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Widerspenstigkeit und Protest

 | 21. März 2016

Herbst 1989 – und alles wurde anders. Die Bürger der DDR gingen auf die Straße und engagierten sich für Reformen in ihrem Land. Dass ihr Protest mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten enden würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt wohl kaum jemand. Doch welche Menschen waren es, die sich gegen die Führung der DDR auflehnten? Welche Ziele verfolgten sie? Und vor allem: Warum engagierten sie sich? Dem Obereichsfeld kam damals eine Sonderrolle zu; denn diese geteilte Region mit dem Untereichsfeld im Westen zeichnete sich durch eine katholische Diasporastellung und eine Geschichte des Widerstands aus.

Melanie Riechel gibt in ihrer Studie, unterstützt von fünf Zeitzeugen, Einblicke in die Friedensbewegung dieser Region. Anhand von persönlichen Erlebnissen macht sie dadurch einen wichtigen Aspekt der jüngeren deutschen Geschichte zugänglich. Dabei deckt sie auf, wie ähnlich die Motivationen aller Engagierten der DDR doch waren – abgesehen von einem zentralen Faktor: dem christlichen Glauben, der im Eichsfeld eine besondere Rolle spielte. Für das Fachpublikum bietet Riechels Studie zudem neue politikwissenschaftliche Perspektiven, indem sie einen qualitativen und interdisziplinären Ansatz vertritt und einen wichtigen Beitrag zur bislang inkonsistenten Begriffsbestimmung im Kontext der Friedensbewegung in der DDR leistet.

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Wir müssen reden

Michael Lühmann | 7. November 2014

[kommentiert]: Michael Lühmann mit einem Appell zum Jubiläum des Mauerfalls.

Die DDR war kein Unrechtsstaat. Mit diesem schlagzeilenträchtigen Satz hat Gregor Gysi vor wenigen Wochen einmal mehr gezeigt, dass das vermeintlich letzte Wort über die DDR noch längst nicht gesprochen ist. Aber die vielfach empört unterstellte und de facto auch so zur Schau getragene Ignoranz Gysis gegenüber den Realitäten des real existierenden Sozialismus, die er mit advokatischer Spitzfindigkeit nicht an die Herrschaftsgestalt der DDR bindet, sondern an die Legitimität der Gründung eines zweiten deutschen Staates jenseits der westlich kontrollierten Sektoren nach 1945, zeugt von einer klaffenden sprachliche Lücke.

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Vor dem großen Aufbruch ’89 in der DDR

Daniel Albrecht, Lisa Weimar | 22. Oktober 2014

[kommentiert]: Daniel Albrecht und Lisa Weimar über die Vorwendezeit im Roman „Pygmalion“ von Steffen Mensching.

Berichte über das Jahr ’89 und damit auch die sogenannte Vorwendezeit sind geprägt von Zeichen des Aufbruchs: Menschen, die jubelnd die Parole „Wir sind das Volk“ rufen und verunsicherte Grenzbeamte einfach hinter sich lassen, um voranzuschreiten in eine lang ersehnte Zukunft. Somit erscheint ’89 gleichzeitig als Endpunkt einer sich linear entwickelnden Vorwendezeit,[1] die ihren Höhepunkt in der friedlichen Revolution fand: „Nichts wäre verlockender als ihn [den letzten Abschnitt der DDR] als Vorbereitungszeit des Umbruchs zu beschreiben – als ein Kessel, in dem der Druck steigt, bis es zur Explosion kommt. Doch der reale Befund sieht anders aus“[2], so der Historiker Stefan Wolle. Tatsächlich hatten weder westliche Beobachter noch die DDR- Staatsführung und nur vereinzelte Personen aus dem Kreis der Bürgerrechtler mit einem derartigen Ereignis gerechnet. Günter Schabowski verkörpert als Politbüromitglied die Verwirrung und Ratlosigkeit eines Systems, das von seiner eigenen Abschaffung überrumpelt wurde.

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Im Anfang war die Freiheit

Michael Lühmann | 9. Oktober 2014


[analysiert]: Michael Lühmann blickt auf den 9. Oktober 1989 zurück.

Wenn Besucher in den Revolutionsjahren 1989 und 1990 nach Leipzig kamen, konnten sie auf den Ortsschildern der sächsischen Messemetropole die Worte „Heldenstadt der DDR“ lesen. Heute erinnert sich kaum jemand mehr an diesen Namenszusatz der Stadt, in der am 9. Oktober vor 25 Jahren Kerzen über Panzer siegten und das DDR-Regime vor der eigenen Bevölkerung kapitulieren musste. Was geschah an jenem 9. Oktober?

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Opposition oder Widerstand?

Wolfgang Welsch | 30. August 2013

[gastbeitrag]: Wolfgang Welsch mit einer Replik zur Biografie über Gerd Poppe.

