Logo Göttinger Institut für Demokratieforschung

Politische Bildung

Konzept

Demokratie kann nur gelingen, wenn ihr vertraut wird, sie gleichsam Baustein und wesentlicher Bestandteil im Alltagsleben der Bürger ist. Jedoch reißen gesellschaftliche Auflösungserscheinungen, Individualisierungsprozesse sowie ständig steigende mediale Überproduktion Lücken in die Erfahrungswelten, die für ein demokratisches Grundvertrauen notwendig sind. Die ehemals beinahe natürlichen Ressourcen für das Erleben und Erlernen gemeinschaftlicher Solidarprozesse und Diskurse wie Familien, Milieus oder kommunale Gemeinschaften treten hinter staatlichen Aufgabenträgern vermehrt zurück, sie überlassen die Arena professionell ausgebildeten Lehrern, Sozialarbeitern oder auch Dozenten der Erwachsenenbildung.

Im Institut sollen daher vor allem junge und transferorientierte Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler mit öffentlichen Multiplikatoren, unter anderem aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Arbeitnehmervertretungen, sozialen Bewegungen und natürlich der Lehre, zusammenarbeiten. Sie werden sich mit den drängenden gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen, die Im Laufe der nächsten Jahrzehnte auf die modernen Demokratien in sozialer, kultureller und politischer Hinsicht zukommen dürften. Normativ geht es darum, wissenschaftlich unterfütterte Lösungen dafür zu finden, dass die komplexen europäischen Gesellschaften ihren sozialen Zusammenhalt nicht verlieren, dass ihre demokratischen Institutionen intakt und veränderungsfähig bleiben, dass ihr bürgergesellschaftlicher Basischarakter stabilisiert und ausgebaut wird.

Das Institut möchte daher wissenschaftlich sorgfältig analysieren und forschen; zugleich aber auch explizit vermitteln, beraten und empfehlen. Es wird mithin kein ausschließliches Forschungszentrum sein, aber auch keine bloße Beratungs- oder Didaktikstelle. Es strebt vielmehr an, Forschung, Didaktik und Beratung miteinander zu verknüpfen, beabsichtigt mithin, Wissenschaft und Öffentlichkeit kommunikativ zusammenzubringen.

Aktuelle Veranstaltungen

Ein Aufmarsch von Patrioten?
Geschichte, Perzeption und TeilnehmerInnen des Unabhängigkeitsmarsches in Warschau

Vortrag und Diskussion mit Dr. Piotr Kocyba

Moderation: Klaudia Hanisch

Zeit: Freitag, 18. Oktober 2019, 18:15 Uhr

Ort: Bibliothek des Göttinger Instituts für Demokratieforschung, Weender Landstr. 14, Göttingen

