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Ein Todesurteil löst das politische Dilemma nicht!

Thorsten Hasche | 10. Juni 2015

[kommentiert]: Thorsten Hasche über die gefährliche Politik von Ägyptens Präsident al-Sisi

Ein verunsichertes Raunen ging durch die Weltöffentlichkeit, als das ägyptische Militär im Sommer 2013 den kurzzeitigen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi stürzte und damit die politische Herrschaft der islamistischen Muslimbruderschaft gewaltsam und jäh beendete. Inzwischen ist die Muslimbruderschaft in Ägypten und Saudi-Arabien zur Terrororganisation erklärt worden, große Teile ihrer Führung sind inhaftiert und gegen viele Mitglieder, darunter auch Mursi, sind international scharf kritisierte und willkürlich erscheinende Todesurteile ergangen.[1] Ein solcher Totalausschluss der Muslimbruderschaft aus der ägyptischen Gesellschaft und Politik fand zuletzt in den 1960er Jahren unter dem Nationalisierungsprojekt von Gamal Abd al-Nasir statt.

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Riot oder Revolution?

Madeline Kaupert | 16. Januar 2015

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[Gastbeitrag]: Madeline Kaupert über die Bewertung der Aufstände in Großbritannien und Ägypten im Jahr 2011

Es gibt Momente, in denen die Welt den Atem anhält.Einer davon war im Frühjahr 2011, als sich die Protestwelle des Arabischen Frühlings von Tunesien aus zu verbreiten begann und zu einer Rebellion gegen die Unterdrückungsregime der Region heranwuchs. Wer aber hielt den Atem an, als die Jugendlichen der Vorstädte Londons im selben Jahr Steine warfen, Mülltonnen anzündeten und Geschäfte plünderten? Obwohl die Proteste auf den ersten Blick sehr verschieden aussehen, vereint sie doch ein zentrales Merkmal: Beide waren Schauplätze massiver Gewaltanwendung seitens der Protestierenden und der staatlichen Sicherheitsapparate. Zugleich aber wurden diese Gewaltanwendungen jedoch unterschiedlich bewertet: Während die Gewalt auf dem Tahrir-Platz als Ausdruck emanzipatorischen Protests eingeordnet wurde, galt sie in London eher als Anzeichen für Verfall und Zerstörung – oder einer amoralischen „broken society“.[1] Woher aber kommen diese unterschiedlichen Bewertungen? Und vor allem: Sind Riots und Revolution wirklich zwei Kategorien, die einander nicht berühren?

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Globaler Protest und feuilletonistischer Ausnahmezustand

Hannes Keune | 29. Juli 2014

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[analysiert]: Hannes Keune hinterfragt ein aktuelles Narrativ der public intellectuals.

Irgendwie schien die Realität Francis Fukuyamas Geschichtsteleologie, demnach die Demokratie westlichen Typs endgültig triumphiert habe,[1] nach 1989 zu konterkarieren: In unmittelbarer Nachbarschaft der Europäischen Union gingen aus dem Zerfall des jugoslawischen Vielvölkerstaats sich nur langsam modernisierende und demokratisierende Transformationsgesellschaften hervor. Den islamistischen Anschlägen von 9/11 folgten Afghanistan- und Irak-Krieg. Und dass die Globalisierung nicht widerspruchslos abläuft, bewies nicht zuletzt die Vielzahl ökonomischer Krisen in den 1990ern und 2000ern – es seien an dieser Stelle nur die wichtigsten der Reihe nach genannt: die Skandinavische Bankenkrise zu Beginn der 1990er Jahre, die Japan-Krise ab 1991, die Asien-Krise 1997/98, das Platzen der Dotcom-Bubble 2000 und nicht zuletzt die Weltwirtschaftskrise ab 2007. To make a long story short: Die Welt war mit dem Ende der Sowjetunion keineswegs zu einem besseren Ort geworden, Protest oder gar utopische Gegenentwürfe regten sich jedoch kaum oder waren den Massenmedien keine Berichterstattung wert.

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