Christin Leistner versucht in einer Studie, die Hintergründe der Entstehung politischer Dissidenz in der DDR am Beispiel von Gerd Poppe zu ergründen. So weit, so lobenswert, denn über die Dissidenz Einzelner im SED-Staat gibt es noch immer zu wenig Literatur.

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„Die erfrorenen Flügel der Schwalbe“

Alex Hensel | 23. November 2012

[präsentiert]: Michael Lühmann über die Generation der Wendepolitiker

Die Karrieren der Wendepolitiker sind Karrieren des Umbruchs. Zu ihnen gehören beispielsweise Angela Merkel, Wolfgang Thierse oder Matthias Platzeck. Unser Mitarbeiter Michael Lühmann untersucht in seinem Dissertationsprojekt die Prägungen und Eigenschaften der Generation der Wendepolitiker, die während der Revolution von 1989 in die Politik gespült wurden.

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Der Druck im Kessel

Alex Hensel | 21. November 2012

[nachgefragt]: Sascha-Ilko Kowalsczuk über das Ende der DDR

Unter welchen Bedingungen kollabieren geschlossene Gesellschaften und wann können sich selbst Diktaturen nicht mehr halten? Der Historiker Ilko-Sacha Kowalsczuk analysiert den Zerfallsprozess von Regimen im Interview mit “Unter der Lupe” beispielhaft am Ende der DDR vor 23 Jahren.

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Ein Mann tanzt aus der Reihe

Christin Leistner | 25. März 2011

[analysiert]: Christin Leistner über den DDR-Bürgerrechtler Gerd Poppe

Zwanzig Jahre Friedliche Revolution, zwanzig Jahre Deutsche Einheit – so einige Jubiläen wurden in jüngster Vergangenheit in Deutschland gefeiert. Dieser Tage feiert ein Mann ein Jubiläum – seinen siebzigsten Geburtstag –, der oftmals als ein Vordenker der Friedlichen Revolution von 1989 bezeichnet wird: Gerd Poppe. „Gerd wer?“ werden einige von Ihnen jetzt fragen.  Gerd Poppe – ein Mann, dessen Biographie einen genaueren Blick wert ist. Ein Mann, der für seine Überzeugungen kämpfte und somit zu einem der meist bespitzelten Menschen der DDR wurde, ein im Jargon der Staatssicherheit gesagt: „besonders bösartiger Feind der DDR“.

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Der Osten im Westen. Nur eine Fußnote der Geschichte?

Michael Lühmann | 27. August 2010

[präsentiert]: Michael Lühmann bietet im nächsten Semester das Seminar Der Osten im Westen. Nur eine Fußnote der Geschichte? an. Im folgenden Text macht er deutlich, warum es sich lohnt den Blick über den Tellerrand der westdeutschen Geschichte zu heben.

„Die kurzlebige Existenz der DDR hat in jeder Hinsicht in eine Sackgasse geführt. Denn ihre erdrückende Mehrheit hatte sich nicht gewünscht, unter diesem Repressionsregime zu leben. Alle falschen Weichenstellungen, die in Ostdeutschland vorgenommen worden sind, müssen nach dem Vorbild des westdeutschen Modells in einem mühseligen Prozess korrigiert werden. Das ist die Bürde der neuen Bundesrepublik seit 1990. Das Intermezzo der ostdeutschen Satrapie muss aber nicht an dieser Stelle durch eine ausführliche Analyse aufgewertet werden. Man kann es der florierenden DDR-Forschung getrost überlassen, das Gelände eines untergegangenen, von seiner eigenen Bevölkerung aufgelösten Staatswesens mit all seinen Irrwegen genauer zu erkunden.“

(Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte 1949-1990, S. XVf.)

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„Fußnote der Geschichte“ revisited

Michael Lühmann | 18. Mai 2010

[präsentiert]: Michael Lühmann liest Mary Fulbrook und Ilko-Sascha Kowalczuk

Zwanzig Jahre nach deren Ende ist die große Frage „Was war die DDR eigentlich?“ noch immer nicht beantwortet. Vielmehr scheint diese, wie Hans-Ulrich Wehler es apodiktisch formulierte, „Fußnote der Geschichte“ kaum noch ein öffentliches Nachdenken wert – obwohl die politischen Entwicklungen in der Bundesrepublik, bis heute, nicht ohne die Existenz des anderen Deutschlands erklärbar sind. Schließlich hat die bundesrepublikanische Demokratie über die Diktatur obsiegt. Der Dank für die Befreiung des ostdeutschen Volkes aus der alltäglichen Unterdrückung geht an die großen Männer Kohl, Bush sr. und Gorbatschow – Vorhang zu, keine Fragen offen.

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