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Draufgänger im Fridtjof-Nansen-Haus

Franz Walter | 7. August 2012

[Göttinger Köpfe]: Franz Walter über Brandts Kanzleramtschef Horst Ehmke.

Gerade erst hatte er sein Notabitur abgelegt. Nun wollte er in Göttingen studieren. Wenige Monate zuvor hatte er, kaum aus der Kriegsgefangenschaft der Roten Armee entlassen, nur noch 43 Kilo gewogen. Und jetzt schlug er im niedersächsischen Harz mehrere Wochen Holz, um an eine der begehrten Lebensmittelsonderkarten für Schwerstarbeiter zu gelangen. Wir reden von Horst Ehmke, Sohn eines Chirurgen aus Danzig, 19 Jahre alt. Und wir schreiben das Jahr 1946, genauer: das Wintersemester 1946/47. Ehmke hatte Hunger, aber viel war in der Universitätsmensa am Wilhelmsplatz nicht zu bekommen, ganz überwiegend lediglich Maisbrot, wie er in seinen Memoiren Jahrzehnte später festhielt. Daher gebrauchte er die Axt für die Sonderration.

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Wie unzeitgemäß Adenauer heute wäre

Stephan Klecha | 2. August 2012

[kommentiert]: Stephan Klecha über die deutsche Kanzlerdemokratie

Am kommenden Sonntag wird mal wieder ein so genanntes Doku-Drama in die Wohnstuben gesendet. „Stunden der Entscheidung“ wendet sich dem Leben und der Kanzlerschaft von Konrad Adenauer zu. Wahrscheinlich werden etliche dabei mal wieder aufseufzen und aussprechen, dass früher alles besser gewesen sei. Adenauer sei noch ein echter Kerl gewesen, nicht so wetterwendisch wie Merkel und nicht so bürokratisch nüchtern wie die Steinbrücks oder Steinmeiers. Abgesehen davon, dass Verklärung selten gut tut, ist es natürlich richtig, dass der erste Nachkriegskanzler Maßstäbe setzte, die mit dem Signum der Kanzlerdemokratie zu Recht Eingang in die Politikwissenschaft und die Zeitgeschichte gefunden haben.

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Der Quantenphysiker aus El Bokarebo

Severin Caspari | 29. Juni 2012

[Göttinger Köpfe]: Severin Caspari über den Kernphysiker Max Born.

„Klein und öde“[1] erschien Max Born die Stadt am Harzrand, in die es ihn 1904 als jungen Studenten verschlug. Göttingen, das klang für ihn so ähnlich wie Tübingen. Und umso enttäuschter war Born, im Atlas die Stadt im „trüben Norden“[2] nahe Hannover zu finden. Zweifellos war er Anderes, Großstädtisches gewohnt.

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Der „rote Welfe“

Teresa Nentwig | 27. Juni 2012

[präsentiert:] Teresa Nentwig über den ersten niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf

Als der erste niedersächsische Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf Ende 1961 starb, gab es kaum einen Nachruf, in dem nicht vom „roten Welfen“ die Rede war. In der Tat: Es war ungewöhnlich, dass ein sozialdemokratisches Parteimitglied – Kopf gehörte der SPD seit 1919 an – freundschaftliche Verbindungen zum Welfenhaus unterhielt. Am 6. Mai 1953 beispielsweise, anlässlich seines 60. Geburtstags, stieß Kopf mit dem Erbprinzen Ernst August von Hannover vor dem Gästehaus der Niedersächsischen Landesregierung in Hannover an. Ein Foto des Umtrunks erschien einen Tag später mit einem ausführlichen Text in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Rund ein Jahr später, im Juli 1954, führte Hinrich Wilhelm Kopf Ernst August und dessen Frau Ortrud, Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, durch das Bundeshaus in Bonn, was sogar einen Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hervorrief, die dieses Ereignis – mit einem Augenzwinkern – als willkommene Abwechselung im eintönigen politischen Alltag lobte. Doch lag hierin eine Eigenschaft von Kopfs politischer Führung, die für die Landesbildung keine unwesentliche Rolle gespielt hatte.

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Die Ministerpräsidenten in Niedersachsen

Christian Werwath | 25. Juni 2012

[präsentiert]: Christian Werwath berichtet von Landesvätern und Landesmanagern im „schönsten Amt der Welt“.

Das Amt des Niedersächsischen Ministerpräsidenten zeichnet sich durch permanenten Wandel aus. Die Persönlichkeiten prägten das Amt, wie auch das Amt seine Inhaber prägte. Ein Streifzug durch die Geschichte zeigt, warum die Landeschefs gerne die Formulierung gebrauchen, ihr Amt sei das schönste Amt der Welt.

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„Genosse Pfarrer“

Jens Gmeiner | 18. Mai 2012

[Göttinger Köpfe]: Jens Gmeiner über den Pfarrer Karl Barth

Wirklich wohlwollend äußerte sich Karl Barth nicht über seine deutschen Professorenkollegen in Göttingen, als er im Jahre 1921 einen Lehrstuhl an der hiesigen theologischen Fakultät annahm. Zu konservativ und nationalistisch schien dem Schweizer Theologen und Sozialdemokraten Barth die Professorenschaft, deren Angehörige seinen Angaben nach „noch alle auf Schwarz-Weiß-Rot schworen und auf den Kaiser und auch auf Bismarck usf. – Ja, da blieb mir nichts übrig, als mich jetzt eben auch wieder links zu stellen“. Karl Barth lehrte zwar nur vier Jahre, von 1921-1925, in Göttingen; aber auch während seiner Göttinger Zeit schwamm Barth, wie in seinem ganzen Leben, gegen den Strom der Zeit, predigte und agierte gegen den politischen Konservatismus, hinterfragte kritisch die herrschenden Maximen der Theologie und Politik.

