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„Ich beziehe meinen Optimismus aus meiner Verzweiflung.“

Katharina Trittel | 13. Oktober 2015

[kommentiert]: Katharina Trittel über ein Gespräch von Peer Steinbrück und Claus Leggewie beim diesjährigen Göttinger Literaturherbst – zwei Typen, eine Diskussion, zwei Standpunkte?

Claus Leggewie, Politikwissenschaftler und Politikberater, war Schüler eines Gymnasiums, das „vor gefühlt 200 Jahren auch schon Konrad Adenauer“ besucht hatte und dessen Rektor während Leggewies Schulzeit der eigene Vater gewesen war. Derart geprägt wurde er nach einer „kurzen Verirrung“ zur Jungen Union Teil der APO und erinnert sich an das linke Göttingen seiner Studienzeit, wo er auch promoviert hat, als einen Ort, wo „man das Gefühl hatte, hier ist die Revolution kurz davor“. Hier auch sei sein Glaube geboren worden, dass soziale Bewegungen etwas verändern und wichtige Impulse an die parlamentarische Demokratie geben könnten.

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Vor dem großen Aufbruch ’89 in der DDR

Daniel Albrecht, Lisa Weimar | 22. Oktober 2014

[kommentiert]: Daniel Albrecht und Lisa Weimar über die Vorwendezeit im Roman „Pygmalion“ von Steffen Mensching.

Berichte über das Jahr ’89 und damit auch die sogenannte Vorwendezeit sind geprägt von Zeichen des Aufbruchs: Menschen, die jubelnd die Parole „Wir sind das Volk“ rufen und verunsicherte Grenzbeamte einfach hinter sich lassen, um voranzuschreiten in eine lang ersehnte Zukunft. Somit erscheint ’89 gleichzeitig als Endpunkt einer sich linear entwickelnden Vorwendezeit,[1] die ihren Höhepunkt in der friedlichen Revolution fand: „Nichts wäre verlockender als ihn [den letzten Abschnitt der DDR] als Vorbereitungszeit des Umbruchs zu beschreiben – als ein Kessel, in dem der Druck steigt, bis es zur Explosion kommt. Doch der reale Befund sieht anders aus“[2], so der Historiker Stefan Wolle. Tatsächlich hatten weder westliche Beobachter noch die DDR- Staatsführung und nur vereinzelte Personen aus dem Kreis der Bürgerrechtler mit einem derartigen Ereignis gerechnet. Günter Schabowski verkörpert als Politbüromitglied die Verwirrung und Ratlosigkeit eines Systems, das von seiner eigenen Abschaffung überrumpelt wurde.

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„Die Schlafwandler haben viele aufgeweckt“

Katharina Trittel | 6. Oktober 2014

[kommentiert]: Katharina Trittel zur Diskussion von Christopher Clark und Gerd Krumeich über den Ersten Weltkrieg auf dem 50. Deutschen Historikertag.

Es war der Publikumsmagnet des diesjährigen Historikertags. Bereits am ersten Tag verabredete man sich für das „Finale“. „Wir sehen uns bei Clark“ hörte man immer wieder im Göttinger ZHG (dem Veranstaltungsort), in der Mensa oder auf dem Campus. Und dann, am Freitag, ging es endlich los, der Höhepunkt der Tagung, Christopher Clark und Gerd Krumeich in der Debatte über den Ersten Weltkrieg.[1] Angekündigt als Streitgespräch und aufgrund der Scharmützel in den Medien im Vorfeld war die Erwartungshaltung im Publikum entsprechend: endlich Auseinandersetzung, endlich Kontroverse.

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Stillstand der Flüchtigen

Robert Mueller-Stahl | 19. August 2014

[präsentiert]: Robert Mueller-Stahl bespricht die Studie „On the Run. Fugitive Life in an American City“.

Es kommt nicht gerade häufig vor, dass so unterschiedliche Medien wie die Vice, die New York Times und der Blog der London School of Economics and Political Science über ein gemeinsames Thema berichten, geschweige denn das gleiche Buch besprechen. Und doch ist Alice Goffman der seltene Spagat gelungen, mit dem Bericht ihrer ethnographischen Feldforschung über ein Ghetto in West-Philadelphia in akademischen ebenso wie in populärmedialen Kreisen beachtet zu werden. Was hat sie herausgefunden?

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Ein sozialistischer David gegen einen neoliberalen Goliath

Daniel Albrecht | 10. Juni 2014

[präsentiert]: Daniel Albrecht hat „Rebellische Städte“ von David Harvey gelesen.

