Es ist ein ständiges Auf und Ab, das die Geschichte der Grünen (Les Verts) in Frankreich kennzeichnet. Schon kurz nach ihrer Gründung im Jahr 1984 erlebten sie eine erste Hochphase: Bei der Europawahl 1989 kamen die Grünen auf 10,7 Prozent der Stimmen, bei der Regionalwahl 1992 sogar auf 14,7 Prozent. Doch kurz darauf folgte bereits der Einbruch. Ein desolates Ergebnis bei der Parlamentswahl im Frühjahr 1993 führte dazu, dass die Grünen mit keinem einzigen Abgeordneten in die Nationalversammlung einziehen konnten. Und auch in den folgenden Jahren ließ sich das gleiche Schema beobachten: Rückschläge und Erfolge wechselten sich ab.
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Im Frühjahr 2009 wurde die Parteienlandschaft in Frankreich aufgewirbelt. Die „Kommunistische Revolutionäre Liga“ (LCR), seit 1974 Sammelbecken der Trotzkisten, beschloss ihre Auflösung und ging in einer neuen Partei auf: der „Neuen Antikapitalistischen Partei“ (Nouveau Parti Anticapitaliste, NPA). Der Anstoß dafür war insbesondere von jungen, häufig hochgebildeten Linken ausgegangen, die z. T. beruflich in prekären Beschäftigungsverhältnissen standen. Sie hatten einen hehren Anspruch: Die NPA sollte neue Wählerschichten hinzugewinnen und zu einer machtvollen Sammlungsbewegung links neben der Sozialdemokratie ausgebaut werden.
→ weiter lesenBlond, selbstbewusst und trotz aller Kontroversen äußerst beliebt. Dieses Bild von Marine Le Pen steht ganz im Gegensatz zu dem ihres Vaters, Jean Marie Le Pen, Gründer und ehemaliger Präsident der französischen rechtsextremen und populistischen Partei Front National (FN). Geboren am 5. August 1968 in Neuilly-Sur-Seine als jüngste Tochter, folgte die heutige Parteivorsitzende des FN ihrem Vater nach dem Studium der Rechtswissenschaft in die Politik. Mit 18 Jahren wurde sie offizielles Mitglied der Partei und engagierte sich seitdem politisch ganz in deren Sinne. Nachdem sie einige Zeit als Anwältin in Paris tätig gewesen war, übernahm sie 1998 erstmals politische Verantwortung als Rechtsexpertin in der väterlichen Partei. Seit 2004 ist sie Abgeordnete im Europa-Parlament, und bei den 2012 in Frankreich anstehenden Präsidentschaftswahlen könnte sie es womöglich als Spitzenkandidatin des FN bis in den zweiten Wahlgang schaffen.
Das Ende Oktober 2010 in Frankreich erschiene Buch „Indignez-Vous!“, das dort mittlerweile in mehr als zehn Auflagen erschienen ist, wurde inzwischen auch ins Deutsche übersetzt. Im Ullstein-Verlag erschien es in ähnlicher Aufmachung wie in Frankreich unter dem Titel „Empört euch!“. Im Interview erklärt Robert Lorenz, Mitherausgeber des Buches „Manifeste. Geschichte und Gegenwart des politischen Appells“, welche Charakteristika das Buch zu einem Manifest machen und wie sein Erfolg erklärbar ist. Auf die einleitende und wichtigste Frage des Gesprächs, ob es sich dabei um ein Manifest handele, antwortet er ohne Umschweife mit „ja“.
Bio boomt auch in Frankreich. Hemden sollten aus „Organic Cotton“ hergestellt sein und Schuhe auf dem europäischen Festland. In den Supermärkten wachsen die „Fair-Trade“-Regale und in jeder größeren Stadt gibt es Leihfahrradsysteme nach Beispiel des Pariser „Vélib‘“. Woher kommen diese gesellschaftlichen Veränderungen, von welchen gesellschaftlichen Gruppen wurden sie angestoßen und von wem werden sie getragen?
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[analysiert]: Teresa Nentwig über die Jugend in Frankreich.
In den letzten Wochen gingen in Frankreich Hunderttausende auf die Straße, um gegen die geplante (und nun beschlossene) Rentenreform zu protestieren, darunter auch zahlreiche Schüler und Studenten. In Lyon kam es gar zu gewaltsamen Zusammenstößen von Jugendlichen und Polizisten. Geschäfte wurden geplündert, ein Lieferwagen in Flammen gesetzt. Meist jedoch blieben auch in der drittgrößten Stadt Frankreichs die Proteste friedlich. Studenten zogen durch die Straßen und sangen Bella ciao, das Lied der italienischen Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg.
→ weiter lesen[analysiert:] Teresa Nentwig über die Neuformierung der grünen politischen Bewegung in Frankreich
In Frankreich sind momentan Sommerferien. Nicht nur die Schulen haben geschlossen, sondern auch viele Büros und Fabriken. Die Großstädte wirken wie leergefegt, da die Bewohner im Sommerurlaub sind. Alles geht etwas langsamer zu als sonst. Im Kontrast dazu müssten derzeit die Repräsentanten und Anhänger ökologischer Politik in Frankreich stehen: Angesichts ihrer ehrgeizigen Pläne müssten ihnen die Köpfe rauchen, müssten sie extra viel Aktivität an den Tag legen, müssten sie besonders produktiv sein. Denn bis Ende dieses Jahres wollen die écologistes aus zwei Organisationen eine einzige machen – ein Mammutunternehmen, wie es scheint.
→ weiter lesenTeresa: Daniela, was findest du im Moment in der politischen Landschaft in Frankreich eigentlich besonders interessant?
Daniela: Du kannst dich ja sicherlich erinnern, dass Sarkozy vor seiner Wahl zum Präsidenten im Mai 2007 stark polarisiert hat und dann recht deutlich zum Präsidenten gewählt wurde. Sein Wahlkampfthema war damals vor allem die „rupture“, also der Bruch mit der Vergangenheit. Heute allerdings ist er noch nicht einmal mehr bei denen beliebt, die eigentlich zu den Stammwählern seiner Partei gehören und die ihn damals gewählt haben. Die Enttäuschung in weiten Teilen der Bevölkerung ist riesig.
[analysiert:] Teresa Nentwig über die Stellung der Frau in der französischen Politik
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Diese Formel verbindet man mit Frankreich wie das Bild des Franzosen mit Baskenmütze und Baguette unterm Arm. Gerade der zweite Begriff – die égalité – sorgt in unserem Nachbarland jedoch immer wieder für Diskussionen. Denn in einem Bereich lassen sich noch immer eklatante Ungleichheiten feststellen: in der Politik. Sie ist auch heute noch größtenteils eine Männerdomäne.
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