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Zu kurz gedacht

Robert Pausch | 22. Januar 2014

[kommentiert]: Robert Pausch über die Rede des Bundespräsidenten zum Neoliberalismus.

Eine unbequeme Wahrheit sollte es wohl sein, die Joachim Gauck mit seinem Plädoyer für den deutschen Neoliberalismus auszusprechen gedachte. Unbequem, weil Gauck „neoliberal“ heutzutage zu Unrecht zum Kampfbegriff verkommen sieht. Und unbequem, weil er von einem diskursiven Klima auszugehen scheint, in dem individuelle Freiheiten von staatlichen Allmachtsansprüchen bedroht werden. Seine mantraartige Freiheitsapologie, bisher auf bürgerrechtliche Sphären begrenzt, wird somit auch auf die Wirtschaft ausgeweitet, denn: „Ungerechtigkeit gedeiht gerade dort, wo Wettbewerb eingeschränkt wird“. Und wie so oft, wenn ein Argument mit dem Label einer unbequemen Wahrheit versehen wird, finden sich in der Debatte anschließend jene, die froh sind, dass es „endlich“ mal jemand ausspricht. Politische Kommentatoren von der „Welt“ – die reflexhaft eine Lobeshymne auf Ludwig Erhard anstimmt – bis zur „Zeit“ verneigen sich vor dem Präsidenten, der mit gewohnt pastoralem Gestus „mehr intellektuelle Redlichkeit“ und „mehr historisches Bewusstsein für das breite Spektrum des Liberalismus“ anmahnt. Denn im Gegensatz zu seinem angelsächsischen Pendant habe dieser, in Gestalt des Ordoliberalismus, schließlich die soziale Marktwirtschaft und den Wohlstand für alle mit sich gebracht und eben nicht das freie, ungezügelte Spiel der Kräfte.

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