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Ver.di: Vorsichtiger Optimismus am 15. Geburtstag

Christoph Hoeft | 3. Mai 2016

[nachgefragt]: Patrick von Brandt über den Geburtstag der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di vor 15 Jahren und die aktuellen Herausforderungen.

Vor 15 Jahren schlossen sich fünf Einzelgewerkschaften zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zusammen. Damals erhoffte man sich, durch die Fusion das  „Konkurrenzdenken unter Gewerkschaften“ im Dienstleistungssektor beenden zu können. Hat sich diese Hoffnung erfüllt?

Von Brandt: Ein Stück weit ja. Zumindest ist es den fünf sogenannten Quellgewerkschaften von ver.di gelungen, durch die Fusion Ressourcen zu bündeln und somit Konkurrenz, unnötige Doppelarbeit, Doppelstrukturen, doppelten Ressourcenverbrauch zu überwinden. Zum Beispiel gab es früher zwei konkurrierende Gewerkschaften im öffentlichen Dienst, die Deutsche Angestelltengewerkschaft DAG und die ÖTV. Diese Spaltung ließ sich tatsächlich überwinden. Es gibt aber natürlich weiterhin Konkurrenz zwischen ver.di und anderen Verbänden. Und auch innerhalb des DGB wird weiter gerungen um die richtige Politik; da gibt es durchaus unterschiedliche Interessen und z.T. auch Konkurrenz. Die unterschiedlichen Interessen und politischen Forderungen sind auch Folge der unterschiedlichen ökonomischen Bedingungen der Branchen: So ist die Dienstleistungsbranche abhängig von der Binnennachfrage, ganz anders die exportorientierte Industrie …

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Vom Überleben der Dinosaurier

Robert Lorenz | 26. November 2013

[kommentiert]: Robert Lorenz über die Bedeutung des Personalwandels an den Gewerkschaftsspitzen.

Fünf von acht DGB-Gewerkschaften haben in diesem Jahr ihre Spitze gewechselt. Als vorerst letzte Gewerkschaft wählte gestern die IG Metall Detlef Wetzel zu ihrem neuen Chef. Diese Personalie ist besonders aufschlussreich: Denn Wetzel personifiziert den Wandel der letzten Jahre, im Gewerkschaftslager gilt er als der Reformer schlechthin. Doch nur 75,5 Prozent der Delegierten gaben ihm ihre Stimme, sein künftiger Stellvertreter Jörg Hofmann, ebenfalls dem Eindruck nach kein Gewerkschafter im Stile des Betonkopf-Klischees, erhielt 77,7 Prozent – beide Werte sind für Gewerkschaftstage eigentlich klare Zeichen des Misstrauens. Dennoch zeugen sie von einem angemessenen Kurswechsel.

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Volkshaus-Blues

Robert Lorenz | 8. April 2013

[analysiert]: Robert Lorenz über das einstige Bewegungszentrum.

Viele von ihnen gibt es gar nicht mehr. Und die wenigen verbliebenen sind nur noch Überbleibsel einer vergangenen Epoche, leere Hüllen einstmals agiler Gebilde, die heute allenfalls aufmerksamen Beobachtern von einer glorreichen Vergangenheit künden. Dabei waren sie für SPD und Gewerkschaften doch so wichtig – die Volkshäuser. An ihnen und ihrer Geschichte lässt sich nachvollziehen, worin sich eigentlich der gegenwärtige Stellenwert politischer Organisationen für viele Bürger von früheren Zeiten unterscheidet, weshalb sich der Gebrauchswert bspw. von SPD und Metallgewerkschaft beträchtlich gewandelt hat. Blicken wir also zurück.

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Das Mysterium des Eisernen

Robert Lorenz | 6. März 2013

[analysiert]: Robert Lorenz fragt nach dem Verbleib der Gewerkschaftshelden.

Irgendwie ist es doch rätselhaft. Erscheint das gegenwärtige Führungspersonal der Parteien und Gewerkschaften nicht überwiegend beliebig, austauschbar, wenig erinnerungswürdig? Markante Köpfe finden sich augenscheinlich nur in der Vergangenheit, tief in der Geschichte der Bonner Republik verborgen. Früher habe es womöglich „nirgendwo sonst“ wie in den Gewerkschaften, so Christian Graf v. Krockow, „so ausgeprägt die kantigen Persönlichkeiten, die Stammesherrscher, diese Männer mit dem festen Selbstbewußtsein, ja: die Herren im besten Sinne des Wortes“[1] gegeben. Welcher heutige Spitzengewerkschafter aber kann schon mit einem martialischen Beinamen wie einstmals der IG Metall-Vorsitzende Otto Brenner – der „Eiserne“ – aufwarten? Und weshalb werden noch immer auf die Altstars der Sozialpartnerschaft ehrfürchtige Erinnerungsartikel verfasst, die sie wie im Falle des einstigen ÖTV-Vorsitzenden Heinz Kluncker – dem Anführer einer Gewerkschaft, an deren Kürzel man sich kaum noch erinnern kann – als außergewöhnliche Männer porträtieren? Aber waren das eigentlich wirklich solch unnachahmliche Persönlichkeiten und wenn ja: Warum hat die jüngere Gewerkschaftsgeschichte seither keine weiteren derartigen Kaliber mehr hervorgebracht?

