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Kinderdemokratie: Was denken Kinder über den Bürgermeister?

Yvonne Blöcker | 29. Juni 2016

[analysiert]: Yvonne Blöcker über das Politikbild von Kindern am Beispiel von Benjamin Blümchen.

Unterschiedliche Publikationen haben gezeigt, dass Kinder politische und demokratische Inhalte wie auch Institutionen wahrnehmen.[1] Hierbei spielen Sozialisationsinstanzen wie z.B. die Medien eine Rolle. So hat etwa Gerhard Strohmeier festgestellt, dass auch Hörspielsendungen wie „Benjamin Blümchen“ oder „Bibi Blocksberg“ politische Inhalte vermitteln.[2] Gerade der Neustädter Bürgermeister personifiziert die Politikseite in diesen Sendungen – wobei ihm negative Attribute zuzuschreiben sind: So tritt er immer wieder korrupt, verantwortungslos, unorganisiert und egoistisch auf, umgeht demokratische Instanzen und trifft seine Entscheidungen autokratisch. Dieser Umstand veranlasste das Forschungsprojekt „Göttinger Kinderdemokratie“ (2011–2014), einen Blick darauf zu werfen, wie Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter den Ausschnitt einer Hörspielfolge von „Benjamin Blümchen“ reflektieren, in der v.a. der Bürgermeister gemäß obiger Beschreibung auftritt.

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Neue Studie: Wähler und Nichtwähler

Redaktion | 31. Mai 2016

[präsentiert]: M. Blaeser, F. Butzlaff, M. Micus, R. Pausch und G. Scalabrino mit Studienergebnissen zu Politikeinstellungen und Politikhoffnungen in Göttinger Stadtvierteln

Nichtwähler und zunehmende Wahlverweigerung in Deutschland sind in den letzten Jahren immer deutlicher ins Zentrum des politikwissenschaftlichen Interesses gerückt. Nachdem der Anstieg von Nichtwählern zunächst durchaus positiv konnotiert und als Anzeichen dafür interpretiert worden war, dass sich die großen, polarisierenden Konflikte in unseren Gesellschaften abgeschwächt hätten, haben viele der jüngeren soziologischen Untersuchungen den Zusammenhang zwischen Rückgang der Wahlbeteiligung und gesellschaftlichem Ausschluss bzw. Prekarisierung eindrücklich herausgearbeitet.[1] Verantwortlich für die sinkende Wahlbeteiligung sind aus dieser Perspektive die Erfahrung von gesellschaftlicher Ausgrenzung, Unsicherheit sowie enttäuschte Aufstiegshoffnungen. Eine neue Studie, die das Göttinger Institut für Demokratieforschung gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung im Laufe des Jahres 2015 durchgeführt hat, vertieft und illustriert diese Erklärungsansätze.[2] 

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Das Allgemeinwohl ist kein Kompromiss

Felix Butzlaff | 16. Februar 2016

[nachgefragt]: Felix Butzlaff über die Demokratievorstellungen von Protest-Aktivisten

Du hast in Deiner Arbeit aktuelle Bürgerproteste in ganz Deutschland untersucht und dabei speziell die Organisatoren und die besonders engagierten Aktivisten in den Blick genommen. Worum ging es Dir dabei?

Ich habe mich in meiner Arbeit auf die Suche nach den gesellschaftlichen sowie individuellen Kerninhalten der Proteste gemacht. Es ging mir weniger um den konkreten Anlass als vielmehr um den roten Faden zwischen zeitgenössischen Protesten und der Frage, warum man sich für gerade diese Form des Engagements entscheidet. Da lag es nahe, sich die besonders engagierten Aktivisten anzuschauen, weil sich bei ihnen vieles von dem, was Proteste heute bedeuten, zuspitzt.

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Tahrir Square: Starting point of the revolution

Walaa Kamal | 14. Januar 2016

Banner: Orte der Demokratie

[gastbeitrag]: Walaa Kamal mit einer sehr persönlichen Einordnung der Bedeutung des Tahrir-Platzes für die Demokratie in Ägypten.

In 2007 I dreamt of a revolution. It started from Tahrir Square.

Why Tahrir? I don’t think I fully understood at the time.

Back then I was working at a bank, whose head office was located in Garden City, one of the classiest neighborhoods of Cairo. Until recently, it had been the neighborhood of choice for the most prominent Egyptian families, yet it slowly transformed into a business center filled with weathering architectural relics. As a result of the sheer number of cars in the area, it had become impossible to park in Garden City, and as such, I was forced to park my car in Tahrir Square’s main garage, a 20 minute walk from my office.

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Der Maidan als Ort der Demokratie

Johann Zajaczkowski | 17. Dezember 2015

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[gastbeitrag]: Johann Zajaczkowski über den Maidan als real existierende Utopie.

Vor zwei Jahren begann im Herzen Kiews, auf dem Platz der Unabhängigkeit, die „Revolution der Würde“. Schon heute wird der blutige Winter 2013/2014 als visuelles Epos kanonisiert. Das ist schade, führt es doch am eigentlichen Faszinosum der Revolution vorbei – nämlich an ihrem utopischen Kern.

Die Maidan-Revolution forderte von Anfang an demokratische Werte ein. Die EU diente dabei als Archetyp und Projektionsfläche. So stand der Wunsch, dass die Ukraine eine „normale“ europäische Demokratie werden solle, im Zentrum der Auseinandersetzung – zumindest in der ersten Protestwoche, die sich dieser Tage zum zweiten Mal jährt.

