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Flüchtlingskrise rss facebook Twitter

Welche Flüchtlingskrise?

Julia Schulze Wessel | 16. August 2017

[gastbeitrag]: Julia Schulze Wessel über die „Flüchtlingskrise“ als Krise der europäischen Flüchtlings- und Migrationspolitik.

Als im Jahr 2015 so viele Menschen wie lange nicht mehr die Grenzen zu verschiedenen Ländern der Europäischen Union übertraten, war schnell der Begriff der Flüchtlingskrise in der Welt. Und er hält sich – bis heute konstant – sowohl in den öffentlichen als auch in den wissenschaftlichen Debatten.[1] Dabei verbindet sich mit diesem Begriff ein ganzes Füllhorn an Bildern: von überfüllten Aufnahmeeinrichtungen, von Auseinandersetzungen zwischen GrenzbeamtInnen, Militär und Polizei auf der einen und Geflüchteten sowie UnterstützerInnen auf der anderen Seite. Zugleich ruft der Begriff Bilder von erschöpften Bootsflüchtlingen an den Küsten Europas ebenso wie von versunkenen Booten und angespülten Leichen wach. Und er steht nicht zuletzt für die unkontrollierte Überwindung von Zäunen und Stacheldraht, für die Proteste an den Grenzen und für den selbst organisierten Aufbruch aus Ländern, in denen keine Lebensperspektive mehr zu erwarten war.

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„Da muss dann auch Widerspruch erlaubt sein.“

Hans Joas, Lars Geiges & Matthias Micus | 19. Juni 2017

[nachgefragt]: Ein Gespräch mit Hans Joas über Kirchen, Politik und Moral.

Herr Joas, Sie sprechen von der Kirche als Moralagentur. Was haben wir darunter zu verstehen?

Wichtig ist, dass wir die beiden Bestandteile einzeln erörtern: Moral und Agentur. Beginnen wir mit der Moral. Die Moral ist dabei definiert durch ihre Restriktivität. Bestimmte Sachen, heißt das, darf man nicht tun – eben aus moralischen Gründen, die bisweilen sogar rechtlich kodifiziert sind. Oder man darf sie prinzipiell tun, aber bestimmte Mittel zur Erreichung des Zieles nicht verwenden. Die Moral ebenso wie die Normen schränken meine Handlungsmöglichkeiten insofern ein.

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Merkel-CDU (7): Ruck nach rechts?

Michael Freckmann | 19. Januar 2016

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[analysiert]: Michael Freckmann über den Konflikt in der Union über Merkels Asylpolitik

„Wir sind die Volkspartei der Mitte“, hörte man oft auf dem CDU-Parteitag im vergangenen Dezember 2015 – und das nicht ohne Grund. Fast jeder Zweite erkennt in den letzten fünf Jahren in der deutschen Gesellschaft eine Entwicklung nach „rechts“.[1] Kommentatoren meinen, es liege eine „Wirtshausschlägereistimmung“[2] über dem Land. Pegida und v.a. die AFD haben regen Zulauf, auch schon vor der starken Zunahme der Flüchtlingszahlen. Bisher hat es so ausgesehen, als würde die CDU als Volkspartei rechts der Mitte dieser Stimmung nicht nachgeben. Doch stellt sich nun die Frage, ob sie sich in der gegenwärtigen sich zuspitzenden gesellschaftlichen Lage nun doch davon beeindrucken lässt.

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Das Theater als Ort der Demokratie

Marika Przybilla | 10. Dezember 2015

Banner: Orte der Demokratie

[kommentiert]: Marika Przybilla über „Die Schutzbefohlenen“ am Thalia Theater.

Der Begriff „Theater“ stammt von dem altgriechischen Wort théatron und hat die Bedeutung „Schaustätte“ – dies mag an sich ein sehr theoretischer und äußerst trockener Fakt sein, der so angestaubt erscheint, wie die Steine der athenischen Agora. Allerdings sind der Inhalt des Theaters und sein Wesen das genaue Gegenteil davon. Theater kann als Spiegel der Gesellschaft gelten; denn was es zeigt, sind Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt und Umgebung. Es wirkt, indem es Zusammenhänge oder bekannte Situationen öffentlich macht, ihnen einen Raum gibt und sie zur Schau stellt. Demzufolge kann das Theater unterschiedlich ambitioniert sein und verschiedensten Motivationen folgen. An dieser Stelle soll auf den politischen Anspruch des Theaters eingegangen und damit folgender Fragestellung nachgegangen werden: Ist Theater politisch? Kann eine Theaterproduktion, wenn sie denn politisch ist, wie z.B. „Die Schutzbefohlenen“ am Thalia Theater in Hamburg, auch ein Ort der Demokratie sein?

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