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Zeitgeisteffekt oder grüner Wertewandel?

Vollständiger Titel

„Zeitgeisteffekt oder grüner Wertewandel?“ Die neuen grünen Wähler_innen.

Laufzeit

2010 bis 2012 (abgeschlossen)

Beschreibung

Die Bundesrepublik erlebt derzeit auf der politischen Ebene epochale Veränderungen. Zu profitieren scheint hiervon vor allem eine Partei: Bündnis90/Die Grünen. Der erste grüne Ministerpräsident, grüne Direktmandate – und das ausgerechnet in der letzten sicheren Bastion der CDU, zugleich Kernland der Liberalen – all das scheint erklärungsbedürftig. Die Entwicklungen in Japan mögen hier eine zentrale Rolle spielen. Indes, selten zuvor gab es in der Bundesrepublik eine so deutliche, langanhaltende und derart auf die Grünen fokussierte „Wechselstimmung“ wie seit dem Sommer 2010, als die Wiederbelebung der Atomfrage mit ökonomischen Krisenlagen wie der Finanz- und Eurokrise und ökologischen Krisenlagen wie der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko einherging. Deshalb stellt sich umso mehr die Frage, inwieweit sich die genannten eher kurzfristigen Entwicklungen, hierzu gehört auch die Unzufriedenheit mit der schwarz-gelben Regierung, mit langfristigen Tendenzen verschränken.

Wie wirkt sich etwa der durch die Konsumforschung belegte „Megatrend“ hin zu mehr Nachhaltigkeit aus? Welchen Einfluss hat der Verlust alter Orientierungsmuster? Sozialismus und Neoliberalismus sind als verbindliche Ideen ebenso angeschlagen wie die christliche Heilserwartung in einer zunehmend stärker säkularisierten Welt. Kann das grüne Telos einer ökologischen Erneuerung der postindustriellen Gesellschaften heutige Bedürfnisse nach Orientierung und Sinnstiftung abdecken? Außerdem: Welche Motive treiben die neuen Anhänger der Grünen tatsächlich an? Suchen sie eine neue parteipolitische Heimat oder nur ein Ventil für ihre Unzufriedenheit? Und aus welchen Milieus stammen sie? Die hohen elektoralen Potentiale der Grünen etwa im postmateriellen Milieu sind bekannt. Doch inwieweit und aus welchen Gründen reüssiert die einstige, eher kleine und homogene Milieupartei inzwischen auch in anderen, benachbarten Milieus?

Bisher gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, wer die neuen Wähler sein könnten. Auch völlig ungeklärt scheint, inwieweit neue, erheblich verbreiterte Wählerschaften mit den Ansprüchen, Gewohnheiten und Riten traditioneller Stammwählerschaften kollidieren können. Entstehen hier neue stabile Allianzen zwischen Neuwählern und Parteien – oder sind vielmehr Missverständnisse und Konflikte zu erwarten? Anhand der qualitativen Exploration von Motivationen und Vorstellungswelten potentieller grüner Neuwähler will das Göttinger Institut für Demokratieforschung, in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung, Antworten auf die aufgeworfenen Fragen liefern.

Mitarbeiter im Projekt