Man sollte meinen, über den so genannten „Fall Guttenberg“, nämlich die Plagiatsaffäre und den damit verbundenen Rücktritt des einstigen Verteidigungsministers, sei wahrlich genug gesagt und erst recht geschrieben worden. Und doch erschien soeben – medial viel beachtet – „Inszenierung als Beruf. Der Fall Guttenberg“ im Suhrkamp-Verlag: Eine Essaysammlung, die kaum eine Facette des prominenten Sündenfalls unbeleuchtet lässt. Und obwohl die Debatte längst von allen Seiten ausgefochten schien, hat der Band doch noch Neues zu bieten: Er nimmt die Argumentationsketten, die von den Kritikern und Analytikern bemüht und später oftmals repetiert wurden, auf und unterfüttert sie mit wissenschaftlichem Gehalt. Endlich, so scheint es, liefern die Autoren um Oliver Lepsius und Reinhart Meyer-Kalkus hieb- und stichfeste Beweise, historische Herleitungen und sprachwissenschaftlich fundierte Erörterungen für das, was vielen ohnehin – wenn auch weitaus diffuser – auf der Zunge lag.
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Die Messlatte wird von der ersten Seite an geradezu in den Himmel gehängt: Nichts Geringeres als eine komplette Neubestimmung des Nachdenkens über Gerechtigkeit und ihre theoretische Fundierung, das Verwerfen der bekannten Theoreme hierzu und ein neues Urteil über „gerechte“ oder „ungerechte“ Zustände möchte Amartya Sen mit seinem Opus über „Die Idee der Gerechtigkeit“ ausarbeiten. Und in der Tat sind die Erwartungen kaum zu bändigen, wenn ein Nobelpreisträger der Ökonomie, berühmt und prämiert für seine Arbeiten über ökonomische Ungleichheiten und ihre gesellschaftlichen Implikationen, in einem Buch nun die Brücke zu einer mehr philosophischen Betrachtung des Themenfeldes schlägt und überdies betont, dieses Werk sei das Ergebnis und Kondensat einer über Jahrzehnte immer inniger gewordenen Beschäftigung mit dieser seine ökonomischen Schwerpunktbereiche ergänzenden Herangehensweise.
Was ist und wie entsteht politisches Charisma? Wer erlangt dieses und was bleibt übrig, wenn es erlischt? Julia Frese rezensiert den Sammelband Charisma und Herrschaft. Führung und Verführung in der Politik, der jüngst im Campus-Verlag erschienen ist.
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Das Ende Oktober 2010 in Frankreich erschiene Buch „Indignez-Vous!“, das dort mittlerweile in mehr als zehn Auflagen erschienen ist, wurde inzwischen auch ins Deutsche übersetzt. Im Ullstein-Verlag erschien es in ähnlicher Aufmachung wie in Frankreich unter dem Titel „Empört euch!“. Im Interview erklärt Robert Lorenz, Mitherausgeber des Buches „Manifeste. Geschichte und Gegenwart des politischen Appells“, welche Charakteristika das Buch zu einem Manifest machen und wie sein Erfolg erklärbar ist. Auf die einleitende und wichtigste Frage des Gesprächs, ob es sich dabei um ein Manifest handele, antwortet er ohne Umschweife mit „ja“.
„Eine teilnehmende Beobachtung“ – wenn sich ein Buch mit diesem Untertitel in den Buchhandlungen zwischen aktuellen Romanen, Bestsellern oder „zeitgenössischer Belletristik“ wiederfindet und nicht im dritten Stockwerk im hintersten Regal unter „Wissenschaft“ neben anderen Werken zu „sozialwissenschaftlichen Methoden“ verstaubt, es dazu noch, obwohl schlicht weiß, nicht nach dröger Fachliteratur aussieht, sondern durch ansprechende Gestaltung besticht, ist das schon bemerkenswert.
→ weiter lesen[präsentiert]: Frauke Schulz liest Eric-Emmanuel Schmitts “Adolf H. – Zwei Leben”. Begeistert ist sie vor allem von dessen neuer Technik des Biographie-Schreibens.
→ weiter lesen„Der gängige Irrtum in Hinblick auf Hitler besteht darin, dass man in ihm eine Ausnahmeerscheinung sieht, ein Ungeheuer jenseits des Fassbaren, einen Barbaren ohnegleichen. Dabei ist er ein gewöhnlicher Mensch. Banal wie das Böse. Banal wie Du und ich. Du könntest es sein so gut wie ich.“ (Eric-Emmanuel Schmitt im Arbeitsjournal zu Adolf H. – Zwei Leben)
Wenn ein studierter Wirtschaftswissenschaftler ein biographisch angelegtes Buch über einen anderen, in diesem Falle weltberühmten, Ökonomen verfasst, dann bietet die Lektüre für einen wirtschaftswissenschaftlich interessierten Politikwissenschaftler oft Raum und Anlass zur Enttäuschung. Allzu verschieden sind dann vielfach die Perspektiven und Fragen an den jeweiligen Gegenstand, allzu anders die sich aufdrängenden Leerstellen. Im vorliegenden Fall von Robert Skidelskys Buch über John Maynard Keynes und seine mögliche Bedeutung heutzutage liegt dies aber dankenswerterweise anders.
→ weiter lesenSlavoj Zizek ist ein Charismatiker. Es gehört zum Wesen des Charismatikers, dass Widersprüche sich in seiner Person zu einem merkwürdigen Amalgam verbinden, das Leute in einen übersinnlichen Bann zieht und verzaubert zurücklässt. Dies ist das Charisma. Charismatiker müssen deswegen also keinesfalls Ebenbilder, gar galante Ideale der Masse sein, auf die ihr Zauber wirkt. Vielmehr ist es der Gegensatz, der Bruch mit dem Erwartbaren, der ihnen ihren Schein verleiht.
→ weiter lesenGeschichte ist als ritualisierte Erinnerung allgegenwärtig und doch als erzählte und verinnerlichte Erfahrung gleichsam flüchtig. So jedenfalls sieht es der britische Historiker Tony Judt und kämpft an gegen das Vergessen. In dreiundzwanzig zwischen 1994 und 2006 veröffentlichten Essays und Rezensionen, die nun erstmalig auf Deutsch vorliegen, widmet er sich mit diesem spannungsreichen Feld.
→ weiter lesenPhillip Blond analysiert in seinem Buch „Red Tory“ die Verfehlungen linker und rechter Regierungspolitik der letzten 30 Jahre in Großbritannien und zeichnet einen Weg aus der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Krise des Landes. Er wäre nicht der erste Brite, der als Prophet eines Projekts politischen Neuanfangs zu Berühmtheit gelangen würde.
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