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Bürgerprotest und Wissenschaft

Stephan Klecha | 15. April 2013

[kommentiert]: Stephan Klecha zur Lage der deutschen Protestforschung

Politischer Protest gehört zum Wesen der Demokratie, ja er ist in einer pluralistisch verfassten Gesellschaft notwendig. Er zeugt davon, dass politische Entscheidungen nicht pauschal gebilligt werden, dass sie hinterfragt werden, dass sie Kritik aushalten müssen. Zugleich mahnt er an, die Fähigkeit zum politischen Kompromiss zu nutzen und nicht berücksichtigte Interessen künftig einzubeziehen oder an anderer Stelle diese aufzugreifen. Insofern gehört die Forschung über Proteste eigentlich zum Wesen der Politikwissenschaft oder der Soziologie – sollte man zumindest meinen. Die Realität in der deutschen Forschungslandschaft sieht indes etwas anders aus.

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Ideologie der Anti-Ideologen

David Bebnowski | 13. April 2013

[analysiert]: David Bebnowski über die Ideenwelt der Alternative für Deutschland

Der Philosoph Jacques Derrida erblickte in der Informationsflut unserer Tage eine große Gefahr für den demokratischen Diskurs. Schließlich ersticke sie das Vermögen, die wichtigen Informationen von den unwichtigen zu trennen. Tatsächlich, dass wir in einer unübersichtlichen, hochkomplexen Welt leben, ist eine der unstrittigen sozialwissenschaftlichen Diagnosen. Die Potenzierung der journalistischen und wissenschaftlichen Berichterstattung zu politischen Phänomenen vermehrt Stimmen und Meinungen ebenso eindrucksvoll wie die Wortmeldungen politischer Strömungen und Bürgerinitiativen. Umso mehr verwundert es, wenn angesichts dieser Fülle unterschiedlichster Äußerungen gemahnt wird, Meinungen würden gezielt unterdrückt und über Gebühr genormt.

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Generationskonflikt im Netz

Alexander Hensel | 4. April 2013

[analysiert]: Alex Hensel über den kulturellen Spalt in der Netzbewegung

In der deutschen Netzbewegung herrscht Katerstimmung. Grund hierfür ist das jüngst verabschiedete Leistungsschutzrecht, gegen das die Netzbewegung hierzulande weitgehend erfolglos, allerdings auch nur halbherzig protestiert hat. Nun ist unter den Aktivisten eine Debatte über ihr politisches Scheitern ausgebrochen. Angestoßen wurde diese durch den Blogger, Autor und Berater Sascha Lobo. In seinem Blogartikel „Unsere Mütter, unsere Fehler“ berief er jüngst die vielbeschworene digitale Klasse zur vorgezogenen Zeugniskonferenz ein und ließ es heftig Sechsen regnen.

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Der unterschätzte Protest

Pepijn van Dijk | 13. März 2013

[kommentiert]: Pepijn van Dijk über die Front deutscher Äpfel und DIE PARTEI

Typen von Protestierenden gibt es viele und häufig eilt ihnen ein ganz unterschiedlicher Ruf voraus. Im Folgenden soll es aber nicht um schon bekannte Typen gehen, sondern um einen anderen, einen oft belächelten und nicht richtig ernstgenommenen Typus: den satirischen Aktivisten. Während andere Protestbewegungen ihre Forderungen offen propagieren oder einfach nur Stärke symbolisieren wollen, ist die Methode des satirischen Protestes subversiver: Seine Waffe ist der Spiegel, seine Methode zumeist die Ironie.  Er nimmt die Symbole des Gegners auf und verwendet sie gegen ihn. Anhand zweier Beispiele sollen hier die Funktionsweise des satirischen Protests und das Weltbild des satirischen Aktivisten  beleuchtet werden. Denn wie eine neue Studie des Instituts für Demokratieforschung über Bürgerproteste in Deutschland zeigt, hat auch der satirische Protest ein durchaus seriöses Anliegen.[1]

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Protestcamps

Lars Geiges | 4. März 2013

[analysiert]: Lars Geiges über die Eigenheiten eines Protestphänomens.

Am Morgen des 6. August 2012 fuhr die Polizei vor, um das Frankfurter Occupy-Protestcamp zu räumen. Etwa vierzig Aktivisten harrten auf dem Platz vor der Europäischen Zentralbank aus, saßen ineinander gehakt auf dem Boden, singend und gelegentlich Parolen der Resistenz rufend. Sie ließen sich letztlich friedlich fort tragen. Ein paar Beschimpfungen, einige Flüche, auch Tränen: Wie angekündigt, leisteten die Occupyer nur passiven Widerstand und gaben sich hinterher trotzig: Es gehe weiter, dezentral, konzentrierter, ein wenig anders eben. Ein halbes Jahr später weiß man: Kaum etwas ging weiter. Und die Camps, die bunten Zeltdörfer auf grauem Asphalt, sind längst aus den deutschen Fußgängerzonen und Bankenvierteln verschwunden – in Frankfurt wie andernorts.

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Die Utopie der besseren Welt vor Ort

Felix Butzlaff | 22. Februar 2013

[analysiert]: Felix Butzlaff über Christentum und Arbeiterbewegung als Vorbilder für lokale Selbsthilfen.

