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Kinderdemokratie in Hannover

Überblick

Grundschule FuhsestraßeEs gibt ein neues Kinderdemokratieprojekt an unserem Institut: An zwei Grundschulen in Hannover werden im Vormittags- und im Ganztagsbereich AGs zum Thema Kinderdemokratie angeboten. Wo und wann dürfen und sollten Kinder mitbestimmen? Wie kann man seine eigene Meinung so vorbringen, dass man auch gehört wird, aber dabei niemanden anderen verletzt? Und das in der Schule! Gemeinsam mit den Kindern versuchen wir herauszufinden, wie diese selbst im Schulalltag mitwirken können. Ziel der Arbeitsgruppen ist es, auf eine demokratische Schulkultur hinzuarbeiten und zusammen auszuprobieren, was das für Kinder bedeutet und wie sie Teil davon werden. Denn Demokratie heißt Mitbestimmung und Teilhabe.

In den ersten Wochen wurden z.B. in kleinen Gruppen Spielregeln für ein Würfelspiel festgelegt, es gab für bestimmte Felder nicht nur Regeln wie „Eins vor“ oder „Einmal aussetzen“, sondern auch „10 Hampelmänner machen“, „einen Witz erzählen“ oder „vortanzen“. Dabei haben die Schülerinnen und Schüler gemerkt, dass es manchmal ganz schön schwierig ist, sich auf etwas zu einigen. Nach getaner Arbeit hatten alle Spaß daran, ihr Spiel auszuprobieren.

Aktuelle Projekte

Januar 2016 – Winterlicher Besuch im Neuen Rathaus

„Genau das, was ihr gemacht habt, machen wir hier im Rathaus auch, ihr habt euch für die Gemeinschaft eingesetzt.“ Das waren die Worte von Lars Kelich, als die Kinder ihm vorstellten, woran sie gerade arbeiten: Neuen Verhaltensregeln für die Schultoiletten. Kelich ist Ratsherr der Stadt Hannover und begrüßte die SchülerInnen der Grundschule Beuthener Straße im Mosaiksaal des Neuen Rathauses. Er erklärt, wie man Ratsherr wird: durch Wahlen. Und sofort begannen die Kinder zu rechnen, wie lange es noch dauern werde, bis auch sie wählen dürfen, bis sie also 16 Jahre alt sind. Ein weiteres Thema, das die Kinder sehr beschäfigte, war die Frage danach, was ein Ratsherr eigentlich macht. Kelich erklärte daraufhin, dass er bei allen Fragen, die die Stadt betreffen um Rat gefragt werde und daran anschließend auch versuche zu helfen. Diese Chance wollten die Kidner sich nicht entgehen lasse, so dass direkt ein Anliegen an den Ratsherrn formuliert wurde: Es gäbe da eine Straße, die repariert werden solle.

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Ein weiteres Thema, das die SchülerInnen beschäftigte, war die Frage, ob die Ratsherren im Schichtdienst arbeiten würden, damit immer jemand im Rathaus is,. Kelich erklärte, dass es im Rathaus neben „den Politikern“ auch die Verwaltung sowie einen Pförtner gebe, der immer vor Ort sei und aufpasse.

Dieser gab den Kindern später dann auch über die Anzahl der Zimmer im Rathaus Auskunft und ermöglichte ihnen eine Besichtigung. Dabei erkundeten die Kinder Treppen und Stockwerke und entdeckten dabei auch die Wappen von Partnerstädten in der ganzen Welt.

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Stimmen der Kinder zum Rathausbesuch:

„Wir haben einen Ausflug ins neue Rathaus gemacht. Im Mosaiksaal haben wir die Fragen gestellt. Anschließend haben wir einen kleinen Vortrag gehalten. Wir haben die Modelle von Hannover miteinander verglichen. Eins davon war zerstört.“

„Das Rathaus hat 378 Zimmer. Als wir auf der Treppe gefrühstückt haben, wurde ein Mann vom Rathaus interviewt. Wir haben ein Foto vor einer braunen Holztür gemacht. Lars Kelich war auch mit drauf.“

