[kommentiert]: Philipp Kufferath über die jüngste Tagung zum Thema „Intellektuelle und neue Medien“ am Essener KWI
Das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) in Essen veranstaltete im Februar – gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Institut Paris – eine zweitägige Tagung über „Öffentlichkeit, Medien und Politik – Intellektuelle Debatten und Wissenschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation“. Der erste Tag widemte sich der Bestimmung des intellektuellen Feldes der Gegenwart, am zweiten Tag standen Digitalisierung und neue Medien im Mittelpunkt (das Programm findet sich hier). In seiner Einführung wies Gastgeber Claus Leggewie auf die Vielzahl von Verlautbarungen zum Verschwinden der Intellektuellen hin, betonte aber zugleich den akuten Bedarf an empirisch angelegten Untersuchungen über das komplexe Verhältnis von Medien, Öffentlichkeit und Intellektuellen. Auch die digitale Wissenschaftskommunikation – innerhalb der Forschung und mit der Öffentlichkeit – wecke Bedarf nach wissenschaftlicher Untersuchung.
→ weiter lesenJean-Paul Sartre hat ihn abgelehnt, den Nobelpreis. Dies ist außergewöhnlich und verstörend zugleich. Die Franzosen zürnten, verstanden es nicht und hielten es ihm vor. Er habe Frankreich blamiert. Mit dem Geld hätte er zumindest eine südamerikanische Guerilla-Truppe unterstützen können, schrieben die bürgerlichen Zeitungen. Sartres eigene, öffentliche Erklärung blieb ebenso dürftig wie die bescholtene Kritik an seiner Entscheidung. Er habe das schwedische Komitee nicht in Verlegenheit bringen wollen, indem er das Geld für unorthodoxe Zwecke einsetze. Deshalb habe er schon im Vorfeld die Annahme der Ehrung ausgeschlossen. Außerdem stellte er klar:
→ weiter lesen„Ein Autor, der politisch, sozial oder literarisch Stellung bezieht, darf das nur mit dem geschriebenen Wort tun. Alle Auszeichnungen, die er erhält, setzen seine Leser einem Druck aus … Es ist nicht das gleiche, ob ich mit Jean -Paul Sartre unterzeichne oder mit Nobelpreisträger Jean-Paul Sartre.” Und: “Ich bin nicht in der Lage, irgendwelche Auszeichnungen, die von bedeutenden Kulturorganisationen des Ostens oder des Westens verliehen werden, anzunehmen, obwohl ich ihre Existenz sehr gut verstehe… Ich würde auch den Lenin-Preis ablehnen.“
Hermann Heller (1891-1933) war einer der wenigen sozialdemokratischen Staatsrechtler in der Weimarer Republik. Als Jude und Sozialist standen ihm etliche Barrieren für eine akademisch-universitäre Karriere im Weg. So erhielt er erst 1931 in Frankfurt eine ordentliche Professur für Öffentliches Recht – gegen den Willen der dortigen Hochschullehrermehrheit. Hellers Anliegen war der „soziale Rechtsstaat“, sein Ziel: die „soziale Demokratie“. Heller prägte in den 1920er Jahren diese beiden, bis in die Gegenwart zentralen Begriffe der politischen Linken. Er war ein Verfechter und Apologet der „politischen Demokratie“. Doch sah er diese Demokratie, gewissermaßen den klassischen Grundanspruch des Liberalismus, strukturell gefährdet durch die Resultate des wirtschaftlichen Liberalismus, welcher fortwährend „ökonomische Disparitäten“ erzeugte, dadurch die Lebenschancen der Bürger antagonistisch ausspreizte.
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