Eintritt frei

Seit Jahren gilt der Unabhängigkeitsmarsch in Warschau als die größte Demonstration Polens und größte rechte Demonstration weltweit. Dabei hat die regelmäßige Veranstaltung einen rasanten Wandel erlebt. Die ersten Gedenkmärsche an die Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens wurden von und für rechtsradikale Gruppierungen sowie Hooligans Ende der 1990er Jahre organisiert. Der Unabhängigkeitsmarsch zeichnete sich dementsprechend bis in die Mitte der Nullerjahre durch zahlreiche Auseinandersetzungen mit GegendemonstrantInnen und Polizeikräften aus – teilweise kam es zu Straßenschlachten oder zur Zerstörung öffentlichen Eigentums (so bspw. 2013 als es zu Ausschreitungen vor der russischen Botschaft kam, eine Regenbogeninstallation am Erlöserplatz niedergebrannt und ein linkes Wohnprojekt angegriffen wurden). Trotz dieser Vorgeschichte ist der Unabhängigkeitsmarsch zum wichtigsten Ereignis der Gedenkfeiern an die Unabhängigkeit Polens avanciert und versammelt regelmäßig mehrere zehntausend TeilnehmerInnen. Zum hundertsten Jubiläum der Unabhängigkeit Polens haben an dem Marsch, der aus einer Mischung zwischen einem offiziellen Teil, angeführt von Premierminister und Präsident, und dem Original des Unabhängigkeitsmarsches bestand, knapp 240.000 Menschen teilgenommen.
Vor diesem Hintergrund wird der Vortrag drei Ebenen in den Blick nehmen. Erstens, wird die Entwicklung des Unabhängigkeitsmarsches nachgezeichnet, um die Frage zu beantworten, wie es den OrganisatorInnen des Unabhängigkeitsmarsches gelang, aus einer kleinen Veranstaltung einer gewaltbereiten Subkultur ein Event zu kreieren, das im Mainstream fest verankert ist und bis zu einer viertel Million TeilnehmerInnen mobilisieren kann. Zweitens wird der öffentliche Diskurs über den Marsch vorgestellt. Als eines der Hauptthemen während der Feierlichkeiten der Unabhängigkeit werden in Polen (wie im Ausland) zwei sich gegenseitig ausschließende Bilder gezeichnet. Einerseits soll es sich um eine Veranstaltung von gewaltbereiten Rechtsradikalen handeln, denen faschistische Einstellungen vorgehalten werden. Andererseits soll der Marsch ein familienfreundliches Fest polnischer PatriotInnen darstellen, das von linken GegnerInnen diffamiert werde. Deshalb wird drittens der Versuch unternommen, zu beantworten, wer sich wieso dem Marsch anschließt. Grundlage hierfür sind Daten, die während einer Befragung der TeilnehmerInnen des Unabhängigkeitsmarschs von 2018 gesammelt wurden.

Dr. Piotr Kocyba – studierte Politikwissenschaften und Slavische Philologie an der Universität in Regensburg, promovierte zum Status des Idioms der Oberschlesier an der TU Dresden und arbeitet an der TU Chemnitz an der Professur Kultur- und Länderstudien Ostmitteleuropas. Seit November 2018 realisiert er das Projekt „Zivilgesellschaftlicher Aufruhr in Polen“, das ihm erlaubt, finanziert durch das BMBF, bis Oktober 2021 bis zu 16 Demonstrationen in Warschau zu befragen.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Göttingen statt.

Rückschau

24.01.2019: Vortrag: Dr. Dániel Róna: Young and foolish? Why is the Hungarian Far-right Overrepresented among the Youth?

10.12.2018: Podiumsdismussion: 1968 in Göttingen

26.09.2018: Dr. Katharina Trittel: Hermann Rein und die Flugmedizin – Erkenntnisstreben und Entgrenzung

22.05.2018: Dr. Patryk Wawrzyński: Towards the Fourth Republic of Poland

18.04.2018: Ronny Blaschke: Spielwiese Menschenrechte?! Zivilgesellschaftliche Chancen und Rückschläge durch Sportgroßereignisse

13.03.2018: Prof. Henrik Uterwedde: Frankreich unter Präsident Macron. En Marche – Projekt und Wirklichkeit

15.02.2018: Diskussion mit Kevin Kühnert und Matthias Micus: Die SPD zwischen neuer großer Koalition und innerparteilicher Opposition.

01.02.2018: Prof. Dr. Michael Brie: Kapitalismus am Ende? Wolfgang Streecks Analyse als eine Herausforderung für kritische Gesellschaftstheorie

24.01.2018: Anikó Félix: Trends in Contemporary Right-wing Politics in Hungary

07.12.2017: Andreas Speit: die Reichsbürgerbewegung als unterschätzte Gefahr.