„Das Rathaus hat 64 Ratsherren und -frauen.“

Dezember: Streiten – Fuhsestraße

Streiten und sich entschuldigen

Streiten ist ein schwieriges Thema, denn während man drüber redet, fängt man in der Gruppe wieder an zu streiten. Insbesondere in großen Gruppen passiert das schnell, da viele Meinungen vorhanden sind. In der Klasse 2c der Grundschule Fuhsestraße sind 24 verschiedene Meinungen vertreten. Was gehört zum guten Streiten? Nicht nur Zuhören, Ausreden lassen, sich entschuldigen, sondern auch Weglaufen darf manchmal dazu gehören, da ist sich die Klasse nach kurzer Diskussion einig. Denn manche Streits sind so überhitzt, dass man lieber erstmal aus dem Streit rausgeht und hinterher darüber redet. Aber wenn man dann drüber reden will, darf man nicht weglaufen! Das ist dann schlechtes Streiten.

Streit

Wir überlegen für verschiedene Situationen wie man einen Streit „besser“ streiten kann oder wie man nach einem Streit darüber redet. Zu sehen ist hier ein Bild von einem Jungen, der einen Streit um einen Ball im Schwimmbad darstellt. Die Lösung ist, dass man sich entschuldigt und die Entschuldigung auch angenommen wird. Die Kinder gehen danach zusammen schwimmen. Dass man eine Entschuldigung annehmen sollte zeigt auch das Bild eines Mädchens. In ihrem Streit wird sich beschimpft und man sieht an den Haaren der beiden Figuren, dass es wild hergeht. Die Entschuldigung nach dem Streit und die Annahmen derselben sind hier auch die Lösung des Streits.

Streiten ist gut und wichtig – wenn man richtig und fair streitet. Denn beim Streiten kommen verschiedene Meinungen zusammen und das ist okay so.

November 2015: Graffiti sprühen

K800_AG Beuthener Ganztag 071215 (2) „Das ist nicht schön!“ „Das darf man nicht!“ Da sind sich alle Kinder einig, als wir uns Fotos angucken von Graffitis, das an Haustüren und Bäume gesprüht wurde. Trotzdem ist Graffiti ganz schön cool und mit einer Sprühdose sprühen wollen alle gerne. Schnell ist ein Ort an der Schule gefunden, an dem wir ganz legal etwas aufhängen dürfen, auch die unterschiedlichen Graffitischriften sehen toll aus. Viel schwieriger ist es aber sich zu überlegen, was auf das große Plakat drauf kommt. Was will ich, was möchten die anderen? Was passt zusammen? Wie viel Platz ist auf dem Plakat? Es dauert mehrere Stunden bis die Gruppe sich darauf geeinigt hat, was sie sprühen möchte. Aber auch dann stehen wir noch vor Problemen: Wer darf was sprühen und wer darf zuerst – denn alle möchten gerne! Es gibt Kinder, die freiwillig zurück treten und erst später sprühen oder nochmal vorzeichnen. Auch auf die Farbe wird sich geeinigt.

Das Sprühen maK800_AG Beuthener Ganztag 071215 (3)cht allen Spaß und sie kriegen nicht genug. Obwohl die Entscheidung in der Gruppe ganz schön lange gedauert hat und teilweise schwierig war, schaffen wir es, dass wir am Ende EIN Ergebnis haben das ALLEN gefällt. Gruppenarbeit kann Spaß machen und es lohnt sich vorher darüber zu reden, was man möchte!

