Göttingen rss facebook Twitter

Ein ruheloses Leben

Christian Werwath | 19. Januar 2012 | Keine Leserbriefe

[Göttinger Köpfe]: Christian Werwath über die Politikerin und Autorin Hannah Vogt

Hannah Vogts Leben wirkt auf den ersten Blick richtungslos: Sie war früh in der KPD engagiert. Mit 23 Jahren war sie politische Inhaftierte im Konzentrationslager Moringen. Nach ihrer Entlassung machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester, bevor sie 1945 in Göttingen im Fach Volkswirtschaft promovierte. Hannah Vogt war anschließend Referentin in der Landeszentrale für politische Bildung in Hessen und später Autorin eines Bestsellers. Die Stadt Göttingen ernannte sie nach über zwanzig Jahren Ratsarbeit zunächst in der FDP-Fraktion und dann in der SPD-Fraktion zur Ehrenbürgerin. Zudem war Hannah Vogt Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Ihre Lebensstationen erscheinen rätselhaft, wer war Hannah Vogt?

weiter lesen

„Wer links beginnt, endet liberal – und umgekehrt“

Andreas Wagner | 2. Dezember 2011 | Keine Leserbriefe

[Göttinger Köpfe]: Andreas Wagner über den Pädagogikprofessor Erich Weniger

Als der Göttinger Pädagogikprofessor Erich Weniger, einer der herausragenden Vertreter der geisteswissenschaftlichen Pädagogik, aufgrund „politischer Unzuverlässigkeit“ im Jahr 1933 seine Professur durch die Nationalsozialisten verlor, schien noch nicht absehbar, dass der Erziehungswissenschaftler nach 1945 beinahe nahtlos an seinen einstigen akademischen Werdegang würde anknüpfen können. Mehr noch, trotz seiner Tätigkeit als „Wehrmachtspädagoge“ und der Tatsache, dass er sich vom Nationalsozialismus keineswegs strikt distanzierte, baute Weniger bereits 1945 die Pädagogische Hochschule Göttingen auf und folgte ab 1949 seinem Mentor Herman Nohl als ordentlicher Professor der Pädagogik an der Georg-August-Universität Göttingen.

weiter lesen

Der Professor und die Politik

Danny Michelsen | 18. November 2011 | Keine Leserbriefe

[Göttinger Köpfe]: Danny Michelsen über Friedrich Christoph Dahlmann

Als im Januar 1831 die sogenannte Göttinger Revolution ausbrach, war Friedrich Christoph Dahlmann, der spätere Anführer der Göttinger Sieben, einer der wenigen Professoren, die vehement für eine sofortige Niederschlagung des Aufstandes und die strenge Bestrafung seiner Anführer plädierten. Nachdem sich Dahlmann in der Reichshauptstadt Hannover energisch dafür eingesetzt hatte, wurde die von Studierenden und Privatdozenten getragene achttägige Rebellion, in deren Verlauf die „Republik Göttingen“ ausgerufen wurde, mit militärischer Gewalt aufgelöst. Während knapp anderthalb Jahre nach diesen Ereignissen eine große Mehrheit der Abgeordneten in der hannoverschen Ständekammer, der Dahlmann als Deputierter seiner Universität ebenfalls angehörte, für eine Amnestie der zu langjährigen Haftstrafen verurteilten Aufständischen votierte, sprach sich der Göttinger Politikprofessor gegen eine Begnadigung dieser „beklagenswerth Verirrten“ aus. Der liberale Politiker Dahlmann – das wurde in den Wirrungen des Januar-Aufstandes überdeutlich – war ein Mann vorsichtiger Reformen und ein Gegner der gewaltsamen Revolution.

weiter lesen

Zwei Existenzen

Teresa Nentwig | 6. Oktober 2011 | 1 Leserbrief

[Göttinger Köpfe]: Teresa Nentwig über Gottfried August Bürger

Gottfried August Bürger – der Name dürfte heute den wenigsten bekannt sein, zumindest außerhalb der Literaturwissenschaft. Bürger, der von 1747 bis 1794 lebte, war Amtmann, bekannt aber wurde er als Dichter – und als gebrochene Existenz. Besonders in Göttingen, wo er viele Jahre seines schillernden, bewegten Lebens verbrachte, ist Bürger noch immer präsent: Eine vielbefahrene Ringstraße wurde nach ihm benannt (Bürgerstraße), Mitte des 19. Jahrhunderts ein Grabdenkmal errichtet, das die Widmung „Die Stadt Göttingen dem Dichter Gottfried August Bürger“ trägt. 1895 wurde schließlich seine lebensgroße Bronzebüste enthüllt.

weiter lesen

Vom Diktator zum Friedensphilosophen

Robert Lorenz | 12. September 2011 | Keine Leserbriefe

[Göttinger Köpfe]: Robert Lorenz über den Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker

Die Unstetigkeit Carl Friedrich von Weizsäckers hatte eine entscheidende Quelle: seinen Ehrgeiz. Jahrzehntelang befand sich der Sprössling einer der bedeutendsten Familien Deutschlands auf der Suche nach einem Metier, in dem er eine Spitzenposition einnehmen, gewissermaßen zum Star avancieren konnte. Es sollte allerdings bis in die 1970er Jahre dauern, als er endlich eine geeignete Nische fand und besetzte. Alles begann in „Piklön“. So nannte von Weizsäcker eine komplexe Fantasiewelt, die er im zarten Knabenalter kreiert hatte, um dort mit Freunden und Familienmitgliedern Politik zu spielen. So gesehen erscheint es geradezu logisch, dass die Welt ihn als „Friedensphilosophen“ kannte, als er im April 2007 im Alter von 94 Jahren verstarb.

weiter lesen

Göttinger Köpfe

Stine Marg | 25. August 2011 | Keine Leserbriefe

[Göttinger Köpfe]: Stine Marg über unsere neue Blog-Serie “Göttinger Köpfe”

Diejenigen, die sich einmal mit Stadtgeschichte als solche beschäftigt haben, kennen die Problematik: Hier dominieren meist detailreiche Erzählungen oder überblicksartige Gesamtdarstellungen passionierter Hobbyhistoriker, die sich oft aus persönlichem Interesse auf Spurensuche begeben haben. Sei es, weil sie wissen möchten, wie ihre Vorfahren in dem Ort gelebt haben, oder weil ihre Neugierde durch die alltägliche Begegnung mit der Vergangenheit geweckt wurde. Auch in der politischen Wissenschaft hat Stadtgeschichte ihren Platz. Doch wie so oft stellt sich besonders hier die Frage: Für wen – außer für Archive oder den Wissenschaftler selbst – wird Stadtgeschichte betrieben? Für wen werden die in wissenschaftlichen Sprachjargon gehüllten teuren Sammelbände herausgegeben? Häufig schaffen sie es nämlich nicht, lebendig und anschaulich die Vergangenheit zu schildern, oder die prägenden Momente, Ereignisse und vor allem die historischen Persönlichkeiten ihres Wohnortes pointiert ins Gedächtnis zu rufen. Genau darum soll es in unserer neuen Blogreihe gehen – um Göttingen und seine “Köpfe”.

weiter lesen