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Island: Schwul-lesbische Zufriedenheit und feministisches Utopia?

Julia Tiemann | 10. September 2015

Das politische Geschlecht[kommentiert]: Julia Tiemann über den isländischen Umgang mit Gender-Fragen:

Reykjavík, Mitte August 2015: Eine Stadt sieht Regenbogen. Aufwendig dekorierte Umzugswagen schillern um die Wette mit den fantasievoll geschminkten und gekleideten Teilnehmenden und Zuschauenden der „Reykjavík Pride Parade“. Angeführt wird der Umzug durch Stadtratsabgeordnete aller Parteien, die zusammen ein buntes Reykjavík-Banner durch die Straßen tragen. Dahinter geht Dagur B. Eggertsson, amtierender Bürgermeister, eine riesige Regenbogen-Flagge schwenkend. In den letzten Jahren sorgte sein Vorgänger Jón Gnarr durch Auftritte in Drag für Begeisterung. Jahr für Jahr ist die Parade Höhepunkt des einwöchigen Festivals der LBTIQ+[1]-Gemeinschaft und zeigt, wie weit Island in den letzten Jahrzehnten augenscheinlich gekommen ist, was die Anerkennung von Geschlechtergerechtigkeitsthemen angeht.

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Island: Ein Gefühl wie 2007

Julia Tiemann | 28. Oktober 2014

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[analysiert]: Julia Tiemann über die Situation in Island sechs Jahre nach dem Regierungssturz im Zuge der Weltfinanzkrise.

Verglichen mit anderen Ländern verfügt Island über keine sonderlich ausgeprägte Protesttradition. Einschneidendstes Erlebnis war da schon der eintägige Aufstand vom März 1949 anlässlich Islands NATO-Beitritts. Doch mit dem Zusammenbruch des isländischen Bankensystems im Zuge der internationalen Wirtschaftskrise im Herbst 2008 schwappte eine Protestwelle über das Land, die Regierung wie Zentralbankvorsitz zum Rücktritt zwang und den Anfang machte für weltweite Proteste. Zum sechsjährigen Jubiläum der Anfänge der weltweiten Finanzkrise rekapituliert dieser Blogbeitrag die isländischen Proteste und erklärt, warum es trotz ihres offensichtlichen Erfolgs nicht zu einer langfristigen Gesellschaftsreform kam.

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Ein Griff in die rechtspopulistische Rhetorikkiste

Julia Tiemann | 22. Juli 2014

[analysiert]: Julia Tiemann über den Kommunalwahlkampf der isländischen Fortschrittspartei in Reykjavík.

Islands Hauptstadt Reykjavík hat schon des Öfteren ihre Rolle als politisches Labor bewiesen: Die letzten vier Jahre hatte der Comedian Jón Gnarr als Bürgermeister für frischen Wind im Rathaus gesorgt. Nun, nach den Kommunalwahlen Ende Mai, ist weltweit zum ersten Mal die Piratenpartei Teil der regierenden Mehrheit. Besondere Aufmerksamkeit im Wahlkampf auf sich gezogen hat allerdings die Fortschrittspartei (isl. Framsóknarflókkurinn), die mit rechtspopulistischen Äußerungen auf Stimmenfang gegangen war. Mit Erfolg: Die Partei des Premierministers, in der Hauptstadtpolitik lange bedeutungslos, erreichte dort ihr bestes Ergebnis seit vierzig Jahren. Doch ihr Einfluss auf die Kommunalpolitik scheint beschränkt, wird sie doch von der Öffentlichkeit verspottet und wirft ihr die neue Mehrheit aus Sozialdemokratischer Allianz (isl. Samfylkingin), Strahlender Zukunft (isl. Björt Framtið), Links-Grüner Bewegung (isl. Vinstrihreyfingin – grænt framboð) und der Piratenpartei (isl. Píratar) Regierungsunfähigkeit vor. Wie ist das zu erklären?

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