November 2015: Kinderdemokratie AG stürmt Neues Rathaus

K800_IMG_9233 Obwohl sich gut benommen wurde, kam es einem Sturm gleich, als die 10 Kinder der Kinderdemokratie AG der Grundschule Fuhsestraße durchs Neuen Rathausliefen. Begrüßt wurde die Gruppe dort von Lars Kelich, einem Ratsherren der SPD. Er führte die Gruppe in den Hodlersaal, wo sie sich auf die großen Stühlen setzen durfte. Dort erfuhren wir, dass im Hodlersaal die Ausschüsse tagen, d.h. sich AGs von den Ratsherren und -frauen treffen, die zu einem Thema etwas besprechen, z.B. zum Thema Umwelt oder Schule. Dort angekommen durfte die Gruppe Fragen stellen: das Büro des Bürgermeisters liegt links neben dem Balkon, aber leider konnten wir ihn nicht treffen. Warum es ein Neues und ein Altes Rathaus gibt, wollten die Kinder wissen. Das neue Rathaus wurde 1913 gebaut, vor 102 Jahren, weil das alte nicht repräsentativ genug war, also nicht schön genug. Im Rathaus sitzt im ganzen Gebäude die Stadtverwaltung, wobei die Stadt circa 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, die nicht alle ihr Büro dort haben. Das Rathaus wurde von 1901 bis 1913 gebaut. Was macht ein Ratsherr? Er sitzt in Ausschüssen und nimmt die Fragen von einzelnen Leuten auf, wenn sie Hilfe brauchen oder suchen, er gibt das dann an die Stadt weiter. Wir wissen also, dass wir nun wenn wir in der Schule ein großes Problem haben, z.B. zu Lars Kelich gehen können. Aber er arbeitet ehrenamtlich und hat noch einen anderen Job, außerdem ist er 31 Jahre alt und der jüngste von der SPD, die anderen sind alle so 40-60 Jahre alt. Seit 2011 ist er dabei. Nächstes Jahr sind wieder Wahlen. Ob er auch darüber entscheidet welche Arbeit Menschen bekommen möchte Kevin wissen. „Nein dafür bin ich nicht zuständig.“ Was er genau macht ist z.B. entscheiden, wie das Städtische Museum von innen aussehen soll. Samantha fragt, wie viele Flüchtlinge in Hannover sind 3.880 Flüchtlinge und ca. 534.000 Einwohnerinnen und Einwohner hat die Stadt. Das sind 0,72% der Bevölkerung. In Deutschland leben ca. 82.000.000 Menschen.

Das tolleK800_IMG_9243 - Kopie (2) am Hodlersaal war, dass wir auf den Plätzen der Ratsherren saßen UND mit Mikro reden durften. Wir danken Lars Kelich dafür, dass er uns seinen Arbeitsort gezeigt hat – ein Ort der Demokratie. Aber warum der Hodlersaal Hodlersaal heißt, mussten wir selber rausfinden. Auch Erwachsene wissen nicht alles.

Stimmen der Kinder zum Rathausbesuch

Kevin: „Bei unserm Rathausbesuch haben wir das kaputte Hannover gesehen, mittlere Hannover gesehen und das neue Hannover gesehen.“

Emilie: „Wir waren im Neuen Rathaus. Wir haben Lars Kelich getroffen. Er ist ein Ratsherr. Wir haben ihm Fragen gestellt z.B.: Was machen Ratsherren und -frauen? Die Antwort heißt: die gehen auf Eröffnungen von Schulen.“

November 2015: AG Wünsche – Grundschule Beuthener Straße

AG Wünsche der GrundschülerInnen

Endlich mal mitreden! Nicht nur eine AG selber wählen dürfen – also ein Kreuz auf den Zettel machen – sondern schon bei dem Erstellen des Zettels mitmachen. Die Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klassen der Grundschule Beuthener Straße haben einmal die Woche eine AG. Dabei kam das Gefühl auf, dass die angebotenen AGs nicht ganz zu dem passen, was sich die Kinder wünschen. Die 12 Jungen und Mädchen der AG im Vormittag haben deshalb eine AG-Wunsch-Liste gemacht. Sie haben erst alleine überlegt, was sie sich wünschen und danach zu viert eine Auswahl getroffen. Daraus haben wir eine Auswahl der Auswahl gemacht. Die Wünsche, die übrig blieben, wurden noch einmal geordnet und überlegt, ob die Wünsche überhaupt umgesetzt werden können – also ob man das bezahlen und machen kann an der Schule.

Die Kindern haben die Liste an die stellvertretende Schulleiterin gegeben, die damit in eine Dienstbesprechung gegangen ist und danach davon erzählt hat: so ist die Koch-AG sehr schwierig, da zur AG Zeit das Mittagessen vorbereitete wird in der Schulküche. Es könnte nur kaltes Essen wie Obstsalat gemacht werden. Wir sind gespannt welche Wünsche nächstes Schulhalbjahr auf dem AG-Zettel stehen und werden überprüfen, ob ein paar der Wünsche ernst genommen wurden.