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Braucht der Islam eine Reformation?

Thorsten Hasche | 13. Dezember 2016

[kommentiert]: Thorsten Hasche plädiert für eine moderate Pflicht zur Reformation des Islams in westeuropäischen Einwanderungsländern

Angesichts des 500-jährigen Jubiläums der Reformation im Jahr 2017 kam es verständlicherweise zu einem Anstieg von Publikationen zur Person Martin Luthers und dessen Bedeutung für die Reformation. Viele dieser Analysen widmen sich v.a. Luthers Opposition gegenüber verkrusteten Strukturen und der damals überbordenden, weltlichen Machtfülle der Kirche Roms. Die Folgen von Luthers Revolte werden letztlich in einem Reformprozess gesehen, an dessen Ende eine erneuerte Kirche auf dem Weg zur Moderne stand.[1] Diese Darstellung von Luthers Einfluss bedarf jedoch mindestens zwei kritischer Anmerkungen. Und zugleich eröffnen sich interessante Hinweise für die Diskussion über eine Reformation des Islam.

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Nach dem Sarrazin-Schock

Severin Caspari | 20. Februar 2014

[Gastbeitrag]: Severin Caspari über den neuen muslimischen Arbeitskreis der SPD

Vergangene Woche stellte die SPD im Berliner Willy-Brandt-Haus den neu eingerichteten „Arbeitskreis Muslimischer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten“ (AKMS) vor. Die Partei setzt damit den unter SPD-Chef Gabriel eingeschlagenen Kurs der Öffnung für Menschen mit Migrationshintergrund und Muslime konsequent fort. Nach dem Sarrazin-Schock hatte die SPD zuletzt feststellen müssen, dass sie die Sympathien bei der Gastarbeitergeneration und ihrer Nachfahren längst nicht mehr sicher hatte. Vor allem religiöse Bildungsaufsteiger aus türkisch- und arabischstämmigen Familien, ausgestattet mit einem Selbstverständnis als „deutsche Muslime“, wählen – anders als in der Vergangenheit – keineswegs mehr automatisch die Sozialdemokraten. Auf dem Feld der Symbolpolitik drohten die Sozialdemokraten gar von der CDU überholt zu werden, die mit Integrationsgipfel und Islamkonferenz auf Migranten und Muslime zugegangen ist, zumal der christdemokratische Innenminister Schäuble gleichzeitig den Islam offiziell als einen Teil von Deutschland anerkannt hat.

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… und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?

Tobias Graßmann | 12. Oktober 2012

[kommentiert]: Tobias Graßmann zur jüngsten Religionsdebatte.

„Respekt? Wovor denn?“, fragte der Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon kürzlich auf ZEIT Online und traf damit den Nerv vieler Leser. Innerhalb kürzester Zeit stieg der Text zum meistgelesenen Artikel auf und erhielt über tausend Kommentare. Im Hintergrund standen die teils gewalttätigen Reaktionen auf ein anti-islamisches Video im Internet, die zeitgleich viele islamisch geprägte Länder erschütterten, sowie die Überlegungen der Bundesregierung, eine Vorführung des Films durch sog. Islamkritiker zu verhindern. Michael Schmidt-Salomon ist Vorstandssprecher der kirchen- und religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung – einer Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Weltanschauung des „Evolutionären Humanismus“ zu vertreten und im Namen der Aufklärung insbesondere gegen den Einfluss der Religion in Politik und Gesellschaft zu kämpfen. Die Religion wird dabei primär als Bedrohung für die aufgeklärten, westlichen Gesellschaften und die Wissenschaft gesehen, woraus sich auch die Linie des Kommentars ergibt: Respekt vor den Gefühlen religiöser Menschen sei fehl am Platz.

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Vordenker der arabischen Moderne

Severin Caspari | 27. Oktober 2011

[analysiert]: Severin Caspari über den marokkanischen Philosophen Mohammed al-Jabri

Es wäre auch seine Revolution gewesen. Aber als sich die Bevölkerung in Nordafrika und im Nahen Osten 2011 gegen ihre Unterdrücker erhob, war Mohammed al-Jabri bereits ein Jahr verstorben. Der marokkanische Philosoph wurde vor allem durch sein Hauptwerk „Die Kritik der arabischen Vernunft“[1], das zwischen 1984 und 2001 in insgesamt vier Bänden erschien, zu einem der bedeutendsten Intellektuellen der arabischen Welt. Zwischen Beirut und Casablanca führte die Lektüre seiner Schriften zu hitzigen Diskussionen – vor allem bei der Jugend.[2]

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Sag, wie hältst du’s mit dem Islam?

Severin Caspari | 1. April 2011

[kommentiert]: Severin Caspari über die Gefährdung der Zukunft der Islamkonferenz durch Innenminister Friedrich.

Die eigene Haltung zum Islam ist für deutsche Politiker in den letzten Jahren zur Gretchenfrage aufgestiegen. Wer das Bekenntnis wagt, wie Bundespräsident Wulff („der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“) oder jüngst Innenminister Friedrich („dass aber der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt“), der kann sich der Aufmerksamkeit der in dieser Frage spätestens seit der Sarrazin-Debatte polarisierten Öffentlichkeit sicher sein.

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