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Krieg rss facebook Twitter

Am Ende bleibt das pure Menschsein

Christopher Schmitz | 5. August 2014

1964. Das Jahr, mit dem „68“ begann

[analysiert]: Christopher Schmitz über die Logik moderner Kriege am Beispiel des Vietnam-Konflikts.

August 1964: In den internationalen Gewässern des Golf von Tonkin kreuzen die US-Zerstörer „Maddox“ und „C. Turner Joy“. Es kommt zu einer Auseinandersetzung mit Torpedobooten der nordvietnamesischen Marine. Gleichwohl diese Version der Ereignisse mittels der „Pentagon Papers“[1] später als falsch entlarvt werden konnte, markierte dieses als „Tonkin-Zwischenfall“ bekannt gewordene Ereignis zusammen mit der Verabschiedung der „Tonkin-Resolution“ durch den US-Kongress den direkten militärischen Eingriff der Vereinigten Staaten in den Konflikt zwischen Nord- und Südvietnam. Wie kaum eine andere kriegerische Auseinandersetzung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs polarisierte der Vietnamkrieg vor allem die Welt westlich des Eisernen Vorhangs. Friedensbewegung, Bürgerrechtsbewegung, Studierendenproteste: Die sogenannten „68er“ waren geboren – und der Vietnamkrieg war die Hebamme. Doch was lässt sich darüber hinaus über diesen Krieg erzählen, außer dass er ein Katalysator für den Inbegriff der Kulturrevolution im 20. Jahrhundert schlechthin wurde? Lässt sich aus der Art und Weise der Kriegsführung etwas für die Konflikte lernen, welche die Welt heute heimsuchen? Sollte das Mahnmal angesichts einer um sich greifenden Banalisierung des Krieges erneuert werden?

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Renaissance des serbischen Nationalismus

Krsto Lazarević | 26. Juni 2014

[Gastbeitrag]: Krsto Lazarević über die Amselfeld-Rede von Slobodan Milošević von 1989

Das Jahr 1989 verläuft für die Länder des Balkans überaus turbulent: Die Nationalisten sind im Aufwind, drängen auf Selbstbestimmung und kritisieren die gemeinsamen multinationalen Institutionen. Im Zuge einer Wirtschaftskrise schimpfen die reichen Republiken im Norden auf die armen Republiken im Süden und in der Mitte befindet sich eine Republik, die ihre Position ohne Rücksicht auf die kleineren Nachbarn durchzusetzen versucht. Während Menschen in den Ländern des Warschauer Pakts die sowjetische Fremdherrschaft von sich stoßen, beginnt auf dem Balkan ein Kampf um die Insolvenzmasse Jugoslawiens, der in Krieg, Vertreibung und Völkermord endet.

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Wegschauen macht mitschuldig

Ilyas Saliba | 20. Januar 2014

[Gastbeitrag]: Ilyas Saliba über die deutsche Rolle im Syrienkonflikt

Viel zu lange hatte ich den Syrien-Konflikt verdrängt, ich wollte mich nicht mit der desaströsen Lage in Syrien befassen. Ich wohne in Deutschland, bin hier geboren und schreibe meine Doktorarbeit über die Umwälzungen in der arabischen Welt. Als Politikwissenschaftler und Sohn eines Syrers habe ich den syrischen Bürgerkrieg und das Leiden der Bevölkerung lediglich aus den Medien und durch unregelmäßigen EmailKontakt mit meiner dort lebenden Familie erfahren. Die Ohnmacht gegenüber den eskalierenden Entwicklungen trieb mich in die Lethargie. Aus Angst vor meiner eigenen Ohnmacht, traute ich kaum mehr, meine Familie nach ihrem Wohlbefinden zu fragen. Dieser selbstsüchtige Schutzwall aus Ignoranz und Teilnahmslosigkeit wurde durch die Ankunft meiner Cousine aus Syrien niedergerissen. Syrien ist endlich bei mir angekommen. Die Erzählungen von Entführungen und Vergewaltigungen durch Milizionäre, von tagtäglicher und willkürlicher Gewalt gegen Zivilisten konnte ich nicht mehr verdrängen. Sie rüttelten mich aus meinem mediengeprägten lethargischen Dornröschenschlaf.

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