16.11.2017: Wolf Schünemann (Hildesheim)/ Christopher Schmitz/ Stine Marg: Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken –

27.06.2017: Vortrag „Motivlagen europäischer Frauen im Dschihad“

13.06.2017: Vortrag: „Political Elites in Ukraine: from Habitus and Practices to Informal Rules and Pocket Parties“

21.02.2017: Podiumsdiskussion zu den Präsidentschaftswahlen in Frankreich

31.01.2017: Vortrag „Rechtskonservative Parteien in  Frankreich,  Deutschland und  Polen“

21.01.2017: Nacht des Wissens mit Vorträgen und Demokratie-Rallye

18.01.2017: Vortrag: Banners of Budapest – Demonstrations for and Against the Second Orbán Government (2010-2014)

27.11.2016: „Das gekränkte Gänseliesel. 250 Jahre Skandalgeschichten in Göttingen“ – Buchvorstellung mit Lesung

24.11.2016: The American Elections of 2016. Where are We in Political History?

16.11.16: Lesung mit den Autoren Daniel Sturm (Die Welt) und Christoph Hickmann (Süddeutsche Zeitung): „Sigmar Gabriel: Patron und Provokateur“

23.06.2016: Chris Cooper founded Convergence Targeted Communications in 2014 after five years as a Managing Director with SKDKnickerbocker and nine years with MSHC Partners (formerly Malchow Schlackman Hoppey & Cooper).

08.06.2016: Jackson Janes: „Challenges and Choices: The Presidential Election and Its Significance for German-American Relations“

1. Juni: Lilliane Mason: „The Great Divide: Elections in a Polarized America“ (Politikwissenschaftlerin, Uni Maryland): 18 Uhr Paulinerkirche

19. Mai 2016: David W. Farber: „American Conservatism: Fear and Anger in the Making of the Modern Republican Party.“ (Historiker, Uni Kansas), 18 Uhr Alte Mensa, Adam-von-Trott-Saal

11. Mai 2016: Ronald Brownstein: „Who Will Win the Race to the White House? The U.S. Presidential Elections“ mit  Grußwort von Nancy Corbett (US-Generalkonsulin) (Journalist, The Atlantic), 18 Uhr Paulinerkirche

09. Mai 2016: Yuliya Bidenko: „Ukraine: between Democracy and Gray Zone. Political System, Civil Society and Reform Perspectives“, 19 Uhr, ZHG 002

02.03.2016: Vortrag „Deutsche und Französische Visionen zu Europa“ von Dr. Claire Demesmay von der DGaP

01.02.2016: Lesung aus dem Buch „Das gekränkte Gänseliesel. 250 Jahre Skandalgeschichten in Göttingen“

26.11.2015: Buchvorstellung: „Das gekränkte Gänseliesel. 250 Jahre Skandalgeschichten in Göttingen“

Eindrücke gibt es hier.

17.9.2014: Buchvorstellung: „Weißkittel und Braunhemd. Der Göttinger Mediziner Rudolf Stich im Kaleidoskop“

8.5.2014: Buchvorstellung:1964 – das Jahr, mit dem »68« begann

Eindrücke gibt es hier.

26.11.2013: Vortrag mit Diskussion von Stephan Klecha „Deutschland hat gewählt – Wahlanalyse“

Eindrücke gibt es hier.

22.10.2013: Vortrag „Was nun, Monsieur Hollande“von Daniela Kallinich

Einige Eindrücke gibt es hier.

08.04.2013, 19 Uhr: Buchpräsentation „Mythen, Ikonen, Märtyrer. Sozialdemokratische Geschichten“

Einige Eindrücke gibt es hier.

Vortragsreihe „Rechtsextremismus und Nazi-Terror“

  • 16.01.2013: Dr. Heike Radvan (Amadeu Antonio Stiftung): Mädchen und Frauen im Rechtsextremismus
  • 30.01.2013: Patrick Gensing (tagesschau.de): Terror von rechts. Die Nazi-Morde und das Versagen der Politik
  • 06.02.2013: Prof. Dr. Fabian Virchow (FH Düsseldorf): Rechtsextremismus verbieten?

23.01.2013: Buchvorstellung des Buches „Überwachtes Deutschland“ mit dem Autor Josef Foschepoth in Zusammenarbeit mit Vandenhoeck & Ruprecht.

Eindrücke gibt es hier.

