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Zwischen sozialdemokratischer Illusion und „Vaterlandsverrat“

Hannes Keune | 6. September 2016

[analysiert]: Hannes Keune über Michail Gorbatschow ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Sowjetunion

In diesem Jahr, 2016, hat Michail Gorbatschow seinen 85. Geburtstag gefeiert. Zugleich jähren sich in diesen Tagen die Ereignisse um den Augustputsch, den die Sowjetunion nur um wenige Wochen überlebte, zum 25. Mal. Als Kopf des Reformerlagers in der sowjetischen Nomenklatura in den ersten Jahren von glasnost und perestroika noch Hoffnungsfigur, symbolisiert Gorbatschow, der Friedensnobelpreisträger von 1990 und letzte Staatspräsident der UdSSR, seit den krisenhaften 1990er Jahren für viele Russen den nationalen Niedergang, den Demokratie und Verwestlichung dem Land angeblich gebracht haben. Man kann Gorbatschow als eine objektiv fast schon tragische[1] und darin über die eigene Person hinausweisende Figur der jüngeren russischen Geschichte skizzieren. Deshalb sollen im Folgenden seine Reformhoffnungen und seine Rolle im gegenwärtigen Russland beleuchtet werden.

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Edathy – oder: Was passt zur Sozialdemokratie?

Franz Walter | 26. Februar 2014

[kommentiert]: Franz Walter zur Edathy-Kontroverse in der SPD.

Gegen Sebastian Edathy läuft ein Parteiordnungsverfahren. Das Verhalten des früheren Bundestagsabgeordneten der SPD passe nicht zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, begründete Parteichef Sigmar Gabriel die Initiative. Ohne Zweifel kann Gabriel sich mit seinem Verdikt auf den legendären Tribun seiner Partei in den Jahren des Kaiserreichs, August Bebel, berufen. Bebel hatte in seinen Memoiren über sexuelle Vorkommnisse Anfang der 1860er Jahre berichtet und deutliche Worte des Abscheus bekundet. Im April 1862 soll ein junger Mann von 28 Jahren im Mannheimer Schlossgarten ein „Sittenvergehen“ an einem unter 14 Jahre alten Jungen begangen haben, wie zwei Damen gegenüber der Polizei zu Protokoll gaben. Der Knabe selbst war von der Staatsmacht nicht mehr aufzufinden. Doch andere Jungen bestätigten, dass der verdächtige Mann sich ihnen mit ähnlichen Ansinnen genähert hatte. Eine Gefängnisstrafe wurde verhängt. August Bebel rechtfertigte das Urteil der Justiz: „Man mag über die gleichgeschlechtliche Liebe noch so frei denken, so war es unter allen Umständen eine Ehrlosigkeit, die Befriedigung der selben am hellen Tage in einem öffentlichen Tag und an einem schulpflichtigen Knaben zu versuchen.“

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