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“Genosse Pfarrer”

Jens Gmeiner | 18. Mai 2012 | Keine Leserbriefe

[Göttinger Köpfe]: Jens Gmeiner über den Pfarrer Karl Barth

Wirklich wohlwollend äußerte sich Karl Barth nicht über seine deutschen Professorenkollegen in Göttingen, als er im Jahre 1921 einen Lehrstuhl an der hiesigen theologischen Fakultät annahm. Zu konservativ und nationalistisch schien dem Schweizer Theologen und Sozialdemokraten Barth die Professorenschaft, deren Angehörige seinen Angaben nach „noch alle auf Schwarz-Weiß-Rot schworen und auf den Kaiser und auch auf Bismarck usf. – Ja, da blieb mir nichts übrig, als mich jetzt eben auch wieder links zu stellen“. Karl Barth lehrte zwar nur vier Jahre, von 1921-1925, in Göttingen; aber auch während seiner Göttinger Zeit schwamm Barth, wie in seinem ganzen Leben, gegen den Strom der Zeit, predigte und agierte gegen den politischen Konservatismus, hinterfragte kritisch die herrschenden Maximen der Theologie und Politik.

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Göttinger Köpfe

Robert Lorenz | 7. Mai 2012 | Keine Leserbriefe

[präsentiert]: Franz Walter führt in die „Göttinger Köpfe“ ein.

Die Universitätsstadt Göttingen wirkte wie ein Magnet auf die großen Köpfe des 20. Jahrhunderts. In dem Band „Göttinger Köpfe“ erzählen gute zwei Dutzend biographische Essays lebendig und anschaulich über all jene Historiker, Naturwissenschaftler, Philosophen, Juristen, Politiker und Aktivisten, die im vergangenen Jahrhundert mit Göttingen verbunden waren und die über ihre genuine wissenschaftliche Leistung hinaus Einfluss auf die politische Kultur unseres Landes nahmen. Franz Walter sucht nach Gemeinsamkeiten in dieser Galerie unterschiedlicher Charaktere.

Technik & Redaktion: Severin Caspari und Christoph Hoeft.

Franz Walter ist Direktor des Göttinger Instituts für Demokratieforschung. Gemeinsam mit Stine Marg ist er Herausgeber der „Göttinger Köpfe und ihr Wirken in die Welt“, kürzlich erschienen bei Vandenhoeck & Ruprecht.

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Erziehung zum Sozialismus

Jonas Rugenstein | 20. April 2012 | Keine Leserbriefe

[Göttinger Köpfe]: Jonas Rugenstein über Minna Specht

Im Jahr 1912 befindet sich Minna Specht in einer persönlichen Krise. Ihre Gefühlslage, die sie selbst als „hilflos und hoffnungslos“ beschreibt, manifestiert sich in einem physischen Leiden. Die damals 32-jährige Lehrerin scheint unter einer Sinnkrise zu leiden, die mit dem Eindruck der wissenschaftlichen Unzulänglichkeit und dem Wunsch nach persönlicher Vervollkommnung zusammenhängt. Trotz abgeschlossenen Studiums der Geschichte, Geographie und Philosophie wird sie immer noch von dem Gefühl getrieben, zu tiefergehender Erkenntnis kommen zu wollen, einen eigenen politischen Standpunkt zu entwickeln und eine exakte Wissenschaft zu erlernen. Dieser Wunsch führt Minna Specht ein zweites Mal – sie hatte auch ihr erstes Studium hier absolviert – nach Göttingen, um Mathematik zu studieren.