28.11.2012 Vortrag von Niki Kowall: Staatsschulden: Übel oder Mythos

24.11.2012: Lange Nacht des Wissens mit der Ausstellung „Die Demokratiebilder von Kindern“ und dem Vortrag „Die „Villa Stich” im Spiegel der Geschichte“

Einige Fotos finden Sie hier.

13.11.2012: Dr. Daniela Forkmann referiert über „Das Netzwerk junger Abgeordneter Berlin“

Hier einige Eindrücke.

18.07.2012 Vortrag von Alex Hensel und Dr. Stephan Klecha über die Piratenpartei. Diskussion mit Dr. M. K. Ramaswamy von der Piratenpartei in Göttingen.

Hier einige Eindrücke von der Veranstaltung.

07.05.2012 Lesung mit Olaf Sundermeyer: Tor zum Osten

Hier einige Eindrücke.

12.04.2012 Lesung von Robert Lorenz: Protest der Physiker

Eindrücke von der Veranstaltung finden Sie hier.

14.03.2012 Frankreich vor den Präsidentschaftswahlen – Vortrag und Diskussion mit Cécile Calla, Gilbert Casasus und Daniela Kallinich.

Einige Eindrücke von der Veranstaltung finden Sie hier.

19.01.2012 Podiumsdiskussion: Der vergessene Terrorismus? Rechte Morde, die Bedeutung der NPD und die Rolle des Verfassungsschutzes.

Eindrücke und einen Bericht zur Veranstaltung finden Sie hier.

03.11.2011 Lesung und Diskussion mit Ronny Blaschke

Ronny Blaschke ist Autor des Buches „Angriff von Rechtsaußen. Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“.

Ronny Blaschke ist Autor des Buches „Angriff von Rechtsaußen. Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“. Infos zum Buch vom Verlag die Werstatt.

21.05.2011 Tag der offenen Tür

Am 21. Mai fand der erste Tag der offenen Tür des Göttinger Instituts für Demokratieforschung statt. An diesem Tag wurde die Siegerehrung des Malwettbwerbs für Kinder „Dein Bild von der Politik“ durchgeführt. Als Kinderprogramm wurde eine „Demokratie-Rallye“ angeboten. Interessierte Bürgerinnen und Bürger konnten sich in entspannter Atmosphäre über unsere Forschung informieren. Einige Eindrücke finden Sie hier.

06.05.2011 Vortrag von Dr. Saskia Richter: „Die Aktivistin. Das Leben der Petra Kelly – Biographieforschung in Wissenschaft und Praxis“

Dr. Saskia Richter berichtet aus ihrer Forschung über Petra Kelly als Parteigründerin der Grünen. Mehrere Jahre hat sie sich mit der grünen Aktivistin auseinandergesetzt und an diesem Beispiel die Herausforderungen und Möglichkeiten von Biografien in der Politikwissenschaft erfahren. In einem Vortrag mit anschließender Diskussion stellt sie die daraus entstandene Biografie über Petra Kelly vor und lässt andere an ihrem Forschungsalltag teilhaben.

Die Veranstaltung richtet sich einerseits an (Nachwuchs-)Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Promovierende und Studierende, die selbst Biographieforschung betreiben, aber auch an die interessierte Öffentlichkeit.

04.05.2011 Vortrag: „Aufstand des Bürgertums“

Vortrag und Diskussion im Rahmen des MentorInnenprogramms der Politikwissenschaften: „Aufstand des Bürgertums? Die Proteste gegen Stuttgart 21 und der Erfolg der Grünen in Baden-Würtemberg“.

19.11.2010 Göttinger Treffen der politischen Bildung

Das Göttinger Institut für Demokratieforschung und die Zentralstelle für politische Weiterbildung luden gemeinsam zum Göttinger Treffen der politischen Bildung ein.

Weitere Informationen gibt es hier zum Download (PDF-Datei).

Einen Bericht und diverse Eindrücke von der Veranstaltung finden Sie hier.