Die Stadt ist ein sozialer, kultureller und ökonomischer Knotenpunkt, ein Mikrokosmos des menschlichen Zusammenlebens, ein pulsierendes Zentrum des politischen Handelns –  und dies ist vielleicht eine idealisierte Vorstellung. Denn diese „traditionellen Städte“, wie sie wohl David Harvey am liebsten hätte, sind zerstört. Mehr und mehr Menschen werden durch steigende Mieten an die Randbereiche der Städte gedrängt, können nicht mehr teilhaben an gesellschaftlichen Allgemeingütern. Was also tun? In seinem Buch „Rebellische Städte“, das sich als konzentrierte Zusammenfassung vorheriger Abhandlungen liest,[1] sucht der politisch als Neo-Marxist zu verortende Humangeograph David Harvey nach Ursachen und Lösungen. Sein politischer Bezugspunkt ist dabei das bereits von Henri Levebvre formulierte und vehement eingeforderte „droit à la ville“. Dieses „Recht auf Stadt“ versteht Harvey als kollektives Recht. Bereits der marxistische Philosoph Levebvre setzte sich angesichts der „Existenzkrise“ im Paris der 1960er Jahre vehement für eine „Alternative“, eine „urbane“ und „antikapitalistische“ Massenbewegung von unten ein, welche eine empfundene neoliberal-städtische Sinnlosigkeit und Entfremdung überwinden könne.

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„Der Schmerz selber gibt ihnen ihre größten Augenblicke…“

Felix Butzlaff | 14. Januar 2014

[präsentiert]: Felix Butzlaff über „Klettern für Freiheit“ von Bernadette McDonald.

Die Felder, auf denen sich gesellschaftliche Wandlungsprozesse, sich langsam verschiebende Mentalitäten und neue Sichtweisen von Zukunft und dem eigenen Leben beobachten lassen, sind vielfältig. Auch anhand der Geschichte des Bergsteigens etwa lassen sich gesellschaftliche Vorstellungen und Individualisierungsschübe nachvollziehen: von den großen, zu Ruhm und Ehre des erobernden Nationalstaates militärisch organisierten Expeditionen der 1930er bis 1960er Jahre hin zu immer kleineren Teams oder gar Einzelunternehmungen, die nur noch durch die ganz individuelle Idee der Teilnehmer motiviert und zusammengehalten wurden. Dass osteuropäische Bergsteiger und Kletterer dabei oftmals in einer etwas anderen Liga spielen, scheint fast eine Binsenweisheit zu sein. Viele der härtesten und vor allem riskantesten Wände, Berge und Winterbesteigungen wurden jedenfalls von Alpinisten aus dem ehemaligen Ostblock durchgeführt.

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Ein ambivalentes Verhältnis: Die Grünen und die DDR

Saskia Richter | 5. Dezember 2013

[gastbeitrag]: Saskia Richter rezensiert „Die Mauer muss  weg – Die DDR soll bleiben“ von Regina Wick.

Mit ihrer Dissertation über die Deutschlandpolitik der Grünen vom Jahr der ersten Wahl zum europäischen Parlament bis zur Wiedervereinigung legt Regina Wick eine quellenreiche Studie zum Gründungs- und Konsolidierungsjahrzent der deutschen Grünen vor. Indem sie vielfältige Positionen einzelner Grünen-Politiker zur DDR herausarbeitet und diese in ein Wechselverhältnis zur Wahrnehmung der Partei durch die DDR stellt, leistet sie ihren Beitrag zu einem deutsch-deutschen Forschungsfeld, in dem auch in Bezug auf die Friedensbewegung noch zahlreiche Fragen offen sind.[1] Bisherige Arbeiten zu den Gründungsgrünen haben sich zwar mit den innerparteilichen Strömungen beschäftigt, jedoch nicht mit dem speziellen Fokus auf die Deutschlandpolitik.

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F wie Sabotage

Katharina Trittel | 5. November 2013

[kommentiert]: Katharina Trittel über einen Abend mit Daniel Kehlmann und Jakob Augstein

Die neuen Bücher von Daniel Kehlmann und Jakob Augstein, die im Rahmen des 22. Göttinger Literaturherbstes nacheinander im Deutschen Theater vorgestellt wurden, nehmen beide die Finanzkrise von 2008 als Ausgangspunkt. Vor ihrem Hintergrund entwirft Kehlmann seine Romanfiguren in „F“[1] und Augstein entspinnt seine Thesen darüber, „[w]arum wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden müssen“[2]. Trotz eines  offensichtlichen Protestpotentials in der Gesellschaft, konstatiert Augstein, „stehen wir uns selbst im Weg.“ Ähnlich wie Kehlmanns Protagonisten, die in einer selbst geschaffenen Scheinwelt gefangen sind.

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Opposition oder Widerstand?

Wolfgang Welsch | 30. August 2013

[gastbeitrag]: Wolfgang Welsch mit einer Replik zur Biografie über Gerd Poppe.

Christin Leistner versucht in einer Studie, die Hintergründe der Entstehung politischer Dissidenz in der DDR am Beispiel von Gerd Poppe zu ergründen. So weit, so lobenswert, denn über die Dissidenz Einzelner im SED-Staat gibt es noch immer zu wenig Literatur.

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Monster, Krisen, Kapitalismus

Alex Hensel | 22. April 2013

[debattiert]: Jöran Klatt und Christian von Eichborn über Schirrmachers „Ego“

Frank Schirrmachers Buch „Ego“ hat quer durch die politischen Lager für Furore gesorgt. Jöran Klatt und Christian von Eichborn disktuieren über Schirrmachers Brückenschlag vom Konservatismus zur Postwachstumsökonomie, Monster im Kapitalismus und kaputte Fernseher.

Video: Severin Caspari und Alex Hensel

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