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Gewerkschaftsdämmerung

 | 4. Februar 2013

Das Buch

Gewerkschaften sind einflussreiche Akteure, die das Leben einer Vielzahl von Menschen mitbestimmen. Dennoch befinden sie sich seit längerer Zeit in der Krise. Die Mitglieder, die sie jährlich verlieren, könnten ganze Fußballstadien füllen.
Und dies, obwohl die Gewerkschaften in Deutschland zahlreiche Schwachstellen erkannt und etliche Reformen ergriffen haben – allerdings mit zum Teil schwerwiegenden Folgen. Denn viele Modernisierungsversuche riefen neue Probleme hervor, ohne die alten zu lösen.
Robert Lorenz fragt: Kann die »Gewerkschaftsdämmerung« der letzten Zeit noch in eine Renaissance umschlagen oder handelt es sich um ein anachronistisches Geschöpf einer vergangenen Epoche?

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Jammern auf hohem Niveau?

Alex Hensel | 7. November 2012

[präsentiert]: Robert Lorenz über den Zustand des ÖGB

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB), früher einmal eine der mächtigsten Gewerkschaften der gesamten Welt, scheint seit geraumer Zeit in einer Krise. Doch mit welchen Problemen und Herausforderungen sieht sich der ÖGB als gesellschaftliche Großorganisation überhaupt konfrontiert? Im Podcast skizziert Robert Lorenz die Debatte.

Video: Severin Caspari und Christoph Hoeft

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Fusionitis und andere Reformen

Robert Lorenz | 4. August 2011

[kommentiert]: Robert Lorenz über die erfolglosen Reformversuche der Gewerkschaften.

Das Zauberwort heißt Reform. In Zeiten sinkender Mitgliederzahlen und Organisationsgrade glaubten deutsche, österreichische und niederländische Gewerkschaften, sich mit Reformen aus ihrer misslichen Lage befreien und an die erfolgreiche Vergangenheit anknüpfen zu können. Doch dem war nicht so. Allein schon deshalb, weil die meisten Reformen kaum mehr als Rhetorik blieben, über das Stadium von verheißungsvollen Ankündigungen nicht hinauskamen. Ob der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Mitglieder, der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) oder der größte niederländische Gewerkschaftsbund FNV: Zumeist sollten als erstes die Organisationsstrukturen modernisiert werden. Doch was genau dies eigentlich bringen sollte, wusste ganz oft niemand so recht zu sagen. Sicher, was lag näher, als mit der Erneuerung bei dem inneren Aufbau der Gewerkschaften zu beginnen?

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Ernüchternde Bilanz

Oliver D'Antonio | 19. März 2011

[analysiert]: Oliver D’Antonio zieht Bilanz anlässlich des 10. Geburtstages der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Es war wohl die größte Gewerkschaftsparty, die Deutschland je gesehen hat. Vor zehn Jahren, vom 19. bis 21. März 2001, fand in Berlin der Gründungskongress der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft, kurz Verdi, statt. Fünf Einzelverbände, die DGB-Gewerkschaften Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), die Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV), die IG Medien und die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) sowie die vormals nicht zum DGB gehörige Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG), hatten die Fusion in den Tagen zuvor beschlossen. Man startete selbstbewusst ins neue Jahrzehnt, im festen Glauben, die erste Supergewerkschaft im Dienstleistungssektor, nun die größte Gewerkschaft der Welt, könne diesen aufmischen. Auch war man stolz, die Abspaltung der Angestellten in der DAG nach fast fünf Jahrzehnten überwunden zu haben. Zwei strategische Ziele verfolgte die neue Multibranchengewerkschaft: Zum einen wollte sie den tarifpolitisch schwierigen tertiären Sektor integrieren, um den Arbeitnehmern endlich auf Augenhöhe zu begegnen. Zum anderen wollte sie als schlagkräftige Organisation dem Gewerkschaftslager wieder zu politischem Einfluss verhelfen.

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Das Ende der Solidarität

Oliver D'Antonio | 7. Dezember 2010

[kommentiert]: Oliver D’Antonio kommentiert die Fusion der Eisenbahngewerkschaften.

Vom Zauber eines Neubeginns hatte es wenig, als sich Anfang Dezember 2010 in Fulda die neue Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, kurz EVG, durch eine Fusion von Transnet und der Gewerkschaft deutscher Bundesbahnbeamten und Anwärter (GDBA) gründete. Anders als zehn Jahre zuvor, als das Projekt der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di) in großer Euphorie aus der Taufe gehoben wurde, erscheint der Zusammenschluss der Bahngewerkschaften eher als ein verzweifelter Schritt, das eigene Überleben zu sichern. Schließlich erlebte man mit Schrecken, wie ver.di in ihren ersten acht Jahren rund 700.000 Mitglieder verlor. Das Ansinnen der EVG scheint somit weit defensiver und bescheidener.

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Schwäche aus Stärke

Robert Lorenz | 1. Dezember 2010

[analysiert]: Robert Lorenz über Aufstieg, Niedergang und Renaissance der Gewerkschaften in Deutschland und Österreich.

Gewerkschaften werden notorisch in einer Krise gewähnt – sowohl in Österreich als auch in Deutschland. ÖGB und DGB, die jeweiligen Gewerkschaftsbünde dieser Länder, waren zwischen den 1950er und 1980er Jahren kraftstrotzende Organisationen mit vielen Mitgliedern, viel Geld, viel Einfluss. Einen solchen Eindruck konnte man jedenfalls anhand der hohen Organisationsgrade, Mitgliederzahlen und Vermögenswerten österreichischer und deutscher Gewerkschaften gewinnen. Anschließend widerfuhr ihnen jedoch ein langwieriger Niedergang, litten sie nun chronisch unter dem Verlust von Mitgliedern, Repräsentativität, Geld und Einfluss. Doch der Maßstab, mit dem die heutige Krise konstatiert wird, ist ein hoher.

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