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Bundesfachstelle Linke Militanz

Was ist die Bundesfachstelle?

Die Bundesfachstelle Linke Militanz ist zum 1. Juli 2017 am Institut für Demokratieforschung der Georg-August-Universität Göttingen eingerichtet worden. Sie wird im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit« vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Bis Ende 2019 sollen zum einen Erkenntnisse zur Rekrutierung und Zusammensetzung, zu inneren Kommunikationsweisen, Assoziationsprinzipien und Entscheidungsprozessen im Bereich linker Militanz wissenschaftlich gewonnen und in Wechselwirkung mit diesen Forschungsresultaten zum anderen pädagogische Ansätze zur Prävention der demokratiefeindlichen Aspekte linksradikaler Denk- und Verhaltensweisen entwickelt werden.

Wie lauten die Fragestellungen?

Während die Literatur über den Rechtsextremismus ganze Bücherregale füllt, steht eine wissenschaftlich fundierte »Ethnologie« aktueller Phänomene linker Militanz noch aus. Wer schließt sich solchen Gruppen an, lassen sich biographische Regelmäßigkeiten identifizieren, quantitative Überzufälligkeiten in Familienhintergrund, sozialem Status, Bildungsniveau und Generationslagerung? In welchem Umfeld, aufgrund welcher Faktoren vollziehen sich Radikalisierungsprozesse? Zeigen sich charakteristische Muster des Zusammenschlusses, spezifische Organisationsstrukturen, Willensbildungs- und Entscheidungsverfahren, Vernetzungsweisen? Inwiefern werden Geschlechterrollen und -stereotype diskutiert oder auch reproduziert? Gibt es typische Kristallisationspunkte, an denen sich links-militanter Protest entzündet? Welche Ziele verfolgen die Aktivisten und einschlägigen Gruppen; welche positiven Utopien und Gesellschaftsideale hegen sie jenseits bloß verneinender Anti-Haltungen?

Was ist der Forschungsansatz?

Forschungsmethodisch haben wir uns für den Ansatz lokaler Milieustudien entschieden, die wir in das Zentrum unseres Untersuchungsdesigns stellen. Im Rahmen definierter lokaler Strukturen lassen sich die Handlungsmotive und Radikalisierungsgründe, die Mentalitäten und Einstellungsmuster, infrastrukturelle Vernetzungen wie Aktionsformen wie unter einem Brennglas analysieren. Eine Schärfung des Blicks folgt aus einer historischen Längsschnittanalyse – vom antiautoritären Flügel der 68er über die RAF und die Spontis bis zu den autonomen und post-autonomen Gruppen der Gegenwart. Eine zusätzliche Erweiterung der Perspektive – und abermalige Präzisierung des Verständnisses linker Militanz – ergibt sich durch einen ergänzenden Fokus auf das europäische Ausland.

Kontakt:

kontakt@linke-militanz.de