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Wer sind die „ViertelgestalterInnen“ in den Problembezirken?

Vollständiger Titel

Wer sind die „ViertelgestalterInnen“ in den Problembezirken? Förderungsmöglichkeiten bürgergesellschaftlicher Strukturen in sozial benachteiligten Stadtquartieren durch sekundäre Schlüsselfiguren

Laufzeit

2012 bis 2013, gefördert durch das Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration des Landes Niedersachsen

Beschreibung

Um an der Bürgergesellschaft teilzuhaben, bedarf es bestimmter Fähigkeiten. Dazu gehören in erster Linie soziale Kontakte zu anderen Menschen. Aber auch intrinsische Einstellungen sind entscheidend, kurz gesagt: man  muss sich den Schritt zu Aktivität und Engagement selbst zutrauen. Gerade Bürgerinnen und Bürgern mit sozialer Benachteiligung, die in erster Linie aus einem niedrigen Bildungsgrad und einem geringen Einkommen resultiert, fällt dies häufig überaus schwer. Sie verfügen selten über den notwendigen Glauben an sich selbst und verharren daher verstärkt innerhalb eines engen Umgebungsradius, beschränken sich auf ihnen bekannte und damit vergleichsweise „sichere“ Räume: Eine oftmals unüberwindbare Hürde auf dem Weg in die Bürgergesellschaft.

Die entscheidende Ausnahme – und damit den zentralen Anknüpfungspunkt für bürgerschaftliche Aktivitäten – bilden die so genannten ViertelgestalterInnen, die in einer explorierenden Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung identifiziert wurden: Dies sind Bürgerinnen und Bürger, die sich selbst das „Anpacken“, eine gemeinschaftliche Aktivität nicht nur zutrauen, sondern die Initiative auch für andere übernehmen. Es kann sich bei ihnen beispielsweise um die  lokale Kioskverkäuferin oder den Fahrradhändler halten: Als Ankerpunkte der Bürgergesellschaft eint sie ihr besonders positiver Bezug zu „ihrem“ Viertel,  ihr bemerkenswert hoher Bekanntheitsgrad innerhalb der dortigen lokalen sozialen Netzwerke und ihre Rolle als zentrale Bezugspersonen. Doch in den formellen Gremien, Ämtern oder politischen Funktionen finden sie sich vielfach nicht. Bestrebungen, die rudimentär vorhandenen bürgergesellschaftlichen Strukturen in sozial benachteiligten Stadtvierteln auszubauen, müssen vielmehr bei diesen informellen Schlüsselfiguren ansetzen.

Das Forschungsvorhaben hat es sich daher zum Ziel gesetzt, das Verständnis für Handlungs- und Denkweisen, für Perspektiven und Motivationslagen von ViertelgestalterInnen entscheidend auszuweiten, um mit diesem Pionierprojekt möglichst bundesweit übertragbare und auf die engagementpolitische Praxis anwendbare Modelle für die konkrete Förderung bürgerschaftlicher Aktivitäten zu entwickeln.

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts

  • Christoph Hoeft
  • Johanna Klatt
  • Annike Klimmeck
  • Julia Kopp
  • Sören Messinger
  • Jonas Rugenstein