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Göttinger Köpfe

 | 17. April 2012 | Keine Leserbriefe

Göttingen ist ein wissenschaftliches Biotop. Die Stadt war seit der Gründung ihrer Universität vor nunmehr 275 Jahren immer wieder Lebensmittelpunkt oder zumindest Station herausragender Wissenschaftler, namhafter Politiker und prominenter Aktivisten. Namen wie der Max-Born-Ring, die Felix-Klein-Straße oder das Minna-Specht-Eck erinnern andeutungsweise an solche Persönlichkeiten.
Doch wie verbrachte der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker seine Göttinger Jahre? Was verbindet Edmund Husserl, den Begründer der Phänomenologie und somit einen der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts, mit dieser Stadt? Was prägte Peter von Oertzen, den programmatischen Vordenker der Sozialdemokratie, an diesem Ort? Wo war die Keimzelle des Internationalistischen Sozialistischen Kampfbundes rund um Leonard Nelson, Minna Specht oder den späteren Göttinger Oberbürgermeister Artur Levi? Was trieb den bekannten Studentenaktivisten der 68er-Bewegung Hans-Jürgen Krahl an die hiesige Universität?
In diesem Band erzählen gute zwei Dutzend biographische Essays lebendig und anschaulich über all jene Historiker, Naturwissenschaftler, Philosophen, Juristen, Politiker und Aktivisten, die im 20. Jahrhundert mit Göttingen verbunden waren und die über ihre genuine wissenschaftliche Leistung hinaus Einfluss auf die politische Kultur unseres Landes nahmen. Entstanden ist so eine spannende und anregende Sammlung von Göttinger Lebensgeschichten.

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Postdemokratisches Schweigen

David Bebnowski | 3. April 2012 | 1 Leserbrief

[analysiert]: Die politische Apathie der Endzwanziger in Deutschland.

Während die junge Generation in anderen Staaten Europas während der vergangenen zwei Jahre zornig gegen die etablierte Politik auf die Straße zog, übt sich ihr deutsches Pendant bis heute in bedächtiger Zurückhaltung. Hierzulande, so scheint es, führt man anstelle selbst etwas zu unternehmen erwartungsvolle Debatten über einen Bundespräsidenten, der die drängenden Probleme der Prekarität kaum adäquat behandeln wird. Insbesondere die in den 1980er Jahren Geborenen, zu denen auch der Autor gehört, bleiben merkwürdig still. Dabei gehört diese Generation schon aufgrund ihres Alters notgedrungen zu den Mitgestaltern des 21. Jahrhunderts. Grund genug für einen Erklärungsversuch.

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Seiner Zeit voraus

Jöran Klatt | 30. März 2012 | 1 Leserbrief

[Göttinger Köpfe]: Jöran Klatt über den Soziologen Maurice Halbwachs

Er galt als unscheinbarer Typ. Doch Maurice Halbwachs war prägend für die Entwicklung moderner Theorien der Kultur- und Geisteswissenschaften. Vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren seine Forschungsarbeiten von nicht zu unterschätzender wissenschaftlicher Relevanz. Trotzdem steht und stand er im Schatten seiner Vorläufer. Halbwachs war Schüler von Émile Durkheim und Henri Bergson, in seinem Denken wurde er somit in einer Zeit stark geprägt, als die Wissenschaften vom Menschen – zumindest in ihrer modernen Form – erste Gehversuche unternahmen.

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Erzähler der grauschattierten Geschichte

Oliver D'Antonio | 23. März 2012 | Keine Leserbriefe

[Göttinger Köpfe]: Oliver D‘Antonio über den Historiker Thomas Nipperdey

Im Juli 1944 ging im Konzentrationslager Majdanek bei Lublin für die Überlebenden die Hölle zu Ende. Majdanek wurde als erstes Lager von sowjetischen Truppen befreit. Wenige Wochen später zerstörte ein Feuersturm, entfacht durch alliierte Phosphorbomben, die Innenstadt von Königsberg. Und von der Bretagne her rückten amerikanische und britische Truppen langsam nach Süden und Osten vor. Das ist die eine, die bekannte Geschichte. Eine andere lautet in etwa so: Der damals sechzehnjährige Thomas Nipperdey durchlebte „in den Nischen von Krieg und Politik“ einen „schönen Sommer 1944“, er wanderte im Urlaub durch Mecklenburg, Masuren war leider nicht mehr möglich. Überhaupt hatten die letzten Kriegsjahre für den Sohn eines Kölner Professors fast etwas Befreiendes. In der Rückschau ortet Nipperdey in seiner Zeit bei der Flak „anarchistische Tendenzen“: Die HJ-Armbänder legten die Jungen ab, hörten – bisweilen sogar mit ihren Unteroffizieren – britische Radiosender und Jazz, die verpönte „Negermusik“.[1]

