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Cyborg-Manifest: „Nicht nur Gott ist tot, auch die Göttin!“

Jöran Klatt | 24. September 2015

Das politische Geschlecht

[kommentiert]: Jöran Klatt über das Cyborg-Manifest von Donna Haraway von 1985

Einst funktionierte der Feminismus als große Erzählung: Angetreten, um Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu beseitigen, verfügte die Bewegung über Ursprung, Ziele, Telos, HeldInnen sowie AntagonistInnen und passte damit gut ins 20. Jahrhundert, oder besser: in die Moderne. Auch begrifflich war der Feminismus eng verknüpft mit Assoziationen von Fortschritt, Aufklärung und Emanzipation. Doch wie alle großen Erzählungen hadert auch diese mit ihrer postmodernen Kondition. Feminismus steht mittlerweile infrage, ist unsicher und komplizierter geworden. Eine Diagnose, die nicht neu ist; doch wird die Tatsache, dass es im Feminismus Friktionen, VordenkerInnen, Streitschriften und radikal konträre Positionen gab und gibt, zuweilen von einer harten Auseinandersetzung überdeckt, die diese Schule nicht selten als Existenzfrage führen muss. Ein besonderes Beispiel, das sich sogar selbst als „Manifest“ bezeichnet, legte vor dreißig Jahren die Biologin Donna Haraway mit ihrem Essay „A Cyborg Manifesto“ vor. Dieser Text aus dem Jahr 1985 erscheint auch heute noch ebenso scharfsichtig wie provokant.

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Island: Schwul-lesbische Zufriedenheit und feministisches Utopia?

Julia Tiemann | 10. September 2015

Das politische Geschlecht[kommentiert]: Julia Tiemann über den isländischen Umgang mit Gender-Fragen:

Reykjavík, Mitte August 2015: Eine Stadt sieht Regenbogen. Aufwendig dekorierte Umzugswagen schillern um die Wette mit den fantasievoll geschminkten und gekleideten Teilnehmenden und Zuschauenden der „Reykjavík Pride Parade“. Angeführt wird der Umzug durch Stadtratsabgeordnete aller Parteien, die zusammen ein buntes Reykjavík-Banner durch die Straßen tragen. Dahinter geht Dagur B. Eggertsson, amtierender Bürgermeister, eine riesige Regenbogen-Flagge schwenkend. In den letzten Jahren sorgte sein Vorgänger Jón Gnarr durch Auftritte in Drag für Begeisterung. Jahr für Jahr ist die Parade Höhepunkt des einwöchigen Festivals der LBTIQ+[1]-Gemeinschaft und zeigt, wie weit Island in den letzten Jahrzehnten augenscheinlich gekommen ist, was die Anerkennung von Geschlechtergerechtigkeitsthemen angeht.

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Die Töchter des Ü-Eis

Jöran Klatt | 26. September 2012

[debattiert]: Jöran Klatt über die konservative Kritik an Genderlogiken

„Ist es für meine Tochter gefährlich oder schränkt es sie in irgendeiner Hinsicht in ihrer persönlichen Zukunft ein, wenn sie pinkfarbene Überraschungseier konsumiert?“ – Diese Frage treibt gegenwärtig nicht nur Eltern um, sie birgt auch allgemein Streitpotenzial. Das Unternehmen Ferrero vertreibt seit kurzem eine „Mädchen“-Variante ihres Traditionsproduktes, ein lila-farbiges Überraschungs-Ei, das zu heftigen Gender- bzw. Anti-Gender-Debatten im Netz und in überregionalen Printmedien gesorgt hat (Maskulisten vs. FeministInnen / FeministInnen vs. Post-FeministInnen oder Anti-FeministInnen, usw.). Dabei wird deutlich: In Fragen der geschlechts(un)spezifischen Erziehung wird nicht nur gerne aneinander vorbeigeredet, sondern es offenbaren sich auch bemerkenswerte konservative Tendenzen. Einen  exemplarischen Beitrag hierfür lieferte vor einer Zeit The European.

