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Ränkespiele zweier Serien (1): House of Cards

Jöran Klatt | 17. Mai 2016

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[analysiert]: Jöran Klatt über die Spieltheorie in der Politikserie „House of Cards“

Zwei der beliebtesten und erfolgreichsten Literaturverfilmungen unserer Zeit nutzen das Serienformat: der Politthriller „House of Cards“ und das (nicht minder politische) Fantasy-Epos „Game of Thrones“. Beide werden oft als besonders realistisch beschrieben: „Game of Thrones“, zwar ein fantastisches Märchen, zeichne glaubwürdige Charaktere und sei näher an den tatsächlichen Verhältnissen des Mittelalters als viele Historiendarstellungen zuvor. „House of Cards“ hingegen stelle die realen Niederungen des politischen Systems besonders wirklichkeitsgetreu dar. Realismus ist somit eines der Gütekriterien, die für beide Serien immer wieder angeführt werden.

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Politik als Unterhaltung

Katharina Rahlf | 10. Mai 2016

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[analysiert]: Katharina Rahlf über die Eigenschaften von und den Umgang mit Politikserien

Wissenschaftler schauen Politikserien. Das mag zunächst nach einer arg unverblümten Rechtfertigung dafür klingen, die eigene Freizeitbeschäftigung aufzuwerten bzw. die Arbeitszeit möglichst angenehm zu verbringen. Schließlich handelt es sich dabei, der verbreiteten Ansicht nach, doch um kommerzielle Unterhaltungsprodukte, die zum „passiven Konsum“ gedacht sind. Nach wie vor wird dieser Unterschied zwischen Hoch- und Pop(ulär)kultur hochgehalten: „Meisterwerke der Renaissancemaler“, Symphoniekonzerte, epische „große“ Romane oder wenigstens „Filmklassiker“, mindestens sechzig Jahre alt, in schlechter Ton- und Bildqualität und mit „ernstem“ Inhalt – sie mögen zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung taugen; TV-Serien hingegen: Ist das nicht allzu leichte Kost?

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ESC: Von der Eurovision

Jöran Klatt | 31. März 2016

[kommentiert]: Jöran Klatt über den Eurovision Song Contest als politischen Wettbewerb

Das Präludium des „Te Deum“ von Marc-Antoine Cherpentier ist eine jener Melodien, die fast jeder kennt, aber kaum jemand korrekt benennen kann. Man hat sie noch von der Sendung „Wetten, dass…?“ im Ohr: Vor der Ausstrahlung dieses Lagerfeuers der Nation markierte sie, flankiert von pompösen Sternen, dass das, was nun folgt, Eurovision sei, also ein Teil des gemeinsamen Projekts europäischer Rundfunkanstalten. Eurovision wollte schon immer mehr sein als einfach nur Fernsehen mit einem etwas größeren Absatzmarkt; vielmehr stand es seit jeher synonym für die Idee einer vereinten Öffentlichkeit Europas. Und so verhält es sich auch mit dem größten eurovisionären Vorhaben, das seit 1956 wiederkehrend die Nationen vereinen soll: dem „Eurovision Song Contest“.

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Das Theater als Ort der Demokratie

Marika Przybilla | 10. Dezember 2015

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[kommentiert]: Marika Przybilla über „Die Schutzbefohlenen“ am Thalia Theater.

Der Begriff „Theater“ stammt von dem altgriechischen Wort théatron und hat die Bedeutung „Schaustätte“ – dies mag an sich ein sehr theoretischer und äußerst trockener Fakt sein, der so angestaubt erscheint, wie die Steine der athenischen Agora. Allerdings sind der Inhalt des Theaters und sein Wesen das genaue Gegenteil davon. Theater kann als Spiegel der Gesellschaft gelten; denn was es zeigt, sind Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt und Umgebung. Es wirkt, indem es Zusammenhänge oder bekannte Situationen öffentlich macht, ihnen einen Raum gibt und sie zur Schau stellt. Demzufolge kann das Theater unterschiedlich ambitioniert sein und verschiedensten Motivationen folgen. An dieser Stelle soll auf den politischen Anspruch des Theaters eingegangen und damit folgender Fragestellung nachgegangen werden: Ist Theater politisch? Kann eine Theaterproduktion, wenn sie denn politisch ist, wie z.B. „Die Schutzbefohlenen“ am Thalia Theater in Hamburg, auch ein Ort der Demokratie sein?

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Das Starbucks-Café als Ort der Demokratie

Jöran Klatt | 3. Dezember 2015

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[kommentiert]: Jöran Klatt über Starbucks-Filialen und andere third spaces.

Demokratie lebt von Öffentlichkeit, Transparenz, von Orten und Räumen, die für die Gemeinschaft gemacht sind. Gleichermaßen jedoch lebt sie von Privatheit, Hinterzimmern und Ruheräumen, von denen aus Meinungen gebildet werden, geplant, organisiert und vorbereitet und darüber hinaus auch geherrscht werden kann. Demokratie ist multispatial, sie benötigt eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Orte und Räume. Doch neben den genannten existieren auch noch jene Räume, die sich nicht so recht den Kategorien Privatheit und Öffentlichkeit fügen wollen. Sie werden third spaces genannt: dritte Räume. Der Begriff entstammt der Schule der kulturwissenschaftlichen Paradigmenwechsel, der cultural turns. Raum ist dort keine unveränderbare Größe, sondern ein von Menschen gemachtes, gedachtes und veränderbares Konstrukt. Räume sind soziale Räume, also Lebenswelten, die erst durch die Praxis jener entstehen, die darin und damit leben – und damit eben auch etwas, das sich wandeln kann.

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Moloch und Minusmensch

Christopher Schmitz | 10. Juli 2014

[analysiert:] Christopher Schmitz über Black Metal als postmoderne Gegenwartsdiagnose

Was der industrialisierten Moderne des Vorkriegseuropas der Impressionismus war, ist dieser Tage vielleicht der Black Metal. Die Impressionisten des beginnenden 20. Jahrhunderts brachten ihre Skepsis gegenüber der Moderne mittels Musik und Malerei zum Ausdruck; die Metaller von heute mit Hilfe von melancholischen Texten, düsteren Tonwelten und schwarzdunkler Ästhetik. In beiden Epochen wird deutlich: Gesellschaftliche Veränderungsprozesse rufen neben verheißungsvollem Willkommensrufen oftmals auch Widerspruch und Angst hervor. Die Binsenweisheit, dass Kunst eine Interpretation des Kulturellen (und seiner Schattenseiten) darstellt, zeigt auch die Musik des Black Metal.

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