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Dissertationsprojekt

Verfasser

Christian Teevs

Arbeitstitel der Dissertation

Nachwuchspolitiker in Deutschland: Politische Karrieren und innerparteiliche Elitenrekrutierung

Exposé

Das Urteil ist ebenso häufig bemüht wie leicht nachzuvollziehen: Jungpolitiker, die mit Anfang, Mitte 20 in den Bundestag einziehen, wollen nur Karriere machen. Sie haben keine Werte, kein Projekt, schlicht kein inneres Gerüst, an dem sich ihr Handeln orientiert. Sie sind, so konstatieren journalistische Beobachter voller Verachtung, substanzlose Pragmatiker. Dabei fällt eines auf: Ernsthaft überprüft hat dieses Urteil noch niemand. Niemand hat bisher ernsthaft die Karrieren junger Politiker wie Philipp Mißfelder oder Daniel Bahr analysiert. Was hat dazu geführt, dass Menschen zu einem so frühen Zeitpunkt ihres Lebens in den Bundestag einziehen, zudem bereits Führungsfunktionen in Partei und Fraktion ausüben?

Indes: Bei allem – berechtigten oder unberechtigten – Lamento über fehlende Eigenschaften junger Politiker ist zu konstatieren, dass die deutschen Parteien insgesamt unter Nachwuchsproblemen leiden. Diese Diagnose haben Parteienforscher bereits Ende der 1980er Jahre gestellt. Und sie ist aktueller als je zuvor. Für Jugendliche und junge Erwachsene scheint ein Engagement in einer politischen Partei oder Jugendorganisation nicht besonders attraktiv zu sein. Das schlechte Ansehen der Politiker und das mangelnde Interesse an Politik lassen die Mitgliederzahlen der deutschen Jugendorganisationen seit Jahren sinken.

Paradox ist jedoch, dass trotz dieser Entwicklung die Zahl der Bundestagsabgeordneten unter 35 steigt. Seit der Wiedervereinigung hat nachweislich eine Verjüngung der Eliten stattgefunden – auch in der Politik. Die Diskrepanz von schwindendem parteipolitischen Engagement bei Jugendlichen und steigenden Chancen junger Menschen, früh politische Karriere zu machen, bildet einen entscheidenden Anreiz, sich diesem Thema zu nähern. Ist es durch die Angst der Parteien, als unmodern und vergreist zu gelten, für Einzelne leichter geworden Karriere zu machen? Wer ist das eigentlich, der da den politischen Aufstieg schafft? Sind es „politische Breitensportler“ ohne herausragende Fähigkeiten oder neigen die Beobachter, sie zu unterschätzen? Ziel dieser Dissertation ist es, die zukünftige politische Elite der Bundesrepublik einer ersten Betrachtung zu unterziehen.