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Nun sag, wie hast du’s mit dem Feminismus?

Klaudia Hanisch | 26. September 2011

Halbzeit für Schwarz-Gelb (3)

[analysiert]: Klaudia Hanisch über Frauen und Zeitgeist in der ersten Halbzeit der schwarz-gelben Regierung.

Stellt man den heutigen 20- bis 35-jährigen Frauen die Frage: „Nun sag, wie hast du’s mit dem Feminismus?“, fällt die Antwort ambivalent aus. Sie gelten längst als die Töchter der feministischen Bewegung der siebziger Jahre, die die Emanzipation genießen und sich gleichzeitig von ihren forciert emanzipierten Müttern stark distanzieren. Wenn die 33-Jährige Charlotte Roche in einem Spiegel-Interview erklärt, die Ansichten von Alice Schwarzer entsprächen nicht mehr dem Zeitgeist, spricht sie für eine Generation von Frauen, die für sich beanspruchen, einem anderen Lebensgefühl zu huldigen. Danach gehört zum Selbstverständnis einer erfolgreichen Frau, verschiedene gesellschaftliche Rollen und eine Vielzahl an Facetten weiblicher Identität integrieren zu wollen. Was genau macht aber diese weibliche Identität heute aus und welche Implikationen hat dies zur Folge?

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Konservative „Paradiesvögel“

Daniela Kallinich | 15. Dezember 2010

[diskutiert]: Johanna Klatt und Katharina Rahlf diskutieren über die Rolle konservativer Politikerinnen am Beispiel von Rita Süssmuth und Ursula von der Leyen.

Daniela: Johanna, du hast eine politische Biografie über Rita Süssmuth geschrieben. Was ist an dieser Politikerin besonders interessant?

Johanna: Das zeitlos Interessante an ihr ist vielleicht, dass sie als junge Frau und Seiteneinsteigerin in die Politik kam und nach einem rasanten Aufstieg vor innerparteilichen Problemen kapitulieren musste. Zwar hatte sie sich während ihrer Ein- und Aufstiegsphase schnell den parteipolitischen Gegebenheiten angepasst und alle Querelen mitgemacht. Sie war dabei auch sehr geschickt aufgetreten. Doch in ihrem repräsentativen Amt als Bundestagspräsidentin konnte sie irgendwann nur noch über gezielte, provokative Aussagen in den Medien punkten – von außen Politik machen sozusagen. Innerparteilich hatte sie spätestens ab 1989, als der Bremer Putschversuch am Parteivorsitzenden Kohl scheiterte, den festen Boden unter den Füßen verloren.

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Kristina Schröder: Der parteikonforme Führungsstil

Yvonne Wypchol | 17. November 2010

[analysiert]: Yvonne Wypchol über den politischen Werdegang der Bundesfamilienministerin.

Als Kristina Schröder im Januar 2010 das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend übernahm, war Angela Merkels junge Ministergarde komplett. Dabei übernahm Schröder keine leichte Aufgabe. Denn ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen hatte es nicht nur geschafft, das Familienministerium ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, sondern galt für dieses Amt geradezu als prädestiniert: Die siebenfache Mutter schien Familie und Beruf ideal vereinen zu können. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie von den Medien immer wieder als „Mutter der Nation“ oder „Supermutterpowertochter“ beschrieben wurde.

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Unbehagen 2.0

Jöran Klatt | 12. November 2010

[kommentiert]: Jöran Klatt über das Verhältnis von Feminismus und Gender-Studies

Der Begriff gender erzeugt nach wie vor gewisses Unbehagen. Dabei erschien das für die Gender-Studies zentrale Werk der Soziologin Judith Butler „Das Unbehagen der Geschlechter“ bereits 1991. Bis heute gilt ihr Ansatz als revolutionär und wird, wegen seiner vermeintlichen Radikalität, nur selten als notwendige oder hilfreiche Kategorie für die Wissenschaft angesehen.

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