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NoPEGIDA – die gute Seite der Zivilgesellschaft?

Vollständiger Titel

NoPEGIDA – Die gute Seite der Zivilgesellschaft?

Laufzeit

2015

Förderer

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Projektbeschreibung

Sie sind zahlreicher, national präsenter, vielfältiger. Die NoPEGIDA-Proteste und Veranstaltungen organisierten sich in vielen Städten Deutschlands als Reaktion auf die „Spaziergänge“ der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Das im Oktober 2014 gegründete Aktionsbündnis PEGIDA spricht sich gegen Salafismus beziehungsweise die Ausbreitung der islamischen Religion innerhalb der bundesrepublikanischen Gesellschaft und für eine konsequentere Asylgesetzgebung aus.

Gegen diese Forderungen und die seit dem Winter 2014/15 deutschlandweit entstandenen PEGIDA-Ableger und -Nachahmer mobilisierten zahlreiche No-, Anti- oder Gegen-PEGIDA Gruppen. Organisiert wurden die Veranstaltungen zum Teil von Privatpersonen, aber auch Gewerkschaften, Parteien, Kirchen, Vereine und Verbände beteiligten sich daran. Somit wurden sie teilweise als gesamtgesellschaftliches Bündnis gegen PEGIDA interpretiert. Die Teilnehmer von NoPEGIDA protestieren gegen rechts, gegen Islamkritiker, gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen Hass, gegen Ausgrenzung und für Weltoffenheit, Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Solidarität, für eine deutsche Willkommenskultur. NoPEGIDA gilt damit gemeinhin als Repräsentant einer „guten Zivilgesellschaft“, die eher linksliberal statt extrem rechts, demokratisch statt antidemokratisch, pluralistisch statt egalitär ist. Mit den zahlreichen Aktionen von NoPEGIDA gelang es, PEGIDA öffentlich zu delegitimieren. Auch aus dieser Erfahrung heraus verspricht man sich von NoPEGIDA eine positive Wirkung auf den demokratischen Gehalt der bundesrepublikanischen Zivilgesellschaft.

Doch entspricht diese dominante Deutung auch den politischen Wahrnehmungsmustern der NoPEGIDA-Aktivisten? Was genau motiviert die einzelnen Demonstrationsteilnehmer gegen die „Patriotischen Europäer“ auf die Straße zu gehen? Was versteht der jeweilige Demonstrant unter Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Weltoffenheit? Welche politischen Deutungsmuster, Orientierungen und Werthierarchien prägen die NoPEGIDA-Demonstranten? Wie bewerten sie Politik und Medien, stehen sie – auch angesichts gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen den jeweiligen Demonstrationszügen – tatsächlich für das demokratische Gegenstück zu PEGIDA?

Über die NoPEGIDA-Demonstranten wissen wir, abgesehen von einer stichprobenartigen quantitativen Umfrage, bisher wenig. Diesem Desiderat soll mit Hilfe von Gruppeninterviews mit Demonstrationsteilnehmern und Einzelinterviews mit Organisatoren, auch analytisch teilnehmender Beobachtung von NoPEGIDA-Veranstaltungen begegnet werden.

Gefördert vom

BMFSFJ_Ministerium

 

 

 

 

im Rahmen des Bundesprogramms

demokratie leben