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Frank-Walter Steinmeier

 | 24. Januar 2017

Frank-Walter Steinmeier, heute der beliebteste deutsche Politiker, galt stets als hochseriöser, aber auch ein wenig farbloser Vertreter der politischen Klasse, als „graue Eminenz“, als Mann der Verwaltung. Plötzlich jedoch sehen nicht wenige in ihm einen Garanten demokratischer Stabilität: den Gegenspieler aller Populisten, eine moralisch-politische Orientierungsmarke in Zeiten des globalen Umbruchs.

Torben Lütjen und Lars Geiges haben nicht nur Frank-Walter Steinmeiers politischen Weg, sondern auch die gesellschaftlichen Umwälzungen der vergangenen Jahre beobachtet. Ihr Band zeichnet Steinmeiers ungewöhnliche Laufbahn nach: von den stillen Hinterzimmern der Macht als wichtigster Mitarbeiter Gerhard Schröders bis hin zum zweimaligen Außenminister, gescheiterten Kanzlerkandidaten und Fraktionsvorsitzenden der SPD in den Jahren der Opposition. Was prägt den Menschen? Was treibt den Kandidaten der Großen Koalition für das Amt des Bundespräsidenten an? Kann seine unaufgeregte Art tatsächlich ein Gegengift sein für die populistische Welle, die derzeit durch die westlichen Demokratien rollt? Oder spiegeln sich in seinem ungewöhnlichen Aufstieg und seinem Politikverständnis nicht vielleicht selbst manche der Probleme wider, die zur Politikverdrossenheit beigetragen haben?

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Zwischen sozialdemokratischer Illusion und „Vaterlandsverrat“

Hannes Keune | 6. September 2016

[analysiert]: Hannes Keune über Michail Gorbatschow ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Sowjetunion

In diesem Jahr, 2016, hat Michail Gorbatschow seinen 85. Geburtstag gefeiert. Zugleich jähren sich in diesen Tagen die Ereignisse um den Augustputsch, den die Sowjetunion nur um wenige Wochen überlebte, zum 25. Mal. Als Kopf des Reformerlagers in der sowjetischen Nomenklatura in den ersten Jahren von glasnost und perestroika noch Hoffnungsfigur, symbolisiert Gorbatschow, der Friedensnobelpreisträger von 1990 und letzte Staatspräsident der UdSSR, seit den krisenhaften 1990er Jahren für viele Russen den nationalen Niedergang, den Demokratie und Verwestlichung dem Land angeblich gebracht haben. Man kann Gorbatschow als eine objektiv fast schon tragische[1] und darin über die eigene Person hinausweisende Figur der jüngeren russischen Geschichte skizzieren. Deshalb sollen im Folgenden seine Reformhoffnungen und seine Rolle im gegenwärtigen Russland beleuchtet werden.

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1979: Die Opposition übernimmt die Villa Hammerschmidt

Franz Walter | 9. Juni 2016

[analysiert]: Franz Walter über den Kampf um das Bundespräsidentenamt im Ausgang der sozial-liberalen Koalition

Im Jahr 1979 bereitete es den Sozialdemokraten, die mit Helmut Schmidt seinerzeit den Bundeskanzler stellten, einigen Kummer, dass in eben diesem Jahr die Weichen für einen Machtwechsel nach rechts, in Richtung des dezidiert konservativen Flügels der Christlichen Union umgelegt werden könnten. Schließlich ernannten CDU und CSU Franz Josef Strauß zum gemeinsamen Kanzlerkandidaten. Und für das Amt des Bundespräsidenten nominierten die beiden C-Parteien Karl Carstens. Nun wäre die Übernahme des Bundespräsidentenamtes ein Jahr vor den Bundestagswahlen, erstmals in der Geschichte der Republik aus der Opposition heraus, fürwahr ein symbolischer Markstein der machtpolitischen Verschiebung gewesen.

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Helmut Schmidt: Reden und leiden in Bonn

Robert Lorenz | 12. November 2015

[analysiert]: Robert Lorenz über die Grundlagen der politischen Karriere von Helmut Schmidt

Die gegenwärtige Politikelite wird häufig als schwächer, blasser, jedenfalls grundlegend anders als die frühere empfunden. Dabei wird ein Name immer wieder als Kontrastfolie herangezogen: Helmut Schmidt. Der ehemalige Kanzler steht für den Typus des entschlossenen, überzeugungsstarken, prinzipienfesten, zudem kernigen Politikers. Aber was machte den Politikstil und Politiker Helmut Schmidt eigentlich genau aus und welche Eigenschaften waren für seine politische Karriere von Belang?

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François Bayrou – ein Rathaus für ein Königreich

Daniela Kallinich | 22. September 2015

[analysiert]: Daniela Kallinich über die politische Karriere des französischen Zentrumspolitikers François Bayrou.

Göttingens französische Partnerstadt Pau hat einen berühmten Bürgermeister. Zumindest in Frankreich. Denn 2007 wäre François Bayrou beinahe zum französischen Präsidenten gewählt worden. Noch heute ist er einer der beliebtesten Politiker in unserem Nachbarland. Gleichwohl ist seine politische Heimat, das Zentrum, derzeit von Bedeutungslosigkeit bedroht. Umso wichtiger ist es daher für den ehemaligen „Dritten Mann“ gewesen, 2014 das Rathaus der Stadt am Fuße der Pyrenäen zu erobern.

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Christine Lagarde – von der Synchronschwimmerin zur IWF-Chefin

Anne-Kathrin Meinhardt | 27. August 2015

[gastbeitrag]: Anne-Kathrin Meinhardt analysiert die Karriere der Chefin des IWF.

