurse an, sind doch die „Kräfte des Faktischen“ (z.B. hinsichtlich ökonomischer Zwänge [2]) und Ideologielosigkeit zu einem Mantra der Politik des 21. Jahrhunderts geworden. [3]  Doch ist die Einschätzung über Webers „Nüchternheitsfokus“ wirklich stimmig? Werden wir dem komplexen Werk mit dieser doch recht simplen Subsummierung gerecht? Im Folgenden soll an einigen wenigen Kategorien aus Webers mikro- und makrosoziologischen Analysekategorien gezeigt werden, dass in seinem Werk Anhaltspunkte für eine mehrdeutige Perspektive auftauchen, die zwischen Rationalität und Affekt, zwischen Vernunft und Emotion oszilliert.

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