Gesellschaftsanalyse

Seit der ersten Hälfte der achtziger Jahre häufen sich Darstellungen, die eine Abnahme der Parteibindungen, das Schrumpfen der Stammwählerschaften und eine erhöhte Wechselbereitschaft bei Wahlen konstatieren – dies alles wäre von fundamentaler Bedeutung für die politische Landschaft und die Parteien, schließlich ist es in Deutschland ganz wesentlich der Integrationskraft der Parteien zu verdanken, dass die Nachkriegsdemokratie als Erfolgsmodell gilt, stabile Regierungsbildungen die Regel waren und das zerklüftete Parteiensystem der Weimarer Republik der Vergangenheit angehörte. Die Bindekraft der sozialmoralischen Milieus würde nun, so wird immer wieder unterstrichen, unwiederbringlich schwinden, Stammwählerschaften ins Hintertreffen geraten, Medientauglichkeit wäre die vielleicht entscheidende Politikressource und Traditionsverhaftung geriete zu einem Anachronismus. Ob dies über eine Trendbeschreibung hinaus tatsächlich zutrifft, ob die gesellschaftliche Entwicklung in all ihren Facetten nicht doch vielschichtiger ist, ob es nicht auch alternative, anders stabilisierende und strukturierende Entwicklungen innerhalb der deutschen und europäischen Gesellschaften gibt, ist unter dem Topos der Gesellschaftsanalyse der Haupt-Betrachtungsgegenstand.