„Es ist so toll, die Leute, die letztendlich aus einem Zorn zusammengetrieben werden, wenn sie in die Gesichter der Leute reinschauen, sehen sie unglaublich wache Augen, wache Gesichter und bei allem Ärger die Bereitschaft, sich gegenseitig anzulächeln, das ist faszinierend. Unter dem Gesichtspunkt würden sie von vielen hören, sie haben ein neues Verhältnis zu dieser Stadt gewonnen, das eben auch eine Aufbruchsstimmung ist und dieses Gefühl: Wir lassen nicht mehr alles mit uns machen!“ Dieses Zitat eines Stuttgarter Protestierenden macht deutlich, wie stark die Protest-Bewegungen auch zur Heimat der Einzelnen geworden sind und wie sehr die Teilnahme an den Aktionen zusammenschweißt, auch zu neuen Bekanntschaften und Freundschaften führt. Diese Einbindung in eine Gemeinschaft, der man sich zugehörig fühlt, die einem auch ermöglicht, über längere Zeit Aufgaben zu übernehmen, an Infotischen zu stehen oder Flugblätter zu verteilen, findet sich an vielen Protestschwerpunkten, die wir im Rahmen des Projekts untersucht haben, welches am Ende in das Buch „Die neue Macht der Bürger“ gemündet ist.

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Zivilgesellschaft und Partizipationsdemokratie – ein Albtraum?

Franz Walter | 7. Februar 2013

[präsentiert]: Soeben ist im Rowohlt-Verlag die Studie unseres Instituts zu den Bürgerprotesten erschienen. Franz Walter hat zudem in der neuen Ausgabe unserer Zeitschrift INDES über einige Probleme solcher zivilgesellschaftlichen Äußerungsformen reflektiert.

In den 1970er Jahren war in den Essays akademischer Neo-Marxisten viel und gern von den „Legitimationsproblemen des bürgerlichen Staates und der Demokratie“ die Rede. Dabei stand das Gros der Wahlbürger seinerzeit noch keineswegs im tiefen Groll den Institutionen der repräsentativen Demokratie gegenüber. In jüngerer Zeit indessen hat sich die Sichtweise der Deutschen weitreichend verschoben. Das Ansehen besonders der Parteien, Parlamentarier und Regenten ist mit Aplomb zurückgegangen. So existiert das Problem, das vor vierzig Jahren noch keines war, derzeit tatsächlich. Zumal: Moderne Demokratien sind, gleichsam in paradoxer Reaktion auf gesellschaftliche Vielfachdifferenzierung und partizipatorische Transparenz- und Beteiligungsverlangen, mehr und mehr zu Verhandlungsexekutiven in verschlossenen Räumen und informellen Strukturen minoritärer Runden von Entscheidungsträgern mutiert. Die Vereinbarungen der politischen Klassen mit anderen potenten Akteuren in Ökonomie und Gesellschaft vollziehen sich zunehmend jenseits parlamentarischer Foren und ihrer Einwirkungsmöglichkeiten.

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Über die eigene Arbeit und Geldgeber von Grundlagenforschung

Franz Walter, Felix Butzlaff, Lars Geiges, Stine Marg | 6. Februar 2013

[kommentiert]: Über unsere Studie „Bürgerproteste in Deutschland“

Vor einer Woche haben wir unsere neue Untersuchung über Bürgerproteste in Deutschland vorgestellt, die nun auch als Buch im Rowohlt Verlag vorliegt. Viele Medien haben über die BP-Gesellschaftsstudie berichtet, worüber wir uns sehr freuen.

Gerne hätten wir nun auch an dieser Stelle – bei uns im Blog – damit begonnen, Ergebnisse der Studie zu diskutieren, über Bürgerbeteiligung und Formen des Engagements zu schreiben sowie auch einmal grundsätzlich über die Frage nachzudenken, was das alles für die Verfasstheit unserer Demokratie bedeutet.

Diese Fragen müssen nun warten.

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Bürgerproteste in Deutschland

Alex Hensel | 30. Januar 2013

[präsentiert]: Zentrale Ergebnisse der Studie „Bürgerproteste in Deutschland“

In den letzten Jahren hat die Republik eine Reihe von politischen Protesten erlebt. Das vom Göttinger Institut für Demokratieforschung durchgeführte Projekt „Bürgerproteste in Deutschland“ untersucht die Fragen: Was treibt die neuen Protestbürger an? Was motiviert sie? Wie gestalten sie ihren Protest real und was denken sie über Politik, Demokratie und Gesellschaft?

Video: Severin Caspari und Alexander Hensel

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Ende oder Fortgang der „Wutbürgerei“?

Franz Walter | 2. Januar 2013

[kommentiert]: Franz Walter über Ambivalenzen der Partizipationsdemokratie

Im Jahr 2011 beherrschte noch der „Wutbürger“ über viele Wochen die Schlagzeilen. 2012 war der Begriff nahezu aus der Welt der Medien verschwunden. War somit das Phänomen des „zornigen, protestierenden Bürgers“ lediglich künstlich stilisiert? Oder schwelt unter der Oberfläche weiter, was 2011 in einigen Teilen der Republik offen entflammt war? Wie entwickeln sie sich künftig, die viel beschworene „Zivilgesellschaft“, die zumindest in Sonntagsreden gern eingeforderte „Partizipationsdemokratie“?

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