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Politische Lehrjahre in Göttingen

Philipp Kufferath | 9. Februar 2012 | Keine Leserbriefe

[Göttinger Köpfe]: Philipp Kufferath über den Sozialwissenschaftler Peter von Oertzen

Eine Welle der Empörung wogt im Frühsommer 1955 durch Deutschland, als Leonard Schlüter zum Kultusminister Niedersachsens ernannt werden soll. Sogar internationale Medien kommentieren dieses Ereignis der niedersächsischen Landespolitik kritisch. Rektor Emil Woermann und der Senat der Georg-August-Universität Göttingen legen aus Protest ihre Ämter nieder, der Asta ruft zum Vorlesungsboykott auf und organisiert einen Fackelzug durch die Stadt an der Leine. Schlüter war nicht nur in den Augen der Göttinger Öffentlichkeit als Verleger nationalistischer Autoren und strammer Vertreter des rechten Flügels der FDP für das Amt des Kultusministers denkbar ungeeignet.

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Ein ruheloses Leben

Christian Werwath | 19. Januar 2012 | Keine Leserbriefe

[Göttinger Köpfe]: Christian Werwath über die Politikerin und Autorin Hannah Vogt

Hannah Vogts Leben wirkt auf den ersten Blick richtungslos: Sie war früh in der KPD engagiert. Mit 23 Jahren war sie politische Inhaftierte im Konzentrationslager Moringen. Nach ihrer Entlassung machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester, bevor sie 1945 in Göttingen im Fach Volkswirtschaft promovierte. Hannah Vogt war anschließend Referentin in der Landeszentrale für politische Bildung in Hessen und später Autorin eines Bestsellers. Die Stadt Göttingen ernannte sie nach über zwanzig Jahren Ratsarbeit zunächst in der FDP-Fraktion und dann in der SPD-Fraktion zur Ehrenbürgerin. Zudem war Hannah Vogt Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Ihre Lebensstationen erscheinen rätselhaft, wer war Hannah Vogt?

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„Es war unser Ding…“

Felix M. Steiner | 11. Januar 2012 | 1 Leserbrief

[präsentiert]: Interview mit dem Rapper Kutlu Yurtseven über Subkultur, Musik und Rechtsterrorismus

Subkulturen sind eine Artikulationsform gerade junger Menschen. Durch eigene Kleidungsstile, Musik oder Kunstformen äußern Jugendliche oftmals Protest, politische Haltung und Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft. Eine nach wie vor präsente Subkultur ist Hip Hop. Dieser war besonders in seinen Anfängen in Deutschland stark von jungen Deutschen mit Migrationshintergrund geprägt. So beschäftigten sich Hip Hop-Bands wie Advanced Chemistry oder Microphone Mafia vor dem Hintergrund rassistischer Ausschreitungen Anfang der 1990er Jahre intensiv mit Rassismus und den Erfahrung von MigrantInnen in Deutschland. Felix M. Steiner spricht im Interview mit dem Musiker Kutlu Yurtseven über die Bedeutung von Subkultur für die eigene Identität und die Auflehnung gegen rechtsextreme Gewalt.

1. Zur Gründung von Microphone Mafia

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2. Politik als Bestandteil von Musik

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3. Multikulti als Marke?

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4. Schnittmengen von Esther Bejarano und Microphone Mafia

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5. Reaktion auf den den Rechtsterror in Köln

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