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Das Theater als Ort der Demokratie

Marika Przybilla | 10. Dezember 2015

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[kommentiert]: Marika Przybilla über „Die Schutzbefohlenen“ am Thalia Theater.

Der Begriff „Theater“ stammt von dem altgriechischen Wort théatron und hat die Bedeutung „Schaustätte“ – dies mag an sich ein sehr theoretischer und äußerst trockener Fakt sein, der so angestaubt erscheint, wie die Steine der athenischen Agora. Allerdings sind der Inhalt des Theaters und sein Wesen das genaue Gegenteil davon. Theater kann als Spiegel der Gesellschaft gelten; denn was es zeigt, sind Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt und Umgebung. Es wirkt, indem es Zusammenhänge oder bekannte Situationen öffentlich macht, ihnen einen Raum gibt und sie zur Schau stellt. Demzufolge kann das Theater unterschiedlich ambitioniert sein und verschiedensten Motivationen folgen. An dieser Stelle soll auf den politischen Anspruch des Theaters eingegangen und damit folgender Fragestellung nachgegangen werden: Ist Theater politisch? Kann eine Theaterproduktion, wenn sie denn politisch ist, wie z.B. „Die Schutzbefohlenen“ am Thalia Theater in Hamburg, auch ein Ort der Demokratie sein?

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Das Starbucks-Café als Ort der Demokratie

Jöran Klatt | 3. Dezember 2015

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[kommentiert]: Jöran Klatt über Starbucks-Filialen und andere third spaces.

Demokratie lebt von Öffentlichkeit, Transparenz, von Orten und Räumen, die für die Gemeinschaft gemacht sind. Gleichermaßen jedoch lebt sie von Privatheit, Hinterzimmern und Ruheräumen, von denen aus Meinungen gebildet werden, geplant, organisiert und vorbereitet und darüber hinaus auch geherrscht werden kann. Demokratie ist multispatial, sie benötigt eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Orte und Räume. Doch neben den genannten existieren auch noch jene Räume, die sich nicht so recht den Kategorien Privatheit und Öffentlichkeit fügen wollen. Sie werden third spaces genannt: dritte Räume. Der Begriff entstammt der Schule der kulturwissenschaftlichen Paradigmenwechsel, der cultural turns. Raum ist dort keine unveränderbare Größe, sondern ein von Menschen gemachtes, gedachtes und veränderbares Konstrukt. Räume sind soziale Räume, also Lebenswelten, die erst durch die Praxis jener entstehen, die darin und damit leben – und damit eben auch etwas, das sich wandeln kann.

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Ein Todesurteil löst das politische Dilemma nicht!

Thorsten Hasche | 10. Juni 2015

[kommentiert]: Thorsten Hasche über die gefährliche Politik von Ägyptens Präsident al-Sisi

Ein verunsichertes Raunen ging durch die Weltöffentlichkeit, als das ägyptische Militär im Sommer 2013 den kurzzeitigen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi stürzte und damit die politische Herrschaft der islamistischen Muslimbruderschaft gewaltsam und jäh beendete. Inzwischen ist die Muslimbruderschaft in Ägypten und Saudi-Arabien zur Terrororganisation erklärt worden, große Teile ihrer Führung sind inhaftiert und gegen viele Mitglieder, darunter auch Mursi, sind international scharf kritisierte und willkürlich erscheinende Todesurteile ergangen.[1] Ein solcher Totalausschluss der Muslimbruderschaft aus der ägyptischen Gesellschaft und Politik fand zuletzt in den 1960er Jahren unter dem Nationalisierungsprojekt von Gamal Abd al-Nasir statt.

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Der Lackmustest der Demokratie steht erst noch bevor

Thorsten Hasche | 8. Juni 2015

[analysiert]: Thorsten Hasche über die Parlamentswahlen in der Türkei

Vergangenen Sonntag kam es bei den türkischen Parlamentswahlen, dreizehn Jahre nach dem ersten Wahlsieg der AKP, zu einem kleinen politischen Erdbeben: Die Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung verlor erstmalig ihre absolute Parlamentsmehrheit. Trotz der massiven medialen Dauerpräzens der AKP und ihres Führungsduos, Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu und Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, konnte die pro-kurdische HDP (Demokratische Partei der Völker) die 10-Prozent-Hürde überspringen. Zusammen mit der dezimierten CHP (Republikanische Volkspartei) und der rechten MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung) ziehen nun insgesamt vier Parteien in die Große Nationalversammlung der Türkei ein. Somit ist die erfolgsverwöhnte und stets dominant-aggressiv auftretende AKP auf einen Koalitionspartner angewiesen und muss sich wohl gänzlich von ihrem Projekt einer Verfassungsänderung zugunsten eines – gerade von Erdoğan stets bevorzugten – Präsidialsystems verabschieden.

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Die Mitte in Deutschland

Robert Mueller-Stahl | 18. Dezember 2014

[präsentiert]: Stine Marg zur Vermessung und Bedeutung einer gesellschaftlichen Standortbestimmung.

Die „Mitte“ als Begriff für eine soziale und politische Standortbestimmung hat ist ebenso zentral wie populär. Dennoch bleibt oftmals im Vagen, wer und was mit der gesellschaftlichen Mitte eigentlich gemeint ist. Stine Marg diskutiert im Interview den Begriff der Mitte als gesellschaftliche Selbstverortung als auch die damit verbundenen Denk- und Deutungsmuster. Sie präsentiert dabei zentrale Ergebnisse ihrer Studie „Mitte in Deutschland. Zur Vermessung eines politischen Ortes“, die jüngst bei Transcript ersschienen ist.

Redaktion & Technik: Hanna Feesche und David Osterkorn

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