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Göttinger Köpfe

Robert Lorenz | 7. Mai 2012

[präsentiert]: Franz Walter führt in die „Göttinger Köpfe“ ein.

Die Universitätsstadt Göttingen wirkte wie ein Magnet auf die großen Köpfe des 20. Jahrhunderts. In dem Band „Göttinger Köpfe“ erzählen gute zwei Dutzend biographische Essays lebendig und anschaulich über all jene Historiker, Naturwissenschaftler, Philosophen, Juristen, Politiker und Aktivisten, die im vergangenen Jahrhundert mit Göttingen verbunden waren und die über ihre genuine wissenschaftliche Leistung hinaus Einfluss auf die politische Kultur unseres Landes nahmen. Franz Walter sucht nach Gemeinsamkeiten in dieser Galerie unterschiedlicher Charaktere.

Technik & Redaktion: Severin Caspari und Christoph Hoeft.

Franz Walter ist Direktor des Göttinger Instituts für Demokratieforschung. Gemeinsam mit Stine Marg ist er Herausgeber der „Göttinger Köpfe und ihr Wirken in die Welt“, kürzlich erschienen bei Vandenhoeck & Ruprecht.

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Erziehung zum Sozialismus

Jonas Rugenstein | 20. April 2012

[Göttinger Köpfe]: Jonas Rugenstein über Minna Specht

Im Jahr 1912 befindet sich Minna Specht in einer persönlichen Krise. Ihre Gefühlslage, die sie selbst als „hilflos und hoffnungslos“ beschreibt, manifestiert sich in einem physischen Leiden. Die damals 32-jährige Lehrerin scheint unter einer Sinnkrise zu leiden, die mit dem Eindruck der wissenschaftlichen Unzulänglichkeit und dem Wunsch nach persönlicher Vervollkommnung zusammenhängt. Trotz abgeschlossenen Studiums der Geschichte, Geographie und Philosophie wird sie immer noch von dem Gefühl getrieben, zu tiefergehender Erkenntnis kommen zu wollen, einen eigenen politischen Standpunkt zu entwickeln und eine exakte Wissenschaft zu erlernen. Dieser Wunsch führt Minna Specht ein zweites Mal – sie hatte auch ihr erstes Studium hier absolviert – nach Göttingen, um Mathematik zu studieren.

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Göttinger Köpfe

 | 17. April 2012

Göttingen ist ein wissenschaftliches Biotop. Die Stadt war seit der Gründung ihrer Universität vor nunmehr 275 Jahren immer wieder Lebensmittelpunkt oder zumindest Station herausragender Wissenschaftler, namhafter Politiker und prominenter Aktivisten. Namen wie der Max-Born-Ring, die Felix-Klein-Straße oder das Minna-Specht-Eck erinnern andeutungsweise an solche Persönlichkeiten.
Doch wie verbrachte der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker seine Göttinger Jahre? Was verbindet Edmund Husserl, den Begründer der Phänomenologie und somit einen der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts, mit dieser Stadt? Was prägte Peter von Oertzen, den programmatischen Vordenker der Sozialdemokratie, an diesem Ort? Wo war die Keimzelle des Internationalistischen Sozialistischen Kampfbundes rund um Leonard Nelson, Minna Specht oder den späteren Göttinger Oberbürgermeister Artur Levi? Was trieb den bekannten Studentenaktivisten der 68er-Bewegung Hans-Jürgen Krahl an die hiesige Universität?
In diesem Band erzählen gute zwei Dutzend biographische Essays lebendig und anschaulich über all jene Historiker, Naturwissenschaftler, Philosophen, Juristen, Politiker und Aktivisten, die im 20. Jahrhundert mit Göttingen verbunden waren und die über ihre genuine wissenschaftliche Leistung hinaus Einfluss auf die politische Kultur unseres Landes nahmen. Entstanden ist so eine spannende und anregende Sammlung von Göttinger Lebensgeschichten.

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Postdemokratisches Schweigen

David Bebnowski | 3. April 2012

[analysiert]: Die politische Apathie der Endzwanziger in Deutschland.

Während die junge Generation in anderen Staaten Europas während der vergangenen zwei Jahre zornig gegen die etablierte Politik auf die Straße zog, übt sich ihr deutsches Pendant bis heute in bedächtiger Zurückhaltung. Hierzulande, so scheint es, führt man anstelle selbst etwas zu unternehmen erwartungsvolle Debatten über einen Bundespräsidenten, der die drängenden Probleme der Prekarität kaum adäquat behandeln wird. Insbesondere die in den 1980er Jahren Geborenen, zu denen auch der Autor gehört, bleiben merkwürdig still. Dabei gehört diese Generation schon aufgrund ihres Alters notgedrungen zu den Mitgestaltern des 21. Jahrhunderts. Grund genug für einen Erklärungsversuch.

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