In der Griechenlandkrise ist gerade das dritte Hilfspaket verabschiedet worden. Christine Lagarde – als erste Frau an der Spitze des männerdominierten Internationalen Währungsfonds (IWF) – hat langwierige Verhandlungen hinter sich. Die großgewachsene Französin ist zurzeit in den Medien sehr präsent. Ihre Entscheidungen und Maßnahmen sind von tragender Bedeutung. Dabei werden Lagarde die unterschiedlichsten Adjektive zugeschrieben: charmant, intelligent, selbstbewusst, elegant, diszipliniert, aber auch kontrolliert, manchmal unerbittlich und dennoch humorvoll.[1] Angesichts ihrer international großen Bedeutung scheint es an der Zeit, diese Persönlichkeit genauer zu betrachten.

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Otto von Bismarck – zum 200. Geburtstag

Otto-Eberhard Zander | 23. April 2015

[gastbeitrag]: Otto-Eberhard Zander über Otto von Bismarck, der seine Studienzeit in Göttingen verbrachte.

 „Ich kann Ew. Majestät melden, dass Windthorst aus dem Bau gekommen ist und mich aufgesucht hat.“ Der Kaiser rief darauf aus: „Nun, Sie haben ihn doch natürlich zur Thür hinauswerfen lassen?“.[1] Mit diesen Worten begann Otto von Bismarck am 15. März 1890 um 9.30 Uhr im Auswärtigen Amt seinen Immediatvortrag bei Kaiser Wilhelm II., nachdem er erst um 9 Uhr geweckt worden war. Bismarck erwiderte, dass er Windthorst natürlich empfangen habe; wollte der Kaiser ihm das untersagen, so wäre das genauso, als würde der Kaiser seinem Generalstabschef im Krieg verbieten, Informationen über den Feind zu gewinnen.[2] „Der Kaiser verlangte das aber peremptorisch mit der Frage: „Auch nicht, wenn Ihr Souverän es befiehlt?“ Ich beharrte in Ablehnung“.[3] Dieser Auftritt des unreifen, vom Gottesgnadentum bereits durchdrungenen Kaisers gegenüber dem 44 Jahre älteren Kanzler Bismarck, der vom „Souverän“ wegen des Empfangs von Windthorst wie ein Schuljunge abgekanzelt worden war, war der äußere Anlass dafür, dass Bismarck sein Entlassungsgesuch am 18. März 1890 einreichte, das zwei Tage später vom Kaiser genehmigt wurde.

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Homo homini ludus est

Jöran Klatt | 13. Februar 2015

[analysiert]: Jöran Klatt zum 70. Todestag Johan Huizingas.

Leiden, April 1933. Wie bereits im vorangegangenen Jahr trafen zur Konferenz des International Student Service (ISS) Studierende und Dozenten aus unterschiedlichen Ländern zusammen. Dieses Mal gelang es sogar, anders als zuvor, Vertreter einer Deutschen Delegation zu gewinnen. Es hätte eine harmonische Veranstaltung werden können, hätte nicht ein niederländischer Mittelalterhistoriker namens Johan Huizinga die Aufmerksamkeit auf den Leiter der deutschen Delegation gerichtet: Johann von Leers. Huizinga sprach von Leersʼ mögliche Autorschaft der Broschüre „Forderung der Stunde: Juden raus!“ an, die dieser auch einräumen musste. Huizinga, der zu diesem Zeitpunk das Amt des Universitätsrektors innehatte, verwies von Leer noch vor ihrem Abschluss der Tagung. Ohne Handschlag reisten die Deutschen zurück nach Hause. Wer war dieser Mann, der – nicht zum letzten Mal – couragiert den deutschen Antisemitismus angeprangert hatte und dessen Werk und Denken zweifellos Einfluss ausübten, aber dessen Name oft hinter prominenteren Vertretern von Geschichts- und Kulturtheorien verborgen bleibt?

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Champion der modernen Öffentlichkeit

Lars Geiges | 22. Dezember 2014

1964. Das Jahr, mit dem „68“ begann[analysiert]: Lars Geiges über Cassius Clay und die Inszenierung in den Medien.

Für den 22-jährigen Cassius Clay war es der Kampf seines Lebens. Bis zum 25. Februar 1964 war er bloß ein vielversprechendes Talent gewesen – ein hervorragender Amateur, aber ein Nobody in der Welt des professionellen Boxsports. Unter den Beobachtern des WM-Kampfes galt er daher als großmäuliger Aufschneider und bei den Buchmachern standen die Wetten 7:1 gegen ihn. Man gab ihm keine Chance und doch gewann er den Titel. Ein sensationeller Triumph des Außenseiters.

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Mann der Partei, nicht der politischen Macht

Franz Walter | 15. September 2014

[analysiert]: Franz Walter über den Sozialdemokraten Otto Wels

Herten_Otto_Wels_02xVor 75 Jahren starb Otto Wels, der Parteiführer der deutschen Sozialdemokratie in den Zeiten der Weimarer Republik. Schon als Kind war Otto Wels, geboren als Sohn eines Gastwirts am 15. September 1873 in Berlin, in das sozialdemokratische Milieu hineingewachsen. In der Kneipe seiner Eltern trafen sich regelmäßig Sozialdemokraten. Wels erlernte das Tapezierhandwerk, ging auf Wanderschaft, wurde in seinem Verband Gewerkschaftsfunktionär, erhielt dann einen Posten als Parteisekretär in der Provinz Brandenburg. Der Vorstoß an die Spitze der MSPD gelang ihm nach dem Ersten Weltkrieg, als er den zum Reichspräsidenten aufgestiegenen Friedrich Ebert als Parteivorsitzenden ablöste.

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