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Dissertationsprojekt

Verfasser

Katharina Trittel

Arbeitstitel der Dissertation

Friedrich Hermann Rein. Ein Göttinger Wissenschaftler zwischen nationalsozialistischer Diktatur und früher bundesrepublikanischer Demokratie. Vernetzung, Elitenkontinuität und Standesethos als biographische Ressource.

Exposé

Das Dissertationsvorhaben versucht, unterschiedliche Faktoren, die für Wissenschaftlerlerbiografien während des Nationalsozialismus und in der Zeit danach Relevanz besitzen könnten, am Beispiel eines individuellen Lebensweges miteinander zu verbinden und ihre Wirkmächtigkeit auszuloten. Es soll eruiert werden, inwiefern der Physiologe Hermann Rein (1898-1953), der eine zentrale Position innerhalb der medizinischen Luftwaffenforshcungslandschaft zwischen 1933 und 1945 inne hatte, nach 1945 eine tragende Rolle bei der Umstrukturierung und dem Neuaufbau der Wissenschaft spielen konnte. Und: was bedeutet es für Reins Biografie und seie persönliche biographische Erzählung, dass er einerseits maßgeblich die Forschungen innerhalb der NS-Diktatur vorantrieb, aber nach dessen Ende von den Alliierten zum „Opfer“ dieses Regimes erklärt wurde? Aus welchen Ressourcen speiste sich sein wissenschaftliches Selbstverständnis, welches scheinbar mit zwei konträren politischen Systemen kompatibel war? 

Diese Fragen sollen vor allem anhand dreier Faktoren verfolgt werden, indem untersucht wird, welche Chancen Rein durch seine Vernetzung mit führenden Wissenschaftlern und Institutionen eröffnet wurden und seine Forschungen erst ermöglichten. Dass diese Verbindungen lange nach 1945 nicht nur weiter bestanden, sondern nach wie vor Karrieremöglichkeiten und Entschuldungsstrategien offerierten, ist in der Elitenkontinuitätsforschung untersucht worden, doch gibt es nur wenige ausführliche, quellenbasierte Fallbeispiele. An dieser Forschungslücke soll das Dissertationsvorhaben ansetzen, wenn es ebenso die Frage nach einem spezifischen Ethos des medizinischen Berufsstandes stellt und fragt, wie Rein persönlich, aber auch als Teil dieser Gruppe, dieses interpretierte und zur Rechtfertigung seiner Position und Überzeugung im NS instrumentalisierte.

Die Erklärungsstrukturen, die durch die Komponenten Vernetzung, Elitenkontinuität und spezifisches Standesethos gelegt werden, sollen innerhalb von Reins Lebensweg als biographische Ressourcen begriffen werden, die eine Verständnisfolie für die Kontinuitäten und Brüche in seinem Leben als Wissenschaftler bedeuten, aber auch berufsgruppenspezifische Muster und Mentalitäten offenlegen. 

Ausführliches Exposé als PDF